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Umsetzen statt Aussitzen - BN unterstützt EU-Pläne zur Pestizidreduktion

Kritik am Beschluss der Agrarministerkonferenz

30.03.2023

Während die Agrarministerkonferenz, die Ende letzter Woche in Büsum tagte, den Vorschlag der EU-Kommission zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) größtenteils ablehnte, fordert der BUND Naturschutz schnelle und weitreichende Maßnahmen zur Reduktion des Pestizideinsatzes.  Aktuelle Studien zeigen eine massive Belastung von Kleingewässern mit Pestiziden, den Eintrag von Pestiziden in Schutzgebiete sowie die erhöhte Gefahr für Insekten.

„Wir sehen die Versuche, den Vorschlag der EU-Kommission zur Regulierung des Pestizideinsatzes weiter aufzuweichen oder sogar ganz auszusitzen mit großer Sorge. Damit steht die Umsetzung der Farm-to-Fork-Strategie der EU auf dem Spiel“ äußert sich Martin Geilhufe, BN Landesbeauftragter, zu den Beschlüssen der Agrarministerkonferenz. Und obwohl die Warnungen der Wissenschaft zur Gefahr von Pestiziden für die Artenvielfalt immer dramatischer werden, hat die bayerische Landwirtschaftsministerin Kaniber nach wie vor keinen konkreten und verbindlichen Maßnahmenplan entwickelt, um die im Landtag beschlossene Halbierung des Pestizideinsatzes in Bayern bis 2028 umzusetzen.

„Das Argument, dass mit einem reduzierten Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel nicht ausreichend Nahrungsmittel erzeugt werden können“, ist nicht stichhaltig, sagt Christine Hertrich, BN Agrarreferentin. Bereits heute sind mit der konsequenten Anwendung des Integrierten Pflanzenbaus und mit biologisch abbaubaren Pflanzenschutzmitteln gut erprobte Alternativen zum Gifteinsatz vorhanden, sie werden nur nicht ausreichend angewendet. Vor dem Hintergrund aktueller Studien bekräftigt der BUND Naturschutz seine Forderungen zum Pestizidausstieg, die teilweise über die diskutierten Vorschläge auf EU-Ebene hinaus gehen:

  • Hochgefährliche Pestizide müssen komplett verboten werden
  • Notfallzulassungen und Ausnahmereglungen darf es nicht mehr geben
  • In privaten Gärten, auf Grünanlagen, in Siedlungen, in sensiblen Schutzgebieten und in der Nähe von Gewässern dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel mehr eingesetzt werden
  • Der integrierte Pflanzenschutz muss verbindlich werden, d.h. dass vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen und mechanische Verfahren Vorrang bekommen müssen

Hintergrund:

Besorgniserregend sind die Ergebnisse einer Studie der Universität Koblenz-Landau, die im vergangenen Herbst veröffentlicht wurde. Sie stellt fest, dass selbst in Naturschutzgebieten die Risiken durch Pestizide für Insekten und andere Kleinlebewesen in Gewässern sehr groß sind, weil das Einzugsgebiet der Gewässer außerhalb der Schutzgebiete liegt.

In einem Forschungsprojekt des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig (UFZ), haben Wissenschaftler die Belastung von Kleingewässern mit Pestiziden untersucht. Die erschreckende Bilanz ist, dass die Hälfte der untersuchten Proben zum Teil die Schwellenwerte teilweise enorm überschreiten und dass ein Drittel der Lebewesen in diesen Gewässern extrem empfindlich auf die Giftstoffe reagiert.

Eine weitere Studie, die vom Bundesamt für Naturschutz in Auftrag gegeben und am 15. März 2023 veröffentlicht wurde, zeigt eine starke Gefährdung von Insekten durch glyphosathaltige Herbizide. Demnach werden Insekten nicht nur bei direktem Kontakt mit dem Herbizid, sondern auch durch die Aufnahme von Pflanzenteilen über die Nahrung geschädigt.

Weiterführende Informationen:

Forderungen des BUND zum neuen EU Pestizidanwendungsrecht:

www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/umweltgifte/Forderungen_EU_Green_Deal.pdf

Links zu den genannten Studien:

Pilotstudie zur Ermittlung der Belastung von Kleingewässern in der Agrarlandschaft mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen. https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/umsetzung-des-nationalen-aktionsplans-zur-1

Pesticide occurrence in protected surface waters in nature conservation areas of Germany. https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2022.160074

A Roundup herbicide causes high mortality and impairs development of Chrysoperla carnea (Stephens) (Neuroptera: Chrysopidae). https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969722082614