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Für eine Landwirtschaft, die Mensch und Natur gerecht wird

Bayerischer Naturschutzpreis 2020 geht nach Brasilien

29.01.2020

Der BUND Naturschutz (BN) ehrte am Dienstag in München Professor Antônio Inácio Andrioli mit der höchsten Auszeichnung des Verbandes, dem Bayerischen Naturschutzpreis. Der Brasilianer mit bayerischen und Südtiroler Wurzeln setzt sich für eine gentechnikfreie Landwirtschaft und den Schutz von Kleinbauern und Indigenen ein.

Der "mutige und unerschrockene Einsatz" Andriolis, so BN-Vorsitzender Richard Mergner in seiner Laudatio, war einer der Gründe, warum der Verband sich entschied, in diesem Jahr seine höchste Auszeichnung an Professor Andrioli zu vergeben. Der BUND Naturschutz und der Preisträger hätten viel gemeinsam, betonte Mergner, so den Einsatz gegen das Freihandelsabkommen Mercosur, gegen die Agro-Gentechnik und für eine bäuerliche Landwirtschaft. Doch während der BN in einer "gefestigten demokratischen Kultur agiert", sehe sich Andrioli seit dem Amtsantritt des rechtspopulistischen Präsidenten Bolsonaro beruflichen und persönlichen Diffamierungen und Bedrohungen ausgesetzt.

Doch trotz dieser großen Widerstände und persönlichen Anfeindungen werde Andrioli nicht müde, die Menschen weltweit über die Machenschaften der Gentechnik-Agrarindustrieaufzuklären und die Umweltzerstörung, den massiven Pestizideinsatz und die Vertreibung der Kleinbauern in ihrem Heimatland anzuprangern.

Antônio Inácio Andrioli wurde in Südbrasilien als Sohn eines Sojabauern mit bayerischen und Südtiroler Wurzeln geboren. Nach einer Ausbildung zum Agrartechniker studierte er Philosophie, Psychologie und Soziologie. Mit einem Stipendium von Brot für die Welt promovierte er in Osnabrück über die Auswirkungen von Gensoja auf die Landwirtschaft in seiner Heimat. Er habilitierte in Linz, kehrte aber 2009 nach Brasilien zurück, weil er in die Gründungskommission einer neuen staatlichen Universität berufen wurde - eine Universität mit dem Schwerpunkt unter anderem auf nachhaltiger Landwirtschaft. Diese Universität hat den höchsten Anteil indigener Studierender, oft aus Familien, in denen erstmals jemand eine Universität besucht. Inzwischen musste Andrioli sein Amt als Vizepräsident der Universität aufgrund des massiven Drucks aus Regierungskreisen aufgeben.

Der Preisträger stellte ernüchtert fest: "Kritische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind meistens nicht erwünscht, wenn sie mächtige Interessen in Frage stellen. Engagierte Wissenschaftler werden immer noch verfolgt, wenn sie wirtschaftlichen Interessen widersprechen." Dennoch sieht er hoffnungsvoll in die Zukunft, denn es sei auch schon viel erreicht worden. Andrioli zeichnete das Idealbild eines Zusammenwirkens von Landwirtschaft und Wissenschaft im Sinne der Nachhaltigkeit und des Gemeinwohls. Die Landwirtschaft dürfe nicht auf wirtschaftliche Faktoren reduziert werden. Die Auszeichnung durch den BUND Naturschutz sei für ihn "die wichtigste Auszeichnung, die ich mir wünschen kann", betonte der Preisträger, denn sie gebe ihm Hoffnung - "und man braucht Hoffnung, um genügend Kraft zu haben, um weiterzumachen."

Dass die Auszeichnung nur ein Baustein einer notwendigen weltweiten Solidarität ist, betonte der stellvertretende BN-Vorsitzende Sebastian Schönauer und versprach Andrioli zum Abschied, dass der BN den Einsatz für eine Landwirtschaft, die Mensch und Umwelt gerecht wird, fortführen wird.

Der Bayerische Naturschutzpreis ist die höchste Auszeichnung des BUND Naturschutz. Der BN verleiht den Preis seit 50 Jahren an hoch verdiente Persönlichkeiten für ihr herausragendes Wirken im Natur- und Umweltschutz. Bisherige Preisträger waren unter anderem die indische Globalisierungs-kritikerin Vandana Shiva, der frühere Umweltminister Klaus Töpfer oder der als "Urwaldbischof" bekannt gewordene Geistliche Erwin Kräutler.

Weitere Bilder, Festansprache von Antônio Andrioli und Laudatio des BN-Vorsitzenden Richard Mergner

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Luise Frank
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Anlage:
Foto: Bei der Verleihung des Bayerischen Naturschutzpreises 2020 (vo.li.): BN-Vorsitzender Richard Mergner, Antônio Inácio Andrioli, BN-Vorstandsmitglied Beate Rutkowski, BN- Ehrenvorsitzender Hubert Weiger und Sebastian Schönauer, stellvertretender BN-Vorsitzender. Das Foto darf honorarfrei verwendet werden im Rahmen einer redaktionellen Berichterstattung über die Verleihung des Bayerischen Naturschutzpreises 2020 bei Nennung des Fotografennamens.
Foto: Toni Mader