MenuBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Alpenpflanzen: mehr als Edelweiß und Enzian

In den Bergen konnten viele Pflanzenarten überleben, die es im europäischen Flachland nicht mehr gibt. Doch die breite Vielfalt darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch hier von vielen Arten nur kleine Vorkommen gibt, die von Bergwirtschaft, Siedlungs- und Straßenbau sowie nicht zuletzt vom Klimawandel bedroht sind.

Die Blütenvielfalt von Alpenpflanzen im Vordergrund, im Hintergrund Allgäuer Berge in blauem Dunst (Foto: megakunstfoto/AdobeStock)
Es blüht in großer Vielfalt: eine Bergwiese im Allgäu (Foto: megakunstfoto/AdobeStock)

In den Alpen begegnen sich mediterrane, mitteleuropäische, pannonische und illyrische Florenelemente. Von 13.000 in den Alpen vorkommenden Pflanzenarten sind 4.491 Gefäßpflanzen, die 39 Prozent der gesamten Flora Europas abdecken. Darüber hinaus sind 70 Prozent der europäischen Moosarten in der Alpenflora zu finden. Doch der Artenreichtum ist regional sehr unterschiedlich und in den verschiedenen Vegetationsstufen verteilt – eine Alpenpflanze ist meist ein spezieller Charakter. 

Von den 400 endemischen Pflanzenarten sind einige durch die Klimaveränderung vom Aussterben bedroht. Typische Pflanzenarten sind Alpenblumen und Zwergsträucher. Besonders bekannt sind verschiedene Enziane (Gentiana), das Edelweiß, das Alpenglöckchen oder die Latschenkiefer. Einige davon – beziehungsweise ihre gezüchteten Verwandten – sind regelmäßig in Steingärten oder als Zimmerpflanzen anzutreffen. Darüber hinaus gibt es in niederen Lagen zahlreiche Baumarten, die den Bergwald bilden und wichtige Funktionen zum Schutz gegen Lawinen und Erosion sowie als Lebensraum für Tiere übernehmen.

Eine Besonderheit der Alpenflora ist ganz allgemein ihre hohe Widerstandsfähigkeit, mit der sie den herausfordernden Lebensumständen trotzt. Die kürzeren Vegetationsperioden sind bei Bäumen zum Beispiel an einem langsamen Wachstum abzulesen, ihr Holz ist am Ende vergleichsweise härter. Auch das Alter der Pflanzen ist zum Teil rekordverdächtig: Schweizer Forscher wiesen mithilfe von Molekulartechnik nach, dass die Alpengrasart Krumm-Segge (Carex curvula) bis zu 5000 Jahre alt werden kann. 

Berühmt oder unbekannt? Steckbriefe Alpenpflanzen

Alpen-Fettkraut

Alpen-Fettkraut mit vier Blüten, auf einer davon sitzt eine Fliege. (Foto: User-Tigerente/Wikimedia Commons)
Das Alpen-Fettkraut ist vom Aussterben bedroht, die fleischfressende Pflanze ist nur noch an wenigen Standorten zu finden. (Foto: User-Tigerente/Wikimedia Commons)

Im Gegensatz zum Gewöhnlichen Fettkraut (Pinguicula vulgaris) mit violetten Blüten sind diese beim Alpen-Fettkraut (P. alpina) weiß. Mit den klebrigen Blättern werden kleine Insekten angelockt, die dann kleben bleiben. Bei der Verdauung rollen sich die Blattenden leicht ein.

Alpen-Milchlattich

Alpen-Milchlattich (Foto: Wolfgang Willner)
Der Alpen-Milchlattich ist eine alte Heilpflanze. (Foto: Wolfgang Willner)

Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina) wurde von den Bergbewohnern als Heil- und Nutzpflanze gesammelt. Er sollte entzündungshemmend wirken und wurde zum Beispiel bei Hautkrankheiten eingesetzt. Als (Frühjahrs-)Gemüse wurde die Alpenpflanze roh verzehrt. Da sie auch als milchflusssteigernd galt, wurde sie regelmäßig als Viehfutter verwendet – daher stammt ihr Name. Sie wird bis zu 150 cm groß und ist in Lagen zwischen 1000 und 2000 Metern relativ häufig, hat aber heute als Nutzpflanze keine Bedeutung mehr.

