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Tagesreise-Einzugsgebiet von Oberstdorf verdreizehnfacht!

Straßenbau und neue Seilbahnprojekte zerstören Grundlage für einen qualitativ hochwertigen Übernachtungstourismus

26.05.2020

Eine Analyse des BUND Naturschutz zeigt: Massive Straßenausbauten und ein Bevölkerungswachstum in Süddeutschland haben dazu geführt, dass sich der Kreis an Personen, die mit dem PKW innerhalb von 2,5 Stunden nach Oberstdorf fahren können zwischen 1970 und 2020 in etwa verdreizehnfacht hat. Lebten 1970 nur etwa 660.000 Menschen im deutschen 2,5-Stunden- Einzugsgebiet um Oberstdorf, können im Jahr 2020 über 8,5 Millionen Deutsche den Urlaubsort im Allgäu in derselben Zeit erreichen.

Auch die Anzahl der Deutschen, die in weniger als einer Stunde Oberstdorf mit dem PKW erreichen können, hat massiv zugenommen. Waren es 1970 nur etwa 160.000 Menschen, so können 2020 in etwa 470.000 Menschen in einer Stunde oder weniger nach Oberstdorf gelangen. Den mit Abstand größten Teil der Einzugsgebietszunahme machen dabei die Straßenausbauten aus. Das Bevölkerungswachstum spielt nur eine untergeordnete Rolle.

„Vor dem Hintergrund des aktuellen Massenansturms auf die Bayerischen und Allgäuer Alpen ist es unverantwortlich den Tagestourismus mit weiteren Straßenausbauprojekten, wie dem geplanten autobahnähnlichen B12-Ausbau, oder touristischen Infrastrukturprojekten, wie am Grünten, weiter auszubauen“, so Martin Geilhufe, der Landesbeauftragte des BN. „Es besteht die Gefahr, dass der für die Region wichtige Übernachtungstourismus unter die Räder kommt“.

Schon heute kommen auf eine Gästeübernachtung im Allgäu ca. 3 Tagesgäste. Auf die ca. 10 Mio. Übernachtungen pro Jahr im gesamten Allgäu kommen in etwa 30 Mio. Tagesgäste (DWIF 2013). In der Folge leidet die Natur bereits jetzt stark am immer intensiver werdenden Tourismus: Wertvolle alpine Biotopflächen werden durch den Massenansturm zerstört, der Lebensraum ruhebedürftiger Arten reduziert sich immer weiter.

„Daher liegt die Zukunft des Tourismus in einem qualitativ hochwertigen Übernachtungstourismus. Die Anreise- und die Fortbewegung im Urlaubsgebiet muss überwiegend mit Bahn und Bus erfolgen“, so Michael Finger Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Oberstdorf.

Der BUND Naturschutz fordert daher:

  • einen sofortigen Stopp von Straßenaus- und Neubauten in den bayerischen Alpenlandkreisen (im Allgäu insbesondere: Kein autobahnähnlicher Ausbau der B12, siehe https://ostallgaeu-kaufbeuren.bund-naturschutz.de/fileadmin/kreisgruppen/kaufbeuren/aktuelles/Zickzackflyer_B12-Ausbau.pdf; keine weiteren beschleunigenden Ausbaumaßnahmen an der B19)
  • Eine Verlagerung der Investitionen in einen gut ausgebauten Öffentlichen Nahverkehr, damit Bahn und Bus sowohl bei der Anreise also auch bei der Fortbewegung in den bayerischen Alpen eine echte Alternative zum Auto sind.
  • Einen Stopp von Parkplatzaus- und Neubauten an touristischen Infrastrukturen und an Ausgangspunkten für touristische Aktivitäten
  • Ein flächendeckendes Parkraummanagement mit einer deutlichen Erhöhung der Parkplatzgebühren, so dass im Regelfall eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich günstiger ist (Richtwert Bayernticket).
  • Keine weiteren Kapazitätssteigerungen mehr von Bergbahnen. Eine Neufassung der bayerischen Seilbahnförderrichtlinie auf Bestandserhalt statt Seilbahnausbau.

Für Rückfragen:
Thomas Frey
BN-Regionalreferent für Allgäu-Schwaben        
089 548298-64, 0160-95501313,
thomas.frey@bund-naturschutz.de