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Die "Hölle" bei Brennberg: zäher Kampf ums Wasser

Der Höllbach im Vorderen Bayerischen Wald bildet eine Schlucht, deren Name verrät, was für ein gewaltiges Schauspiel man dort einst erleben konnte: die Hölle. Doch der "mächtig brausende Bach, der sich unter sinnbetörendem Getöse und Gebrülle durch das Felsenlabyrinth zwängt", ist verschwunden - ein trauriger Verlust eines landschaftlichen Höhepunkts. Der BUND Naturschutz konnte das Naturdenkmal aber vor noch Schlimmerem bewahren und ihm einen Teil seines Wassers zurückgeben.

"Im Grunde der Schlucht, wo an den heißesten Sommertagen fast eisige Kälte herrscht, zwängt sich der Wildbach durch das Felsenlabyrinth unter sinnbetörendem Getöse hindurch, und bildet sozusagen unterirdische Wasserfälle, die man wohl mächtig brausen hört, aber nicht sieht. In manchen nassen Jahrgängen vermögen sich die Fluten aus den Granitkolossen mit schäumendem Gischt emporzuarbeiten, und stürzen dann über diese mit einem Gebrülle ab, das bei nächtlicher Stille meilenweit vernommen wird, und das in der Nähe gesprochene Wort unverständlich macht." 

Die starke Schneeschmelze im April 2006 ließ die Kraft der früheren Wassermassen erahnen (Foto: Peter Streck)

So wildromantisch beschreibt ein Wanderführer aus dem Jahr 1892 die sogenannte "Hölle" oder "Wolfsschlucht": "Ein rauschender Waldbach, auf beiden Ufern vom Walde beschattet, bietet eine der großartigsten Naturszenen ihrer Art, und wer in diese Gegend kommt, versäume ja nicht, sich den Anblick derselben zu verschaffen, wenn auch eine Wanderung dahin einiges Klettern und Springen über Kolosse von Granit-Felsblöcken und Baumstücken kostet. Die kleine Anstrengung wird überreichlich belohnt."

Wo ist der tosende Wildbach geblieben? Die "Hölle" kann man auch heute noch durchwandern, und es ist immer noch ein eindrucksvoller Weg, wenn man buchstäblich über Stock und Stein zwischen riesigen Felsblöcken hindurch steigt. Aber der "mächtig brausende Bach, der sich unter sinnbetörendem Getöse und Gebrülle durch das Felsenlabyrinth zwängt", ist verschwunden; ein immer größerer Teil seines Wassers wird schon seit Mitte des letzten Jahrhunderts – oft auch ohne die erforderlichen Genehmigungen – zur Stromerzeugung abgezweigt. 

Was die "kleine Wasserkraft" anrichtet

Was die Energiewirtschaft an Wasser übrig lässt, ist nur ein trauriger Rest einstiger Schönheit (Foto: Winfried Berner)

Hier kann man beispielhaft studieren, was die so genannte "kleine Wasserkraft" anrichtet, die von vielen Energiepolitikern als vermeintliches Musterbeispiel der erneuerbaren Energien angepriesen wird – selbst von Politikern der "Grünen". Für eine vernachlässigbar geringe Energieausbeute werden wertvollste Biotope zerstört – im Falle der Hölle ein äußerst seltener Sommerlinden-Erlen-Auwald. An anderen Stellen sind es weniger spektakuläre, aber kaum weniger wertvolle Lebensräume. Ganz abgesehen von den unzähligen Fischen, die in den Turbinen bei lebendigem Leib gehäckselt werden.

2,8 Millionen Kilowattstunden Strom produziert das Höllbachkraftwerk 3 jährlich – das klingt nach viel, aber es sind lediglich 0,003 Prozent des in Bayern erzeugten Stroms und gerade mal etwa so viel, wie eine einzige moderne Windturbine erzeugt. 

Selbst das karge "Restwasser", das dem Höllbach belassen wird, wäre noch weniger, wenn nicht die BN-Kreisgruppe Regensburg und vor allem ihr langjähriger Vorsitzender Dr. Peter Streck in jahrelangen Kämpfen und Rechtsstreitigkeiten wenigstens eine Mindest-Wassermenge durchgesetzt hätten, die weit oberhalb der Wunschvorstellungen des Energieerzeugers lag. 

Naturdenkmal vor dem Untergang gerettet

Lageplan und Restwassermengen der Höllbachkraftwerke

Am 22. Januar 2012 wurde vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ein "unwiderruflicher" Vergleich geschlossen, der die "Höllbachkraftwerke Rupert Heider KG" erstens dazu verpflichtet, im Sommer mindestens 180 Liter pro Sekunde (an Wochenenden 200 Liter) und im Winter mindestens 160 Liter pro Sekunde aus dem Speichersee Postfelden in den Höllbach abzugeben und zweitens die Wassermenge der regelmäßigen "Spülungen", mit denen ein künstliches Hochwasser simuliert wird, zu verdoppeln. 

Diese Spülungen sind wichtig, um die Schlammablagerungen aus der "Hölle" herauszuschwemmen. Sie kranken allerdings daran, dass stattdessen erst einmal Schlamm aus dem Speichersee in die Hölle hineingespült wird. Der Fichtenaufwuchs, der den einzigartigen Sommerlinden-Erlen-Auwald zu verdrängen droht, können sie dagegen kaum beseitigen; er wird vor allem durch die Frühjahrshochwässer aus dem Boden gerissen, die bei der Schneeschmelze mit 4000 Liter pro Sekunde und mehr durch die Hölle schießen.

Ein "Erfolg auf ganzer Linie" lässt sich am Ende des jahrzehntelangen Kampf um die Hölle leider nicht vermelden – schon gar nicht, wenn man es daran misst, dass Professor Otto Kraus, der erste amtliche bayerische Naturschützer, schon in einem Gutachten von 1957 für die Hölle jeden Kompromiss nachdrücklich abgelehnt hat mit dem kategorischen Hinweis, "dass die im Naturschutzgebiet 'Hölle' zu belassende Wassermenge nur jene sein kann, die die Natur seit jeher spendet." Doch zumindest eines hat die BN-Kreisgruppe Regensburg nach langem und zähem Ringen erreicht: Sie hat dieses einmalige Naturdenkmal vor dem Untergang durch Austrocknung und Überwucherung gerettet.