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Amphibienrettung im Landkreis Landshut – Situation wird immer dramatischer!

Die rückläufigen Zahlen an Amphibien, die der BUND Naturschutz (BN) in Bayern bei seinen Amphibienrettungen jährlich feststellt, sind ein alarmierendes Zeichen. Bei einem Ortstermin in Gündlkofen (Gemeinde Bruckberg, Landkreis Landshut) hat der BN die akuten Probleme aufgezeigt.

14.03.2024

Auf ihren Wanderungen müssen Amphibien zahlreiche Hürden und Gefahrenstellen überwinden. Bereits seit Mitte Februar sind deshalb bayernweit wieder viele ehrenamtliche Helfer*innen unterwegs, um den Kröten, Fröschen und Molchen über die Straßen zu helfen. Durch die milden Temperaturen sind die Amphibien heuer besonders früh unterwegs. “Die steigenden Temperaturen locken die Tiere aus ihren Winterquartieren und sie machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern”, erklärt Ingrid Großmann von der BN-Ortsgruppe Bruckberg / Gündlkofen.

“Wir merken die Auswirkungen des Klimawandels und des weiterhin zunehmenden Verlustes von Lebensräumen jedes Jahr an den absoluten Zahlen bei den Amphibiensammlungen. Da der BN seit Jahrzehnten flächendeckend in ganz Bayern Amphibien rettet, können wir das gut anhand unserer eigenen Daten belegen”, erläutert Kathy Mühlebach-Sturm, BN-Kreisvorsitzende Landshut und Mitglied des BN-Landesvorstandes. „Der BN unternimmt, was in seinen Möglichkeiten steht, um den Tieren weiterzuhelfen. Ändern muss sich aber das Große und Ganze. Der unstillbare Durst nach Fläche führt zu einem irreversiblen Verlust von Lebensräumen. Wenn wir die Schönheit unserer Landschaft und deren Bewohner erhalten wollen, braucht es nicht weniger als einen Paradigmenwechsel”, so Mühlebach-Sturm weiter.

Das sehr dichte Straßennetz in Deutschland und der weiter fortschreitende Straßenbau auch in Bayern ist aus verschiedenen Gründen problematisch. Durch die Straßen werden Lebensräume komplett zerschnitten, ein Austausch zwischen den Räumen kann nicht immer stattfinden. Dies kann zu einer genetischen Verarmung einzelner Populationen führen, was schließlich deren 

Erhalt gefährdet. Neben den seit Jahrzehnten nicht verminderten, klimaschädlichen Emissionen durch den Straßenverkehr als wesentlicher Faktor bei der Erderwärmung, ist auch der Strukturverlust in unserer Landschaft problematisch. Monokulturell geprägte Landwirtschaft oder monotone Fichtenwälder bieten immer weniger Lebensräume für unsere heimischen Arten”, erklärt Rita Rott, BN-Regionalreferentin für Niederbayern.

Die Amphibienschutzeinrichtung an der Kreisstraße zwischen Gündlkofen und Unterlenghart war 1984 eine der ersten in Bayern. Der Schutzzaun wird seitdem jedes Jahr Anfang bis Mitte Februar zu Beginn der Amphibienwanderzeit aufgebaut und verhindert jetzt im 41. Jahr, dass Kröten und Frösche beim Überqueren der Straße von Autos überrollt und getötet werden.

„Unsere Amphibien hier überwintern in den Hangleiten und wollen in die Mooswiesen zum Ablaichen“ berichtet die Ortsgruppenvorsitzende Ingrid Großmann. So waren es in den Anfangsjahren 700 bis 900 Tiere und bis zur Jahrhundertwende im Schnitt 650 Amphibien, die jährlich am Zaun abgefangen werden konnten. Obwohl ein ehemaliger Klärteich zu einem Weiher umgestaltet werden konnte und als Laichgewässer angenommen wurde, reduzierte sich die Zahl auf nur mehr 250 bis 350 Individuen in den letzten vier Jahren. Die Ortsgruppe, so Ingrid Großmann, sieht als Hauptgrund für die niedrige Amphibienpopulation die permanente Absenkung der Mooswiesen sowie Auffüllungen und damit das Verschwinden von vielen Kleingewässern. „Es hat sich der Amphibien-Lebensraum in den Hangleiten kaum, aber das Durchwanderungs- und Ablaichgebiet signifikant verändert“, so Großmann.

Helfer*innen der Ortsgruppe haben nun begonnen, im Bereich des Weihers neue Kleingewässer mit Folien anzulegen, um eine bessere Fortpflanzung zu gewährleisten. In Zukunft hofft die Ortsgruppe auf wiedervernässte und extensivierte Mooswiesen zwischen Gündlkofen und Unterlenghart mit vielen neuen Laichgewässern.