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Welche Tiere und Pflanzen leben im bayerischen Sand?

Für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind die mittel- und oberfränkischen Sandbiotope die wichtigsten Rückzugsräume in Bayern. 92 gefährdete Tier- und 46 gefährdete Pflanzenarten kommen vor allem hier vor. Erfahren Sie mehr über die Sandspezialisten!

In Franken leben hoch spezialisierte Tiere und Pflanzen im und auf dem Sand. Sie sind Überlebenskünstler, die sich im Laufe der Evolution an das Leben in der kargen Umgebung angepasst haben. Mit Nährstoffarmut, Trockenheit und hoher Sonneneinstrahlung kommen sie bestens zurecht. Die Anpassung macht die Arten aber auch abhängig: Sie können nur in Sandbiotopen leben. Für viele von ihnen sind die fränkischen Sandgebiete daher eines der letzten Rückzugsgebiete in Bayern.

Herausragendes Beispiel ist die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens). Sie ist das Wahrzeichen der SandAchse Franken. Das bis zu drei Zentimeter große Insekt aus der Familie der Feldheuschrecken legt seine Eier auf offenen Sandböden ab.

Die Ödlandschrecke und viele andere Bewohner der fränkischen Sandbiotope sind Rote-Liste-Arten und gelten als gefährdet, stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht, so beispielsweise zahlreiche Wildbienen- und Grabwespenarten, der Dünen-Sandlaufkäfer, Vögel wie die Heidelerche oder Fledermäuse wie der Große und der Kleine Abendsegler.


Muna – reichlich Sandbiotope für Tiere und Pflanzen

Im Norden der SandAchse, östlich von Bamberg, liegt das so genannte Muna-Gelände. Auf dem ehemaligen US-Truppenübungsplatz, von dem ein kleiner Teil unter Naturschutz steht, findet sich ein Mosaik aus Sandmagerrasen, lichten Kiefernwäldern und kleinen Teichen. Seltene Arten wie Dünen-Sandlaufkäfer, Ameisenlöwe, Bienenwolf sowie zahlreiche Schmetterlingsarten wie der Purpur-Ampferspanner fühlen sich hier wohl. Seit 2009 sorgen Mufflons dafür, dass Magerrasen und offene Sandböden nicht von standortfremden Gewächsen wie der Spätblühenden Traubenkirsche überwuchert werden.


Przewalski-Pferde in Bayern

Ebenfalls ein ehemaliges US-Militärgelände ist der Tennenloher Forst im Südosten von Erlangen. Er beherbergt das größte zusammenhängende Sandökosystem Süddeutschlands. Mit 330 Rote-Liste-Arten ist im Tennenloher Forst außerdem der Anteil bedrohter Spezies besonders hoch. Eine besondere Attraktion: Seit einigen Jahren läuft in einem Teil des Geländes ein Beweidungsprojekt mit Przewalski-Pferden. Sie haben sich rasch zu den Publikumslieblingen der SandAchse Franken entwickelt.


80 Experten suchen Tiere und Pflanzen im Sand

Am Tag der Artenvielfalt 2011 zählten 80 Experten innerhalb von 24 Stunden mehr als 1.600 verschiedene Tiere und Pflanzen im Naturschutzgebiet Büg bei Eggolsheim. Das Projekt SandAchse hatte das Ereignis in dem circa 220 Hektar großen Sandgebiet gemeinsam mit der Zeitschrift GEO organisiert. Mit Klopfschirmen, Leuchteinrichtungen, Reusen, Lupen, Ferngläsern und Sieben ausgerüstet, erfassten die Fachleute Spinnen, Käfer, Schmetterlinge, Schnecken, Vögel, Libellen, Amphibien, Pflanzen und vieles mehr. Taucher stiegen sogar im Dunkeln ins kühle Nass, um nachtaktive Fische und Krebse zu finden. Selbst kleinste Algen, Moose, Pilze und Flechten entgingen den wachsamen Augen der Forscher nicht.

Erstmals Diadem-Zikade in Bayern gefunden

Neben zahlreichen seltenen und hoch gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wurden auch echte Raritäten im Sand entdeckt: Herbert Nickel spürte die Diadem-Zikade auf, die bisher noch nie in Bayern nachgewiesen worden war. Die nächstliegenden Standorte dieser Zikadenart finden sich im Norden Deutschlands und in der Schweiz.

Ein Höhepunkt war auch die Entdeckung eines Laichplatzes der Nase (Chondrostoma nasus), einer in Oberfranken vom Aussterben bedrohten Fischart, die in nassen Gräben ihre Kinderstube hat. Die erwachsenen Fische leben in der Regnitz. Ihre Laichplätze sind bislang weitgehend unbekannt.

