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Geplanter Center Parc bei Langlau

BN fordert Verkaufsstopp von Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten

Mischwald auf dem Gelände der Muna; Foto: Tom Konopka

Foto: Tom Konopka

23.10.2020

Im Konflikt um die umstrittene Ansiedlung von Center Parcs in einem Waldgebiet am Brombachsee hat der BUND Naturschutz (BN) die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BIMA) aufgefordert, die Verkaufsverhandlungen mit dem Immobilienkonzern Pierre&Vacances zu stoppen. In dem Schreiben des BN-Landesvorsitzenden Richard Mergner beruft er sich auf eine erst im Oktober 2020 zwischen BIMA und Umweltbundesamt vereinbarte stärkere Zusammenarbeit beim Schutz von Bundesflächen für den Naturschutz.

Ebenso verweist der BUND Naturschutz auf frühere Planungen, die Muna für Ausgleichsmaßnahmen des Autobahnbaues beim Ausbau Autobahn A6 heranzuziehen. Diese vom BN zu begrüßende Zukunft des Muna-Waldes wurde politisch ausgebremst, nachdem ca. 2017 ein Gespräch in der Bayerischen Staatskanzlei zu Center Parcs mit dem ehemaligen Landrat Gerhard Wägemann und dem ehemaligen Bürgermeister Willi Renner stattgefunden hatte. Beide waren und sind Verfechter einer Ansiedlung von Center Parcs.

Zwischenzeitlich durften fünf VertreterInnen des BN am 22.10.2020 das Gelände der Muna Langlau besichtigen. Der Ortstermin betätigt die Vermutungen der NaturschützerInnen, dass es sich bei der Muna um einen schutzwürdigen Wald handelt.

„Im Seenland hat der Muna-Wald eine absolute Sonderstellung, weil hier die Kiefern- und Fichtenwälder seit Jahrzehnten in Mischwälder umgewandelt wurden“, so Dr. Ralf Straußberger, Waldreferent des BN. „Waldumbau und Naturverjüngung sind vorbildlich auf den Weg gebracht: Uraltbäume über bunt gemischtem Waldaufwuchs. Gerade in Zeiten der Klimakrise ist dieser Wald für den Schutz des Lokalklimas unersetzlich. Als wichtiger Kohlenstoffspeicher von weit über 100.000 Tonnen CO2 darf er nicht zerstört werden!“

„Es geht hier um die Sicherung der Lebensgrundlagen für Mensch und Natur. Center Parcs geht es um ein Filetstück am Brombachsee. Vermutlich soll durch den späteren Verkauf der Häuser an Private das große Geld verdient werden. In keinem Wohnbaugebiet des Landkreises ließen sich solche großen Wohnbaugrundstücke durchsetzen. Nur über solch ein Projekt wäre das möglich. Letztlich geht es hier um den Ausverkauf der Heimat“, so Brigitte Löffler, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Weißenburg-Gunzenhausen.

Der Wortlaut des Schreibens an die BIMA:

„Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

Geplanter Verkauf der Muna Langlau an Pierre&Vacances/Center Parcs

Sehr geehrter Herr Fietz,

sehr geehrte Herren des BIMA-Vorstandes

mit großem Interesse nahm der BUND Naturschutz in Bayern e.V. Ihre Presseerklärung vom 6. Oktober 2020 zur Kenntnis, nachdem die BIMA zukünftig das Bundesumweltministerium (BMU) bei der Umsetzung von Naturschutzprogrammen auch bei der Flächenbeschaffung unterstützen will.

Die entsprechende Rahmenvereinbarung zwischen Herrn Jochen Flasbarth, Staatssekretär des BMU, Gunther Brinkmann, Leiter des BImA-Geschäftsbereichs Bundesforst, und Ihnen soll den Erhalt der biologischen Vielfalt und den Insektenschutz insbesondere auf Bundesliegenschaften maßgeblich voranbringen.

Derzeit laufen Verhandlungen zur Veräußerung der ehemaligen Muna Langlau, Gemeinde Pfofeld im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen an den französischen Immobilien- und Ferienanlagenkonzern Pierre et Vacances mit dem Ziel, dort auf 150 Hektar Fläche einen Standort der Tochterforma Center Parcs zu errichten.

