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SandAchse Franken – unersetzlich für Bayerns Natur

Während der letzten Eiszeit entstanden riesige Sandgebiete in Bayern. Dank BUND Naturschutz, Landschaftspflegeverband Mittelfranken und vielen weiteren Partnern konnten trotz Sandabbau und Bebauungsdruck wichtige Teile davon erhalten werden. Wir schützen sie im Naturschutz-Großprojekt „SandAchse Franken“ – als Lebensraum für 300 seltene Tier- und Pflanzenarten.

SandAchse Franken – eine Ginsterheide: Gelbblühende Ginstersträuche auf Sandboden
Ginsterheide in der SandAchse Franken (Foto: Andreas Niedling)

Das Projektgebiet der SandAchse Franken zieht sich auf etwa 100 Kilometern Länge von Bamberg im Norden fast bis Weißenburg im Süden an den Flüssen Rednitz, Pegnitz, Regnitz und deren Zuflüssen entlang. Mit einer Ausdehnung von etwa 2.000 Quadratkilometern ist die SandAchse Franken das größte Lockersandgebiet Süddeutschlands. Karte des SandAchse-Projektgebiets

Der Sand hat das Leben der Menschen in Franken über Jahrhunderte geprägt. Davon zeugen Namen wie Sandreuth, die Bamberger Sandkerwa oder die aus Sandstein gebauten Häuser in Städten und Dörfern. Magere Sandrasen, Heideflächen und Dünen waren über Jahrhunderte hinweg für Franken typische Landschaftsformen.



Das Gebiet der bayerischen SandAchse schließt die großen Ballungsräume Bamberg und Nürnberg-Fürth-Erlangen ein. Etwa 1,5 Millionen Menschen leben und arbeiten dort. Die Region gehört zu den wirtschaftlich wachstumsstärksten in Deutschland. Das macht sich leider auch in der Natur bemerkbar: In den vergangenen Jahrzehnten wurden fast 99 Prozent der ehemaligen bayerischen Sand-Lebensräume durch Sandabbau, Bebauung und Intensivierung der Landwirtschaft zerstört. Nur noch ein Prozent davon ist übrig geblieben.

SandAchse Franken – Naturschutz im großen Stil

Im Jahr 2000 haben der BUND Naturschutz (BN), der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) deshalb gemeinsam mit vielen Partnern eines der größten Naturschutzprojekte Bayerns initiiert: die SandAchse Franken. Derzeit sorgen sieben Landkreise und fünf kreisfreie Städte gemeinsam mit den Projektträgern, dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken und dem BN, dafür, dass die letzten Sandgebiete Bayerns als Heimat für seltene, hochspezialisierte Tiere und Pflanzen erhalten bleiben.

Wie sind die bayerischen Sandgebiete entstanden?

Eine Sandlandschaft mit Kiefern bei Erlenstegen in der SandAchse Franken
Blühendes Heidekraut in der SandAchse Franken
Eine Sandlandschaft mit Kiefern in der SandAchse Franken

Die bayerischen Sandgebiete sind vor allem während der letzten Eiszeit entstanden, die vor etwa 10.000 Jahren endete. Den Naturgewalten ausgeliefert, verwitterte Sandstein rasch zu Sand. Mit dem vorherrschenden Westwind lagerte sich dieser ­– vor allem aus den westlich gelegenen Keuper-Sandstein-Gebieten Hassberge, Steigerwald und Frankenhöhe kommend –  am Fuß des Frankenjuras ab.

Zuerst fielen die größeren und schwereren Sandkörner zu Boden, dann die kleineren und leichteren. Es entstanden zunächst kleine, zuweilen aber auch bis zu mehreren Metern hohe Binnendünen, dann immer kleinere Binnendünen bis hin zu sogenannten Flugsanddecken, die aus ganz feinem Sand gebildet wurden. Diese sind nur wenige Dezimeter mächtig.

Schon in der Jungsteinzeit nutzten erste Siedler die lockeren Talböden der bayerischen Sandgebiete. Dadurch entstanden verschiedene Kulturlandschaften – blütenreiche Weiden und Äcker sowie lichtdurchflutete Wälder prägten das Bild. Die bayerischen Sandgebiete sind deshalb auch ein wichtiges kulturhistorisches Erbe unserer Heimat.

Projektträger und Partner der SandAchse Franken

Die SandAchse Franken ist ein Naturschutzgroßprojekt, das nur mit starken Partnern zu bewältigen ist. 

