Waldsterben 2.0 – Wald im Klimawandel

Die bayerischen Wälder leiden unter der Klimakrise: Hitze, Trockenheit und Stürme setzen ihnen von allen Ökosystemen im Freistaat am meisten zu. Es gilt jetzt, ein Waldsterben 2.0 zu verhindern und den Wald so zu bewirtschaften, dass er seine Funktion als Kohlenstoffspeicher bestmöglich erfüllen kann.
Klimawandel setzt den Wäldern zu
“Waldsterben 2.0” beschreibt das großflächige Absterben von Bäumen infolge des Klimawandels. Unsere Wälder leiden unter Trocken- und Hitzestress, Schädlingsbefall und Stürmen. Das Waldsterben 2.0 trifft die bayrischen Wälder besonders stark, weil die im Freistaat weit verbreiteten Baumarten Kiefer und Fichte noch stärker unter den zunehmenden Klimaextremen leiden als andere Bäume. Insgesamt zeigen drei Viertel aller Bäume in Bayern bereits Schäden.
Frankenwald leidet besonders
Im Frankenwald sind die Schäden besonders schlimm. Borkenkäfer, Trockenheit und Hitze setzen dem Wald dort so zu, dass mittlerweile etwa ein Viertel der Fichtenwälder abgestorben ist (circa 10.000 ha). Hier braucht es finanzielle Unterstützung für die privaten Waldbesitzer*innen, damit sie mit klimaresilienteren Baumarten wiederaufforsten können. Das wären etwa Eiche und Esche, oder auch – teils seltene – Baumarten wie Feldulme, Pappel, Flaumeiche und Speierling.
Waldgerechte Jagd nötig
Die Waldbesitzer*innen müssen dafür sorgen, dass ein klimaresilienter Wald auf den Kahlflächen nachwächst. Das wird jedoch nur gelingen, wenn in Zukunft der gesetzlich geltende Grundsatz “Wald vor Wild” konsequent umgesetzt wird. Im Moment fressen zu viele Rehe und Hirsche den nachwachsenden Wald buchstäblich auf.
Wald ist wichtige Klimasenke
Wälder entziehen der Atmosphäre Kohlenstoff und speichern ihn in ihrer Biomasse. Damit ist der Wald ein gewaltiger Kohlenstoffspeicher und spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Laut Bundeswaldinventur speichern allein die bayerischen Wälder 675 Millionen Tonnen Kohlenstoff. Hier sind Bäume, die gesamte oberirdische und unterirdische Biomasse und der im Boden enthaltene Kohlenstoff eingerechnet. Dicke, alte Bäume binden verhältnismäßig mehr Kohlenstoff als ihre jüngeren Kollegen. Der BN plädiert auch deshalb dafür, alte Bäume zu schützen und die Bäume in Bayerns Wäldern generell wieder älter und dicker werden zu lassen.
Wald kann aber auch zur Kohlenstoffquelle werden
Wenn Wälder flächig absterben, kahlgeschlagen werden oder zu viel Holz entnommen wird, dann dreht sich die Rolle des Waldes um: Er wirkt nicht mehr als Kohlenstoffspeicher oder -senke, sondern als Kohlenstoffquelle. Besonders negativ ist der Effekt, wenn das geerntete Holz energetisch genutzt wird. Das verstärkt den Klimaeffekt drastisch, weil der im Holz gespeicherte Kohlenstoff sofort frei wird.
Kohlenstoffbindung: Holz möglichst langfristig nutzen
In langlebigen Holzprodukten wie Möbeln oder Holzgebäuden bleibt der Kohlenstoff sehr lange gebunden. Bei der energetischen Nutzung hingegen wird der im Holz gespeicherte Kohlenstoff unmittelbar wieder freigesetzt. Am sinnvollsten ist es deshalb, Holz “kaskadenartig” zu nutzen – über mehrere Stufen vom Bauholz über beispielsweise Sperrholzplatten bis hin zur energetischen Nutzung. Betrachtet man die gesamte Kohlenstoffspeicherung des Waldes inklusive der aus Holz angefertigten Produkte, so machen die Holzprodukte sieben Prozent aus.
