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Keine Holzverbrennung in Kohlekraftwerken!

BUND Naturschutz kritisiert Landtagsbeschluss

24.07.2020

Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) kritisiert den Landtagsbeschluss von CSU und Freien Wählern, mit dem sie erreichen wollen, dass Holz in Kohlekraftwerken im großen Stil mitverbrannt wird. Dies hatten unter anderem bayerische Forstunternehmer gefordert. „Diese Initiative schadet dem Klimaschutz, den Wäldern, den Waldbesitzer*innen und dem Artenschutz“, so Richard Mergner, BN-Landesvorsitzender.

„Mit diesem Beschluss untergraben CSU und Freie Wähler den beschlossenen Kohleausstieg und öffnen ein neues Geschäftsfeld mit grünem Deckmäntelchen für Kohlekraftwerke“, so Martin Geilhufe, BN-Landesbeauftragter. „Mit diesem Beschluss wird der Kohleausstieg und der Umstieg auf Erneuerbare Energien verzögert.“

„Der BN steht klar zu einer nachhaltigen Holznutzung“, so BN-Waldreferent Dr. Ralf Straußberger. „Dies bedeutet aber, dass die Ressource Holz nur begrenzt verfügbar ist. Holz sollte vorrangig stofflich genutzt werden.“ so Dr. Herbert Barthel, BN-Klimaschutzreferent. Insofern dankt der BN dem Forstministerium, das diese Initiative der Forstunternehmer abgelehnt hat.

„Wir kritisieren, dass die Regierungskoalition die eigenwirtschaftlichen Interessen der Forstunternehmer und der Kohlekraftwerkslobby bedient, die viel Holz aus dem Wald holen und in den Kohlekraftwerken verbrennen lassen wollen“, betonen Barthel und Straußberger. Mit diesem „Greenwashing“ versucht die Kohlekraftwerkslobby ihren ramponierten Ruf mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz aufzubessern. Dabei ist die Holznutzung jedoch nicht klimaneutral, weil in den Wäldern durch Waldsterben 2.0 und durch starke Holznutzungen mehr Treibhausgase freigesetzt als eingespeichert werden.

„Wir rufen die Forstlobby dazu auf, mit einer Laufzeitverlängerung nicht die klimaschädlichen Kohlekraftwerke zu unterstützen. Diese ist mit dem Ausstoß der klimaschädlichen Gase zentral für die Klimakrise und deren verheerenden Folgen für viele Wälder verantwortlich“, so Straußberger. Die Forstbranche sägt damit an dem Ast, auf dem sie sitzt. „Die naturnahe Waldwirtschaft wird nicht dadurch gefördert, dass Brennholz zu Dumpingpreisen massenhaft verheizt wird“, so Straußberger.

Für Rückfragen:
Dr. Ralf Straußberger, BN-Waldreferent, Tel 0171 738 17 24
Dr. Herbert Barthel, BN-Energiereferent, Tel. 0151 / 0489963

Hintergrundinformationen:

Holz in Kohlekraftwerke: Schlecht für den Klimaschutz

Der BN fordert, noch vitale Bäume im Wald zu belassen, weil sie dann noch über viele Jahrzehnte das Treibhausgas Kohlendioxid im Holz einspeichern können. Selbst abgestorbene Bäume speichern im Holz chemisch gebundenes Kohlendioxid über Jahrzehnte. Selbst wenn Holz zu Humus zersetzt wird, speichert Humus Kohlendioxid weiterhin über lange Zeit. Werden die Bäume dagegen verbrannt, belastet das Kohlendioxid in der Atmosphäre sofort das Klima. Werden die Wälder abgeräumt, was teilweise sogar staatlich gefördert wird, entweicht das im Waldboden im Humus gespeicherte Kohlendioxid, und belastet das Klima zusätzlich. Klima-politisch sinnvoll ist Holzverbrennen nur in einer sogenannten Kaskadennutzung, das heißt in einer letzten Stufe nach baulicher Nutzung, oder in lokal-regionalem Maßstab vorzugsweise in Nahwärmenetzen und mit entsprechender Technik.

Auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina sieht die energetische Primärnutzung von Holz kritisch.[1]

Holz in Kohlekraftwerke: Schlecht für Waldbesitzer

Wenn Holz vom Brennwert her betrachtet Steinkohle ersetzen soll, errechnet sich ein Holzpreis von weniger als 10 € pro Festmeter. Bei Holzerntekosten von 20 € wird die Sache für die Waldbesitzer zum Minusgeschäft. In guten Zeiten lag der Festmeterpreis für Fichtenstammholz bei bis zu 100 €. Wenn der Staat das für die ca. 160 Mio. Festmeter Schadholz, die in Deutschlands Wäldern erwartet werden, ausgleichen will, müsste er hier mit Milliardenbeträgen subventionieren. Beides lehnt der BN ab!

BN fordert Holzverwendung für langlebige Produkte

Waldwirtschaft funktioniert nur, wenn für Holz auch auskömmliche Preise bezahlt werden. Hier sollte die Politik ansetzen und sich dafür einsetzen, dass Holz zu hochwertigeren und möglichst langlebigen Produkten verarbeitet wird. Denn darin wird das Treibhausgas Kohlendioxid möglichst lange gespeichert. Ein gutes Beispiel dafür ist der Holzhausbau. Viel besser als Holz zu verbrennen ist Holz zu Wärmedämmplatten zu verarbeiten. So kann man den Heizbedarf erheblich senken und gleichzeitig erdölbasierte Dämmplatten vermeiden.

BN fordert schonende Waldwirtschaft

Der BN fordert, dass die Wälder schonend bewirtschaftet werden, um ein feuchteres Waldklima und mehr Wasserrückhaltung zu erzielen. Selbst wenn die Bäume abgestorben sind, ist das Totholz als Biomasse gut für den Wald: gut für Humusbildung, gut für Wasserrückhaltung, gut für die Nährstoffausstattung und gut für die Artenvielfalt. „Wir plädieren als BN dafür, dieses Holz gerade bei den desaströsen Holzpreisen im Wald zu belassen“, so Straußberger. Nur frisches Fichtenholz, das von Borkenkäfern befallen ist, sollte zeitnah eingeschlagen werden. Aber wenn der Käfer schon ausgeflogen ist, heißt es bei der Fichte genauso wie bei allen anderen Baumarten: Totholz hilft dem Wald in der Klimakrise und ist aktiver Klimaschutz. Hier sollte auch die staatliche Förderung ansetzen.

Stärkere Einschläge, etwa um Verluste auszugleichen, wären nicht nur kontraproduktiv für den Klimaschutz und den überlasteten Holzmarkt, sondern schaden den Wäldern und deren Leistungen für das Gemeinwohl, von denen alle Bürgerinnen und Bürger profitieren: sauberes Trinkwasser, Frischluft und kühles Waldklima vor allem für die Städte, Schutz des Bodens vor Erosion und Schutz vor Hochwasser.

[1] Quelle: https://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublication/2020_Biodiversitaetskrise_Langfassung_Vorabversion.pdf