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Ausbruch von Wölfen im Bayerischen Wald

Im Nationalpark Bayerischer Wald haben Unbekannte Anfang Oktober ein Freigehege geöffnet, wodurch sechs Wölfe aus dem Gehege entkommen konnten. Im Gegensatz zu wilden Wölfen sind die Gehegewölfe an den Menschen gewöhnt und haben ihre natürliche Scheu zum Teil abgelegt. Sie können bei einer Begegnung unberechenbar reagieren.

Foto: von Düren/fotolia.com

12.10.2017

Leider ist es der Nationalparkverwaltung bisher nicht gelungen, diese Wölfe oder auch nur einen davon wieder einzufangen, denn die Jagd mit Betäubungsgewehren oder Lebendfallen ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden. Die Betäubungspfeile haben eine sehr begrenzte Reichweite und fliegen so langsam, dass Wölfe ihnen sogar ausweichen können. Näheres kann man der Pressemitteilung des Nationalparks vom Dienstag, 10. Oktober, entnehmen.

Nachdem es zu einer bedrohlichen Begegnung eines Wolfes mit Menschen kam, wurden zwei Wölfe abgeschossen. Ein Wolf wurde gleich zu Beginn von einem Zug erfasst und dabei getötet. Das sind traurige Tage für alle Wolfsfreunde!

Die naturschutzrechtlich abgedeckte Entscheidung der Nationalparkverwaltung, die Wölfe auch abzuschießen, wenn das Einfangen misslingt, ist aus unserer Sicht nachvollziehbar. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Zwischenfalls, bei dem es zur Verletzung von Menschen kommt, gering ist: Es ist nicht auszuschließen. Wer will für dieses Risiko die Verantwortung übernehmen?

Sehr lesenswert ist dazu auch die Meinung und Beurteilung des Wolfsexperten Ulrich Wotschikowsky, der sich seit Jahrzehnten für den Wolf stark macht, mit dem der BUND Naturschutz eng zusammenarbeitet  und der persönliche Erfahrung mit einer ähnlichen Situation vor vielen Jahren hat. 

Vielleicht hätte unmittelbar nach dem Ausbruch mehr Personal eingesetzt werden müssen, um die Wölfe einzufangen oder zu betäuben. Doch Pauschalverurteilungen oder gar Beschimpfungen aus Tierschutzsicht helfen bei aller Bestürzung über die Tötung der Gehege-Wölfe jetzt nicht weiter.

Damit ist dem Wolf nicht gedient! Bayern soll Wolfsland werden. Der Wolf kann seinen angestammten Platz in Bayern wieder bekommen, aber das wird nur gelingen, wenn es in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz gibt. Eine einzige riskante Begegnung mit einem der Gehege-Wölfe hätte dafür fatale Folgen – vielleicht haben diejenigen, die das Gehege öffneten, eben dies als Ziel?

Mehr Informationen

Pressemitteilung des Nationalparks Bayerischer Wald zu den entlaufenen Wölfen

Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky über den Wolfsausbruch