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Die größte Luchs-Bedrohung: Immer noch der Mensch!

Der Luchs ist zwar zurück in Bayern, aber noch nicht sicher angekommen. Sein größtes Problem: Wilderer, die ihm illegal nachstellen. Im Bayerischen Wald wurden bereits viele Tiere getötet. Ein aufsehenerregender Prozess 2019/2020 endete mit der Einstellung des Verfahrens.

Bis jetzt ist die Luchspopulation in Bayern – und auch in Deutschland – deutlich zu klein, um als stabil zu gelten. Die größte Sorge der Luchs-Experten im Freistaat: Seit mehr als fünfzehn Jahren nimmt die Zahl der Tiere kaum zu. Und das, obwohl regelmäßig Jungtiere geboren werden und ausreichend Lebensraum vorhanden wäre. Regelmäßig verschwinden Luchse spurlos – und zwar so viele, dass dies mit natürlicher Sterblichkeit oder Verkehrsunfällen nicht zu erklären ist. Mehrere Studien haben dies bereits nachgewiesen. Hier sind vorsätzlich Menschen am Werk, die die schönen und strengstens geschützten Katzen illegal töten. Weitere Fälle gehen auf das dichte Verkehrsnetz in Bayern zurück. Vor allem junge Tiere werden entlang von Straßen oder Schienen tot aufgefunden. 


Wo ist der Luchs bedroht? Bayerischer Wald ist Bermudadreieck für Luchse

Die illegale Verfolgung durch verbohrte Luchshasser ist besonders im Bayerischen Wald ein großes Problem für den Luchs. Im Mai 2015 fanden Artenschützer im Landkreis Cham vier abgeschnittene Luchs-Vorderbeine. Sie waren bewusst in der Nähe einer Fotofalle deponiert worden, sodass Mitarbeiter des Luchsprojektes sie finden mussten. Die Fachleute gehen nun davon aus, dass erneut zwei bis vier Großkatzen illegal erlegt wurden. Bereits in den Jahren 2012 und 2013 waren im Bayerischen Wald zwei Luchse vergiftet beziehungsweise erschossen worden. Besonders scheußlich: Die mit Schrotkugeln getötete Luchsin war trächtig und trug drei Junge im Bauch. 

Was die Experten um das Fortbestehen der Luchspopulation in Bayern bangen lässt: Alle wissenschaftlichen Beobachtungen legen nahe, dass deutlich mehr Luchse illegal getötet werden, als die Funde vermuten lassen. Sie gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. So gilt beispielsweise das Gebiet um den Nationalpark Bayerischer Wald als das „Bermudadreieck der Luchse“. Dort verschwinden die Raubkatzen regelmäßig spurlos, vor allem junge Tiere, die auf der Suche nach einem eigenen Revier die Wälder durchstreifen.


Aufklärung? Verfahren eingestellt.

Im September 2019 kam das Amtsgericht Cham zu der Überzeugung, ein Landwirt aus Lohberg habe einen Luchs in einer Lebendfalle gefangen und anschließend erschossen. Doch der Verurteilte ging in Revision und konnte erreichen, dass das Landgericht Regensburg Anfang 2020 das Verfahren eingestellt hat. Begründung: Da der Tatzeitpunkt unbekannt sei, könne eine Verjährung nicht ausgeschlossen werden, zudem sei man auf widersprüchliche Zeugenaussagen gestoßen. Der Angeklagte ist damit nicht freigesprochen, muss also die Prozesskosten tragen. Er muss jedoch nicht die im ersten Prozess verhängte Geldstrafe von 3.000 Euro tragen noch Waffen, Waffenbesitzkarte und Jagdschein abgeben.

Mehr dazu siehe Pressemitteilungen „Luchs“

Das Schweigen brechen – Wilderei stoppen!

