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Neue Auen gegen Hochwasser an der Donau

BN fordert Wiederanbindung von Überschwemmungsflächen

07.10.2003

An der Donau zwischen Straubing und Vilshofen muss der Schutz gegen Hochwasser dringend verbessert werden. Derzeit sind nur wenige größere Ortschaften gegen ein Jahrhundert-Hochwasser ausreichend gesichert. Der Bund Naturschutz in Bayern fordert, zur Reduzierung der Hochwassergefahr nicht nur die Deiche zu erhöhen, sondern auch an der gesamten bayerischen Donau die in den letzten Jahrzehnten verloren gegangenen Überschwemmungsflächen wieder an den Fluss anzubinden. Die Verluste waren mit fast einem Drittel bezogen auf ein 20 bis 30jähriges Hochwasser äußerst groß. Die vielfach vorgesehenen, technisch gesteuerten Flutpolder genügen dagegen nicht den Anforderungen eines modernen, ökologischen Hochwasserschutzes. "Die Sicherung und Wiederherstellung von Auen als natürliches Mittel zur Reduzierung der Hochwassergefahr muss Vorrang erhalten vor den technischen Lösungen" betonte Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des größten bayerischen Naturschutzverbandes.

Weiger kritisierte in diesem Zusammenhang, dass auch an der Donau zwischen Straubing und Vilshofen bisher vor allem technisch gesteuerte Flutpolder geplant und kaum Flächen für die Neuschaffung von Auen vorgesehen sind. Nach Umsetzung des staatlichen "Hochwasserschutzkonzeptes" und der Polderplanungen würden nur noch circa 45 Prozent der ursprünglich vorhandenen Aueflächen verbleiben. "Wir fordern, dass in dem nun anstehenden Raumordnungsverfahren für den Donauausbau auf jeden Fall statt der Flutpolder auch die Schaffung von Aueflächen mit untersucht wird", so Weiger. Während Flutpolder allein die Hochwasserspitzen kappen, bewirken Aueflächen auch eine zeitliche Verzögerung der Hochwasserwellen. "Beim August-Hochwasser 2002 waren in Regensburg nicht an erster Stelle die Wasserstände von Donau und Regen das entscheidende Problem. Vielmehr ist der Ablauf der Hochwasserwelle in der Donau durch die verschiedenen Ausbaumaßnahmen in den letzten Jahrzehnten fast auf das Doppelte beschleunigt worden. Dadurch ergibt sich immer öfter, wie 2002, eine gefährliche Überlagerung der Hochwasserwellen von Donau und Regen in Regensburg und von Donau, Inn und Ilz in Passau", so Weiger. Gegen die Anlage von Flutpoldern sprechen auch die Erfahrungen aus anderen Flussgebieten. So müssen in Flutpoldern, die nur alle paar Jahre oder Jahrzehnte in Anspruch genommen werden, massive Schäden an der gesamten Pflanzen- und Tierwelt befürchtet werden, weil sich diese anders als in Auen nicht an Hochwasserereignisse anpassen können.

Der Deggendorfer Landschaftsarchitekt Georg Kestel verdeutlichte anhand von Zwischenergebnissen einer für den Bund Naturschutz erstellten Studie die Verluste von Überschwemmungsflächen an der Donau seit 1926, dem Beginn der systematischen Hochwasserschutzmaßnahmen am größten bayerischen Fluss. Vor allem im bisher breit überschwemmten Donautal zwischen Regensburg und Straubing sind zuletzt mit der Errichtung der Staustufen Geisling und Straubing große Überschwemmungsflächen verloren gegangen. "Die Folgen dieser Politik, die Hochwässer nach unten durchzuleiten, muss der Raum ab Straubing abwärts heute ausbaden", so Kestel. Auch an der oberen Donau seien in der Vergangenheit viele intakte Aueflächen verloren gegangen.