Bei der zum Verkauf stehenden Fläche der Muna Langlau handelt es sich um ca. 155 Hektar alten Wald mit Sonderstandorten im extrem feuchten (Tümpel mit Laubfroschvorkommen) und extrem trockenen Bereich (Heide) am Großen Brombachsee. Der Wald wurde in den letzten Jahrzehnten in Teilen ökologisch umgebaut und ist durch sehr extensive Nutzung seit ca. 40 Jahren zu einem wertvollen Mischwald aus Fichten, Kiefern, Weißtanne, Lärche, Douglasie, Buchen, Eichen, Linden, Ahorn, Eschen,

Traubenkirsche, Hainbuche, Ulme und Erle geworden. Die möglichen

Mischbaumarten sind versammelt und gestuft in Unter-, Mittel und Oberschicht. Der Wald ist sehr gut für zukünftige Klimaveränderungen vorbereitet. Der Uhu und der Rote Milan stehen für die Wertigkeit des Geländes.

Dem BUND Naturschutz ist bekannt, dass Teile der Muna Langlau aufgrund der jahrzehntelangen Nutzung als Munitionsanstalt mit Bunkern, Gebäuden und Straßen belastet sind, auch Bodenverunreinigungen sind zu vermuten. Allerdings handelt es sich bei der Muna keineswegs um das verseuchte Rümpelgebiet, als das es die Verantwortlichen der Fa. CenterParcs derzeit öffentlich hinstellen. Gebietskenner, darunter auch ein ehemaliger örtlicher Förster aus Pfofeld bezeugen den Wert des Waldes. Der größte Teil der Altlasten sind bauliche Anlagen, darunter v.a. auch etliche mit Eternitdächern.

Der BUND Naturschutz bittet Sie, den Verkauf zu stoppen. Wie das Beispiel Leutkirch im Allgäu zeigt, bleibt von dem Wald nach Bau eines Center Parcs praktisch nichts mehr übrig. Wir geben zu bedenken, dass im Wald der Muna Langlau geschätzt 120.000 to CO2 gesamt gespeichert sind, die bei einer Rodung für die Altlastenräumung und Bebauung freigesetzt würden.

Für den Erhalt des Waldes als Naturwaldfläche mit Sonderstrukturen wäre die flächige Rodung dagegen nicht nötig. Die Gebäude, Bunker und Straßen ließen sich nach und nach im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen für Vorhaben des Bundes beseitigen.

Dies war bereits bis 2017/2018 angedacht. Die Muna Langlau sollte für Ausgleichsmaßnahmen des Autobahnbaues (Ausbau Autobahn A6) herangezogen werden. Diese vom BN zu begrüßende Zukunft des Muna-Waldes wurde politisch ausgebremst, nachdem ca. 2017 ein Gespräch in der Bayerischen Staatskanzlei zu Center Parcs mit dem (ehem.) Landrat Wägemann und dem (ehem.) Bürgermeister Renner stattgefunden hatte. Beide waren (und sind) Verfechter einer Ansiedlung von Center Parcs. Die Öffentlichkeit wurde über die Planungen erst im Spätsommer 2020 informiert.

Einige Ausgleichsmaßnahmen wurden in der Muna Langlau für andere Eingriffe bereits umgesetzt.

Der BUND Naturschutz bittet Sie vor diesem Hintergrund und Ihrer Pressemitteilung vom 6.10.20, den Verkauf der Muna Langlau an P&V zu stoppen und dem Wald, dem Klima und den in der Muna vorkommenden Arten eine Zukunft zu geben.

Der BUND Naturschutz erlaubt sich wegen der öffentlichen Bedeutung des geplanten Verkaufs, dieses Schreiben auch an die Medien zu geben.

Mit freundlichen Grüßen

Richard Mergner, Landesvorsitzender“

Für Rückfragen

Tom Konopka, Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken, Telefon 0911 81878-24, Mobil 0160 8531944, Mail: tom.konopka@bund-naturschutz.de