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Wie schadet der Klimawandel den Wäldern?
Die Klimakrise trifft die bayerischen Wälder besonders hart, denn es sind vor allem die in Bayern weit verbreiteten Baumarten Kiefer und Fichte, die unter den zunehmenden Klimaextremen leiden. Bayern weist sowohl die größte Fichten-, als auch die zweitgrößte Kiefernfläche in ganz Deutschland auf. Aber auch Laubwälder leiden unter dem Klimawandel; vor allem auf extremen Standorten mit tonreichen Böden zeigen auch sie inzwischen massive Schäden. Insgesamt sind drei Viertel aller Bäume in Bayern bereits betroffen. Das ist der zweithöchste Wert seit Beginn der Waldschadenserhebung im Jahr 1985.
Extremereignisse haben mit dem Klimawandel deutlich zugenommen: Hitzeperioden gewinnen an Dauer und Intensität, Niederschläge bleiben aus (Dürre) oder verschieben sich mehr in den Winter. Zudem gehen in extrem kurzer Zeit bisher nicht gekannte Regenmengen nieder (Starkregen) und führen zu Überflutungen und Erosion. Nicht zuletzt können auch Sturmereignisse häufiger und intensiver auftreten.
Bäume im Trockenstress
Trockenheit ist einer der größten Stressfaktoren für den Wald. Zwar sterben ausgewachsene Bäume nur selten direkt an Trockenheit, ihre Vitalität kann aber erheblich darunter leiden, was sie wiederum anfälliger gegenüber anderen Stressoren macht. Dazu gehören Waldbrand, Windwurf oder Schadorganismen.
Mangelt es Bäumen an Wasser, fällt der Druck ab, mit dem das Wasser von den Pflanzenwurzeln in die Baumkrone transportiert wird. Ein erstes Anzeichen dafür sind hängende Blätter. Der Baum reagiert darauf, indem er die Spaltöffnungen der Blätter schließt. So verliert er zwar weniger Wasser, kann aber auch weniger Kohlendioxid aufnehmen, das er für die Fotosynthese braucht. Dauert der Trockenstress an, wirft der Baum Blätter, Früchte oder sogar ganze Äste ab. Die Kronen werden sichtbar lichter. 2023 zeigten laut Waldzustandserhebung bereits 80 Prozent aller Bäume entsprechende Schäden.
Eine Abwärtsspirale
Ist das Kronendach erst einmal aufgelichtet, verliert der Wald immer mehr an Vitalität. Wenn das Kronendach der Wälder lichter wird, wirkt sich das auf das Waldmikroklima aus. Es wird wärmer und trockener, weil der kühlende Effekt des Blätterdachs nachlässt. Das wiederum beeinflusst Bäume und Pflanzen wie auch alle anderen Tiere und Pilze, die in diesem Ökosystem vorkommen. Organismen, die mit Wärme und Trockenheit besser zurechtkommen, können profitieren, andere werden eventuell verdrängt. Dieser Effekt verstärkt sich, wenn beispielsweise durch Brand, Sturm, Schädlingsbefall oder Abholzung kahle Flächen im Wald entstehen. Wird außerdem alles liegende und stehende Totholz entfernt, gehen dem Wald neben Feuchtigkeit auch Nährstoffe und Humus verloren. Das wirkt sich wiederum negativ auf die verbleibenden Bäume und die Wasserspeicherung im Waldboden aus. Der Wald steckt jetzt in einer Abwärtsspirale, die ihn immer mehr seiner Vitalität und auch seiner Fähigkeit zur Kohlenstoffspeicherung beraubt.
