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„Der Wald ist keine Verfügungsmasse für Planungen aller Art“

Gemeinsam mit befreundeten Verbänden und Bürgerinitiativen hatte der BUND Naturschutz zur Kundgebung „Rettet den Reichswald“ am Sonntag, 18.7.2021, am Schmausenbuck in Nürnberg aufgerufen – und über 300 Demonstrantinnen und Demonstranten kamen.

19.07.2021

Auf sechs Radsternfahrten aus Reichswaldkommunen und einer geführten Wanderung, mit Straßenbahn und zu Fuß waren sie in den schönen Eichenhain am traditionellen Reichswaldfestplatz angereist.

„Das Fest musste dieses Jahr wie 2020 pandemiebedingt ausfallen, aber wir haben uns gesagt ‚Zurück zu den Wurzeln!‘. Wie in den 1970er Jahren machen wir eine reine Protestkundgebung mit demselben Slogan ‚Rettet den Reichswald‘. Immerhin sind die geplanten Rodungen wieder genauso riesig wie damals, als der Wald noch nicht mal als Bannwald geschützt war“, so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BN. „Der Klimaschutz muss jetzt endlich vorrangig angegangen werden“, so Mergner. Mit einer Gedenkminute wurde der Opfer der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und in NRW gedacht.

„Die Bürgerbewegung für den Reichswald besteht weiter, sie ist stärker denn je! Der Reichswald hat damit die Chance hat, auch künftigen Generationen zur Verfügung zu stehen. Denn da kommt die Politik nicht dran vorbei“, so Mergner.

Und der große Zuspruch gibt dem BN und den Bürgerinitiativen Recht. Aus allen Orten, wo derzeit Eingriffe laufen wie in Fischbach, wo das Autobahnkreuz Ost ausgebaut wird, aus der Gartenstadt, wo die A73 unglaubliche Waldfläche fraß, aber natürlich auch aus allen Orten an der geplanten Juratrasse zwischen Schwabach und Ludersheim, aus Altdorf, Leinburg und Pyrbaum, wo große Sandgruben geplant sind. Die BI Moosbach war da wie in all den letzten Jahren, dort wird eine PWC-Anlage im Wald geplant, und das Bündnis Nein zur Nordanbindung, die sich bereits seit etwa 20 Jahren gegen die Rodung bei Buchenbühl stemmt.

Und natürlich kamen viele besorgte Bürgerinnen und Bürger aus den sechs Standorten, wo derzeit ein ICE-Werk in den Wald gebaut werden könnte. Bei Altenfurt, bei Schwarzenbruck, bei Ezelsdorf, bei Allersberg, in der Muna Feucht und bei Röthenbach bei St. Wolfgang, südlich der Muna.

Das heikle Thema ICE-Werk beschäftigt BN und Bürgerinitiativen intensiv:

„Wir brauchen die Verkehrswende, das gilt auch beim Thema ICE-Werk“, so Mergner. Der BN unterstützt die Ziele der Bahn, die Fahrgastzahlen im Fernverkehr zu verdoppeln und dem klimaschädlichen Straßenverkehr Anteile wegzunehmen. Der BN arbeitet hier - wie in den letzten 16 Jahren - gegen die Verkehrspolitik der Großen Koalition in Berlin an und stellt den Bedarf für ein weiteres ICE-Werk im Süddeutschen Raum nicht in Frage. „Wir sehen allerdings, dass die Entscheidung für einen Standort Nürnberg politisch gefallen ist und nun als fachlich alternativlos dargestellt wird“, so Mergner.

Die Platzierung des geplanten ICE-Werks im Reichswald wird vom BN entschieden abgelehnt. Die ökologisch zwingend nötige Verkehrswende darf aus Sicht des BN nicht gegen den Walderhalt als bester Klimaschutz ausgespielt werden. Der BN fordert von der Bahn eine deutliche Reduzierung der Planung. Damit muss der Suchprozess neu gestartet werden. Und zwar in ganz Süddeutschland. Die Bahn hat ja auch noch bis 2019 das Werk in Hessen, Rheinland-Pfalz, BaWü, Bayern ansiedeln wollen. Und dann wurde es Nürnberg. Der BN hat auch etliche Alternativvorschläge gemacht.

