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Feuersalamander in Bayern

Der auffällig gefärbte Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist die wohl bekannteste Salamanderart Bayerns. Dabei sind die gelb-schwarzen Tiere nur selten zu beobachten, und ihre Zahl nimmt weiter ab – sie stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Feuersalamander: Portrait und Steckbrief

Aussehen

  • Färbung: lackschwarz mit gelben Flecken oder Streifen.
  • Länge: 14 bis 20 cm lang – der größte heimische Salamander
  • Larven: Kiemenbüschel und gelbe Flecken an den Beinansätzen

Besonderheiten

  • Giftdrüsen am Rücken und beidseits am Kopf: Sie produzieren ein Gift, das Feinde abschreckt und beim Menschen Hautreizungen hervorrufen kann.
  • Alter: Feuersalamander können sehr alt werden: Im Freiland 15 bis 20 Jahre, im Terrarium sogar bis zu 50 Jahre

Lebensweise

  • Ernährung: Die Larven ernähren sich vor allem von Bachflohkrebsen sowie Insektenlarven. Die erwachsenen Salamander fressen am liebsten Würmer, Schnecken und Insekten.
  • Nachtaktiv: Feuersalamander sind hauptsächlich nachtaktiv. Tagsüber sind sie meist nur nach Regenfällen zu sehen, wenn sie ihre Verstecke verlassen.

Lebensraum

  • Wälder: Typischer Lebensraum sind feuchte Laub- und Mischwälder, von Quellbächen durchzogen.
  • Wasser: Die Larven leben in sauberem Wasser, die erwachsenen Feuersalamander in feuchten Wäldern.

Fortpflanzung

  • Paarung: Feuersalamander paaren sich an Land: Im Sommer gehen die Männchen aktiv auf die Suche nach Weibchen, nehmen diese "huckepack" und setzen anschließend ein Spermienpaket auf dem Waldboden ab, das die Weibchen aufnehmen.
  • Larven: Im Frühjahr nach der Befruchtung setzen die Weibchen etwa 30 Larven in kühle, sauerstoffreiche Quellbäche ab. Im Laufe des Sommers entwickeln sich die Larven zu einem fertigen Salamander. Nur selten überwintern die Larven im Wasser.

Gefährdung

  • Rote Liste: Der Feuersalamander gilt nach Roter Liste Bayern (Stand 2019) als gefährdet (Status 3).
  • Hautkrankheit: Eine besondere Bedrohung geht für die Art in jüngster Zeit durch den Pilz Batrachochytrium salamandrivorans (kurz Bsal).

Systematik

  • Klasse: Lurche (Amphibia)
  • Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
  • Überfamilie: Salamanderverwandte (Salamandroidea)
  • Familie: Echte Salamander (Salamandridae)
  • Gattung: Eigentliche Salamander (Salamandra)
  • Art: Feuersalamander (Salamandra salamandra)

Wie der Feuersalamander lebt: von der Larve zum Salamander

Paarung: Die erwachsenen Tiere leben das ganze Jahr an Land, in naturnahen Wäldern zwischen Moos, feuchtem Laub und morschem Holz. Hier findet auch die Paarung statt. Nur die Weibchen kommen ans Gewässer – meist von Februar bis April. Hier legen sie keine Eier, wie andere Amphibien, sondern setzen etwa 30 fertige Larven ins Wasser ab.

Entwicklung der Larven: Die circa zwei Zentimeter großen Larven haben bereits vier Beine und atmen durch Kiemen, die seitlich am Kopf gut erkennbar sind. Von Molchlarven unterscheiden sich die jungen Salamanderlarven durch einen gelben Punkt an jedem Beinansatz. Sie ernähren sich vor allem von Bachflohkrebsen und Insektenlarven. Ist die Nahrung knapp, kommt es regelmäßig zu Kannibalismus.

