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BN-Vorsitzender Richard Mergner besucht Vilsecker Mulde: Bessere Konzepte für den Schutz der Oberpfälzer Natur notwendig

Zum Erhalt der Oberpfälzer Naturschätze, wie zum Beispiel der Vilsecker Mulde im Landkreis Amberg-Sulzbach, hält der BUND Naturschutz verstärkte Anstrengungen aller Beteiligter für nötig. Dabei müssen dort nicht nur die schonende Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, sondern auch die Auswirkungen zunehmender Trockenzeiten eine besondere Rolle spielen. Gerade die große Bedeutung der vorhandenen Moorböden für den Klimaschutz wird dabei bislang noch viel zu wenig berücksichtigt.

10.08.2022

Der Vorsitzende des BUND Naturschutz in Bayern (BN), Richard Mergner, war am 10.08.2022 zu Besuch in der Oberpfalz, um sich ein Bild von BN-eigenen Flächen nordöstlich von Vilseck zu machen. Dabei lobte Mergner das jahrelange, ehrenamtliche Engagement der BN-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach für ihre Heimatnatur.

„Die Vilsecker Mulde ist ein Schatzkästchen der Natur im Landkreis Amberg-Sulzbach und in der gesamten Oberpfalz. Dazu trägt auch der BUND Naturschutz mit 18 Grundstücken auf einer Gesamtfläche von über 39 Hektar und mit gezielten Pflegemaßnahmen bei“, so Mergner. „Daneben konnte Vieles Positive für die Artenvielfalt auch mit der Nutzung der Förderprogramme für Landwirte erreicht werden. Doch der Rückgang der wiesenbrütenden Vogelarten konnte damit bislang nicht verhindert werden. Außerdem setzen zunehmende Trockenheit und Hitzestress vielen Pflanzen- und Tierarten zu. Daneben drohen sich die als CO2-Speicher wichtigen Moorböden durch den Wassermangel zu zersetzen. Daher ist es dringend notwendig, dass hier künftig ein verändertes Wassermanagement eingeführt wird.“

„Trotz bisheriger Erfolge, wäre aber noch mehr möglich in diesem Gebiet. Denn leider konnten die Bestände der wiesenbrütenden Vogelarten im Schutzgebiet nach jahrelangen Rückgängen noch nicht wieder erhöht werden“, meint Peter Zahn, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach. „Wir wünschen uns daher, dass sich auch die Kommunen mit ihrem Flächenmanagement noch stärker naturbewusst und kooperativ verhalten.“

„Wenn Landwirte Interesse an einem Tausch ihrer Flächen in der Vilsecker Mulde haben, sollten sich auch die Stadt Vilseck oder der Markt Freihung verstärkt engagieren, damit dort die Bewirtschaftung naturverträglicher gestaltet werden kann. Als BUND Naturschutz sähen wir darin einen wichtigen Schritt, um z.B. auch das Vorkommen der Bachmuschel in der Frankennohe zu sichern“, so Beate May, 2. Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach.

„In der Vilsecker Mulde gibt es auch im Moor- und damit im Klimaschutz viel zu gewinnen. Hier kommen verbreitet Moorböden vor, was auch dadurch bekannt ist, dass es hier früher stellenweise Torfabbau gab. Moorböden mit ihren großen Mengen an organischem Material haben heute herausragende Bedeutung als Speicher für CO2. Gleichzeitig müssen wir natürlich verhindern, dass es in die Atmosphäre freigesetzt wird“, erklärt BN-Regionalreferent Reinhard Scheuerlein. „Leider sind die zunehmenden Trockenzeiten mit gesunkenen Wasserpegeln nicht nur negativ für Wiesenbrutvögel, sondern auch für den Erhalt der Moorböden, die sich ohne hochstehendes Grundwasser zersetzen. Daher ist es auch in der Vilsecker Mulde dringend erforderlich, jetzt von der Wasseraustreibung aus der Landschaft hin zur Wasserrückhaltung umzusteuern und ein Wassermanagement mit regelbaren Gräben einzurichten.“

„Es gibt in der Vilsecker Mulde einen sehr guten Austausch zwischen den im Gebiet wirtschaftenden Landwirten und den Naturschützern. Dabei wird zusammen- und nicht gegeneinander gearbeitet“, betont BN-Kreisgruppen-Geschäftsführer Horst Schwemmer, der sich dafür aktiv in Gesprächen mit den Landwirten einsetzt.