Die Projektträger

BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Landesfachgeschäftsstelle
Tom Konopka
Bauernfeindstraße 23
90471 Nürnberg
Tel. 09 11/8 18 78 24
tom.konopka@bund-naturschutz.de

Landschaftspflegeverband Mittelfranken e.V
Karin Klein-Schmidt
Feuchtwanger Straße 38
91522 Ansbach
Tel. 09 81/46 53 35 28
klein-schmidt@lpv-mfr.de

Förderung

Bis Juni 2006 gefördert durch die Stiftung Bayerischer Naturschutzfonds aus Zweckerlösen der Glücksspirale.

Die Partner

BN-Kreisgruppe Bamberg
BN-Kreisgruppe Forchheim
BN-Kreisgruppe Erlangen
BN-Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach
BN-Kreisgruppe Fürth-Land
BN-Kreisgruppe Fürth-Stadt
BN-Kreisgruppe Nürnberg Stadt
BN-Kreisgruppe Nürnberger Land
BN-Kreisgruppe Schwabach
BN-Kreisgruppe Roth
BN-Kreisgruppe Weißenburg-Gunzenhausen
Regierung von Mittelfranken, Höhere Naturschutzbehörde
Regierung von Oberfranken, Höhere Naturschutzbehörde
Landratsamt Bamberg
Landratsamt Erlangen-Höchstadt
Landratsamt Forchheim
Landratsamt Fürth
Landratsamt Nürnberger Land
Landratsamt Roth
Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen
Stadt Bamberg
Stadt Erlangen
Stadt Forchheim
Stadt Fürth
Stadt Nürnberg
Stadt Schwabach
Landschaftspflegeverband Bamberg
Landschaftspflegeverband Forchheim
Landschaftspflegeverband Schwabach
Landschaftspflegeverband Nürnberg
Landschaftspflegeverband Nürnberger Land
Verkehrsverbund Großraum Nürnberg
Landesbund für Vogelschutz Bamberg
Landesbund für Vogelschutz Erlangen-Höchstadt
Landesbund für Vogelschutz Nürnberg
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Departement Biologie
Flussparardies Franken
Tourismusverband Franken
Autobahndirektion Nordbayern
Airport Nürnberg GmbH
Deutsche Bahn
DB Netz AG
DB Fahrwegdienste GmbH
Erlanger Stadtwerke
Telekom Bamberg
Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Nürnberg und Bamberg
Bundesforst/Bundesamt für Immobilienaufgaben
Siemens Erlangen
Bosch Bamberg
E.ON Netz
Stadt Nürnberg, Tiergarten
Bayerische Staatsforsten, Forstbetrieb Nürnberg
Stadt Nürnberg – Servicebertrieb Öffentlicher Raum

Wie kann ich selbst aktiv werden?

Sie möchten sich selbst für den Erhalt von Sandlebensräumen einsetzen? Hier haben wir konkrete Tipps für Sie zusammengestellt.

  • Engagieren Sie sich in Ihrer Gemeinde, Ihrer Stadt oder Ihrem Landkreis für die örtlichen Sandbiotope, zum Beispiel, indem Sie in einer Kreis- oder Ortsgruppe des BUND Naturschutz aktiv werden.

  • Packen Sie mit an bei den Verbänden! Im Winterhalbjahr werden viele Pflegemaßnahmen in wertvollen Sandbiotopen (Freistellen, Entbuschen, Rechen usw.) mit ehrenamtlichen Helfern umgesetzt. Dabei hält man sich nicht nur fit, sondern lernt auch viel über Flora und Fauna.

  • Überzeugen Sie Gemeinde- und Stadträte, Landräte, Bürgermeister und Referenten. Machen Sie den Politikern klar, dass sehr vielen Menschen am Erhalt unserer heimischen Natur gelegen ist und was verloren geht, wenn wir diese Juwelen in der Landschaft nicht pflegen, erhalten und fördern.

  • Spenden Sie speziell für die SandAchse! Ihr Geld kommt zu 100 Prozent der heimischen Tier- und Pflanzenwelt zugute.

    BUND Naturschutz
    IBAN: DE27 7002 0500 0008 8440 00
    BIC: BFSWDE33MUE
    Konto-Nr. 286468
    Kennwort: Projekt SandAchse

    oder

    Landschaftspflegeverband Mittelfranken
    Sparkasse Ansbach
    IBAN: DE85 7655 0000 0000 2864 68
    BIC: BYLADEM1ANS
    Kennwort: Projekt SandAchse

Unzählige Flächen in der Sandachse gerettet

Die Erfolge des Großprojektes SandAchse können sich sehen lassen. So hat der BN gemeinsam mit seinen Partnern circa 500.000 Quadratmeter Sandflächen gekauft, um sie besser pflegen zu können. Viele Hunderttausend Quadratmeter konnten vor Bebauung gerettet werden, so etwa das heutige Nationale Naturerbe im Hauptsmoorwald bei Bamberg. 800.000 Quadratmeter waren dort bereits für ein Gewerbegebiet verplant. 150.000 Quadratmeter waren es für ein Gewerbegebiet bei Feucht und weitere 100.000 Quadratmeter wären beinahe unter der Ortsumfahrung von Reichenschwand im Pegnitztal verschwunden. Etwa 100.000 Quadratmeter Sand-Lebensräume hat das Bündnis durch regelmäßige Pflege vor Verbuschung und Überdüngung gerettet.

