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5.686 Einwendungen gegen den Sandabbau bei Altdorf

Übergabe bei der Regierung von Mittelfranken

Mitte April 2021 wurde bekannt, dass die Firma Bamberger Sand- und Kiesbaggerei GmbH aus Geiselwind im Lorenzer Reichswald bei Altdorf im Landkreis Nürnberger Land Sand auf großer Fläche abbauen will. Sofort gründete sich eine Bürgerinitiative und die Ortsgruppe Altdorf/Winkelhaid des BN organisierte Infostände und sammelte Einwendungen. Derzeit läuft das Raumordnungsverfahren bei der Regierung von Mittelfranken für die Gewinnung von Quarzsand im Tagebau „Vogelherd“.

31.05.2021

Mit 5.686 ablehnenden Einwendungen im Raumordnungsverfahren ist innerhalb weniger Wochen eine sehr hohe Zahl zusammengekommen. Sie zeigt das große Interesse am Planungsverfahren und die starke Ablehnung des geplanten Vorhabens in der Bevölkerung der Stadt Altdorf, der ebenso betroffenen Gemeinden Winkelhaid und Leinburg im Landkreis Nürnberger Land und darüber hinaus.

Mitglieder des BUND Naturschutz in Bayern e.V. und der Bürgerinitiative „Nein zum Sandabbau bei Altdorf – Rettet den Röthenbacher Wald“ übergaben die Sammeleinwendungen der Regierung von Mittelfranken und wurden dabei von Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer und dem für Raumordnungsverfahren zuständigen Herrn Rauh empfangen. Dabei konnte die Abordnung aus BN und BI ihre Position kurz erläutern.

Die Planungen sehen vor, dass innerhalb von 35 Jahren insgesamt 50,2 Hektar Wald gerodet werden, um den dort vorkommenden Quarzsand abzubauen. Die Fläche bezieht sich auf ein im Regionalplan ausgewiesenes Vorranggebiet QS 14 (dessen Größe allerdings nur 35,4 Hektar beträgt). Die Sandgruben sollen nach dem Abbau wieder verfüllt und aufgeforstet werden, um den Waldverlust auszugleichen.

Der BUND Naturschutz lehnt die Planung ab, weil dies zu einem erheblichen Eingriff in das europäische Vogelschutzgebiet Nürnberger Reichswald führen würde. Darüber hinaus handelt es sich bei dem bedrohten Wald um Bannwald, bei dem der Walderhalt Vorrang vor anderen Nutzungen genießt. Außerdem sind ca. 30 Prozent der geplanten Abbaufläche nach Bundesnaturschutzgesetz geschützte Biotope. Ein Großteil der Fläche ist als Flechtenkiefernwald geschützt. Weiterhin ist eine Beeinträchtigung des unmittelbar benachbarten Naturdenkmals Röthenbachklamm zu befürchten.

„Es handelt sich bei dem Planungsgebiet also um einen naturschutzfachlich bedeutsamen Landschaftsraum. Hier darf der vorgesehene Schutz nicht durch ökonomische Interessen ausgehebelt werden. Wir sollten nicht vergessen, dass jede weitere Zerstörung von Natur auch immer eine Zerstörung unserer Lebensgrundlage bedeutet. Vor allem die Menschen im direkten Umfeld würden Jahrzehnte darunter leiden. Wir sind entsetzt über die Planungen!“ so Hans-Dieter Pletz, stellv. Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Altdorf Winkelhaid.

Heide Frobel, BN-Kreisvorsitzende Nürnberger Land ist auch angesichts weiterer Planungen im Landkreis in großer Sorge um den Wald überhaupt: „In den letzten Jahren haben die Wälder durch die trockenen, heißen Sommer gelitten. Sie müssen jetzt erst einmal fit gemacht werden für den Klimawandel. Sie dürfen nicht durch großflächige Rodungen weiter geschwächt werden. Auch wenn Ausgleichsmaßnahmen in Form von Neupflanzungen geplant werden, so ist dies immer nur ein rechnerischer Ausgleich. Denn wenn ein 60 bis 90 Jahre alter Baumbestand gerodet wird, dann sind dessen ökologische Funktionen doch erst nach Jahrzehnten wieder gleichwertig vorhanden. Erst dann kann der neue Wald in gleichem Maße Sauerstoff produzieren, CO2-Speicher sein, zu sauberem Grundwasser, Bodenschutz und Immissionsschutz beitragen sowie Lebensraum für Tiere und Pflanzen sein.“

Miranda Bellchambers von der Ortsgruppe ergänzt: „Die 50 Hektar Bannwald im Vogelherd ist ein gesunder funktionierender Wald dank des vorhandenen Wassers aus der Röthenbach Klamm. Auch wenn sich das Klima weiter aufheizen wird, wird dieser Wald samt Sand-Kiefer gute Überlebenschancen haben, trotz erhöhter Temperaturen über die nächsten 50 und mehr Jahre. Es macht gar keinen Sinn, so einen gesunden Wald zu zerstören, aber gleichzeitig im Rahmen der Baumpflanz-Aktion des Ministerpräsidenten Markus Söder 30 Millionen neue Bäume zu pflanzen, die erst heranwachsen müssen.“

„Wenn wir nicht die letzten mächtigeren Sanddünen im Reichswald verlieren wollen, muss die weitere Nutzung der Naturvorkommen deutlich eingeschränkt und die Abbaugeschwindigkeit extrem reduziert werden. Primäre Aufgabe der Behörden und der Privatwirtschaft ist das stärkere Recycling von Abbruchmaterialien zur Verwendung im Hochbau.“ fordert Tom Konopka, BN-Regionalreferent für Mittelfranken.

