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Alpenplan: der wichtigste Schutz für die Alpen

Für viele sind die Berge der Alpen der Inbegriff kraftvoller, reiner Natur. Das wichtigste Instrument zum Schutz der Alpen ist der sogenannte Alpenplan. Er regelt, wo und in welchem Maße die Berge erschlossen werden dürfen und wo nicht.

Ziel des Alpenplans ist es, verbindlich für eine ausgewogene Entwicklung der bayerischen Alpen zu sorgen. Er definiert einerseits Räume für Tourismus, Gewerbe und Wohnen und bündelt dort die dafür notwendigen Infrastrukturen. Andererseits bewahrt er unberührte Landschaften für naturnahe Erholung. Dafür teilt der Alpenplan die bayerischen Alpen in drei Zonen ein.


Zone A: Erschließungszone (35 % des bayerischen Alpenraumes)

Hier gelten zum Beispiel Seilbahnen oder Straßen prinzipiell als unbedenklich, sofern keine spezifischen fachlichen Gründe dagegen sprechen.

Zone B: Übergangszone (22 % des bayerischen Alpenraumes)

Hier sind Erschließungen nur unter strengeren Auflagen und erst nach einzelner Überprüfung der Verträglichkeit möglich.

Zone C: Ruhezone (43 % des bayerischen Alpenraumes)

Die Erschließung mit Seilbahnen, Skipisten, Sommerrodelbahnen und öffentlichen Straßen ist verboten.


So soll der Alpenplan alle Interessen berücksichtigen und dafür sorgen, dass es auch in Zukunft noch Berge gibt, an denen wir die natürliche Schönheit der Alpenweitestgehend unberührt genießen können.

Wichtig ist dabei, dass der Alpenplan keine lokalwirtschaftlich motivierten Einzelfallentscheidungen zulässt. Das Vorgehen am Riedberger Horn steht im krassen Widerspruch zu diesem Grundsatz des Alpenplans.

Warum wir den Alpenplan brauchen

In den 1960er-Jahren entstanden mit dem wirtschaftlichen Aufschwung überall in den Bergen Straßen, Hotels, Lifte und neue Wintersportgebiete. Weitsichtige Politiker erkannten, dass ein Ausverkauf der bayerischen Berge droht. Um dies zu vermeiden, entwickelten sie den Alpenplan. Er schützt attraktive Gipfel vor der Verbauung und erhält sie damit bewusst für eine naturnahe Erholung. 

Gleichzeitig haben die ausgewiesenen Ruhezonen (Zone C) auch große Bedeutung für den Naturschutz. Bis dato wurde der Alpenplan immer respektiert und kein einziger Ausbauplan in Zone C genehmigt. Das Vorgehen am Riedberger Horn würde einen verhängnisvollen Präzedenzfall schaffen.

Die Berge brauchen den Schutz des Alpenplans!

Für einen naturorientierten Tourismus

Der Alpenplan hält Räume für ein naturnahes Bergerlebnis frei.

Für eine ausgewogene Tourismusstrategie

Der Alpenplan sichert Räume für Sommer- und Wintertourismus,  für infrastrukturgebundenen Tourismus und naturnahe Erholungsformen. So entstehen keine touristischen Monostrukturen, wie in einigen Wintersportorten Österreichs, die kaum mehr Sommertourismus haben. Zudem beschränkt er die Aufrüstungsspirale und damit einen ruinösen Wettbewerb der Gemeinden untereinander.

Für eine natürliche Vorsorge gegen Naturgefahren

Die Ruhezonen schützen intakte Bergwälder und -hänge, zur Prävention gegen Gefahren wie Hangerosion, Lawinen und Hochwasser, was in Zeiten des Klimawandels immer relevanter wird.

Für besseren Naturschutz

Die Ruhezonen sichern lebenswichtige Ruheräume für seltene Tier- und  Pflanzenarten.

Der Alpenplan ist notwendiger denn je

Der Alpenplan ist gerade heute ganz besonders wichtig: Wegen des Klimawandels gibt es wieder zunehmend Versuche, bisher unberührte Gipfel in höheren Lagen für den Alpinskisport zu erschließen. Bisher hat sich der Alpenplan als wirksames Mittel erwiesen, auch attraktive Gipfel davor zu bewahren.