„Wir haben durchwegs erlebt, dass alle Leute oder Informanten, mit denen wir gesprochen beziehungsweise telefoniert haben, Angst hatten. [...]“ Journalistinnen vom Bayerischen Rundfunk

Unabhängige Recherchen zweier Journalistinnen vom Bayerischen Rundfunk zeigten: Viele im Bayerischen Wald wissen Bescheid, aber keiner sagt etwas. Zitat aus einem Artikel von Angela Schmid und Angela Graas: „Wir haben durchwegs erlebt, dass alle Leute oder Informanten, mit denen wir gesprochen beziehungsweise telefoniert haben, Angst hatten. Sie wollten persönlich nicht in dem Film mit ihren Aussagen auftauchen. [...] Es herrscht also offenbar eine Angst vor ‚sozialer Bestrafung’ im Ort etc. bis hin zu extremen Ängsten wie ‚Die zünden mir das Haus an’. Wir  bekamen das Gefühl, dass die sozialen Strukturen im Bayerischen Wald stark sind: Jeder kennt jeden oder ist irgendwie verwandt. Wer will schon in seinem täglichen Umfeld angefeindet werden?“

Bereits 2014 schrieb deshalb der BN-Vorsitzende Hubert Weiger einen offenen Brief an den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und forderte ihn auf, endlich aktiv gegen die Luchsmörder vorzugehen und eine überregionale Sonderermittlungseinheit mit der Verfolgung der Taten zu betrauen. Bisher waren die mit den Luchsmorden betreuten Polizeibeamten durchwegs selbst Jäger aus der Region und mussten dann gegen ihre eigenen Freunde und Bekannten ermitteln. Dabei kam nichts heraus – eine Befangenheit der Beamten liegt nahe.


Alte Vorurteile bedrohen den Luchs

Viele stempeln den Luchs zum Bösewicht ab, ohne sich über ihn zu informieren – unberechtigte Vorbehalte sind weit verbreitet. Einerseits fürchten Landwirte Übergriffe auf Nutztiere, andererseits betrachten viele Revierpächter den Luchs als unerwünschten Konkurrenten bei der Rehwildjagd. Dabei überschätzen Jäger oft den Luchsbestand und den Einfluss des Pinselohres auf das Wild. Tatsächlich haben Luchse riesige Reviere. Auf der Fläche, auf der ein einziger Luchs jagt, gehen etwa 40 bis 50 menschliche Jäger auf die Pirsch.

Konkurrent Luchs?
Pro Jahr: Die bayerischen Luchse benötigen 2.500 Rehe. Die bayerischen Jäger erlegen etwa 300.000 Rehe. Auf Bayerns Straßen sterben etwa 40.000 Rehe.

Ein erwachsener Luchs schlägt pro Jahr etwa 50 bis 60 Rehe. Diese Zahl erscheint zuerst hoch, doch wenn man berücksichtigt, dass ein Luchsrevier etwa 100 Quadratkilometer groß ist, relativiert sich das. In den wenigen Gebieten, in denen es den Luchs wieder gibt, sterben fast fünfmal so viele Rehe durch die Jagd wie durch den Luchs. Betrachtet man ganz Bayern, liegt der Anteil der Rehrisse im Vergleich zum Rehwildabschuss sogar im Promillebereich. Im gleichen Zeitraum, also in einem Jahr, sterben bei Wildunfällen rund 40.000 Rehe auf Bayerns Straßen.


Und wen bedroht der Luchs?

Luchse sind keine Bedrohung für den Menschen. In tollwutfreien Ländern – zu denen auch Deutschland gehört – sind in freier Wildbahn keine Angriffe auf den Menschen bekannt. Auch von Nutztieren hält sich der Luchs meist fern, die Rehwilddichte ist in bayerischen Wäldern hoch genug (siehe auch Vergleichszahlen zu gejagten Rehen). Sollte es trotzdem zu einem Riss bei Schafen oder Ziegen kommen, können Tierhalter nach der bayerischen „Ausgleichsregelung Große Beutegreifer“ entschädigt werden.

Die Statistik zeigt, dass der Luchs keine nennenswerte wirtschaftliche Bedrohung für Nutztierhalter darstellt: Von 1998 bis 2019 gab es insgesamt 361 Begutachtungen, in 57 Fällen gingen die Schäden tatsächlich auf das Konto des Luchs – das entspricht 16 Prozent. Die übrigen Todesursachen waren vorwiegend Verenden durch Krankheit oder Verhungern, Hunde und Füchse, Blitzeinschläge oder Begegnungen mit Geweihträgern (2020: 17% Luchs, 6% Kulanz, 22% Hund/Fuchs, 27% verendet, 3% Blitz, 2% Forkeln, 23% unbekannt; siehe auch Ausgleichsfonds).