MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Schnitte ins Grüne Band

Das Grüne Band ist ständig davon bedroht, zu zerfasern: Die industrielle Landwirtschaft zerstört die naturnahen Lebensräume. . Durch den massiven Ausbau von Autobahnen und Gewerbegebieten haben sich alte Risse vertieft und sind neue hinzugekommen, oft unüberwindbar für die meisten Tiere.

Die A72 durchschneidet das Grüne Band (Foto: Klaus Leidorf)

Vor einiger Zeit stellte eine österreichische Spenderin eine berechtigte Frage: „Wie ist es möglich, dass der deutsche Staat nicht in der Lage oder willens ist, die Flächen im Grünen Band zu erwerben und damit unter Schutz zu stellen?“ Ja, wie ist es möglich, dass das Grüne Band auf 180 Kilometern Länge praktisch unkenntlich ist, überprägt von intensiver Landwirtschaft? Unser einziger nationaler Biotopverbund, im Ausland hoch angesehen, eine einmalige Erinnerungslandschaft der deutsch-deutschen Vergangenheit? Wie kann es sein, dass für Tiere und Pflanzen immer wieder einmal Schluss ist auf ihren Wanderungen und auch Fußgänger und Radfahrer plötzlich im Maisacker stehen?

Indem die Bundesregierung einer Forderung des BUND und weiterer Naturschutzverbände entsprach und ihren Flächenbesitz im Grünen Band den Bundesländern zu Naturschutzzwecken übertrug, konnte etwa die Hälfte des Grünen Bandes gesichert werden, 87 Prozent seiner Fläche gilt als naturnah. Durch intensive Bemühungen von BUND Naturschutz in Bayern (BN) und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wie beispielsweise Flächenankäufe konnte der Lückenanteil im Biotopverbund des Weiteren von 15 Prozent im Jahr 2001 auf heute 13 Prozent gesenkt werden. Das alles sind wichtige Erfolge, doch noch immer sind es schmerzliche Lücken, die im Grünen Band klaffen. 

Nach wie vor ist ein großer Teil des Grundes von circa 30 Prozent in der Hand von Privatleuten, Kommunen oder verschiedenen Institutionen. Dies birgt Gefahren, denn immer größer ist der Flächenhunger derer, die den Boden bewirtschaften wollen. Die Intensivierungswelle der Landwirtschaft, die vor allem durch den stark subventionierten Energiepflanzenanbau (z.B. Mais) ausgelöst worden ist, verschlingt regelmäßig Flächen im Grünen Band. Dies wird den Fortbestand dieses einzigartigen nationalen Biotopverbundes auch in den nächsten Jahren gefährden. Hier ist bei Landnutzern und Politikern aller Ebenen viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um derartigen Eingriffen entgegenzuwirken.

Acker im Grünen Band bei Silkerode

Auch Flussbegradigungen, Wasserkraftwerke und auch Müllablagerungen gefährden die Natur des Grünen Bandes, ebenso wie die zunehmende Rohstoffgewinnung in der Landschaft eine Bedrohung darstellt. Beispiele dafür sind der Abbau von Kies auf der Halbinsel Teschow und in der Werra-Aue, der Abbau von Gips im Südharz und der Sandabbau im Sonneberger Unterland. 

Doch auch von anderer Seite droht Gefahr: Autobahnen und andere Verkehrswege zerschneiden den Lebensraumverbund Grünes Band. Die Mehrzahl der Tierarten kann breite Verkehrswege nicht überqueren, sie können sich nicht mehr ausbreiten. Es droht die genetische Isolation von Tier- und Pflanzenarten, die biologische Vielfalt steht auf dem Spiel. Trotzdem gibt es immer wieder Straßenneubaupläne. So gibt es etwa am Grünen Band zwischen Bayern und Tschechien bereits 14 Grenzübergänge für den Kfz-Verkehr, also durchschnittlich alle 25 Kilometer. Ist das nicht genug?

Eine weitere Bedrohung stellen neue Skianlagen, Hotels und andere touristische Infrastruktur dar, die im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Österreich geplant sind. Dieser Bereich ist durch seine große landschaftliche Schönheit zwar für den Tourismus sehr attraktiv, doch besitzt er als wichtiger Rückzugsraum für Tiere mit großräumigem Lebensraumanspruch wie Luchs oder Fischotter ein außerordentliches Naturpotenzial. Deshalb wäre hier eine sanfte, nachhaltige touristische Nutzung zu bevorzugen.

Neue Umbrüche, Grünlandintensivierungen, Zerschneidungen und Flächenverluste sowie Siedlungen und Rohstoffabbau im Grünen Band müssen unbedingt verhindert werden. Um wieder einen durchgängigen Lebensraumverbund zu erschaffen, müssen Ackerflächen in extensiv genutztes Grünland überführt werden , Intensivwiesen und -weiden müssen schonend genutzt und Lücken geschlossen werden. Anschlüsse an benachbarte Biotope sollen Tieren und Pflanzen wieder Raum geben. 

Dafür unbedingt erforderlich ist ein rechtlicher Rahmen, der das Grüne Band endgültig sichert. Hier bietet sich eine noch junge Schutzkategorie an, das „Nationale Naturmonument“. Das Grüne Band wäre dafür prädestiniert.