MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Vorurteile gegenüber dem Biber ausräumen!

Unwissen und Vorurteile machen dem Biber das Leben in Bayern schwer. Der BUND Naturschutz (BN) setzt dem Aufklärung und Fakten entgegen.

Vorurteil Übervermehrung: Jeder junge Biber muss sich später sein eigenes Revier erkämpfen (Foto: Wolfgang Willner)
Vorurteil Übervermehrung: Jeder junge Biber muss sich später sein eigenes Revier erkämpfen (Foto: Wolfgang Willner)

Der Biber war jahrzehntelang aus Bayern verschwunden. Heute wissen nur noch wenige Menschen, wie der nützliche Nager tatsächlich lebt. Deshalb halten sich einige Vorurteile über den Biber hartnäckig. Erfahren Sie hier, was tatsächlich Fakt ist.

Vorurteil 1: Es gibt schon zu viele Biber in Bayern

Gerüchte über eine vermeintliche Übervermehrung des Bibers sind falsch. Sie ist biologisch gar nicht möglich. Fakt ist: Nur fünf Prozent der Landesfläche des Freistaates kommen überhaupt als Lebensraum für den Biber infrage. Innerhalb der darin besetzten Reviere bleibt die Anzahl der Tiere fast konstant, denn Biber sind extrem territorial.

Hat eine Familie ein Revier besetzt, wird kein weiterer Biber darin geduldet. Rivalen werden vehement vertrieben. Nicht selten kommt es dabei auch zu tödlichen Verletzungen. Auf einem Gebiet von etwa zwei Kilometern Uferlänge werden deshalb nie mehr Biber als ein Elternpaar, die Jungen vom Vorjahr und der aktuelle Nachwuchs leben. Das Vorkommen der Nager auf einer bestimmten Fläche ist also streng begrenzt. 
Zweijährige Biber sind mittlerweile in Bayern auf einem Spiesrutenlauf unterwegs und müssen sich auf ihren Wegen zu neuen Ufern durch besetzte Reviere kämpfen.

Vorurteil 2: Biber passen nicht mehr in unsere Natur

Dass der Biber mit der von uns so stark gestalteten Landschaft zurechtkommt, hat er auf überraschende Weise bewiesen. Fakt ist: Jetzt kommt es darauf an, ob wir mit ein klein wenig mehr Natur zurechtkommen. Denn: Unsere Landschaft hat mit Natur im eigentlichen Sinne meist nur noch wenig zu tun: Fast jeder Quadratzentimeter wurde von uns umgestaltet und der Nutzung unterzogen; Wildnis kommt so gut wie nicht mehr vor.

Der Biber tut in dieser Situation das, was er immer getan hat: Er gestaltet seinen Lebensraum. Seine Devise lautet schlicht und ergreifend: Mehr Natur! Gerade das „Unaufgeräumte“, das Abwechslungsreiche, Vielfältige und sich ständig Verändernde, das er in seinen Revieren wieder einführt, entspricht dem eigentlichen Wesen der Natur. Die Gesetzeslage ist klar: Laut EU-Recht begrüßen die europäischen Staaten die Rückkehr ehemals ausgerotteter Tierarten. Nun geht es darum, in den Köpfen und Herzen der Menschen auch Platz für sie – und etwas mehr Wildnis – zu schaffen.

Zudem kann der Biber nur knappe fünf Prozent der bayerischen Landesfläche überhaupt besiedeln. Dabei entfernt er sich praktisch nie mehr als 20 Meter vom Wasser. Konflikte entstehen deshalb meist nur dort, wo der auch für den Trink- und Hochwasserschutz wichtige Uferrandstreifen fehlt.

Vorurteil 3: Wo der Biber lebt, gibt es bald keine Bäume mehr

Damit fangen die Vorurteile oft an: vom Biber gefällter Baum
Typische Auwaldbäume wie Weide oder Erle schlagen aus den Baumstümpfen wieder aus (Foto: Ralph Frank)

Biber fällen vor allem im Winter Bäume, wenn es sonst nichts zu fressen für sie gibt. Da sie nicht klettern können, ist dies ihre einzige Möglichkeit, an Blätter oder die zarte Rinde der Äste zu gelangen. Fakt ist: Wenn ein Bach- oder Flussufer naturnah und dicht mit typischen Auwaldbäumen wie Weide oder Erle bewachsen ist, stören die Fällaktionen des Bibers kaum. Sie gehören zum normalen Kreislauf in diesem Lebensraum. Bäume wie Weide oder Erle schlagen im Folgejahr aus den Baumstümpfen wieder aus.

Handelt es sich bei dem Revier allerdings um eher naturferne und vom Menschen gestaltete Bereiche, schmerzen Verluste unter den wenigen verbliebenen Bäumen. Hier muss der Mensch steuernd eingreifen. In solchen Gebieten ist es sinnvoll, Uferbäume frühzeitig mit einer Drahtgeflechthose (Hasenzaun, Maschendrahtzaun oder Estrichmatte) im unteren Stammbereich auf einer Höhe von 1,20 Meter zu schützen. Gleiches gilt für wertvolle Obst- oder Nutzbäume, die in der Nähe von Bibergewässern stehen. Eine preiswerte Lösung, die gut funktioniert. Langfristig ist es aber sinnvoll, mehr naturnahe (Auwald-)Vegetation in Uferbereichen zuzulassen.

Vorurteil 4: Biber verursachen Hochwasser

Immer wieder wird behauptet, Deiche seien gebrochen, weil der Biber sie untergraben habe. Fakt ist: Bisher kam es zu keinem einzigen solchen Fall. Rein theoretisch können Tierbaue die Standsicherheit von Deichen beeinträchtigen. Dies gilt für Baue und Röhren von Bibern, Bisam, Nutria, Dachs, Fuchs und Kaninchen. In der Praxis ist dieses Problem allerdings seit langem bekannt und die Wasserwirtschaftsämter haben sich darauf eingestellt. Sie sichern Deiche schon seit den 1990er-Jahren durch Gitter, Steinschüttungen und grabesichere Aufbauten entsprechend ab.

Während des Hochwassers im Jahr 2013 kam es zu keinem einzigen Deichbruch durch den Biber. Das zeigt, dass sich Mensch und Tier im Hochwasserschutz längst aneinander angepasst haben und gut miteinander zurechtkommen. Mehr noch: Der Biber unterstützt den Menschen beim Hochwasserschutz. So verzögert sich der Wasserabfluss überall dort, wo der fleißige Nager lebt und baut je nach Topografie bis um das 160-fache. Während in einem Gebiet ohne Biberdämme ankommendes Wasser innerhalb von drei bis vier Stunden wieder abfließt, dauert es in gestauten Bereichen bis zu 19 Tage. Dadurch versickert und verdunstet bereits im Oberlauf von Bächen mehr Wasser und Hochwasserspitzen werden gekappt. Umgekehrt profitieren in trockenen Jahren Natur und Landwirtschaft vom „Wasserrückhaltesystem“ des Bibers.