MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Lebensraum und Lebensweise des Fischotters

Der Fischotter braucht saubere und fischreiche Gewässer. Ein guter Gewässerschutz aber auch eine andere „Willkommenskultur“ sind nötig, damit sich das possierliche Tier in Bayern wieder ausbreiten kann.

Sein Lebensraum: Ein Fischotter im Wasser (Foto: Wolfgang Willner)

Der Eurasische Fischotter (Lutra lutra) stellt hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Deshalb gilt er auch als sogenannte Leitart: Wo er lebt, gilt die Natur als ökologisch intakt und bietet damit auch für andere seltene Tier- und Pflanzenarten ideale Bedingungen. Der schwimmende Jäger gehört zu den heimischen Marderarten. Er ist der längste und nach dem Dachs der zweitschwerste der bei uns vorkommenden Marder. Sein durchschnittliches Gewicht liegt bei fünf bis zehn Kilogramm. Ein ausgewachsenes Tier kann auch bis zu 13 Kilogramm auf die Waage bringen. Vom Kopf bis zum Rumpf misst ein erwachsenes Tier etwa 60 bis 90 Zentimeter. Der rundliche und muskulöse Schwanz ist dann noch einmal etwa halb so lang.  Der Fischotter nutzt ihn als Steuer- und Stabilisierungsorgan. Die Weibchen sind in der Regel kleiner und leichter als die Männchen.

Ein Leben zu Wasser und zu Lande

Schwimmen und Tauchen? Für den Fischotter kein Problem. Er kann überall dort leben, wo er saubere, fischreiche Gewässer mit strukturreichen Ufern vorfindet. Seine Körperform (vorne „spitz“, nach hinten dicker werdend) bietet wenig Widerstand und Schwimmhäute zwischen den Zehen der Vorder- und Hinterbeine wirken fast wie Flossen. Die langen Tasthaare an der Schnauze des Otters helfen ihm bei der Orientierung und bei der Suche nach Nahrung im trüben Wasser.  Der Fischotter kann maximal sieben bis acht Minuten lang unter Wasser bleiben, dabei einige hundert Meter zurücklegen und 18 Meter tief tauchen. Dass er Ohren und Nasenöffnungen verschließen kann, ist dabei sehr hilfreich. Außerdem sind Nase, Augen und Ohren beim Fischotter in einer Linie angeordnet. So muss er beim Auftauchen seinen Kopf nur ein kleines Stückchen aus dem Wasser heben, um zu sehen, hören und riechen, ob von irgendwoher Gefahr droht.

Da der Fischotter im Gegensatz zu anderen aquatisch (ausschließlich im Wasser) oder semiaquatisch (zeitweise im Wasser) lebenden Tieren keine dicke Fettschicht zur Wärmeisolation ausgebildet hat, ist er auf die schützende Funktion seines Pelzes angewiesen. Mit etwa 50.000 Haaren pro Quadratzentimeter hat er das dichteste Fell all unserer heimischen Säugetiere (Biber ca. 23.000/cm², Mensch ca. 120/cm²). Zwischen den Haaren bilden sich Luftkammern. Sie verhindern, dass Wasser an die Haut des Fischotters gelangt und schützen seinen Körper gleichzeitig vor Kälte. Das Otterfell ist überwiegend braun, am Bauch hellbraun und im Bereich von Kehle und Kinn weißgrau. Die Otter lassen ihm sorgfältige Pflege zukommen: Sie investieren hierfür etwa zehn Prozent der Zeit, in der sie wach sind.

