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Suffizienz - andere Lebensstile und -ziele?

Suffizienz steht in der Ökologie für das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff-, Energie- und Flächenverbrauch sowie die Anerkennung natürlicher, ökologischer sowie sozialverträglicher Grenzen.

Die wesentlichen Zielbereiche für Suffizienz sind der private Konsum, Gebäudewärme, Ernährung und Mobilität. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Etablierung von "wahren Preisen", bei denen die ökologischen Kosten wie Klimaeffekte, Landschaftsverbrauch und Schadstoffe angemessen berücksichtigt sind. Suffizienzeffekte wirken dann mittelbar durch Verringerung der Nachfrage auf die übrigen Sektoren Energieerzeugung, Industrie und Gewerbe, Handel und Dienstleistungen.

Foto: Sibille Wehrmann

Die natürlichen Ressourcen sind begrenzt, genau wie die Aufnahmekapazität der Erde für Schadstoffe. Klimakrise und Artenverlust, Überdüngung der Felder und Überfischung der Meere, Verkehrschaos auf den Straßen und Feinstaub in den Städten - all diese Probleme führen uns jeden Tag vor Augen, dass wir die Grenzen nachhaltigen Lebens auf der Erde längst überschritten haben.

So sieht unsere Vision einer nachhaltigen Entwicklung aus: Eine naturverträgliche Energieversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien. Nachhaltige Mobilität. Ökologische Landwirtschaft auf ganzer Fläche. Bewahrung der biologischen Vielfalt. Und internationale Gerechtigkeit im wirtschaftlichen Handeln. Diese Vision kann nur dann real werden, wenn wir die Suffizienz zu einem zentralen Baustein unserer politischen Strategie machen.

Suffizienzpolitik ist die Veränderung politischer Rahmenbedingungen und Strukturen, um nachhaltige ressourcenverträgliche Lebensstile zu ermöglichen. Dies bedeutet, dass sämtliche Transformationen im Kontext der Energiewende hinsichtlich Energieeffizienz, neue Technologien und Umstellungen von Energieträgern immer zusammen mit dem Thema Suffizienz zu adressieren sind.


Mehr Mobilität - mit weniger Verkehr

Großes Potenzial liegt darin, Verkehr zu vermeiden und vom Auto auf umweltfreundliche Alternativen zu verlagern. Für Zukunftsthemen wie die E-Mobilität sind Suffizienzfragen hochgradig aktuell. Jetzt werden die Weichen gestellt: Wie schwer, wie leistungsstark können und sollten Pkw im Jahr 2020 oder 2030 (noch) sein, damit dies noch mit der naturverträglichen Energiewende vereinbar ist?

Neben Effizienzkriterien für E-Autos - etwa im Rahmen der EU-Ökodesign-Richtlinie - plädiert der BUND dafür, jede Förderung von E-Mobilität an klare Kriterien zu knüpfen und vor allem auf den ÖPNV, insbesondere die Busse, sowie auf Autos mit Mehrfachnutzen (Taxis, Lieferdienste, Carsharing) zu konzentrieren. Für den Umstieg auf die E-Mobilität gilt: Unser Hauptaugenmerk muss darauf liegen, Verkehr zu vermeiden und zu verlagern - und Mobilität mit einem klugen Mix aus umweltfreundlichen Alternativen nachhaltig zu gestalten.

Nahversorgung und öffentlicher Nahverkehr: Was Kommunen tun können:

  • Stadt der kurzen Wege
  • Bahn und Bus bezahlbar
  • Radwege für Jung und Alt
  • Teure Parkplatz
  • Mehr Platz für Fußgänger statt für Autos
  • Anschieben der Bürgerbusse
  • Mobilität ist Daseinsvorsorge

Auf Straßenneubau verzichten, Schienennetz ausbauen: Was die Bundespolitik tun kann:

  • Vorrang für Klimaschutz
  • Radwege statt Autobahnen
  • Straßensanierung - und weiterer Ausbau
  • Züge statt Flüge
  • Überfällig: Tempolimit
  • Die Umgehungsstraße allein macht es nicht
  • Änderung der Straßenverkehrsordnung
  • Gestaltung der E-Mobilität

Der erste Schritt: Stopp des Verbrennungsmotors beschließen - städtischen Parkraum begrenzen!


