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Kanufahren auf der Wiesent

Behörden auf Tauchstation - BN fordert ein Ende der Geheimniskrämerei und eine umfassende Beteiligung

12.02.2021

Das Jahr 2020 war für das Ökosystem der Wiesent in der Fränkischen Schweiz wieder kein gutes Jahr. Ein erhöhter Freizeitdruck in Kombination mit einem weiteren sehr niederschlagsarmen Jahr hat den Druck auf den Lebensraum Wiesent weiter verstärkt.

Der BUND Naturschutz hatte in den letzten Jahren mehrfach darauf hingewiesen, dass sich der Zustand des Gewässers und der europäisch geschützten Lebensräume verschlechtert hat. Die zuständigen Behörden im Landratsamt Forchheim handelten aber erst, nachdem auf die Lage vor Ort öffentlich aufmerksam gemacht und das Verwaltungsgericht Bayreuth eingeschaltet worden war.

Kurz vor Weihnachten 2020 hatte die Behörde einen Zwischenstandbericht vorgestellt, er untermauert die bisherigen Beobachtungen des BN.

„Aktuell kehrt das Landratsamt aber leider wieder zur Heimlichtuerei zurück“, so der Kreisvorsitzende Dr. Ulrich Buchholz vom BUND Naturschutz in Forchheim. „Wir wollen die Ergebnisse endlich einsehen können, das wird uns aber wieder verwehrt. Wir fordern daher das Landratsamt Forchheim auf, hier Transparenz und Offenheit zu zeigen. Im Grunde genommen geht es um die Grundlagen für eine weitere Betriebserlaubnis für die Kanu-Verleiher, die im öffentlichen Raum ihr Gewerbe betreiben wollen", so Buchholz.

„Auch immer mehr Anrainer und Fischwasserbesitzer sind mit der Dauerbelastung auf der Wiesent nicht mehr einverstanden. Sie wenden sich an den BN und wollen wissen, wie die Wiesent besser geschützt werden kann“, so Christian Kiehr, der Vorsitzende der Ortsgruppe Ebermannstadt-Wiesenttal.

Hintergrund

Das Landratsamt Forchheim hatte 2018 eine Schifffahrtsgenehmigung erteilt, die den Kanuverleihern den Verleih trotz fehlender EU-Verträglichkeitsprüfung genehmigt hatte. Weil das Landratsamt trotz Aufforderungen des BN, die Schädigungen an der Wiesent zu beenden, nicht tätig wurde, sah sich der BUND Naturschutz gezwungen, rechtliche Schritte gegen die anhaltende Beeinträchtigung der Vogellebensräume, der Unterwasservegetation und der Fischfauna einzuleiten. Im Jahr 2019 wurde Klage gegen die Schifffahrtsgenehmigung beim Verwaltungsgericht Bayreuth eingereicht. Im Zuge eines Erörterungstermins unterstrichen die Richter am Verwaltungsgericht Bayreuth die Notwendigkeit, für eine weitere Verlängerung der Schifffahrtsgenehmigung ein Verträglichkeitsgutachten von den Gewerbetreibenden einzufordern. Der BUND Naturschutz sei darüber hinaus vom Landratsamt Forchheim im Rahmen der Verträglichkeitsuntersuchung über wichtige Ergebnisse zu informieren und entsprechend zu beteiligen.

Vorstellung der Zwischenergebnisse mit Pannen

Am 9.12.2020 wurde vom Landratsamt Forchheim der Versuch unternommen, alle Beteiligten im Rahmen eines Zwischenstandberichtes über die bisherigen Kenntnisse in einer nichtöffentlichen Sitzung zu informieren. Der Zwischenstandbericht von zwei Gutachterbüros beschäftigte sich mit den Auswirkungen des gewerblichen Bootsverkehrs auf die Vogel- und Unterwasserpopulationen.

Coronabedingt wurde die Möglichkeit angeboten, online an der Sitzung teilzunehmen. Dazu waren u. a. Anlieger an der Wiesent, Fischwasserbesitzer, Behördenvertreter, Bootsverleiher und Vertreter der Kommunen geladen. Aus der Sicht des BUND Naturschutz sorgten zahlreiche technische Probleme aber für eine äußerst mangelhafte Informationsübertragung, die vorgestellten Unterlagen waren nicht erkennbar, Fragen wurden nicht beantwortet.

Der BUND Naturschutz forderte das Landratsamt Forchheim am 11.11.2020 und nochmals 14.1.2021 schriftlich auf, die Ergebnisse des Zwischenstandberichtes dem Naturschutzverband zur internen Verwendung zu überlassen. Dies wurde u. a. auch vor dem Verwaltungsgericht im Jahr 2019 so vereinbart. Trotz schriftlicher Anfrage und Bitte, wartet der BUND Naturschutz bisher auf eine positive Reaktion.

Zeit drängt

Dabei drängt die Zeit, denn die Kanuverleiher wollen wissen, ob und wann und unter welchen Auflagen sie wieder Kanus verleihen dürfen. Der BN befürchtet, dass das Landratsamt die dafür nötige Schifffahrtsgenehmigung in einer Nacht- und Nebelaktion erlässt und wieder Fakten schafft, ohne dass die - gerichtlich verfügte - Beteiligung des BN erfolgt ist.

EU-Schutzgebiete

Das Flusssystem Wiesent ist Bestandteil des europäischen Natura-2000-Schutzgebiets "Wiesenttal mit Seitentälern" Nr. 6233-371 sowie des Vogelschutzgebiets Nr. 6233-471. Im zugehörigen Managementplan steht: „Als eine der beliebtesten Freizeitregionen Nordbayerns sieht sich der Naturraum der Fränkischen Schweiz einem enormen Druck seitens der Heerscharen von Besuchern ausgesetzt. Kletterer, Mountainbiker, Kanufahrer, Wanderer etc. dringen in sensible Lebensräume ein und stören und gefährden die heimische Tier- und Pflanzenwelt durch mechanische Beeinträchtigungen, Vermüllung und Lärmemissionen. ...“ (aus: Gebietsbezogene Zusammenfassung, Abschnitt 5.4).

Eine Kartierung im Auftrag des Landratsamtes Forchheim im Jahre 2018 hat ergeben, dass der früher an der Wiesent typische Bewohner Eisvogel kaum noch anzutreffen ist, der Zwergtaucher fehlt inzwischen. Gerade solche Schätze der Natur stellen aber wertgebende Faktoren der Landschaft dar. Ein Gutachten des Institut für Vegetationskunde und Landschaftsökologie Hemhofen, erstellt im Auftrag des Landratsamtes, konstatiert einen schlechten Zustand der Unterwasservegetation, u. a. verursacht durch ständige Störungen durch Paddelschlag.

Unterstützt wird der BUND Naturschutz in seinem Vorgehen vom Bayerischen Kanuverband (BKV) und vom Landesbund für Vogelschutz (LBV).

Für Rückfragen:

Tom Konopka

Regionalreferent für Mittel- und Oberfranken

Telefon 0911 81878-24

Mobil 0160 8531944

Mail tom.konopka@bund-naturschutz.de