Junge Bäume, egal ob Laub- oder Nadelbaum, sterben im Gegensatz zu erwachsenen Bäumen leicht an Wassermangel. Sie wurzeln noch nicht tief genug, um Wasser aus tieferen Bodenschichten zu ziehen. Bei erwachsenen Bäumen gelten Fichte und Rotbuche als anfälliger gegen Trockenstress, verglichen mit Eiche und Kiefer. Insbesondere die Fichte, also die verbreitetste Baumart in Bayern, ist wegen ihres flachen Wurzelsystems sehr empfindlich gegenüber Trockenheit. Trockenstress erhöht unter anderem ihre Anfälligkeit gegenüber Borkenkäfern stark, weil der Harzfluss vermindert wird.
Bäume im Hitzestress
Bäume mit dünner Rinde sind stärker gefährdet: Lebensprozesse von Pflanzen laufen bei steigenden Temperaturen schneller ab und können mehr Wachstum und höhere Erträge mit sich bringen. Temperaturextreme jedoch führen teilweise zu Hitzeschäden, beispielsweise bei Buche und Fichte, die beide eine dünne Rinde haben. Kommt es zu einer sehr hohen Sonneneinstrahlung auf die Rinde, leidet das darunterliegende Kambium, welches das Zellwachstum im Stamm steuert. Das kann wiederum zu einem eingeschränkten Wassertransport und damit zu Trockenstress führen. Neben Buchen und Fichten sind vor allem Ahorne, Linden, Eschen und Erlen anfällig für solche Hitzeschäden. Schädigt die starke Sonneneinstrahlung den Stamm eines Baums, wird er überdies anfälliger für Schadpilze.
Hitzetoleranz der wichtigsten Baumarten in Bayern

Die in Bayern dominierenden Baumarten kommen schlecht oder sehr schlecht mit steigenden Temperaturen zurecht: Die häufigste Baumart in Bayern, die Fichte, ist auch jene, die am wenigsten mit Hitze klarkommt. Auch die Hauptbaumarten Kiefer und Buche weisen nur eine mäßige Temperaturtoleranz auf, ebenso wie die selteneren Baumarten Ahorn, Tanne, Birke, Lärche und Erle. Lediglich die auch relativ seltenen Baumarten Eiche und Esche zeigen eine hohe Hitzetoleranz. Heimische, aber bis auf die Pappel seltene Baumarten mit sehr hoher Temperaturtoleranz sind zum Beispiel Feldulme, Pappel, Flaumeiche und Speierling. Doch auch diese Baumarten stehen bei zunehmenden Temperaturen unter Stress. Eine Klimaerwärmung um vier bis fünf Grad würden wohl auch sie – wie alle anderen heimischen Arten – nicht überleben.
Schädlinge bedrohen die geschwächten Bäume
Bei den von Hitze und Trockenheit geschwächten Bäumen haben Schadorganismen wie der Fichtenborkenkäfer leichtes Spiel. In den Mittelgebirgen und in Südbayern raffte der Borkenkäfer in den vergangenen Jahren zahlreiche Fichten dahin. Die Ausbreitung der Fichtenborkenkäfer ist in einigen Privatwäldern so massiv, dass manche Waldbesitzer*innen den Kampf gegen die Schädlinge einfach aufgegeben haben.
Waldsterben 2.0: Wo sind die Schäden am schlimmsten?
Besonders stark betroffen von der Klimakrise ist der Frankenwald: Borkenkäfer, Trockenheit und Hitze setzen ihm so zu, dass mittlerweile etwa ein Viertel der Fichtenwälder dort abgestorben sind (circa 10.000 ha). Mit einer großen Demonstration auf den abgestorbenen Flächen hat der BN auf die fatale Situation aufmerksam gemacht. Der Verband fordert ein „Aktionsprogramm Frankenwald“ mit stärkerer finanzieller Unterstützung für die betroffenen Privatwälder. Die abgestorbenen Flächen sollen umgehend wieder aufgeforstet werden.
