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Erfolgreiches Jahr für den BN in Niederbayern – Flächenverbrauch bleibt niederbayerisches Dauerthema

BUND Naturschutz in Bayern verzeichnet neuen Mitgliederhöchststand. Breites Engagement im praktischen Naturschutz. Kampf gegen B15 neu geht in 2022 weiter.

21.01.2022

Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) zieht für Niederbayern eine positive Jahresbilanz für 2021. „Der BN konnte seine Mitgliederzahl bayernweit um 6.000 Personen auf den Höchststand von 261.000 Mitgliedern erhöhen, daran hat auch die hervorragende Arbeit in Niederbayern mit all seinen Haupt- und Ehrenamtlichen BN-Mitarbeiter*innen seinen Anteil“, so der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner. In Niederbayern ist der BN mit neun Kreisgruppen und 52 Ortsgruppen vertreten. Es gab in Niederbayern einen Mitgliederzuwachs von 20.911 Personen (2020) auf 22.763 Mitglieder (2021). „Wir sehen dies als enormen Rückenwind und werden im Jahr 2022 verstärkt Druck machen, damit die Versprechen der bayerischen Staatsregierung und der neuen Ampelkoalition in Berlin zu konsequenterem Klima-, Wald-, und Flächenschutz auch in Niederbayern umgesetzt werden!“

In Niederbayern besonders hervorzuheben ist der Einsatz des BN gegen übermäßigen Flächenverbrauch wie beim umstrittenen Sondergebiet Prassreut (Lkr. Freyung-Grafenau) und gegen überdimensionierten Straßenbau wie etwa die Ortsumfahrungen Schweinhütt, Ruhmannsfelden (Lkr. Regen) oder Geiselhöring (Lkr. Straubing).

Auch im Jahr 2022 wird der BN seine Arbeit in Niederbayern in gewohnter Weise fortsetzen und als „grünes Gewissen“ Natureingriffe kritisch begleiten. Dazu gehört beispielsweise der Kampf gegen die B15 neu, die es im letzten Jahr in das „Desaster im Dutzend“ der deutschlandweit unsinnigsten Verkehrsprojekte geschafft hat.

Der Flächenverbrauch und hier vor allem der ausufernde Straßenbau sind eine der größten Gefahren für den Umwelt- und Naturschutz, gerade in Niederbayern. Dort wurden im Jahr 2020 896 Hektar Fläche versiegelt. „In Niederbayern ist der Umgang mit Fläche besonders sorglos. So darf es nicht weitergehen, wir werden nicht zulassen, dass weite Teile Niederbayerns unter einer Betondecke verschwinden“, gibt sich die BN-Regionalreferentin für Niederbayern Rita Rott kämpferisch. „Auch und gerade in der autolastigen Region Niederbayern braucht es in unserer Zeit des Klimawandels Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr“. Der BN fordert etwa bei der Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach endlich Dauerbetrieb und eine schnelle Abkehr vom Kriterium der 1.000 Fahrgastkilometer.

Ein besonderer Erfolg war im vergangenen Jahr die Unterzeichnung des Streuobstpaktes. Der BN-Landesbeauftragte Martin Geilhufe dazu: „Ein großer Erfolg, bei dem der BN maßgeblich beteiligt war. Das anspruchsvolle Ziel muss es jetzt sein, den Pakt adäquat umzusetzen. Dabei sind wir auch auf die Hilfe von Landwirt*Innen, privaten Streuobstwiesenbesitzer*Innen und den Kommunen angewiesen.“ Einige Kreis- und Ortsgruppen des BN in Niederbayern pflegen bereits seit langer Zeit Streuobstwiesen.

Im Artenschutz setzt sich der BN in der Region sehr vielfältig ein: Der BN Dingolfing-Landau etwa hat nun mehrere Jahre hintereinander die Kiebitze im Wallersdorfer und Königsauer Moos kartiert. Das Ergebnis waren 770 Kiebitzpaare (2020) – das sind 80 % des niederbayerischen und 30 % des bayerischen Bestands – hier muss ein bayernweites Artenschutzkonzept ansetzen. Mit der Plakette „Ein Herz für Schwalben“ hat der BN Dingolfing-Landau das Engagement der Menschen anerkannt, die Platz für Schwalbennester gelassen haben. An der deutsch-tschechischen Grenze hat der BN Freyung-Grafenau in Kooperation mit dem LBV auch dieses Jahr wieder neue Vorkommen der seltenen Waldbirkenmaus nachgewiesen und arbeitet noch an Konzepten, wie deren Lebensräume aufgewertet werden können.

Zum Schutz des gefährdeten Feuersalamanders hat der BN zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) und dem Landesverband für Amphibien- und Reptilienschutz (LARS) ein gemeinsames Artenschutzprogramm ins Leben gerufen, welches von der Staatsregierung mit 1,7 Millionen Euro gefördert wird. In Niederbayern (Dingolfing-Landau, Rottal-Inn und Passau) liegt eines der acht Schwerpunktgebiete. Neben biotopverbessernden Maßnahmen, wie Waldumbau, Renaturierung von gefassten Quellen und Müllbeseitigung, werden Daten zu den vorhandenen Populationen gesammelt. Dabei werden die Larven des Feuersalamanders in ausgewählten Absetzgebieten gezählt, um einen Überblick über den Status quo zu bekommen und Bestandseinbrüche frühzeitig erkennen zu können. Feuersalamander sind durch einen sich ausbreitenden nicht heimischen Pilz – Bsal – gefährdet.

Besonders hervorzuheben ist auch die wie jedes Jahr anstehende Aktion zur  Amphibienrettung. Auch in diesem Jahr betreuen freiwillige Helfer*innen aller niederbayerischen BN-Kreisgruppen Schutzzäune, um die Tiere auf dem Weg zu ihren Laichgewässern vor dem Tod auf den Straßen zu bewahren. Die bayernweite Aktion rettet jährlich 500.000 bis 700.000 Amphibien das Leben.

Eine etwas neuere Herausforderung ist der – auch corona-bedingte – Ansturm von Ausflugtourist*Innen auf die großen Schutzgebiete in Niederbayern wie den Nationalpark Bayerischer Wald, die Weltenburger Enge, aber auch die Mittleren Isarstauseen bei Landshut. „Hier gilt es Lösungen zu finden, die beidem gerecht werden – dem Schutz der wertvollen Gebiete und dem erfreulichen Interesse der Menschen an Natur vor ihrer Haustür“, so Rita Rott.