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Muss es für das BMW Batteriewerk ein Neubau sein? – Wiesenbrüter weiter unter Druck

Landesvorstand des BUND Naturschutz Bayern zu Besuch im Landkreis. Skeptische Worte zur BMW Standortsuche. Forderung nach schnellerem Schutz der Wiesenbrütergebiete und des Königsauer Mooses.

03.11.2022

Als Treffpunkt hat der BN das Industriegebiet Gottfrieding Nord an der Autobahnausfahrt Dingolfing-Ost – dem sogenannten Kuhkreisel – gewählt. Aus gutem Grund. „Wir haben die konkrete Sorge, dass dieser Standort südlich der Autobahn für die Ansiedlung des neuen Batteriewerks für BMW in Prüfung ist“, so Alois Aigner, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Dingolfing-Landau.

BMW sucht derzeit im ostbayerischen Raum nach einer Gewerbefläche von 50 bis 100 Hektar für ein Montagewerk, von dem aus alle bayerischen Standorte mit Hochvoltbatterien für E-Fahrzeuge beliefert werden sollen.

„Wir sagen hier klar NEIN, SO NICHT und lehnen eine Ansiedlung von BMW auf bisher nicht genutzter Fläche als Neubau – egal ob hier oder anderswo – entschieden ab. Wir begrüßen grundsätzlich die Entwicklung zum nachhaltigeren E-Antrieb. Nachhaltigkeit muss aber auch – und gerade in Niederbayern und gerade entlang der A92 – heißen, verantwortungsvoll mit wertvoller Fläche umzugehen“ so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BN Bayern.

Der BN fordert, die Kriterien für neue Gewerbeansiedlungen komplett zu überdenken. Die Entwicklung weg von Verbrennungsmotor und mehrstufigen Getrieben muss auch bei BMW automatisch dazu führen, dass Arbeitsplätze und Produktionseinrichtungen anderswo dafür nicht mehr benötigt werden. Diese freien Kapazitäten stehen dann für die Herstellung von E-Auto-Komponenten zur Verfügung, auch um mittelfristig den Leerstand von Industriehallen zu verhindern. Konkret stellt sich also die Frage: Gibt es an den bestehenden BMW Standorten oder den Zulieferbetrieben Möglichkeiten zur Umnutzung oder etwa zur mehrstöckigen Nutzung von Gebäuden?

„Die Realität heißt Klima- und Energiekrise, Wassermangel, Artensterben und exorbitant hoher Flächenverbrauch – gerade in Niederbayern. Dieser Verantwortung muss sich gerade ein regional so verankertes Unternehmen wie BMW zukünftig stellen“ so Mergner.

„Die Gewerbeansiedlungen zerstören viele Brutplätze von Kiebitz, Feldlerche und anderen ackerbrütenden Vogelarten und setzen das Wiesenbrütergebiet nördlich der Autobahn massiv unter Druck“, so Aigner am zweiten Standort des Pressetermins – nördlich der Autobahn, direkt am Königsauer Moos. Der BN sieht die schleichende Verschlechterung dieses FFH-/Natura 2000-Gebietes mit jeder weiteren Ansiedlung.

Neben anhaltender Unruhe in der Bauphase und während des Betriebs und nächtlicher Lichtverschmutzung ist es vor allem die Kulissenwirkung der Gebäude, die den Offenlandarten Großer Brachvogel und Kiebitz Probleme bereitet. Auch wenn die Hallen nicht direkt am Königsauer Moos stehen, wirken sie als Sichtbarriere. Brachvogel, Feldlerche und Kiebitz sind besonders beim Brüten auf freie Sicht nach allen Seiten angewiesen, damit sich Fuchs, Marder und andere Bodenfeinde nicht unbemerkt anschleichen können.

Werden dann die Gebäude auch noch von hohen Bäumen umgeben, in denen Krähen, Elstern und Greifvögel brüten, nehmen auch die Feinde aus der Luft für die Bodenbrüter zu. Die Folge: Durch das geplante Batteriewerk werden Brutplätze von Kiebitz, Brachvogel, Feldlerche und Rebhuhn nicht nur im Gebiet selber, sondern auch im Königsauer Moos nördlich der A92 verloren gehen und ein Großteil der Naturschutzanstrengungen des Landkreises der letzten Jahrzehnte im Königsauer Moos zunichte gemacht.

„Bereits mit dem Möbellager an der Autobahnausfahrt Dingolfing-Ost kam es dazu, dass die Zahl der Brachvogelbrutplätze nördlich im Königsauer Moos eingebrochen ist“, erläutert Franz Meindl, der seit Jahren intensiv die Bestände der Wiesen- und Ackerbrüter im Landkreis bearbeitet. „Wenn der Offenland-Lebensraum Königsauer Moos immer stärker eingeengt wird, verschwindet der Brachvogel und die Kiebitzbestände brechen ein. Auch der Wert des Königsauer Mooses als Durchzugs-, Nahrungs- und Rastbiotop für Zugvogelarten sinkt stark“, so Meindl, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Landau.

Das Königsauer Moos mit den angrenzenden Moosgebieten ist bayernweit der wichtigste Lebensraum für seltene wiesen- und feldbrütende Vogelarten wie Kiebitz und Großer Brachvogel oder Flussregenpfeifer, die vom Aussterben bedroht sind. Der Landkreis Dingolfing-Landau trägt eine besondere Verantwortung für ihren Schutz.

„Während entlang der A92 zwischen Landshut und Dingolfing eine gigantische Halle nach der anderen entsteht und Fläche frisst, bleibt es bei der Wiedervernässung der Isarmoose nördlich der Autobahn bisher bei Minimaßnahmen, wie etwa die halbherzigen ersten Schritte beim Königsauer Moos“, erklärt Aigner.

„Die zum Teil bereits sehr geringen Moormächtigkeiten des Mooses sind bedenklich. Sollte sich der Moorkörper weiter abbauen, kommt der Mergel an die Oberfläche und dann ist auch eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr möglich; das Gebiet für die Wiesenbrüter und als einzigartige Kulturlandschaft verloren“, so Aigner.

Der BN will, dass die Wiedervernässung und damit die Stabilisierung des Königsauer Mooses beschleunigt werden und dass endlich zusammen mit den Landwirten ein zukunftsfähiges Nutzkonzept für diese Flächen erstellt wird. Der Verband bietet dabei den Grundeigentümern und Behörden seine Kooperation und Zusammenarbeit an.