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Weidetierhalter brauchen echte Unterstützung statt falscher Versprechungen

Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) erneuert anlässlich des „Tages des Wolfes“ am 30. April seine Forderung nach besserer Förderung der Weidetierhalter beim Herdenschutz und wirft dem Bauernverband Blockadepolitik vor. Richard Mergner, Vorsitzender des BN, kommentiert eine digitale Aktion des Bauernverbandes, bei der Weidetierhalter in Videos ihre Gefühle zu Wölfen zum Ausdruck bringen sollen: „Völlig zu Recht weist der Bauernverband mit seiner Aktion zum Tag des Wolfes auf die Betroffenheit der Weidetierhalter hin. Leider zieht er daraus die falschen Schlüsse und fordert Maßnahmen, die in eine Sackgasse und zu mehr Rissen führen werden: denn die Weidehalter werden im falschen Glauben gelassen, dass die Weidetiere mit dem Gewehr geschützt werden können.“

28.04.2021

Der BN fordert die Bayerische Staatsregierung auf, die Herdenschutz-Förderung flächendeckend in Bayern zugänglich zu machen - zumindest den Schafhalter/innen. „Hier ist Prävention statt Reaktion angesagt, denn die bayerischen Wölfe sollen früh lernen, dass es für sie – egal wo im Land – bei den Schafen nichts zu holen gibt.“, so Uwe Friedel, Artenschutzreferent beim BN. Es könne nicht sein, dass die Weidetierhalter/innen erst nach dem ersten Riss in ihrer Region Zuschüsse für die wolfsabweisende Zäunung bekommen. Aktuell bekommen Bayerns Weidetierhalter nur in sogenannten Förderkulissen Zuschüsse für investive Herdenschutzkosten. Die Förderkulissen werden bei permanenter Wolfsanwesenheit über die Dauer von sechs Monaten oder bei einem Nutztierriss ausgewiesen.

Ebenso fordert der BN seit Jahren die Förderung auch der laufenden Kosten des Herdenschutzes, die durch die Haltung der Herdenschutzhunde oder den vermehrten Aufwand bei der Zaunpflege anfallen und die investiven Kosten deutlich übersteigen können. Der BN hat schlägt schon lange vor, diese Förderung aus der 2. Säule der EU-Agrarförderung über das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) und das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) möglich zu machen. Diese Forderung wurde allerdings vom Bauernverband bisher kaum unterstützt oder gar abgelehnt, obwohl diese Förderung Weidetierhaltern beim Herdenschutz das Leben deutlich leichter machen würde. 

Fast scheint es, als ob gezielt Risse in Kauf genommen werden, um dann von der Politik und in Presse und Öffentlichkeit Wolfsabschüsse fordern zu können. Dies hat auch der Fall der gerissenen Gehegetiere in Betzenstein gezeigt. Obwohl die betroffenen Gehege keine wolfsabweisende Zäunung aufwiesen, wurde der Fall von Vertretern des Bauernverbandes instrumentalisiert, um Erleichterung bei Abschüssen zu fordern. Sie wurden dabei durch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (PM Nr. 43 des StMELF, 4. März 2021) unterstützt, die damit nicht nur ihre Unkenntnis oder Ignoranz gegenüber geltendem Naturschutzrecht ausdrückte, sondern sich auch gegen die Inhalte des von ihrem eigenen Ministerium mit aufgestellten Aktionsplans Wolf der bayerischen Staatsregierung stellte. In dem Plan ist eindeutig festgelegt, dass ein Abschuss eines Wolfes nur in Frage kommt, wenn dieser ordnungsgemäßen Herdenschutz überwunden hat.

Die Ablehnung des Herdenschutzes und der unter Verkennung der Sach- und Rechtslage ständige Ruf nach leichteren Abschüssen wiegt Weidetierhalter in dem falschen Glauben, dass mit vereinfachten oder vermehrten Abschüssen ihre Tiere vor Wolfsangriffen geschützt werden können. Doch da der Wolf in wenigen Tagen Hunderte von Kilometern wandern kann, ist auch beim Abschuss einzelner Tiere jederzeit und überall in Bayern das Auftauchen von Wölfen und damit Risse möglich. Die bisherigen Risse an Weidetieren in Bayern sind fast ausschließlich von wandernden Einzeltieren verursacht. Nur durch Abschuss aller Wölfe in Bayern und den Nachbarländern - also einer erneuten Ausrottung - gäbe es keine Risse mehr. Zudem muss auch in den europäischen Länder Ländern, in denen der Wolf auf Basis einer Quote bejagt wird, flächendeckend Herdenschutz betrieben und der gute Erhaltungszustand der Wolfspopulation nachgewiesen werden.

Der BN beteiligt sich zusammen mit Tierhalterverbänden in Bayern am internationalen Projekt „LIFEstockprotect“ (englisch für „Herdenschutz“), in dem das Herdenschutzwissen von Weidetierhalter/innen verbessert wird. Weidetierhalter/innen, die Herdenschutzwissen erwerben oder verbessern wollen, können sich entweder auf der Internetseite www.lifestockprotect.info über die Angebote des Projektes an Weidetierhalter/innen informieren oder sich per E-Mail oder Telefon direkt an den BN wenden.

Hintergrund:

Die Zahl der in Bayern sesshaften Wölfe hat 2020 gegenüber 2019 zugenommen. Acht Territorien – gegenüber sechs in 2019 - sind in Bayern nun mit dauerhaft anwesenden Wölfen besetzt. Auch die Meldungen von einzelnen zu- oder durchwandernden Wölfen haben zugenommen.  2020 kam es nach Daten des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) zu acht Übergriffen auf Nutztiere bzw. Gehegewild durch Wölfe. Dabei wurden 28 Tiere (Schafe, ein Damwild) getötet oder mussten in der Folge eingeschläfert werden, drei weitere Tiere konnten nicht mehr aufgefunden werden. Weitere Informationen zum Wolf: https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/wolf.


Für Rückfragen:
Uwe Friedel, BN-Artenschutzreferat, Tel. 0911 / 57 52 94 12, Mobil: 0151 / 14 16 80 74
E-Mail: uwe.friedel@bund-naturschutz.de

Weitere Informationen:
Förderkulisse der Förderrichtlinie "Investition Herdenschutz Wolf":
www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/praevention/herdenschutz_wolf/index.htm
Zahlen zum Monitoring von Wölfen in Bayern:
www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/monitoring/index.htm