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„Wasseraustriebspolitik“ und Bremsen beim Klimaschutz werden zum Bumerang

Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. fordert angesichts der dramatischen Starkregenereignisse der letzten Wochen endlich mehr Klimaschutz und ein Umdenken beim Hochwasserschutz. Speicherung des Wassers in der Fläche ist der wirksamste Schutz.

15.07.2021

Der BUND Naturschutz ist zutiefst betroffen vom Ausmaß der Katastrophe der Starkregenereignisse der letzten Tage und unser Mitgefühl gilt allen Opfern und Geschädigten.

Die Katastrophe zeigt die fatalen Auswirkungen unzureichenden Klimaschutzes und der jahrzehntelangen Verschlechterungen des Landschaftswasserhaushaltes:

„In den letzten 100 Jahren wurden insbesondere durch eine Politik der so genannten Wasseraustreibung Flüsse und Bäche begradigt, Auen durch Deiche zurückgedrängt, Moore und Feuchtgebiete entwässert und Böden in der Landwirtschaft immer weiter verdichtet. Diese Politik rächt sich jetzt“, erklärt der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner. „Was wir stattdessen brauchen ist eine Wasserspeicherung in der Fläche, also im Boden und in der Landschaft. Dies dient nicht nur der Grundwasserneubildung, sondern ist auch der wirksamste Schutz gegen Hochwasser und ebenso gegen Dürre. Und wir brauchen natürlich endlich einen wirksamen Klimaschutz, um die Extremwetterereignisse zu bremsen.“

Die Wasserexpertin des BN Dr. Christine Margraf betont: „Verschiedene Faktoren haben in den letzten Jahren zu einer gefährlichen Gemengelage geführt. Durch Flurbereinigung, Entwässerung von Böden und Begradigungen sowie Kanalisierung der vielen kleinen Gewässer zu Wasser-Autobahnen wird Wasser kaum noch in der Fläche zurückgehalten. Starkregenereignisse zeigen diese Fehler immer öfter schonungslos auf. Auch die zunehmende Versiegelung beschleunigt und erhöht den Wasserabfluss. Die zunehmend verdichteten Böden in der Landwirtschaft sind ebenfalls ein Problem. Wir bekommen nun zunehmend die Quittung für viel zu schwachen Klimaschutz und die Wasseraustreibungspolitik der vergangenen Jahrzehnte.“

Um hier gegenzusteuern fordert der BUND Naturschutz:

  • Die Drainage und die Ausleitung des Wassers aus der Fläche ist zu stoppen und rückgängig zu machen
  • Die Landwirtschaft muss wieder mit dem Boden arbeiten und den Humusanteil und das Bodenleben erhöhen. Schwere Maschinen, Kunstdünger und Spritzmittel haben zu einer Bodenverdichtung und Verarmung der Bodenlebewesen geführt. Das Porenvolumen ist stark zurückgegangen mit der Konsequenz, dass gerade Starkniederschläge oberflächig abfließen und den Boden zum Teil bis in die Wohngebiete spülen und zudem die Gewässer mit dem Bodeneintrag belasten. 
  • Fließgewässer müssen durchgehend renaturiert werden. Wir brauchen mehr Überschwemmungsräume – Breitwasser statt Hochwasser.
  • Waldflächen müssen als Wasserrückhaltegebiete erhalten werden.
  • Moore sind als Wasserspeicher zu schützen und zu renaturieren. Dies hat hohe Synergieeffekte mit dem Klimaschutz.
  • Flächen müssen entsiegelt und nicht noch weiter versiegelt werden.

 

Für Rückfragen

 

Felix Hälbich

Pressesprecher und Referent für Kommunikation und Medien

felix.haelbich@bund-naturschutz.de

Tel.: 089 5146 97 611

Mobil: 0171 337 54 59