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Dritter Nationalpark: für mehr wilde Natur in Bayern

Bayern soll wilder werden! 64 Prozent der bayerischen Bevölkerung wünschen sich einen dritten Nationalpark in Bayern. Für den Schutz und das Erlebnis von seltenen Tieren in wilder Natur sind Nationalparke unersetzlich. Deshalb fordern BUND Naturschutz und WWF die Staatsregierung auf, dem Wunsch der Bürger zu entsprechen und im Freistaat einen dritten Nationalpark einzurichten.

Zwei Dritteln der Deutschen gefällt Natur umso besser, je wilder sie ist. Die beiden existierenden Nationalparke im Bayerischen Wald und im Berchtesgadener Land sind wichtige Freiräume für Mensch und Natur. Sie dienen als Bollwerke gegen den dramatischen Artenschwund. Der Nationalpark Berchtesgaden beheimatet beispielsweise den majestätischen Steinbock und 60 Prozent aller Nachtfalterarten Bayerns. Durch den Nationalpark Bayerischer Wald streifen Luchs und Wildkatze und es wurden unglaubliche 2168 Käferarten nachgewiesen. 

Nur in Nationalparken können wir wilde Natur erleben

Für uns Menschen sind Nationalparke die einzige Chance, Natur auf großer Fläche in ihrer eigentlichen, ursprünglichen und wilden Form zu erleben – ohne dass der Mensch eingreift. Auch in Bayern soll sich die Natur auf mindestens zwei Prozent der Landesfläche nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln dürfen. Bisher sind lediglich 0,5 Prozent der Landesfläche ohne Nutzungsdruck. Doch wirklicher Naturschutz braucht unzerschnittene Räume. Verzichten wir auf die Nutzung in ausgewählten Gebieten, gewinnen wir inspirierende Naturlandschaften mit knorrig-alten Bäumen und verzweigten Flussläufen. 

Regierung Söder ist gegen dritten Nationalpark

Doch die bayerische Landesregierung unter Ministerpräsident Söder sperrt sich gegen einen dritten Nationalpark. Mit seiner Regierungserklärung im April 2018 hat Söder den bereits angelaufenen Suchprozess für ein passendes Nationalparkgebiet abgebrochen.

BUND Naturschutz und WWF rufen die Politik zum Umdenken auf

Wir fordern die kommende Landesregierung dazu auf, der wilden Natur endlich ein Zuhause zu geben. Möglichkeiten gibt es genug dafür in Bayern, etwa in den Laubwaldgebieten Frankens, den großen Auwäldern südbayerischer Flüsse oder im Hochgebirge. 


Wo könnte in Bayern ein dritter Nationalpark entstehen?

Großflächige unzerschnittene Gebiete sind auch in Bayern selten geworden. Am ehesten findet man diese noch in den Laubwaldgebieten Frankens, den großflächigen Auwäldern südbayerischer Flüsse oder im Hochgebirge.

Steigerwald

Besucher bestaunen einen alten Baumriesen im Steigerwald

Der nördliche Steigerwald in Franken würde sich bestens für einen Buchen-Nationalpark eignen. Auf über 11.000 Hektar erstrecken sich zwischen Ebrach, Gerolzhofen und Eltmann Laubwälder, die überwiegend in einem ökologisch hochwertigen Zustand sind. Sie gehören dem Freistaat Bayern. Nur eine kleine Fläche ist bisher ausreichend geschützt. BUND Naturschutz in Bayern und WWF Deutschland erfassten bei einer Kartierung im Hohen Buchener Wald bei Ebrach über 7.600 dicke Altbäume auf einer Fläche von 775 Hektar. Dies belegt, wie wertvoll das urwüchsige Waldgebiet ist, das im Jahr 2014 vom ehemaligen CSU-Landrat Günther Denzler als „Geschützter Landschaftsbestandteil“ unter Schutz gestellt wurde. 

Dies hätte ein ersten Schritt hin zu einem „Nationalpark Steigerwald“ mit dem Fernziel der Anerkennung als Weltnaturerbe sein können. Im September 2015 wurde das Schutzgebiet wieder aufgehoben, weil es kein Landschaftsbestandteil im Sinn des Bayerischen Naturschutzgesetzes sei. Die Organisationen BUND Naturschutz, WWF Deutschland und Landesbund für Vogelschutz sowie der Bürgerverein Nationalpark Nordsteigerwald stellten daraufhin einen Fünf-Punkte-Rettungsplan für den Steigerwald vor. Sie fordern einen Verzicht auf Holzeinschlag in den naturschutzfachlich wertvollsten Waldbereichen und die Ausweisung eines mindestens 5.000 Hektar umfassenden Schutzgebietes auf Staatswaldflächen.

