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Insektensterben: BUND-Handlungsleitfaden für den Insektenschutz in Kommunen

Eine Studie der Technischen Universität München belegt erneut das Insektensterben und dessen dramatisches Ausmaß. Vor allem in der intensiven Landwirtschaft muss sich etwas ändern. Aber auch die Kommunen können etwas tun. Das zeigt der BUND-Handlungsleitfaden „Insektenschutz für Kommunen leicht gemacht“.

Insekten sind für das Bestäuben von Pflanzen unersetzlich. Ohne die Insekten gibt es kein Obst und Gemüse (im Bild: Distelfalter, Foto: painted lady/pixabay).

Mit dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" hatte sich der BUND Naturschutz erfolgreich für mehr Artenschutz eingesetzt (Foto: Jörg Farys/Die Projektoren).

04.11.2019

Mehr als 500 Städte und Gemeinden verzichten deutschlandweit bereits ganz oder teilweise auf chemisch-synthetische Gifte und schützen so die Gesundheit ihrer Einwohner und retten Lebensraum für Insekten. Um noch mehr Kommunen für den Insektenschutz zu gewinnen, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rahmen seines Projekts "Pestizidfreie Kommune" einen Handlungsleitfaden zum Insektenschutz zusammengestellt. Diese detaillierte Anleitung soll es zukünftig noch leichter machen, kommunale Flächen insektenfreundlich und ohne den Einsatz von Pestiziden zu pflegen.

Handlungsleitfaden "Insektenschutz für Kommunen leicht gemacht" (PDF)

Bürgermeisterinnen, Stadträte und Bauhofleiter fragen, was sie tun können, um Insekten zu schützen und Pestizide zu vermeiden. Auf diese Fragen gibt der BUND-Leitfaden jetzt umfassende Antworten. Der Leitfaden skizziert die notwendigen Schritte zum Insektenschutz, beginnend bei der Planung und Kommunikation. Die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen sind immens. Im Leitfaden gibt es Anregungen für artenschützende Maßnahmen auf Wegen, Spielplätzen, Friedhöfen, in Parks und entlang von Gewässern. Ebenso finden sich Informationen, wie Kommunen eine Blühfläche richtig anlegen oder welche Möglichkeiten sie haben, Streuobstwiesen zu fördern oder ihre Straßenbeleuchtung so umzustellen, dass diese nicht mehr so häufig zur tödlichen Falle werden.

Auch die landwirtschaftlichen Flächen, die Kommunen verpachten, haben ein großes Potenzial für den Artenschutz, gleiches gilt für die Wegraine an öffentlichen Wegen, die meist in kommunaler Hand sind. Kommunen können dort neuen Lebensraum für Insekten schaffen.

Oftmals kann man das Gute mit dem Günstigen verbinden. Denn eine Umstellung in der Bepflanzung ist meist ökonomisch günstiger. So muss eine insektenfreundliche Blühwiese mit heimischen Arten zum Beispiel nur einmal im Jahr gemäht werden, während eine Rasenfläche kaum Insekten anlockt, aber ständige Pflege sowie in Hitzesommern sogar Bewässerung braucht. Mehr Natur in der Stadt ist darüber hinaus eine riesige Chance für Umweltbildung und Erholung.

Studie belegt erneut das dramatische Ausmaß des Insektensterbens

Eine Studie der Technischen Universität München belegt erneut das Insektensterben und dessen dramatisches Ausmaß. Sowohl auf Wiesen als auch in Wäldern ging die Artenvielfalt im Untersuchungszeitraum um etwa ein Drittel zurück. 

Aber auch die Anzahl der einzelnen Insekten nahm ab: in Wäldern um circa 40 Prozent, in Graslandschaften um 67 Prozent. "Dass solch ein Rückgang über nur ein Jahrzehnt festgestellt werden kann, haben wir nicht erwartet - das ist erschreckend, passt aber in das Bild, das immer mehr Studien zeichnen", erklärt Wolfgang Weisser von der TU München, Leiter der Studie (Quelle: BR24). Vor allem der Pestizideinsatz in der intensiven Landwirtschaft verursacht den Artenschwund. 

Keine überraschende Nachricht, sagt die BN-Artenschutzexpertin Christine Margraf im BR-Interview: "Wichtige Punkte sind auch der stark gestiegene Pestizideinsatz und Düngereinsatz in der Landwirtschaft. Wir müssen hier deutlich runter vom Düngereinsatz und wir müssen Herbizide und Pestizide, die schädlich sind, auch verbieten. Letztlich brauchen wir ein Pestizidausstiegsprogramm, um diesen Gifteinsatz in der Landwirtschaft deutlich zu reduzieren."

„Schuld ist nicht der einzelne Landwirt, sondern Schuld sind die Rahmenbedingungen“, erklärt Christine Margraf weiter. „Das ist insbesondere die EU-Agrarpolitik. Man kann niemandem einen Vorwurf machen, wenn er das tut, wofür er Geld bekommt. Deswegen brauchen wir eine ganz andere Förderpolitik. Es müssen die Landwirte gefördert werden, die Gemeinwohlleistungen erbringen." Dazu gehöre den Artenschutz und das Trinkwasser zu sichern, so Margraf. Die Umsetzung des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" sei der richtige Schritt zu einem erfolgreichen Artenschutz in Bayern. Dem müsse jetzt auch die Landwirtschaft konsequent folgen (Quelle: www.br.de/nachrichten/bayern/studie-zu-insektensterben-bauern-wehren-sich-gegen-vorwuerfe).