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Waldbirkenmaus mit Fotofalle nachgewiesen

In einem gemeinsamen Projekt haben der BUND Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) die sehr seltene Waldbirkenmaus (Sicista betulina) im Landkreis Freyung-Grafenau im Bayerischen Wald mehrere Jahre hintereinander nachgewiesen. Die gewonnenen Erkenntnisse können nun direkt in geplante Renaturierungsprojekte einfließen.

Foto: Dr. Richard Kraft

Foto: Rita Rott

04.12.2020

Die Waldbirkenmaus (Sicista betulina) gilt als eines der seltensten und stark gefährdeten Säugetiere in Deutschland und steht daher auf der Roten Liste. Das kleinste Nagetier Mitteleuropas mit seinem markanten schwarzen Aalstrich über dem Rücken und dem mehr als körperlangen Schwanz konnte außer im Bayerischen Wald bisher nur verlässlich im Oberallgäu und in Schleswig-Holstein nachgewiesen werden. Die Art ist stark an bodenfeuchte, moorige Standorte in schneereichen Gebieten gebunden.

Das dritte Jahr in Folge haben der BN und der LBV auf eigenen Flächen automatische Wildkameras bodennah aufgestellt, die auslösen, wenn ein Tier in den Fokus gerät. Die Aktiven vor Ort Wolfgang Reichenberger (LBV) und Karel Kleijn (BN) haben die insgesamt 20 Kameras regelmäßig alle zwei Wochen kontrolliert und ausgelesen und damit weit über 60.000 Aufnahmen an den Experten David Stille weitergeleitet.

Die Regierung von Niederbayern fördert das Engagement des LBV und BN aus Mitteln des Biodiversitätsprogramms NaturVielfaltBayern des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz.

Besonders erfreulich ist das Ergebnis auf der Fläche Langreut (Gemeinde Haidmühle) direkt an der deutsch-tschechischen Grenze: Auf insgesamt 31 Aufnahmen konnte ein bisher unbekanntes Vorkommen der Waldbirkenmaus nachgewiesen werden. Auf vier der fünf dort platzierten Kameras waren die seltenen Nager zu sehen – was bedeutet, dass die Waldbirkenmaus auf der gesamten Fläche unterwegs ist.

Mit den Nachweisen aus den Vorjahren ergibt sich nun eine „Perlenkette von Nachweisen“, so Karel Kleijn, der das Projekt von Seiten des BN im Landkreis Freyung-Grafenau betreut. „Die Funde bestätigen unsere bisherigen Beobachtungen. Wir haben hier in der Gegend ein ausgeprägtes Vorkommen der Waldbirkenmaus – und damit ein sehr seltenes Überbleibsel aus der letzten Eiszeit.“

Jedes Jahr wird damit das Bild, wo Waldbirkenmäuse vorkommen und welche Lebensräume sie bevorzugen, etwas schärfer. Die Untersuchungen liefern eine wichtige Grundlage dafür, dass die Verbände und Behörden sich gezielt für den Erhalt der Art im Hinteren Bayerischen Wald einsetzen können. Dabei ist die Vernetzung der verbliebenen Populationen die aussichtsreichste Artenhilfsmaßnahme.

Denn es geht immer auch um den Lebensraum einer Art. Die Waldbirkenmaus ist an spezielle Feuchtgebietskomplexe gebunden, von denen es in großen Teilen Europas nicht mehr allzu viele gibt und die weiterhin durch Intensivierung, Trockenlegung und Klimawandel bedroht sind. Die sensible Art braucht ein Mosaik an Lebensräumen: Hochstauden für den Nestbau, Freiflächen für die Nahrungsaufnahme und Wald für den sehr intensiven Winterschlaf, der Anfang Oktober beginnt und bis zu 7 Monate dauert.

Der BUND Naturschutz, der sich im Rahmen des Projekts „Quervernetzung Grünes Band“ in der Gegend schwerpunktmäßig für eine Vernetzung von Biotopen engagiert, möchte die Fläche in Langreut renaturieren, hierfür wieder vernässen und zu einem strukturreichen Offenlandbiotop entwickeln. Zugleich wird nun ein Pilotprojekt für eine „Waldbirkenmaus-konforme“ Renaturierung aufgesetzt – mit besonderem Fokus darauf, die Bedingungen für die Waldbirkenmaus weiter zu verbessern. „Wir hoffen, einen Präzedenzfall zu schaffen, wie man richtig mit der Waldbirkenmaus umgeht“, so Kleijn.

Erfreulicher Nebeneffekt: Die Kameras fotografieren nicht nur Waldbirkenmäuse, sondern auch andere Klein- und Mittelsäuger und Vögel. So finden sich auf den Aufnahmen auch Nachweise von Zwergmaus, Haselmaus und Alpenspitzmaus sowie Baummarder, Fischotter und – als bisheriger Höhepunkt – eine Bekassine mit Küken.

Das Projekt soll deshalb auch in den nächsten Jahren fortgesetzt werden.

Für Rückfragen

Rita Rott
Regionalreferentin des BN für Niederbayern
089 / 54 830 112
0175 / 355 9706
rita.rott@bund-naturschutz.de