Spessart

Umgefallener Baum mit Moos und Baumpilzen im Spessart

Der Norden des bayerischen Spessarts zählt mit seinen über 400-jährigen Eichen und weit über 180-jährigen Buchen zu den ältesten und schönsten Wäldern Mitteleuropas. In den alten Laubwäldern fühlen sich auch seltene Tier- und Pflanzenarten wohl, die in jungen Wäldern mit geringer Totholzdichte nicht überleben.

Die Naturschutzverbände BUND Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, Greenpeace Bayern, WWF Deutschland, Zoologische Gesellschaft Frankfurt und die "Freunde des Spessarts" werben für ein Drei-Säulen-Konzept, das aus einem großen Kerngebiet, mehreren mittelgroßen Spenderflächen und etlichen kleinen Naturwaldflächen bzw. Trittsteinen besteht.

Diese über den gesamten Spessart verteilten Gebiete sollen im Biotopverbund dauerhaft als Naturschutzgebiete geschützt werden, insgesamt knapp 9.000 Hektar an Staatswäldern. In diesen Wäldern soll kein Holz geschlagen werden, damit sich langfristig "Urwälder von morgen" entwickeln kann.

Rhön

Ein Nationalpark Rhön, mit Schwerpunkt in Bayern und einer Teilfläche in Hessen, könnte das bestehende Biosphärenreservat ideal ergänzen.  Die Lage im Herzen Deutschlands macht die Rhön zu einem Treffpunkt von Tier- und Pflanzenarten, die hier gerade noch z.B. ihr östlichstes oder wie die Alpenspitzmaus ihr nördlichstes Vorkommen in Deutschland aufweisen. In der Rhön befindet sich der letzte außeralpine Bestand des Birkhuhns. Hier brüten die letzten Raubwürger Bayerns. Manche Arten, wie die Rhönquellschnecke, leben weltweit nur hier. 

Die sehr hohe geologische Vielfalt (vulkanischer Basalt, Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper), die Höhenstufen von warmem Weinbaulagen bis zum rauen Mittelgebirgsklima und das abwechslungsreiche Relief mit ausgeprägten Tälern und Hochflächen schaffen eine herausragende Vielfalt an Wuchsstandorten für Wälder, wie sie kaum ein zweiter deutscher Nationalpark aufweist. So verfügt die Rhön auf den Plateaus, den Bergrücken- und flanken noch über kilometerlange, zusammenhängende, naturnahe Buchen-, Eichen- und Schluchtwaldgesellschaften mit sehr alten, artenreichen Laubholzbeständen.

Donau und Isar

Felsen und Fluss im Donaudurchbruch zwischen Weltenburg und Kelheim

Die großen zusammenhängenden Auwälder der Donau zwischen Lechmündung und Ingolstadt bzw. der Isar zwischen Freising und Bruckberg zeichnen sich durch freifließende und sehr artenreiche Flussabschnitte aus. In den Donau-Auen kommen beispielsweise 55 Prozent aller in Bayern vorkommenden Libellenarten, 60 Prozent aller in Bayern vorkommenden Wasserschnecken-Arten , die gefährdeten Amphibien Gelbbauchunke, Laubfrosch und Kammolch, sowie alle sieben Spechtarten des Flachlandes vor. 

In den Isar-Auen finden sich 50 Prozent der in Bayern brütenden Vogelarten, 240 Arten von Totholz-Insekten und insgesamt 231 Wildbienen- und Wespenarten. In Teilbereichen gibt es aktuell zwar noch Einschränkungen der Flussdynamik durch Staustufen an der Donau, es wären aber umfangreiche Renaturierungen möglich. Das Gebiet ist zu einem großen Anteil bereits als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen, an der Mittleren Isar und im Bereich der Weltenburger Enge zudem bereits als Naturschutzgebiet. Auch vier besonders wertvolle Naturwaldreservate wären enthalten.

Ammergebirge

Ammergauer Alpen

Im Ammergebirge existiert eine etwa 230 Quadratkilometer große Fläche, die kaum besiedelt oder von Straßen durchschnitten ist. Bis auf den Eibsee ist sie komplett in Staatsbesitz. Hier ist der größte zusammenhängende Karbonat-Bergmischwald in Deutschland zu finden, mit einem Anteil von 13 Teilen Bergmischwald zu einem Teil Bergfichtenwald. 

Das nationalparkwürdige Gebiet umfasst den kalkalpinen Teil des Ammergebirge zwischen dem Lech im Westen und der Loisach im Osten, den westlichen Abschnitt des Wettersteingebirges mit den Nordflanken der Zugspitze und der Höllentalspitzen, den Waxenstein, das Höllental und die Westflanke der Alpspitze. Mit der Zugspitze befände sich der höchste Berg Deutschlands im Nationalpark. Geprägt wird das Gebiet auch durch den malerischen Eibsee, die Loisach und nicht zuletzt durch die von König Ludwig II. erbauten Schlösser Neuschwanstein und Linderhof.