Alpen-Edelweiß

Großaufnahme vom Alpen-Edelweiß im Sonnenlicht. (Foto: Wolfgang Willner)
Das Alpen-Edelweiß ist stark gefährdet. (Foto: Wolfgang Willner)

Das Alpen-Edelweiß (Leontopodium nivale) gilt als stark gefährdet (Rote Liste Status 2), sein Ausgraben, Pflücken oder Beschädigen ist seit langem streng verboten und mit hohen Strafen belegt. In Österreich wurde es schon 1886 unter Naturschutz gestellt. Leider hat dies bisher nicht dazu geführt, dass sich die Bestände der Art erholt haben. Interessant: Oft werden die sternförmigen weißen Hochblätter für die Blüte gehalten, in Wirklichkeit umgeben diese jedoch nur die 60 bis 80 gelben Röhrenblüten in der Mitte.
Mehr Informationen zum Alpen-Edelweiß

Bergkiefer

Im Vordergrund Bergkiefern, im Hintergrund schneebedeckte, von weißen Wölkchen umgebene Berge im Sonnenschein. (Foto: Fotolia/Digitalpress)
Die Bergkiefern im Vordergrund sind für Wanderer ein bekanntes Bild und oft als Latschen- oder Krüppelkiefern bekannt, sie werden nicht höher als etwa drei Meter (Foto: Fotolia/Digitalpress)

Die Bergkiefer (Pinus mugo subsp. mugo) ist vielen Wanderern auch als Berg- oder Legföhre, als Latschen- oder Krüppelkiefer bekannt. Sie wächst eher strauchartig und wird in der Regel nur einen bis drei Meter hoch. Für das Leben in den Bergen wendet sie einen Trick an: Ihr Stamm ist zwar lang, schlängelt sich aber in Bodennähe über viele Meter, die Äste bilden dann ein dichtes Netz an Ausläufern. Daneben gibt es zwei Schwesternarten, die Aufrechte Bergkiefer (P.m. subsp. uncinata) sowie die Moorspirke (P.m. subsp. rotundata).

Gemeine Fichte

Eine Gemeine Fichte, die Baumart ist natürlicherweise nur in Höhenlagen von Alpen und Mittelgebirge zu finden. (Foto: UnreifeKirsche/Wikimedia Commons)
Die Gemeine Fichte hat ihren natürlichen Lebensraum in den Höhenlagen, Monokulturen im Flachland sind besonders von Klimawandel und Schädlingsbefall bedroht. (Foto: UnreifeKirsche/Wikimedia Commons)

Fichtenwälder haben einen schlechten Ruf, da sie als „Brotbaum“ der Forstwirtschaft in tiefere Lagen gebracht und dort zwei Jahrhunderte lang in Monokulturen angebaut wurden – zur Wiederbewaldung und als Holzlieferant. Dadurch wurden an vielen Orten die standortheimischen und  klimawandelangepassteren Mischwälder mit Fichte, Buche, Tanne und Bergahorn ersetzt.

Nach maximal einhundert Jahren gilt eine Fichte als hiebsreif, ließe man sie wachsen, kann ein Baum mehrere hundert Jahre alt werden, wie ein Fund in Schweden aus dem Jahr 2008 belegt.

Natürlicherweise ist die Gemeine Fichte (Picea abies) in Höhenlagen verbreitet, hierzulande ohne menschlichen Einfluss nur in den Alpen und Mittelgebirgen zu finden. Auf dem Berg genügen ihr geringe Nährstoffe und winterkaltes Gebirgsklima, sie stellt nur an die Wasserversorgung höhere Ansprüche. Dies macht ihr in der warmen, trockenen Ebene besonders angesichts des Klimawandels zu schaffen.

Weitere typische Alpenpflanzen

Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum), zu den Heidekrautgewächsen zählend
Alpen-Aster (Aster alpinus): von Westsibirien bis in die meisten Gebirge Europas vertreten
Alpen-Nelke
Arnika (Arnica montana): bekannte Heilpflanze
Steinbrecharten (Saxifraga)
Trollblume (Trollius europaeus)
Clusius-Primel auch Jägerblut (Primula clusiana)
Aurikel auch Petergstamm (Primula auricula)
Weißer Germer (Veratrum album)
Mannsschildarten (Androsace)
Gämsheide (Loiseleuria procumbens)
Hauswurze (Sempervivum montanum, Sempervivum arachnoideum, Sempervivum tectorum)

Weitere typische Bäume und Sträucher im Alpenraum

Zirbelkiefer (Pinus cembra)
Bergkiefer (Pinus mugo, Legföhre, Latsche)
Spirke (Pinus uncinata)
Europäische Lärche (Larix decidua)
Wacholder (Juniperus)
Bergahorn (Acer pseudoplatanus)


Mehr über die bayerischen Alpen