Die Muna Feucht ist jedenfalls keine gute Wahl, sie wurde völlig zu Recht bereits fünfmal durch Bürgerengagement gerettet, sie gehört wie die anderen Standorte zum europäischen Vogelschutzgebiet. Große Flächen der Muna sind Ersatzaufforstungsflächen für den vom BN ebenso jahrelang bekämpften Autobahnausbau im Reichswald südlich von Nürnberg. Vorkommen der europäisch geschützten Gelbbauchunke, von Neuntöter, Habicht, Kolkrabe, Baumpieper und zahlreicher stark gefährdeter Fledermäuse, die auch von der Sperrung des Geländes wegen seiner Munitionsbelastung profitierten, sind dort bereits nachgewiesen.

Angesichts der laufenden Autobahnausbauten und der Notwendigkeit, aus Klimaschutzgründen auch beim Verkehr endlich umzusteuern, forderte Mergner, im September zur Wahl zu gehen und die Bundestagswahl zur Klimaschutzwahl zu machen. „Ein Tempolimit und ein Straßenbaumoratorium sind das mindeste, was wir den Opfern der Flutkatstrophe schuldig sind.“

Stellvertretend für die vielen Waldschutzinitiativen kamen Aaron Mühlendyck, Sprecher Bürgerinitiative „Nein zum Sandabbau bei Altdorf- Rettet den Röthenbacher Wald“, Dörte Hamann, Sprecherin des Aktionsbündnisses der Trassengegner, Herbert Fahrnbauer, Sprecher der BI Moosbach, Sophie Wurm, Sprecherin Bündnis „Kein ICE-Werk im Reichswald bei Feucht“, Tanja Holl, Sprecherin der BI Kein ICE-Werk Schwarzenbruck, Heide Frobel, Stellv. Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Nürnberger Land, die Landtagsabgeordnete von B90-Die Grünen und langjährige Aktive im Bündnis „Nein“ zur Flughafen-Nordanbindung, Tessa Ganserer zu Wort. Sie alle betonten ihre klare Position, gemeinsam für den Reichswald zu streiten.

Prof. Dr. Hubert Weiger, ehemaliger BN- und BUND-Bundesvorsitzender, erinnerte nochmal an die Wohlfahrtswirkungen des Reichswaldes für die Städte Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach:

„Der Reichswald ist die Klimaanlage der Städte, wir brauchen ihn nötiger denn je in Zeiten der Klimakrise mit überhitzenden Städten! Er ist die Grüne Lunge der Metropolregion, der Raum Nürnberg gilt immer noch als Luftbelastungsgebiet. Deswegen ist er als Bannwald geschützt! Bannwald heißt, dass der Walderhalt Vorrang vor anderen Ansprüchen hat. Gerade erst hat der Europäische Gerichtshof bestätigt, dass die Stadt Nürnberg und andere Städte die Stickoxidgrenzwerte einhalten müssen, das aber seit zehn Jahren nicht tun. Ohne den Reichswald wäre unsere Luft noch viel schlechter!

Er ist unser Trinkwasserschutzgebiet, das Naherholungsgebiet von einer Million Menschen, beliebt wie nie. In Zeiten des Lockdowns haben viele Menschen zu schätzen gelernt, dass wir ihn haben!“

Als Lebensraum von Schwarzspecht, Mittelspecht, Auerhahn und Co. habe ihn die EU als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Artenkrise sei bereits viel zu schlimm, als dass man solche Lebensräume aufs Spiel setzen könnte.

Weiger forderte die Staatsregierung auf, keine Flächen des Reichswaldes zur Verfügung zu stellen, schon gar nicht für Gewerbegebiete wie bei Lauf oder Sandgruben. „Wir müssen endlich zu einer Kreislaufwirtschaft kommen, bei Siedlungsflächen genauso wie bei den Baustoffen.“

Auch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben BIMA dürfe die Muna Feucht nicht verkaufen, so Weiger.