Metamorphose: Nach vier bis sechs Monaten verwandeln sich die Larven zum fertigen, landlebenden Salamander. Dabei stellen die Tiere von Kiemen- auf Lungenatmung um. Jetzt steht der Landgang unmittelbar bevor. Im Wasser könnten die Salamander nun nicht mehr überleben.

Erwachsene Salamander: An Land jagen die Feuersalamander bei feuchter Witterung zwischen Laub Regenwürmer, Schnecken, Spinnen, Insekten und deren Larven, Tausendfüßer und Asseln. Mit der Zeit verdichtet sich die gelbe Hautpigmentierung und es bildet sich die individuelle schwarzgelbe Zeichnung heraus. Nach zwei bis vier Jahren werden die Salamander geschlechtsreif. Den Winter verbringen sie an frostfreien Stellen in Wurzellöchern, Bauten von Kleinsäugern, Felsspalten, Kellern oder Schächten.


Wo der Feuersalamander lebt: Lebensraum und Verbreitung

Mit Vorliebe besiedeln Feuersalamander Laub- oder Mischwälder, wo Laub und Moos viel Feuchtigkeit am Boden speichern. Aber auch in feuchten, älteren Fichtenwäldern leben Feuersalamander – vor allem in höheren Lagen und wenn entlang der Gewässer Laubgehölze wachsen. Dichte Fichtenmonokulturen meiden die Tiere jedoch. Hier ist der Boden meist zu trocken und zu sauer. Auf keinen Fall dürfen Versteckplätze fehlen, wie liegendes Totholz, Steine oder morsche Wurzeln. Hier verbringen die Lurche die trockene Zeit des Jahres und kommen vorzugsweise bei länger anhaltendem Regen aus ihren Verstecken: An warmen Regentagen kann man den Feuersalamandern auch mehrere hundert Meter von Gewässern entfernt begegnen. 

Die Larven des Feuersalamanders leben im Wasser. Sie lieben strömendes, sauerstoffreiches und sauberes Wasser. Sie sind damit wichtige Zeigerorganismen für intakte Quellen in unseren Wäldern. Wenn nötig, setzen die Weibchen ihre Larven aber auch in stehenden Gewässern ab. Hier werden Gräben und Rückhaltebecken am Wegrand, Suhlen und sogar wassergefüllte Radspuren gerne angenommen. Nach der Metamorphose verlassen die Feuersalamander die Gewässer, denn die allermeiste Zeit ihres Lebens verbringen sie an Land. Hier führen sie ein sehr verstecktes Leben.

Weltweit kommt der Feuersalamander nur in Süd- und Mitteleuropa vor. Rund ein Dutzend Varianten werden unterschieden, die meisten auf der iberischen Halbinsel – mittlerweile gelten einige davon jedoch als “echte” Arten.

In Bayern kommen nur zwei Unterarten vor, die an ihrem Zeichnungsmuster leicht zu erkennen sind: die gebänderte Form (Salamandra s. terrestris) und die gefleckte Form (Salamandra s. salamandra), sowie eine Mischform der beiden.

Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland ist Bayern. Der Freistaat steht damit in besonderer Verantwortung für den Erhalt dieser Art. Auffällig ist die “Salamanderlücke” zwischen Baden-Württemberg und Bayern, die zugleich die Grenze der Unterarten markiert: Nur in Spessart, Odenwald und Rhön ist die Mischform anzutreffen.


Was den Feuersalamander gefährdet: Bedrohungen

Der Feuersalamander steht auf der Roten Liste Bayern als "gefährdete" Art. Sein Lebensraum geht verloren oder wird beeinträchtigt – etwa durch Straßen –, der Klimawandel verändert die Bedingungen, die er zum Leben braucht, und der eingeschleppte Hautpilz Bsal verursacht tödliche Hautveränderungen.

