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Bayerischer Naturschutzpreis für Klaus Töpfer

Für seine großen Verdienste um eine Weltpolitik der nachhaltigen Entwicklung verlieh der BUND Naturschutz (BN) Klaus Töpfer am Freitag in München den Bayerischen Naturschutzpreis – die  höchste Auszeichnung des Verbandes. Klaus Töpfer ist der Öffentlichkeit vor allem bekannt als früherer Bundesumweltminister und  Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen.

Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger legte in seiner Laudatio ein Geständnis ab: „Auf die erste Diskussion mit Dir habe ich mich seinerzeit vorbereitet wie auf das Staatsexamen“, erinnerte er sich schmunzelnd. Töpfer, von 1987 bis 1994 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der Regierung Kohl, sei stets ein hochkompetenter Ansprechpartner für die Naturschützer gewesen. „In dieser Zeit sind Maßstäbe gesetzt worden, zum Beispiel in der Gesetzgebung, für die wir als BN besonders dankbar sind“, so Weiger. „Wir verleihen diese Auszeichnung mit Respekt vor der Leistung, sich einzusetzen für eine Politik der Nachhaltigkeit.“

Die stellvertretende BN-Vorsitzende Doris Tropper verwies auf die zahlreichen Auszeichnungen, die Töpfer bereits verliehen wurden. „Es wäre eine eigene Rede, sie alle aufzuzählen.“

Die Verdienste Töpfers, betonte Hubert Weiger, hätten bis in die heutige Zeit positive Auswirkungen. Zum Beispiel habe er Natura 2000 auf den Weg gebracht, eine europäische Naturschutzrichtlinie. Selbst die Naturschützer, so Weiger, hätten eine Weile gebraucht, bis sie die Bedeutung dessen erfasst hätten, was da auf europäischer Ebene passiert sei. Nach der deutschen Wiedervereinigung habe der CDU-Minister sich für den Erhalt des Grünen Bandes an der ehemaligen innerdeutschen Grenze eingesetzt. Auch Töpfers Engagement für ein Ende der Atomkraft rief Weiger in Erinnerung. Er habe auch maßgeblich dafür gesorgt, dass die ostdeutschen Atomkraftwerke nach 1990 stillgelegt wurden.

Während seiner Tätigkeit bei den Vereinten Nationen habe Töpfer auch auf internationaler Ebene das Thema Umwelt in den Fokus gerückt. Er war von 1998 bis 2006 Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms UNEP. Die Herausforderungen des Anthropozäns, also des ersten vom Menschen bestimmten Erdzeitalters, stellte Klaus Töpfer in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Der Mensch sei mittlerweile in der Lage, Vorgänge in der Natur zu decodieren und zu verändern. Heute sei die Menschheit beschäftigt, Folgen solcher Änderungen, die damals nicht absehbar waren, zu reparieren.

Sehr still wurde es im Saal, als Töpfer aus einem Interview zitierte, das er nach dem ersten Umweltgipfel von Rio 1992 gegeben hatte: In einer Generation, so hatte er damals gesagt, „werden wir im Norden eine Krise des traditionellen Wohlstandsbegriffs erleben. Es droht entweder eine Re-Ideologisierung mit religiösen Ideen oder wir steuern auf einen Verteilungskampf zu und die Armen werden sich bei uns holen, was sie zu Hause nicht bekommen.“

Die derzeitigen Umbrüche nannte Töpfer „eine Krise der Aufklärung“. Doch gerade deshalb sollte man nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft blicken: In einer Zeit, in der Politik immer machtloser werde, sei es wichtig, zu fragen, wie man Menschen mehr gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen könne. „Wie können wir die Menschen beteiligen, um wieder Handlungsoptionen zu haben?“

„Es ist eine spannende Zeit, in der Sie diesen Preis an mich verleihen“, so Töpfers Resümee. „Eine Zeit, in der wir hellwach bleiben müssen.“

Für Rückfragen

Luise Frank
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
BUND Naturschutz in Bayern e.V.
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