Allerdings ist der Landkreis Amberg-Sulzbach mit einem Flächenanteil von 0,16 Prozent (!) Schlusslicht bei den Naturschutzgebieten (NSG) in der Oberpfalz. Ein NSG Vilsecker Mulde wäre daher aus Sicht des BUND Naturschutz ein wichtiger Schritt. Damit könnte ein verbindlicher Rahmen für das Schutzgebiet geschaffen werden, wobei Flächen von Land-, Teich- und Forstwirten im bisherigen Umfang weiterbewirtschaftet werden können. Vor allem könnten wertvolle Flächen in einem Schutzgebiet dauerhaft in ihrer Bewirtschaftung gesichert werden und Fördergelder gezielt dort eingesetzt werden.

„In einem möglichen Naturschutzgebiet ließe sich viel regeln und zwar gemeinsam zwischen Landwirten und Naturschützern, so dass beide Seiten profitieren“, so Peter Zahn abschließend. Dies wird auch durch die vielen Gespräche zwischen Landwirtschaft und Naturschutz und die abgestimmte Landbewirtschaftung eindrücklich sichtbar.

Hintergrund

Das seit 2006 bestehende FFH-und Vogelschutzgebiet "Vilsecker Mulde“ mit den Tälern der Schmalnohe und Wiesennohe ist geprägt durch wertvolle Gewässer- und Feuchtbiotopkomplexe wie extensive Fischteiche und Fließgewässer mit typischer Unterwasser- und Schwimmblattvegetation (z.B. in der Vils) sowie anschließende Vegetationsbestände wie Nass- und Magerwiesen und Borstgrasrasen. Diese Biotope stellen u.a. Lebensräume für die besonders geschützten Tierarten Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Grüne Keiljungfer, Biber, Fischotter und Groppe dar. Maßgeblich für die Artenvielfalt ist auch die Nähe zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr, auf dem zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten abseits intensiver Flächennutzungen einen Lebensraum gefunden haben. Zudem wird die Vilsecker Mulde vom Landesamt für Umwelt als Teichgebiet von landesweiter Bedeutung für Wasser- und Sumpfvögel eingestuft.

Die Frankennohe beherbergt ein noch hervorragendes Vorkommen der bedrohten Bachmuschel. Fisch- und Seeadler sind heimisch. Eine Vielzahl von gefährdeten Arten findet in der Vilsecker Mulde in diesem historisch bedeutsamen Teichgebiet Lebensraum. Der

Bund Naturschutz bewirtschaftet in Kooperation mit örtlichen Landwirten seine Flächen naturschutzfachlich, d. h. im Wesentlichen Vertragsnaturschutzprogramm mit später Mahd und Verzicht auf Pflanzenschutz. Die Mahd wurde zudem zuletzt deutlich schonender für vorkommenden Insekten, da immer mehr mit nicht rotierenden Mähwerken gearbeitet wird.

Vor fünf Jahren hat der BN sich für die Ausweisung eine seiner Flächen bei Elbart (Gemeinde Freihung) als Naturwaldreservat stark gemacht und gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt Weiden diese beispielgebende Schutzausweisung durch das Bayerische Landwirtschafts- und Forstministerium erreicht. Auch der LBV kümmert sich als Besitzer um wertvolle Teichlandschaften.

Aus der Beantwortung der Landtagsanfrage der Grünen vom 23.6.2021 (Landtags- Drucksache 18/17619):

Siehe Anlage