Kestel stellte die Beschleunigung des Hochwasserabflusses und die gefährliche Überlagerung der Hochwasserwellen für das Hochwasser im August 2002 dar und warnte vor weiter steigenden Gefahren: "Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass besonders ungünstige Wetterlagen wie im August letzten Jahres häufiger werden. Wir müssen uns nicht nur an den Statistiken der letzten Jahre, sondern auch an den Prognosen für die Zukunft orientieren", so der Deggendorfer Landschaftsarchitekt.

Der Bund Naturschutz fordert daher, für die Donau und ihre Seitenflüsse ein staatliches Gesamtkonzept für die Rückgewinnung von Auelebensräumen aufzulegen. "Uns ist klar, dass dies eine langfristige Aufgabe darstellt. Um so wichtiger ist es, dass hierfür die ersten positiven Ansätze des bayerischen Auenprogrammes vertieft und großflächig umgesetzt werden", so Weiger. Der Vorsitzende des Bund Naturschutz kritisierte, dass mehrere Flutpolder an der oberen Donau offensichtlich ohne die Prüfung der ökologischen Alternative durchgesetzt werden sollen. "Für einen Polder bei Ingolstadt ist bekannt, dass für beide Planungsalternativen eine jeweils ähnliche Absenkung des Hochwasserstandes zu erwarten ist", so Weiger. Mit der Reaktivierung der Aue könnten jedoch Schäden an der Vegetation und der Tierwelt vermieden werden, die bei der schnellen Flutung im Hochwasserfall auftreten. Gleichzeitig könnte der europaweit vom Aussterben bedrohte Lebensraumtyp "Auwald" gesichert werden. "In den höheren, nur selten überschwemmten Lagen der Aueflächen ist auch eine standortgerechte landwirtschaftliche Nutzung durchaus möglich. Zu denken ist aber auch beispielsweise an die hochproduktive Anlage von `Energiewäldern´", betonte Weiger.

Für den Raum zwischen Straubing und Vilshofen rechnet der Vorsitzende der Kreisgruppe Deggendorf des Bund Naturschutz, Dieter Scherf, mit der baldigen Beantragung eines Raumordnungsverfahrens für die "sanfte" Ausbauvariante A. "In diesem Verfahren müssen auch die Möglichkeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes untersucht werden", mahnte Scherf an. "Wir erwarten, dass hierbei nicht nur das bisher vorgelegte Hochwasserschutzkonzept geprüft wird, sondern dass auch die Schaffung von Aueflächen als Planungsvariante untersucht und in die derzeit durchgeführten Berechnungen einbezogen wird." Für dieses Raumordnungsverfahren will der Bund Naturschutz in einer Studie anhand der aktuellen Biotopausstattung, der Grundwasserverhältnisse und anderer Kriterien Flächen für regelmäßig überschwemmte Auen vorschlagen.

Scherf kritisierte in diesem Zusammenhang, dass das ehemals bestehende und vom bayerischen Wirtschaftsministerium organisierte "Donauforum" seit Jahren im Dornröschenschlaf verharre. "Die bayerische Staatsregierung verpulvert Steuermittel für zusätzliche Untersuchungen zu den Stauvarianten, obwohl hierfür kein Ausbauträger zur Verfügung steht und der Donauausbau allein Hoheitsaufgabe des Bundes ist. Es ist viel wichtiger für die Region, dass die Verbesserung des Hochwasserschutzes endlich mit den Betroffenen in einem offenen Verfahren diskutiert wird", kritisierte der Vorsitzende der Deggendorfer Kreisgruppe. Dies hätten die Teilnehmer des ersten Donauforums schon vor etlichen Jahren gefordert.

Befremdlich finden die Naturschützer auch die Untätigkeit von Unterliegern wie der Stadt Passau. "Passau hat sicherlich im Umgang mit Hochwasser mehr Erfahrung als andere Städte. Wir haben aber den Eindruck, dass die Passauer noch nicht realisiert haben, dass sich mit den aktuellen Planungen zwischen Straubing und Vilshofen eine weitere Verschärfung der Lage in ihrer Stadt ergeben kann", erklärte Weiger.