Mindestens genauso wichtig ist, dass die Waldbesitzer*innen im Frankenwald für eine zukunftsfähige nächste Waldgeneration sorgen. Unter den Fichtenwäldern muss ein junger artenreicher Mischwald heranwachsen, der mit dem veränderten Klima besser umgehen kann. Bisher fehlt dieser „Waldnachwuchs“ jedoch weitgehend, weil zu viele Rehe und Hirsche den Wald von morgen buchstäblich auffressen. Hier muss in Zukunft der gesetzlich geltende GrundsatzWald vor Wild durch entsprechende Jagd umgesetzt werden.
Klimawandel: Auch Wald- und Schwarzkiefern sterben
Auch in den tieferen und wärmeren Lagen Nordbayerns schlägt der Klimawandel hart zu. Dort sterben seit einigen Jahren immer mehr Waldkiefern ab, gut zu erkennen an den rot gefärbten Kronen. Teilweise sind es ganze Wälder. Dies beginnt oft an südwärts ausgerichteten Hängen und Waldrändern oder auf Böden mit Ton, die in der Klimakrise immer mehr zu „Problemböden“ werden. Stark betroffen ist sogar die Schwarzkiefer, die bisher eigentlich als besonders wärmetolerant galt. Der größte Schwarzkiefernbestand Deutschlands im Landkreis Würzburg stirbt flächig.
Bayerische Wälder als Kohlenstoffspeicher
Wälder entziehen der Atmosphäre Kohlenstoff. Damit sind sie ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel. Laut Bundeswaldinventur speichern allein die bayerischen Wälder 675 Millionen Tonnen Kohlenstoff. Hier sind die gesamte oberirdische und unterirdische Biomasse und der im Boden enthaltene Kohlenstoff eingerechnet.
675 Millionen
Tonnen CO2
speichern die bayerischen Wälder
Nachhaltig genutzter Wald ist eine gewaltige Kohlentoffsenke, übernutzter Wald eine große Kohlenstoffquelle: Sind Wälder vital, werden sie nachhaltig bewirtschaftet und nicht übernutzt, so nimmt der Vorrat an Holz und Kohlenstoff in Wald und Waldboden zu, der Wald wirkt als Kohlenstoffsenke. Sterben Wälder hingegen flächig ab, werden sie kahlgeschlagen oder wird zu viel Holz eingeschlagen, so wirkt der Wald als Kohlenstoffquelle und heizt damit den Klimawandel weiter an. Doppelt negativ sind zu hohe Holzeinschläge, wenn das geerntete Holz auch noch verbrannt wird: Das vermindert nicht nur die Senkenfunktion der Wälder, sondern verstärkt den Klimaeffekt drastisch, weil der im Holz gespeicherte Kohlenstoff sofort frei wird
Dicke Bäume wichtig für den Klimaschutz
Wie eine Studie in Naturwäldern zeigt, speichern dicke, alte Bäume verhältnismäßig mehr Kohlenstoff als ihre jüngeren Kollegen. Obwohl sie nur ein Prozent am Bestand ausmachten repräsentierten sie 50 Prozent der lebenden oberirdischen Baumbiomasse im untersuchten Waldstück und speicherten damit entsprechend viel Kohlenstoff.
Der BN plädiert deshalb dafür, die Bäume in Bayerns Wäldern auch aus diesem Grund wieder älter und dicker werden zu lassen. Denn die Forstwirtschaft verkürzt die Lebensdauer von Bäumen um etwa ein Drittel und die Baumdimensionen (Dicke) etwa auf die Hälfte. Die wenigen alten Baumriesen sollten deshalb sofort und langfristig geschützt werden. Der Steigerwald mit seinen naturnahen Buchenmischwäldern ist deshalb nach wie vor erste Wahl für einen dritten Nationalparkin Bayern.
Natürlich steigt der Holzvorrat in Wäldern – ob bewirtschaftet oder unbewirtschaftet – nicht unbegrenzt und die Bäume „wachsen nicht in den Himmel“. Doch der Kohlenstoffvorrat nähme in alten, naturnahen und vor allem unbewirtschafteten Wäldern jahrzehntelang zu. Die heutigen Wälder sind hingegen aufgrund der seit einigen Jahrhunderten stetigen Holzentnahme eher jung und vorratsarm.