Zu den geretteten Sandflächen gehören:

  • Teile des Erlanger Exerzierplatzes,
  • Sandmagerrasen in der Büg bei Eggolsheim,
  • die Sandkiefernwälder bei Reichenschwand,
  • ehemalige Militärflächen im Hauptsmoorwald bei Bamberg und
  • die Sandkiefernwälder des Reichswaldes bei Feucht.

Hier finden Sie eine interaktive Karte zum Projektgebiet der SandAchse und eine Datenbank mit wichtigen Sand-Lebensräumen.

Warum brauchen wir die SandAchse Franken?

Auf den Böden der SandAchse – der "fränkischen Wüste" – haben sich sehr spezielle Lebensräume entwickelt. Meist sind sie heiß, trocken und nährstoffarm. Das gilt vor allem für die sogenannten Offensande – dort werden im Sommer Temperaturen von bis zu 60 Grad Celsius am Boden erreicht. Aber auch blütenreiche Heiden, schimmernde Silbergrasfluren und Flechtenkiefernwälder zählen zu den bayerischen Sand-Lebensräumen. 

Lebensraum für 300 Rote-Liste-Arten
SandAchse Franken

Tiere und Pflanzen müssen auf ausgefeilte Überlebensstrategien zurückgreifen, um unter den extremen Bedingungen der bayerischen Sand-Lebensräume zu existieren. Manche haben sich einen dichten Pelz als Sonnenschutz zugelegt, andere ihre Aktivitäten in die kühlen Nachtstunden verlegt. Die Sandspezialisten sind so stark angepasst, dass sie nirgendwo anders leben können. Verschwindet der Sand, verschwinden auch sie. Und so finden heute 300 gefährdete Tier- und Pflanzenarten vor allem in der fränkischen SandAchse ihren Lebensraum.

Przewalski-Pferde in der SandAchse Franken

SandAchse Franken – Beweidungsprojekt Tennenloher Forst: Zwei Przewalski-Pferde stehen spielend in Ginsterbüschen.

Ein Kerngebiet der SandAchse Franken ist das Naturschutzgebiet Tennenloher Forst im Sebalder Reichswald. Es liegt südöstlich von Erlangen und war bis zum Abzug der US-Armee im Jahr 1994 ein militärischer Truppenübungsplatz. Durch diese spezielle Nutzung sind viele offene Sandflächen und wertvolle Lebensräume wie Heiden oder Sandmagerrasen entstanden. Die militärische Nutzung verhinderte, dass das Gebiet mit Kunstdünger und Pestiziden infolge intensiver landwirtschaftlicher Nutzung belastet wurde. Die Panzer sorgten über Jahrzehnte hinweg dafür, dass sich keine größeren Pflanzen wie Büsche oder Stauden dort ansiedelten. Mit dem Abzug der US-Armee verschwanden jedoch auch die Panzer. Gefragt war also eine Nutzungsform, die lichtliebenden Arten wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke das Überleben sichert. Und so kamen 2003 auf Initiative des Landschaftspflegeverbandes Mittelfranken die Przewalski-Pferde in die SandAchse Franken: Laut einer Studie sind die genügsamen Wildpferde bestens geeignet, um Sandflächen schonend zu beweiden. Seither beweisen die robusten Tiere Jahr für Jahr, dass sie die Richtigen für diesen Naturschutz-Job sind.

Die SandAchse wächst weiter

Zwischen 2000 und 2007 hat der Bayerische Naturschutzfonds das Naturschutz-Großprojekt SandAchse Franken mit insgesamt 2,4 Millionen Euro gefördert. Zusammen mit den Eigenmitteln der Projektpartner wurden damit wertvolle Sand-Lebensräume gekauft, gepachtet, gepflegt und somit gerettet. Seit 2007 müssen zwar etwas kleinere Brötchen gebacken werden, aber bis 2014 haben der BN, der Landschaftspflegeverband Mittelfranken, seine Projektpartner und der Bayerische Naturschutzfonds weitere 400.000 Euro in den Schutz der SandAchse Franken investiert. Mit Erfolg, wie eine Evaluierung im Jahr 2016 zeigte: Die SandAchse Franken wächst weiter! Aktuell kämpft der BN gerade gegen ein geplantes Gewerbegebiet am ehemaligen Schießplatz und der ehemaligen Muna Bamberg.