Materialverbrauch senken – Reparatur fördern

Der immensen Ressourcenverschwendung zum Trotz hat das Prinzip "Weniger ist mehr" in den letzten Jahren immer mehr Menschen zusammengebracht, die neue Ansätze des nachhaltigen Wirtschaftens und Lebens diskutieren und praktisch realisieren. So setzen sich zahlreiche Initiativen - auch der BUND - in Reparatur-Cafés und Leihläden für die gemeinschaftliche Nutzung von Gütern und weniger Konsum ein.

Ende 2017 gab es bundesweit rund 600 Reparatur-Initiativen, weitere befinden sich in der Gründungsphase. In den Repair-Cafés treffen sich Menschen aus der Nachbarschaft, um gemeinsam Gegenstände wie den eigenen Computer, den Föhn oder den Mixer zu reparieren und dabei zu plaudern und sich auszutauschen. In Leihläden können Gegenstände, die von einzelnen Personen aktuell nicht benötigt werden, entweder umsonst oder für eine kleine Gebühr ausgeliehen werden. Dies sind ganz einfache, aber weitreichende Beispiele für gelebte Suffizienz: Durch Reparieren und Teilen werden weniger Produkte und Ressourcen verbraucht. Gleichzeitig profitieren die Menschen ganz konkret davon, indem sie sich vernetzen und Geld sparen.

Öffentliche Beschaffung und mehr: Was Kommunen tun können:

  • Förderung von Service statt Besitz
  • Optimierung der Wertstoffhöfe
  • Reduzierung des Materialverbrauchs

Andere Planung von Bauprojekten Reparaturfähige und langlebige Produkte: Was die Bundespolitik tun kann:

  • Abschied vom Müll
  • Unreparierbar gilt nicht (mehr)
  • Mindestlebensdauer auch für Smartphones
  • Transparentes Innenleben
  • Europäische Normung
  • Empfehlung an die Europäische Kommission
  • Rohstoffe effizienter nutzen

Der erste Schritt: Mehrwertsteuer für Reparaturen reduzieren.


Für eine ökologische Landwirtschaft

Die industrielle Landwirtschaft und der weltweit steigende Fleischkonsum zerstören die Natur, treiben den Klimawandel voran und gehen auf Kosten von Ressourcen sowie Fläche in Ländern des globalen Südens. Obwohl längst bekannt ist, in welchem Ausmaß die industrielle Landwirtschaft Tierleid verursacht, Böden belastet, die Artenvielfalt, unsere Gewässer und unsere Gesundheit gefährdet, hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren kaum etwas unternommen, um dem Wachstumsdruck in der Landwirtschaft entgegenzuwirken.

Regionale Vermarktung: Was Kommunen tun können:

  • Dem Beispiel der Biostädte folgen
  • Anbieten vegetarischer Alternativen
  • Stärkung der Wirtschaft vor Ort
  • Revitalisierung des Nutzgartens
  • Gegen Gift

Wende in der Landwirtschaftspolitik: Was die Bundesregierung tun muss:

  • Vorrang für Ökolandbau
  • Senken des Fleischverbrauchs
  • Weide statt Masse
  • Futter aus der Region und Exportstopp
  • Geld nur für "common goods"

Sofort machbar: Staatliches Tierwohl-Label


Energieverbräuche senken

Inzwischen steht außer Frage, dass wir eine nachhaltige Energieversorgung nur dann naturverträglich erreichen werden, wenn wir - neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien und dem Ausstieg aus fossilen Energieträgern - den Energieverbrauch insgesamt deutlich reduzieren. Denn jede Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, muss nicht erzeugt, transportiert oder gespeichert werden und spart damit immense Investitionen und Ressourcen.

Was Kommunen tun können:

  • Verbindliche Ziele stecken
  • Aufstellen von Masterpläne
  • Kommunaler Gebäude-Check
  • Bauleitplanung als Hebel
  • Vernetzung von Akteuren - Sparen als Wettbewerb
  • Kommunen unterstützen Bürger*innen
  • Dimmen der Straßenlampen
  • Förderung von Wohnungstausch

Was die Bundesregierung tun kann:

  • Klare Energiesparziele
  • Keine weitere Förderung von Energieverschwendung
  • Einrichtung von Fonds
  • EU-Obergrenzen für Stromfresser
  • Stärkung verbrauchsarmer Geräte
  • Bund stützt Kommunen
  • Lesbare Strom- und Gasrechnung
  • Ziel klimaneutrale Häuser
  • Aus- und Weiterbildung von Fachkräften
  • Umdenken im Handel anstoßen
  • Grenzen bedarfsgerechter Steuerung

Der erste Schritt: Suffiziente Top-Runner-Strategie und Wohn- / Arbeitsfläche verringern.