Langlebige Holzprodukte verstärken den Klimaschutzeffekt
Der Effekt des Waldes als Kohlenstoffsenke lässt sich durch eine kluge Verwendung des Rohstoffs Holz vergrößern. Vor allem in langlebigen Holzprodukten wie Möbeln oder Holzgebäuden bleibt der Kohlenstoff sehr lange gebunden. Bei der energetischen Nutzung von Holz hingegen wird der im Holz gespeicherte Kohlenstoff unmittelbar wieder freigesetzt.
Kohlenstoffspeicherung im Wald und in Holzprodukten
Kaskadennutzung für Holz etablieren
Als besonders nachhaltig und klimafreundlich gilt es, Holz über mehrere Stufen hinweg zu nutzen. Bei dieser “Kaskadennutzung” wird Holz idealerweise zuerst als Bau- und Möbelholz, dann beispielsweise als Spanplatte, danach als Rohstoff für Papier und Pappe, dann zur Herstellung von chemischen Produkten und schließlich – am Enden des mehrstufigen Lebenszyklus' – um Energie zu gewinnen.

Zehn Forderungen für einen klimastabileren Wald
Es braucht endlich mutige Entscheidungen zum Schutz des Klimas, das gilt auf Landes-, Bundes- und globaler Ebene. Die Staatsregierung und die Abgeordneten des bayerischen Landtags, des Bundestags und des Europaparlaments müssen rascher und konsequenter überfällige Beschlüsse zum Schutz des Klimas herbeiführen, um das Waldsterben 2.0 zu stoppen beziehungsweise zu begrenzen. Dazu gehört eine umwelt- und sozialverträgliche CO2-Abgabe ebenso wie ein umfassendes Maßnahmenpaket für die Sektoren Mobilität, Industrie und Landwirtschaft . Nur so können Umwelt- und Wuchsbedingungen erhalten werden, damit die Wälder, so wie wir sie kennen, überhaupt eine Chance haben.
- Angesichts der Klimakrise müssen wir schneller und auf größerer Fläche weg von naturfernen, labilen Fichten- und Kiefernforsten und hin zu naturnahen Laubmischwäldern. Es gilt möglichst lange einen Schirm aus Altbäumen zu bewahren, in dessen Schutz eine neue, klimaresilientere Waldgeneration nachgezogen werden – am besten aus Naturverjüngung soweit Samenbäume vorkommen, oder durch Pflanzung und Saat geeigneter heimischer klimaresilienter Baumarten.
- Einheimische, klimaresiliente Bäume müssen in den zu schaffenden „Zukunftswäldern“ eine zentrale Rolle spielen. Eiche, Elsbeere, Kirsche oder Ahorn zusammen mit Schattbaumarten wie Buche, Hainbuche, Linde und Weißtanne bieten ein breites Spektrum an Arten und genetischer Vielfalt, die besonders in Mischung mit den unterschiedlichsten Bedingungen zurechtkommen.
- Keine Nadelbaum-Monokulturen mehr! Nadelbäume wie Kiefer oder Fichte dürfen nicht mehr in Monokultur, sondern nur noch gruppenweise oder gemischt mit Laubbäumen angebaut werden.
- Insbesondere im Bergwald ist die Weißtanne als heimische Art zu fördern. Mit ihren tiefen Wurzeln kann sie Stürmen und Trockenperioden besser standhalten als die Fichte.