Straßen zerschneiden Lebensraum

Der Ausbau des Verkehrsnetzes geht weiter, mit jeder Straße steigt das Risiko: Kreuzen Feuersalamander auf ihren Wanderungen zum Laichgewässer die Verkehrswege, kommt es gerade in feuchten Nächten zu hohen Verlusten. Vor allem im zeitigen Frühjahr, wenn viele Weibchen gleichzeitig die Gewässer aufsuchen, können auch wenig befahrene Straßen zum Problem werden. Schon Randsteine können für die Salamander – anders als für Kröten und Frösche – zum unüberwindlichen Hindernis werden. Dasselbe gilt für Betonschächte oder Abflussrohre, die zur tödlichen Falle werden können.

Zerstörte Quellen und Bäche

Quellen wurden in den vergangenen Jahrzehnten oft eingefasst, die Quellbäche in Rohre gelegt – oder sie werden gar mit Abfällen verfüllt. Die Feuersalamanderweibchen können ihre Larven dort dann nicht mehr absetzen. 

Wo Ackerflächen in der Nähe sind, ist das Wasser schon überdüngt, bevor es an die Oberfläche kommt. Es bilden sich Algenwatten und den Larven fehlt der Sauerstoff zum Atmen. Manchmal säumen dichte Fichtenforste in Monokulturen den Bach und ihre Nadeln übersäuern das Wasser.

Klimawandel und Versiegelung

Der menschengemachte Klimawandel bedroht kaum eine Tierklasse so stark wie die Amphibien – überall auf der Welt. Ihre Haut braucht Feuchtigkeit, um den Körper vor Austrocknung und schädlichen Keimen zu schützen. Und die allermeisten Amphibien sind zur Fortpflanzung auf Gewässer angewiesen. 

Auch in Bayern häufen sich schneearme Winter und trockene Perioden während der Hauptfortpflanzungszeit des Feuersalamanders. Flächenversiegelung und moderne Landnutzung erschweren ebenfalls die Neubildung von Grundwasser. 

Quellbäche und andere Kleingewässer fallen immer häufiger trocken. Die Salamanderlarven schaffen es dann nicht mehr, ihre Entwicklung im Wasser abzuschließen. So kann in manchen Jahren in einigen Gewässern die Fortpflanzung ganz ausfallen. Das schwächt die Populationen und kann auf Dauer zum Aussterben führen.

Bsal: Tödlicher Hautpilz

Krankheiten bedrohen die Amphibienbestände überall auf der Welt. Das ist einer der Gründe, warum Amphibien die am stärksten bedrohte Wirbeltier-Klasse sind. 

Ein vermutlich aus Asien stammender und eingeschleppter Pilz verbreitet sich zudem seit einigen Jahren in Mitteleuropa. Neben dem Feuersalamander befällt er auch Molcharten. Sein Name: Batrachochytrium salamandrivorans – oder kurz: Bsal. 

Er befällt die empfindliche Haut der Lurche, verursacht Geschwüre bzw. "frisst" Löcher hinein (siehe Foto). Die Tiere werden lethargisch und sterben innerhalb weniger Tage, im Frühstadium sehen befallene Tiere allerdings gesund aus. 

2010 wurde Bsal in Holland entdeckt, dort führte er zu einem Bestandseinbruch von bis zu 96 Prozent. Mittlerweile ist der Pilz auch in Belgien, Luxemburg, Spanien und Nordrhein-Westfalen nachgewiesen und man weiß, dass er schon 2004 in der Eifel aufgetreten ist. 

Im Mai 2020 wurde im Steigerwald bei Bamberg der erste infizierte Feuersalamander in Bayern entdeckt. Derzeit bleibt vor allem die Hoffnung, dass die Natur selbst eine Lösung findet, zum Beispiel über die Entwicklung von Resistenzen. Im Rahmen des Artenhilfsprogramm Feuersalamander wurden die bayerischen Populationen des Feuersalamanders auch auf eine Infektion mit Bsal hin untersucht – glücklicherweise konnten bisher keine neuen Ausbruchsorte der Krankheit festgestellt werden.