In den über 40 Jahren, in denen der Alpenplan besteht, hat er sich als sehr wirkungsvolles rechtliches Mittel etabliert. So hat er viele Gipfel, die wir heute als Skitouren- und Wanderberge schätzen, vor der Erschließung bewahrt. Dies ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass in all dieser Zeit nie am Status des Alpenplans gerüttelt wurde. Doch im Zuge der aktuellen Diskussion um das Riedberger Horn stellt eine Einzelfallentscheidung den gesamten Alpenplan in Frage.

Schnell ist zerstört, was lange gewachsen ist

Hätte man vor 50 Jahren in Berchtesgaden durch eine Bürgerbefragung entscheiden lassen, ob eine Seilbahn auf den Watzmann gebaut werden soll, so hätten wir heute mit großer Wahrscheinlichkeit anstelle eines einzigartigen National-parks einen „Erlebnispark Watzmann“. 

Sollte in einem Fall erfolgreich am Alpenplan gerüttelt werden, ist es wahrscheinlich, dass auch an den anderen Bergen der Ruhezone C „Ausnahmen“ folgen. Deshalb fordern wir: Hände weg vom Alpenplan!

Der Alpenplan im Überblick

Die Karte zeigt die Zonen des Alpenplans in den bayerischen Alpen und einige besonders prominente Beispiele für Berge, die unter dem Schutz des Alpenplans stehen.

Quelle: Bayerische Vermessungsverwaltung

Gerettete Berge in der Ruhezone C des Alpenplans

Riedberger Horn

Bei Skitourengehern und Wanderern hat das Riedberger Horn wegen seiner grandiosen Aussicht, seinem einzigartigen Biotopmosaik und der guten Erreichbarkeit schon lange den Ruf eines „Lieblingsgipfels“ inne: Der große Skipionier C.L. Luther hat ihn einst als den „schönsten Skiberg Deutschlands“ bezeichnet. Objekt zweifelhafter Berühmtheit: Seit Jahren gibt es Bemühungen, das Riedberger Horn von zwei Seiten mit Seilbahnen für den Sommer- und Winterbetrieb zu erschließen.

Geschützte Biotope würden zerstört, sechs Hektar Bergwald in zum Teil rutschungsgefährdetem Gelände würden gerodet und das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn wäre stark gefährdet. Der beliebte Wanderberg würde dem Massentouris- mus preisgegeben. Das Riedberger Horn wurde daher ganz bewusst und aus gutem Grund in der Alpenplan Ruhezone C aufgenommen, in der Lifterschließungen verboten sind.

Koblat

Immer wieder gab es Überlegungen, Lifte vom Nebelhorn über das Koblat in Richtung Giebel- haus am Ende des Hintersteiner Tals zu bauen. Das Koblat ist eine verkarstete Hochebene mit höchster ökologischer Wertigkeit. Hier fühlen sich unter anderem Scheehühner wohl. In den 80er Jahren wollte die Nebelhornbahn dann Nägel mit Köpfen machen und arbeitete detail- lierte Planungen aus. Doch die Ruhezone C des bayerischen Alpenplanes vereitelte die Pla- nungen. 1992 wurde das Gebiet dann Teil des Naturschutzgebiets Allgäuer Hochalpen.

Garmischer Alpspitze

Ihre pyramidenähnliche Silhouette ist wohl noch berühmter als die ihrer großen Schwester, der Zugspitze. Die Alpspitze ist weit über unsere Grenzen hinaus für ihre felsige Schönheit bekannt. Anders als bei der voll erschlossenen Zugspitze kommt man hier nur über einen der zahlreichen Steige bis zum Gipfel, was ein einzigartiges Bergerlebnis garantiert! Auch hier war vor Inkrafttreten des Alpenplanes eine Seilbahn bis auf ihren Gipfel im Gespräch. Nachdem dieser dann jedoch durch die Zone C geschützt war konnten Seilbahnen nur noch bis zur Hälfte, dem Osterfelderkopf, gebaut werden, wo die Zone B beginnt. Bis heute wurden die Überlegungen einer Seilbahnerschließung über den Osterfel- derkopf hinaus nicht vergessen.