- Auf nichtheimische Baumarten ist aus Naturschutzgründen zu verzichten. So bieten exotische Baumarten wie Douglasie, Küstentanne oder Roteiche beispielsweise vielen heimischen Tierarten keinen Lebensraum. Für den Anbau dieser Baumarten besteht ein erhebliches ökologisches Risiko, weil viele Auswirkungen ihrer Einbringung nicht untersucht wurden beziehungsweise nicht abzusehen sind. Dazu zählen etwa ihre Schadensanfälligkeit, die Einschleppung neuer Schadorganismen, das Verdrängen heimischer Arten (Invasivität), sowie die Auswirkung auf Mykorhizza-Pilze und andere Bodenorganismen. Für viele der diskutierten „neuen“, das heißt fremdländischen Baumarten zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass sie weniger klimastabil sind als heimische Baumarten. Sie einzubringen ist damit zumeist rein ökonomisch begründet und bringt keinen Gewinn an Klimaresilienz. Douglasien zeigen zudem bereits jetzt, dass sie ebenso anfällig für Trockenstress sind wie die Fichte oder von Fichten-Borkenkäfern zum Absterben gebracht werden.
Bei der Jagd muss endlich der Grundsatz „Wald vor Wild“ umgesetzt werden, wie er im Bayerischen Waldgesetz verankert ist. Das heißt, der Bestand von Reh-, Rot- und Gamswild muss in vielen Jagdrevieren durch gesteigerte Abschüsse auf ein waldverträgliches Niveau gesenkt werden, sodass der natürliche Nachwuchs (Naturverjüngung) klimaresilienter Baumarten ohne Zaun oder andere Schutzmaßnahmen aufwachsen kann. Der Schutz des Waldökosystems insgesamt muss Vorrang bekommen vor Jagdinteressen. Es kann nicht sein, dass jahrelange Bemühungen von engagierten Waldbesitzer*innen und Förster*innen, junge Laubbäume und Weißtannen in Fichten- und Kiefernwäldern hochzubringen aufgrund von Versäumnissen bei der Jagd scheitern.
Die Verpflichtung überhöhte Schalenwildbestände zu reduzieren, gilt insbesondere für die Bayerischen Staatsforsten, da diese laut Waldgesetz für die vorbildliche Bewirtschaftung des Staatswaldes verantwortlich sind. Es ist ein Skandal, dass seit vielen Jahren amtliche Vegetationsgutachten waldvernichtenden Wildverbiss in Teilen des Staatswaldes aufzeigen, ohne dass daraus Konsequenzen gezogen werden.
Die Klimakrise macht eine Neuausrichtung der Bayerischen Staatsforsten notwendig, um stärker Funktionen wie Klimaschutz, Artenvielfalt, Erholung und weitere Schutzbelange zu erfüllen. Insofern begrüßt der BN die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder aus dem Jahr 2019, dass der Staatswald ökologischer ausgerichtet und Klimaspeicher werden soll („Klimawald“). Allerdings müssen die Ankündigungen auch umgesetzt werden. Um geändertem Schutzempfinden und der immensen Bedeutung der Staatswälder für die Schutz- und Erholungsfunktionen Rechnung zu tragen, soll im Bayerischen Waldgesetz ein Vorrang für die Erfüllung der Gemeinwohlleistungen (gemeinwohlbedingte Ökosystemfunktionen) verankert werden. Zudem müssen die Ziele „Klimawald“ und „vorrangige Gemeinwohlerfüllung“ in die Konzepte und Richtlinien für den Staatswald aufgenommen und mit konkreten Maßnahmen hinterlegt werden.
Die Ziele Kohlenstoffsenke, Trinkwasserspeicherung, Hochwasserrückhalt, Artenreichtum, Erholung sowie Schutz vor Lawinen und Erosion müssen Vorrang vor dem Holzeinschlag erhalten, mit dem entsprechende Erlöse generiert werden müssen. Privatwaldbesitzer müssen daher für Gemeinwohlleistungen, die über eine gute forstliche Praxis hinausgehen, einen finanziellen Ausgleich erhalten. Dafür soll auf Bundesebene ein Waldnaturschutzfonds eingerichtet werden.
Die Forstverwaltung muss mehr Unterstützung für den Waldumbau anbieten. Waldbesitzer*innen und Kommunen, die labile Nadelholzforste bewirtschaften, müssen intensiv beraten werden, damit sie den Wandel hin zu naturnahen Laubmischwäldern auf den Weg bringen können. Alle Jagdgenossenschaften müssen ein Beratungsangebot zum nötigen Waldumbau bekommen. Dazu muss das durch die Forstreform von 2004 stark reduzierte Forstpersonal deutlich aufgestockt werden.