Auch aus Sicht der Bürgerinitiative ist der geplante Sandabbau vollständig abzulehnen. „Das Waldgebiet mit der Röthenbachklamm in direkter Nähe ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für Menschen im ganzen Landkreis. Zudem würde eine Rodung des Waldgebiets zu einer massiven Lärm- und Staubbelastung durch Abbau und Abtransport des Sandes für die umliegenden Orte führen. In Zeiten des Klimawandels ist es unbedingt notwendig, noch vorhandene Walderholungsgebiete für Mensch und Natur zu erhalten“, so die Sprecher der Bürgerinitiative Aaron Mühlendyck und Max Jacobsen.

Das gesamte geplante Gebiet liegt im Bannwald, der nach bayerischem Waldgesetz besonders geschützt ist. Der Wald im Landkreis Nürnberger Land ist zum großen Teil noch jung, nur an wenigen Standorten stehen über 100 Jahre alte Bäume. Im nun überplanten Gebiet sind jedoch einige ältere Bäume vorhanden, die Planer sprechen von 60 - 90 Jahre altem Wald und teilweise bis zu 120 Jahre alten Bäumen. Eine Rodung und die Wiederaufforstung der geplanten Sandabbaufläche innerhalb von 35 Jahren würde keinen neuen gleichwertigen Wald erzeugen. In 35 Jahren stehen dort Bäume im Alter zwischen 0 und 35 Jahren, also ein „Waldkindergarten“. Dies kann keinen Ersatz für den bestehenden Bannwald darstellen. Durch das komplette Roden einer Waldfläche (Kahlschlag) geht auf viele Jahre hinaus das Waldklima verloren.

Durch die extreme Tiefe des geplanten Abbaus droht ein Absinken des Wasserspiegels in der nahegelegenen Röthenbachklamm (Naturdenkmal).

Durch das Verfüllen mit teilweise belasteten Bauschutt Z1.2 in den Trockenabbaugebieten samt Überhöhung ist das Risiko eines Eintrags von Schadstoffen in das Grundwasser sehr hoch.

Der geplante Sandabbau widerspricht den Zielen des Arten- und Biotopschutzprogrammes in mehreren Punkten. Aufgrund von landkreisweit bedeutsamen Vorkommen von Kreuzotter, Ringelnatter, Zauneidechse und Schillerfalter sowie mehrerer Heuschreckenarten wurde das Gebiet in das Programm aufgenommen und die Flächen als Biotope ausgewiesen. Die Fläche liegt im ABSP-Schwerpunktgebiet Leinburger Dünengebiet.

Im Rahmen der Planungen wurden erste Untersuchungen zur Flora und Fauna des Gebietes veranlasst. Der Schwarzspecht würde seinen Lebensraum verlieren, selbst wenn seine Höhlenbäume stehenblieben. Der Steinkrebs im Röthenbach, eine nach der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie zu schützende Art, würde durch die zu befürchtende Veränderung der Wasserqualität und Wassermenge des Röthenbachs hier aussterben.

Auch wenn der geplante Sandabbau stückweise passieren soll, so handelt es sich nicht nur um eine vorübergehende kleinere Beeinträchtigung, sondern es würde zu einer erheblichen und langanhaltenden Veränderung des Landschaftsbildes kommen.

Die Auswirkungen auf das Klima sind nicht „vorübergehend“, wie im Bericht dargestellt wird. Für die nächsten 35 Jahre ist die Fläche während des Abbaus klimaschädlich.

Die geplanten Maßnahmen lassen eine erhebliche Einschränkung der Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten und eine starke Beeinträchtigung durch Staub und Lärm befürchten. Das Naturerlebnis wird beim Durchqueren der verbleibenden Waldflächen – wenn diese überhaupt zugänglich sind – enorm eingeschränkt sein.

Für die Ortschaften Ludersheim, Waldspitze, Unterwellitzleithen und Röthenbach bei Altdorf ergäbe sich eine höhere Belastung, weil der Lärm von der Autobahn nicht mehr durch Wald abgeschirmt würde und zusätzliche bis zu 120 LKW-Fahrten dazukämen.

Der Hunger nach Rohstoffen muss gebremst werden. Seit 25 Jahren fordert der BN ein Umdenken und die Verwendung von Recycling-Baustoffen. Eckiger Sand als Rohstoff in dieser Qualität, wie er bei Altdorf vorkommt, sollte nur für Zwecke in Betracht kommen, die diese Qualität auch brauchen. Als Alternative fordert der BN auch, den Sand des Monte Kaolino bei Hirschau (Opf.) zu nutzen. Laut Wikipedia liegen dort 35 Mio. t Quarzsand. Der Berg wächst weiterhin an, da beim Kaolin-Abbau dauerhaft Sand anfällt. Bereits 1996 wiesen Aktive des BN auf diese Abraummengen hin, die dem gesamten inländischen Bedarf von mehreren Jahren entspricht.

Anlagen:

  1. Anlage Sammeleinwendung
  2. Foto der Übergabe der Sammeleinwendungen (Von links: Heide Frobel (Vors. BN-Kreisgruppe), Miranda Bellchambers, Tom Konopka, Hans-Dieter Pletz (Vors. BN-Ortsgruppe), Bianca Pircher (BI), Dr. Bauer (Regierungspräsident), Herr Rauh (Regierung), Max Jacobsen (BI) – Fotograf: Thomas Pircher – Das Foto darf kostenfrei in diesem Zusammenhang verwendet werden.
     

Für Rückfragen:

Tom Konopka, Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken
Telefon 0911 81878-24, Mobil 0160 8531944
Mail tom.konopka@bund-naturschutz.de