Rotwand

Mit 1884 Metern ist die Rotwand der höchste Gipfel des bayerischen Mangfallgebirges und bietet eine herrliche Aussicht. Zahlreiche Gipfel der Münchner Hausberge wurden bis Anfang der 70er-Jahre durch Bergbahnen erschlossen. Rund um den Spitzingsee wurden Seilbahnen auf den Stümpfling und den Taubenstein gebaut. Doch damit sollte es nicht genug sein. Auch die Rotwand sollten mit einer Seilbahn und zehn Schleppliften erschlossen werden, vom Bayerischzeller Tal aus. 

Nach vielen An-fang der 60er-Jahre gescheiterten und später wieder vorgebrachten Liftplänen, gegen die es von Anfang an Bürgerproteste gab, konnte der Alpenplan von 1972 den auch hier immer wiederkehrenden Einzelfalldebatten endgültig und erfolgreich den Riegel vorschieben. Die Rotwand blieb den Wanderern und Skitourengehern erhalten.

Geigelstein

Der berühmte „Blumenberg“ Geigelstein hat eine einzigartige Flora und Fauna zu bieten. Doch das Naturjuwel war über die Jahre oft bedroht. Selbst noch in den 70-er, 80-er und 90-er Jahren wurden ständig neue Liftprojekte vorgebracht. Zuletzt wurde zwar nicht mehr angestrebt, auf den Gipfel des Geigelsteins zu gehen, dieser wird durch die Zone C geschützt, jedoch wurde ständig versucht, sich immer weiter durch Erschließungen in der Pufferzone B an den Gipfelbereich heranzutasten. 

Dank der unermüdlichen Arbeit der 1974 gegründeten Initiative „Rettet den Geigelstein“ und der Ruhezone konnte bis heute verhindert werden, dass das Skigebiet sich weiter die Hänge des Geigelsteins emporarbeitete. In der Folge wurde 1991 der Geigelstein als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Heute ist die Gemeinde Schleching für ihren naturnahen Tourismusansatz und ihr Ökomodell überregional bekannt.

Sonntagshorn

Bis heute brandaktuell sind die seit über 30 Jahren diskutierten Pläne, das Sonntags horn von der österreichischen Seite her mit Skiliften zu erschließen. Es ist mit 1961 Meter der höchste Gipfel der Chiemgauer Alpen und befindet sich zusätzlich zur Ruhezone C auch in einem Naturschutzgebiet. Mit neuen Liftanlagen würden nicht nur wertvolle Biotope und ein beliebtes Skitourengebiet zerstört werden. 

Durch einen technisierten Skizirkus am Sonntagshorn könnte es auch große Probleme für die Trinkwasserversorgung im Landkreis Traunstein geben: Das betroffene Gebiet entwässert nämlich über den Fischbach direkt in das Wasserschutzgebiet der Laubau, von wo die Stadt Traunstein sowie Inzell, Ruhpolding und Siegsdorf ihr Trinkwasser beziehen. Die 1992 gegründete Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Saalforste und des Sonntagshorns konnte sich bisher erfolgreich gegen eine Erschließung wehren.

Watzmann

„König Watze“ übt seit langem einen besonde ren Bann auf Bergbegeisterte aus. Noch immer zählt er zu den schönsten Gipfeln Bayerns, vor allem aufgrund seiner Unberührtheit und wilden Schönheit. Doch ohne den Alpenplan wäre der Watzmann heute mit einer Seilbahn erschlossen. Seit den 20-er Jahren gab es Überlegungen den Watzmann zu „zähmen“. Erst der Alpenplan machte 1972 den schon sehr konkreten Plänen ein Ende. Dank dieser ersten Schutzmaßnahme wurde das Gebiet um den Watzmann 1978 sogar zu Bayerns zweitem Nationalpark und später Teil des  UNESCO-Biosphärenreservates.