Waldbesitzer*innen sollen unbürokratisch finanziell unterstützt werden, beispielsweise durch entsprechende förderfähige Maßnahmen im Rahmen des zweiten Förderschwerpunkts des Waldklimafonds, „Anpassung an den Klimawandel“.
Langfristiges Ziel ist eine ökologische Wiederbewaldung solcher Flächen mit naturnahen Laubmischwäldern. Dabei soll soweit möglich auch auf die natürliche Wiederbewaldung (Sukzession) gesetzt werden, auch durch sogenannte „Pionierbaumarten“ wie Birke, Aspe und Weiden und durch Pioniervegetation (unter anderem Weideröschen, Hirschholunder). Dadurch können die schädlichen Wirkungen von Frei- beziehungsweise Kahlflächen begrenzt werden (Frost, Hitze, Trockenheit, Mäuse). Gegebenenfalls können Pionierbaumarten auch künstlich eingebracht werden. Es darf keine flächige Räumung, also vollständige Entfernung der lebenden und toten Bäume geben. Stattdessen sind möglichst viele lebende und tote Bäume als Biomasse auf der Fläche zu belassen. Das dient als Schutz für die nächste Waldgeneration als Bodenschutz, Feuchtigkeits-, Nährstoff- und Schattenspender sowie als Hemmnis gegen Wildverbiss. Ebenso dürfen die Wälder und Waldböden nicht flächig oder engmaschig befahren werden, um Bodenstruktur und -fruchbarkeit zu erhalten und einen schnellen Wasserabfluss in den Fahrspuren zu vermeiden.
Da ein Befall mit den bekannten Schadorganismen nicht zu einem flächigen Absterben von Beständen führt, darf es keine Begiftung per Hubschrauber mehr geben. In Bayern wurden bei Massenvermehrungen von Schmetterlingsraupen bis in die jüngste Vergangenheit Wälder per Hubschrauber mit Pestiziden begiftet. Allein im Jahr 2020 ließ die Forstverwaltung etwa 3.000 Hektar Eichenwald so behandeln. Die Einsätze wurden damit begründet, dass die Eichenwälder damit gerettet werden sollen. Die zentrale Grundvoraussetzung für solche Einsätze ist, dass eine Bestandsgefährdung durch die Insekten gegeben sein muss. In einem breit angelegten Forschungsprojekt wurde nun nachgewiesen, dass die Massenvermehrung von Schwammspinnern nur zu geringen Ausfällen in den betroffenen, kahlgefressenen Eichenwäldern geführt hat. Eine Bestandsgefährdung oder flächiges Absterben ist nicht gegeben. Durch solche Einsätze werden vielmehr zugleich andere Insektenarten vergiftet, die essenzielle Nahrungsgrundlage für Vögel und Fledermäuse sind. Im Zeitalter des massenhaften Artensterbens, insbesondere der Insekten, ist eine solche Vorgehensweise überholt. Der BN fordert deshalb, dass Begiftung von Wäldern verboten werden muss.
- Um die gestressten Wälder besser gegen die Auswirkungen der Klimakrise zu schützen, müssen insbesondere die naturnahen Wälder dringend schonender bewirtschaftet werden. Dazu gehört eine ökologisch verträgliche Waldwirtschaft, die ein günstiges Waldinnenklima erhält beziehungsweise schafft (weniger starke Durchforstungen, mehr kühlende Biomasse, mehr alte Bäume und mehr Totholz in einem Dauerwald, keine starke Auflichtungen oder Kahlschläge). Als verbindliche Vorgabe muss die Staatsregierung endlich eine „gute forstliche Praxis“ definieren und im Bayerischen Waldgesetz verankern.
