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BUND Naturschutz fordert Stopp der Giftspritzungen im Wald

Auf massive Kritik des BUND Naturschutz stößt der aktuelle Gifteinsatz der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft zu Versuchszwecken in einigen Eichenwäldern in Unterfranken. Denn es werden Gifte eingesetzt, obwohl deren Ausbringung in Wäldern nicht zugelassen ist. Nachdem das problematische Mittel Dimilin keine Zulassung mehr bekommt, sollen nun offenbar neue Gifte für großflächige Waldeinsätze getestet und zugelassen werden.

17.05.2017

"Wir kritisieren massiv, dass diese Tests auch in einem Vogelschutz- und FFH-Schutzgebiet bei Willanzheim durchgeführt wurden", so BN Landesbeauftragter Richard Mergner. "Die aktuellen und vergangenen Testreihen und Begiftungsaktionen haben zudem methodische Mängel, da ihre langfristigen Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Umwelt nicht detailliert untersucht werden", so BN-Waldreferent Ralf Straussberger. Der BUND Naturschutz habe Verständnis für die Sorgen der Waldbesitzer und Förster, die bemüht sind, die Eichenwälder zu erhalten. Ein Blick in Eichenwälder, die bei früheren Massenvermehrungen nicht begiftet wurden zeige aber, dass diese Wälder überlebt haben. So werden Aussagen wie "wir müssen die Eichenwälder begiften, um sie zu retten" als unbegründete Horrorszenarien entlarvt.

Mit den Gifteinsätzen wird allerdings die besondere Artenvielfalt an Tag- und Nachschmetterlingen und damit die Nahrungsgrundlage für viele Vogelarten vernichtet. Der BN hält den seit Jahrzehnten beschrittenen Weg für falsch, den Wald mit der Giftspritze erhalten zu wollen. Das Problem der Massenvermehrung von Insekten an Eichen wird dadurch nicht gelöst. Der BUND Naturschutz fordert daher eine Neuausrichtung des sog. "Waldschutzes" an der bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, der nicht mehr einseitig auf die "Giftspritze" setzt, sondern Waldökosysteme schützt und Gifteinsätze im Wald möglichst vermeidet.

BUND Naturschutz kritisiert methodischen Wirrwarr

Der BN hatte bereits letztes Jahr den Gifteinsatz bei Willanzheim im Landkreis Kitzingen kritisiert, bei dem im Rahmen zweier Doktorarbeiten die Wirkung des Giftes Mimic auf den Eichenprozessionsspinner untersucht wurde. Der BN hat um Veröffentlichung der Ergebnisse dazu gebeten, was jedoch nicht erfolgte. Völlig überraschend wurden nun die Untersuchungen gegenüber 2016 methodisch geändert, ja sogar deutlich erweitert: statt Eichenprozessionsspinner soll nun auch der Schwammspinner und statt einer Fläche im Landkreis Kitzingen nun weitere drei Flächen im Landkreis Schweinfurt begiftet werden, statt einem Mittel werden nun vier Mitteln versprüht.

Anstatt langfristiger Untersuchungen eher verharmlosende Aussagen

Obwohl Eichenwälder im warm-trockenen Regionen Unterfrankens bereits seit 1975 regelmäßig mit dem Gift Dimilin besprüht wurden, wurde es bislang versäumt, die Notwendigkeit und die Auswirkungen der Gifteinsätze langfristig wissenschaftlich zu untersuchen und zu dokumentieren. "Es ist für uns völlig unverständlich, dass man nun neue Mittel für flächige Gifteinsätze im Wald testet, aber die negativen ökologischen Folgewirkungen der vergangenen Gifteinsätze bislang nicht langfristig und umfassend untersucht hat", so Straußberger. Gerade die verharmlosenden Aussagen der Forstverwaltung zu den Auswirkungen des bisher eingesetzten Mittels Dimilin auf Mensch und Umwelt ("rascher Abbau, kurze Verweildauer in der Umwelt") schüren Zweifel an deren Objektivität. Denn dabei wurde verschwiegen, dass die Abbauprodukte eben nicht leicht biologisch abbaubar sind und bei Menschen Krebs erregen können. Das Umweltbundesamt schätzte das Gift als für Menschen schädlich ein. Zudem fordert der BN die überhöhten Rehwildbestände deutlich abzusenken, damit sich eine standortstypische Vegetation aus verschiedenen Baum-, Straucharten und Bodenpflanzen ausbilden kann. "Es wird nicht funktionieren, die alten Eichenbestände mit der Giftspritze am Leben erhalten zu wollen, um eine Eichennaturverjüngung zu ermöglichen, wenn gleichzeitig diese Eichenverjüngung wegen der überhöhten Rehwildbestände nahezu komplett abgefressen wird", beurteilt Straussberger den seit Jahrzehnten zu hohen Wildverbiss.