Warum ein dritter Nationalpark in Bayern?

Ein Stück Land nicht zu nutzen und nach unseren Vorstellungen zu formen: Was bringt uns das? Warum sollte man Natur einfach mal Natur sein lassen?

Besucher im Steigerwald betrachten einen umgekippten Baum.
In Nationalparken kann sich Natur frei entfalten und erlebt werden. Deshalb sind Nationalparke auch Besuchermagneten und Motoren der regionalen Wirtschaft (Foto: Thomas Stephan).

Es gibt viele Gründe, warum es sich lohnt, Nationalparke einzurichten:

  • Der großflächige Schutz schafft Platz für eine strukturreiche, wilde Natur – etwas, das in unserem Land fast gänzlich verloren gegangen ist.
  • Den gefährdeten Arten werden großräumige Lebensräume gesichert.
  • Vom Menschen weitgehend ungestörte Entwicklungsprozesse der Natur lassen sich erforschen und an vielen Stellen persönlich erleben.
  • Der Nationalpark ist ein Wirtschaftsfaktor für die ganze Region.
  • Der Tourismus und andere Wirtschaftszweige profitieren. So besuchen mehr Tages- und Übernachtungsgäste die Region.
  • Neue Angebote im Bereich Naturerfahrung und Bildung, gerade auch für Kinder, werden geschaffen.

Erfahrungen im Nationalpark Bayerischer Wald

Die Geschichte des Nationalparks Bayerischer Wald ist auch eine Erfolgsgeschichte des BUND Naturschutz. Den Anstoß zu seiner Gründung gab der langjährige BN-Vorsitzende Hubert Weinzierl in den sechziger Jahren. 1970 wurde der Traum eines Nationalparks in Deutschland Wirklichkeit (Foto: Holger Lieber).

Im Bayerischen Wald waren die Diskussionen anfangs sehr kontrovers. Aber: „Er hat sich hervorragend entwickelt“, bilanziert Helmut Vogl, Bürgermeister von St. Oswald-Riedlhütte im Nationalparkgebiet. „Heute identifizieren sich 80 Prozent der Menschen vor Ort mit dem Nationalpark“, so seine Einschätzung. Alfons Schinabeck, CSU-Bürgermeister von Neuschönau, freut sich, dass aus seiner 2300-Seelen-Gemeinde rund 30 Menschen direkt beim Nationalpark beschäftigt sind. Weitere 500 Arbeitsplätze in Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und dem Dienstleistungsbereich hingen seiner Einschätzung nach indirekt vom Nationalpark ab.

Große Akzeptanz in den Gemeinden vor Ort

Bei zukünftigen Diskussionen über einen dritten Nationalpark in Bayern sollten auf alle Fälle die Menschen aus den bestehenden Nationalpark-Regionen zu Wort kommen, um von ihren Erfahrungen zu lernen. „Ich kann aus gemeindlicher Sicht gewiss nichts Negatives über den Nationalpark sagen“, so das Fazit von Karlheinz Roth, CSU-Bürgermeister von Spiegelau. „Die Kritiker mussten anerkennen, dass das, was sie heraufbeschworen haben, nicht eingetreten ist.“ Und sein Neuschönauer Amtskollege Schinabeck fügt hinzu: „Ich sehe kein Argument gegen einen Nationalpark, das bei ehrlicher Betrachtung noch stichhaltig ist.“

Erfahrungen im Nationalpark Berchtesgaden

Der BUND Naturschutz bewahrte den Königssee 1916 vor einer monumentalen Verschandelung. 1921 wurde das gesamte Gebiet um den See auf Initiative des BN unter Schutz gestellt. Es bildete die Basis für den 1978 eingerichteten Nationalpark (Foto: Serkat/fotolia.com).

Als Umweltminister zeigte sich Markus Söder im Oktober 2010 vom Nationalpark Bayerischer Wald begeistert: Dieser sei eine einzigartige Erfolgsgeschichte für die Natur und die Menschen . Zum 40jährigen Jubiläum des Nationalparks Berchtesgaden im August 2018 betonte der amtierende Umweltminister Marcel Huber: „Unser Nationalpark ist eines der großen Flaggschiffe für den Naturschutz und ein Besuchermagnet schlechthin. Nach 40 Jahren ist eine noch nie dagewesene Akzeptanz in der Bevölkerung erreicht: 96 Prozent der Menschen in Bayern stehen hinter dem Nationalpark, fast 90 Prozent sind in der Region der Meinung, er verbessere die Lebensqualität. Das sind nicht nur Zahlen, das ist eine Liebeserklärung."