- In naturnahen, klimaresilienten Wäldern muss die Vitalität der Bäume erhalten und verbessert werden. Dafür braucht es in vielen Fällen einen deutlich schonenderen Umgang mit dem Wald als bisher mit einem günstigen Waldinnenklima: mehr Naturwälderohne Nutzung im Staatswald, vor allem einen Nationalpark Steigerwald und ein Biosphärenreservat Spessart.
- Konkret fordert der BN umgehend ein Kahlschlagsverbot in Bayerns Waldgesetz zu verankern, damit sich ein Waldfrevel wie in den Löwenstein’schen Wäldern im Spessart nicht wiederholen.
- Forst- und Holzwirtschaft, Handel, Politik und Verbraucher*innen müssen sich nach dem richten, was unsere Wälder auf Dauer leisten können.
- Bäume sollen erst in höherem Alter geerntet werden (Umtriebszeit erhöhen).
- Ziel muss es in Anbetracht der Klimakrise sein, mehr Feuchtigkeit im Wald zu halten, sodass er sich selbst stabilisieren kann. Das bedeutet konkret:
- Bei Durchforstungen und Holzernte weniger Holz entnehmen, um starke Auflichtung und Kahlflächen zu vermeiden (Verdunstung reduzieren).
- Entwässerung von Wäldern stoppen (Entwässerungsgräben schließen beziehungsweise in den Wald ableiten).
- Waldboden als wichtigen Wasserspeicher bei der Holzernte schonend behandeln, kein flächiges Befahren mit tonnenschweren Maschinen.
- Ausreichend starkes Totholz als Feuchtigkeitsspeicher im Wald belassen.
- Mindestabstand von Rückegassen auf 40 Meter erhöhen (aktuell 30 Meter).
Forschung und Wirtschaft müssen das Potenzial für den Laubholzanbau und die -verwertung ausloten und ausbauen. Die typische biologische Vielfalt der Laubmischwälder, insbesondere die der Rotbuchenwälder, kann nur in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet, nämlich hier in Deutschland, erhalten werden. Danach müssen sich die deutsche Forst- und Holzwirtschaft richten und ihre Kernkompetenz im Laubholz ausbauen, um so im Wettbewerb mit dem großen Nadelholzangebot aus den borealen Wäldern zu bestehen. Die stoffliche Verwertung (etwa als Bauholz) ist dabei einer thermischen Verwertung vorzuziehen, um Kohlenstoff langfristig zu binden.
Zehn Prozent der öffentlichen Wälder sollen einer Naturwaldentwicklung überlassen werden. Derzeit sind es laut offiziellen Angaben nur 3,3 Prozent der gesamten Waldfläche in Bayern, wobei auch dieser Wert bereits „schöngerechnet“ ist. Für die öffentlichen Wälder, insbesondere den Staatswald soll dies verpflichtend gelten. Im Privatwald soll dies freiwillig umgesetzt und durch Fördermittel unterstützt werden. Der BN fordert, dass die Forst- und Umweltverwaltung sowie die Bayerischen Staatsforsten dazu ein Fachkonzept vorlegen.
In Naturwäldern, den „Urwäldern von morgen“, finden nicht nur seltene Tiere, Pflanzen und Pilze einen Lebensraum. Die Forschung kann hier auch wertvolle Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich der Wald in der Klimakrise selbst helfen kann. Dazu müssen Naturwälder möglichst groß sein (wie etwa Nationalparke), damit keine störenden Randeinflüsse auftreten.
Insbesondere im Staatswald soll ein repräsentatives und kohärentes Naturwaldverbundsystem eingerichtet werden, wie es der BN und Greenpeace schon 2016 vorgestellt haben. Das bedeutet, es muss von Größe und Verteilung her geeignet sein seinen Schutzzweck zu erfüllen, unter anderem also auch Höhenlagen und Standort berücksichtigen. Es soll die natürlichen Waldgesellschaften landesweit repräsentieren, ihrem Erhalt und ihrer Erforschung sowie der Sicherung der biologischen Vielfalt dienen.







