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Heißt den Fischotter in Bayern willkommen!

Die Zeichen sind deutlich: Eigentlich will sich der Fischotter von Osten her kommend wieder in Bayern ausbreiten. Doch statt als Brücke zwischen den vereinzelten östlichen und westlichen Vorkommen in Europa zu fungieren, wirkt der Freistaat momentan als ein Art Eiserner Vorhang.

Zwei Fischotter – auch in Bayern bedroht

Der Fischotter (Lutra lutra) gehört zu den heimischen Marderarten. Er ist also ein echter Bayer. Trotzdem entkam er der staatlich verordneten Ausrottung im 19. Jahrhundert nur am äußersten Rand des Freistaates. Ganz im Osten, im Bayerischen Wald, überlebten vereinzelte Populationen. Auch im restlichen Europa erging es der Art nicht viel besser, sodass sie Ende der 1960er-Jahre fast ausgelöscht war. Flächenversiegelung, Begradigung von Gewässern und Trockenlegung von Feuchtgebieten machten ihr weiterhin das Überleben schwer. Heute klafft eine riesige Lücke zwischen dem verbliebenen westlichen Vorkommen (Zentralfrankreich, französische Westküste, westlicher und nördlicher Teil der Iberischen Halbinsel) und dem östlichen Vorkommen in Mitteleuropa. 

Experten setzen große Hoffnung auf Bayern, das hier eine wichtige Brückenfunktion einnehmen könnte. Doch während es in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg heute wieder stabile Populationen gibt und sich der Fischotter in Niedersachsen und Schleswig-Holstein rasch ausbreitet, kommen die wenigen bayerischen Fischotter in Richtung Westen kaum voran. Es bleibt bei dem relativ kleinen Vorkommen entlang der tschechischen Grenze. Und das, obwohl die Bestände im Nachbarland dank eines sehr guten Ottermanagements prächtig gedeihen und der Zuwanderungsdruck entsprechend groß ist.

Illegale Tötung des „Fischmarders“

Die Fischotterexpertin Katrin Heuer leitete von 2007 bis 2010 das Projekt „Otterbahnen nach Oberfranken“ Es wurde von der Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken in Mitwitz getragen und vom BUND Naturschutz (BN) unterstützt. Die Initiative verbesserte Trittsteinbiotope, um der bayerischen Otterpopulation den Sprung nach Westen und Norden zu erleichtern. Die Biologin sieht zwei wesentliche Ursachen für die Stagnation an der tschechischen Grenze: Einerseits fehlten dem Fischotter intakte, fischreiche Lebensräume in Bayern. In den teilweise stark versauerten und wenig naturnahen Gewässern des Bayerischen Waldes finde das Tier nur wenig Nahrung und zu wenig Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten. Als zweiten Grund tippt sie auf illegale Tötung von „Fischmardern“, wie die Tiere auch genannt werden. „Wie hoch die Zahl ist, kann keiner belegen“, sagt sie. Und auch, dass es tatsächlich passiert, sei meist schwer zu beweisen. Die Situation sei eben nicht immer so offensichtlich, wie bei dem Fall im Landkreis Cham, wo Anfang 2014 zwei tote Fischotter in einem beschwerten Leinensack gefunden wurden.

Fischottermanagement

Otterschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben. Eine langjährige Forderung des Bund Naturschutz mündete 2017 in der Einrichtung eines Fischottermanagements, das aus den drei Säulen Beratung, Förderung der Errichtung von Schutzzäunen und Entschädigungszahlungen besteht. Dazu wurden in den Regierungsbezirken Oberpfalz und Niederbayern drei Fischotterberater eingestellt. Die Kontaktdaten der drei Berater sind auf der unten verlinkten Internetseite zu finden.

Neben diesem direkten Managements der Fischotterpräsenz in den Teichgebieten, wäre die langfristige Verbesserung von natürlichen Gewässern der wichtigste Schritt, um ein Nebeneinander von Teichwirtschaft und Otter möglichst konfliktarm zu gestalten. Je mehr geeignete natürliche Lebensräume der Otter findet, desto weniger wird er sich an Fischteichen vergreifen. Für die Behauptung, dass die Tiere den Fischbestand auch in natürlichen oder naturnahen Fliessgewässern reduzieren könnten, gibt es bisher keine Belege. Weil der Fischotter Einzelgänger ist und die relativ großen Reviere mit maximal zwei erwachsenen Tieren besetzt sind, hält Katrin Heuer dort einen negativen Einfluss auf die Fischbestände für ausgeschlossen. Vielmehr wirke der Otter als „Gesundheitspolizei“, weil er meist alte oder schwache Fische erbeute. Anders kann das an stark verbauten Gewässern ausschauen, wo der Otter lokal die ohnehin durch die Verbauung negativ stark beeinflussten Fischpopulationen zusätzlich dezimieren kann.