Lebensraum des Fischotters: Naturnahe Gewässer

Guter Lebensraum: Felsen geben dem Fischotter Deckung
Heimliche Lebensweise: Der Fischotter braucht Deckung in seinem Lebensraum (Foto: Wolfgang Willner)

So ausgestattet, kann der Fischotter in allen vom Wasser beeinflussten Lebensräumen vorkommen. Dazu gehören stehende und fließende Gewässer, wie Flüsse, Bäche, Seen, Sümpfe, Flussmündungen und Meeresufer. Aber auch durch den Menschen entstandene Wasserlebensräume werden gerne angenommen. Voraussetzungen: sauberes Wasser, ein gutes Nahrungsangebot sowie strukturreiche Gewässer- und Uferbereiche. Überhängende Bäume, Sträucher, Schilfgürtel, unterspülte Bäume oder Felsblöcke dienen ihm zur Deckung, als Ruhe- und gute Jagdplätze. Doch der Fischotter braucht auch das Land. In bewaldete, busch- oder schilfbestandene flache Ufer baut er seine Höhle, deren Eingang wie beim Biber immer unter Wasser liegen muss. Die Wohnkammer befindet sich über der Hochwassergrenze und bleibt so immer trocken. Ein Luftschacht verbindet sie mit der Außenwelt. Hier sucht der Fischotter Schutz, zieht seine Jungen auf und ruht sich aus. Auch die teils ausgedehnten Wanderungen des Otters (maximal 35 bis 40 Kilometer pro Nacht) erfolgen über große Strecken hinweg über Land.

Lebensweise des Fischotters: Am liebsten allein

Der Fischotter lebt territorial und ist ein ausgesprochener Einzelgänger. Wie groß sein Lebensraum ist, hängt vom Fischreichtum und der Jahreszeit ab. Männchen besetzen 34 bis 40 Kilometer Wasserstrecke. Die Reviere der Weibchen sind mit 18 bis 20 Kilometern deutlich kleiner. Oft liegen auch mehrere innerhalb eines Männchenrevieres. Alle etwa 1.000 Meter braucht der Otter einen Unterschlupf, um dort zu schlafen oder sich zu verstecken. Der ursprünglich tag- und dämmerungsaktive Fischotter ist durch die jahrhundertelange Verfolgung zu einem dämmerungs- und nachtaktiven Tier geworden. In der Dunkelheit legt er seine teilweise weiten Wanderungen zurück. Die ausgetretenen „Ottersteige“, die er dabei hinterlässt, verraten oft seine Anwesenheit. Die gut im Unterholz getarnten Ausstiege an seinen Wohngewässern sind hingegen kaum zu erkennen.

Männliche Fischotter werden im Alter von zwei Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst in ihrem dritten Jahr. Die Hauptpaarungszeit (Ranz) des Fischotters liegt zwischen Februar und März. Die Tragzeit beträgt zwischen 58 und 62 Tage, sodass die Weibchen zwischen April und Juni ein bis drei Junge zur Welt bringen. Der Nachwuchs ist bei der Geburt blind und öffnet erst im Alter von ungefähr 31 bis 35 Tagen die Augen. Ab der sechsten Lebenswoche verlassen die kleinen Otter erstmals den Bau und unternehmen die ersten Schwimmversuche. Sie werden zwischen acht und vierzehn Wochen von der Mutter gesäugt. Mit neun Monaten sind sie selbstständig, bleiben aber bis zum Alter von vierzehn Monaten bei ihrer Mutter, um die Jagd zu erlernen. Dann müssen sie sich ein eigenes Revier suchen.

Nahrung des Fischotters: Gefressen wird, was da ist

Das Nahrungsspektrum des Fischotters ist recht vielseitig. Er frisst das, was er am leichtesten erbeuten kann (Nahrungsopportunist). Dazu gehören oft vor allem Fische, aber auch Amphibien, Reptilien, Krebse, Vögel, Kleinsäuger und Insekten. Da er beim Fischfang vor allem schwache und langsame Exemplare erbeutet, sorgt er für die Gesunderhaltung der Fischbestände. Kleinere Beutetiere vertilgt er direkt im Wasser, größere bringt er an Land und verspeist sie dort. Der Fischotter benötigt täglich etwa zehn bis15 Prozent seines Körpergewichtes als Nahrung. Er muss also etwa 0,4 bis 1,2 Kilogramm Beute pro Tag erjagen.