400 Pflanzenarten im Sand entdeckt

Der Käferspezialist Jürgen Schmidl fand unter der Hundslederflechte in den offenen Silbergrasfluren einen kaum einen halben Zentimeter großen Käfer: Rhopalocerus clavicornis, wie der lateinische Name des Käferchens lautet – einen deutschen Namen besitzt es nicht – steht ebenfalls auf der Roten Liste und ist eine Charakterart der Sand-Lebensräume. Für die „Büg" wurde dieser seltene Käfer nun zum ersten Mal nachgewiesen. In der SandAchse zwischen Bamberg und Weißenburg kommt er sonst nur noch auf dem Erlanger Exerzierplatz vor.

Aber auch die Pflanzenkundler zeigten sich zufrieden. Sie steuerten knapp 400 Arten zur Artenliste hinzu. Besonders freuten sie sich über einen größeren Bestand des Nelken-Haferschmiele, einer kleinwüchsigen Grasart.


Sandboden – auch für den Menschen wichtig

Sandgebiete sind allerdings nicht nur für Pflanzen und Tiere, sondern auch für den Menschen wichtig. Als gut durchlässiger Filter sorgt der Sandboden für große Mengen an sauberem Grund- und Trinkwasser. Gleichzeitig dienen viele Sandbiotope der Naherholung: Die genügsamen Sandbewohner kommen mit der Freizeitnutzung in der Regel gut zurecht. In vielen Teilen der fränkischen Sandgebiete ist Wandern, Rasten oder Sandburgen-Bauen daher ausdrücklich erlaubt.


Auf in die Fränkische Wüste!

Wer sich einmal wie in der Wüste fühlen will, besucht die Sanddüne bei Erlenstegen im Nürnberger Reichswald. Die meterhohen Sandberge in einer Waldlichtung sind ein einzigartiger Magnet für viele wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten. Dazu zählen die Zauneidechse, der Sand-Laufkäfer oder das bedrohte Silbergras. Insgesamt umfasst die Projektkarte der SandAchse von Nord nach Süd 47 Kerngebiete. Zwischen den großen Flächen und Naturschutzgebieten liegen, vor allem im Bereich der Städte, zusätzlich kleine Trittsteinbiotope: An Böschungen, Randstreifen, auf Firmengeländen, Dächern oder Schulhöfen sind Sandlebensräume entstanden. Sie sind Vernetzungswege für Tiere und Pflanzen und machen die fränkischen Sandgebiete zu einem überlebensfähigen Biotopverbund, der die Artenvielfalt erhalten kann.

Diese Tiere und Pflanzen leben auch im bayerischen Sand

Der Achtpunkt-Kiefernprachtkäfer  (Buprestis octoguttata) entwickelt sich in Kiefernstubben.

Der Ameisenlöwe wird auch als „Dämon des Staubes“ bezeichnet. Er ist die Larve der Ameisenjungfer, einer kleinen, nachtaktiven Netzflüglerart, die mit den Florfliegen verwandt ist. Er gräbt Fangtrichter in den feinkörnigen Sand und wartet am Boden auf seine Beute: Ameisen, die in den Trichter fallen. Wenn nötig, benutzt er sogar Sandkörner als Munition. Ameisenlöwe im Video

Der Ampfer-Purpurspanner  (Lythria cruentaria) frisst ausschließlich an Exemplaren des Kleinen Sauerampfers, die auf extrem heißen Sandstandorten wachsen.

Die Blauflügelige Ödlandschrecke  (Oedipoda caerulescens) ist das Wappentier der SandAchse. Sie ist auf den Sandböden hervorragend getarnt. Nur wenn sie auffliegt, sieht man ihre leuchtend blauen Hinterflügel. Bei der Landung werden diese sofort wieder eingezogen und die Heuschrecke ist kaum mehr vom sandigen Untergrund zu unterscheiden. Beobachten kann man „Ödi“ von Juli bis Oktober auf offenen, sonnigen Sandflächen. Blauflügelige Ödlandschrecke im Video

Der Dünen-Sandlaufkäfer  (Cicindela hybrida) ist der Gepard unter den Insekten: Auf dem offenen Sand ist eine gute Tarnfärbung besonders wichtig. Von weitem ist der Käfer kaum vom Untergrund zu unterscheiden. Durch die langen Beine hebt sich der Körper wie auf Stelzen vom bis zu 60 Grad heißen Sandboden ab. Ein dicker Außenpanzer aus Chitin, eine Wachsschicht und seine Behaarung schützen ihn zusätzlich vor großer Hitze und Austrocknung. Er lebt räuberisch und macht Jagd auf alles, was er mit seinen großen Mundwerkzeugen überwältigen kann: andere Insekten, Raupen und Würmer.

Die Raupe des Kiefernschwärmers  (Sphinx pinastri) ernährt sich von Kiefernnadeln.

Die Kreuzkröte  (Bufo calamita) gehört zum typischen Inventar komplexer Sandlebensräume mit feuchten und trockenen Bereichen.

Der Wald-Sandlaufkäfer  (Cicindela sylvatica) kommt auf Heideflächen vor. Er liebt die offene, leicht mit Flechten bewachsene Sandbereiche zwischen den Heidekrautbüschen und ist viel seltener als der Dünen-Sandlaufkäfer.

Das Filzkraut (hier Ackerfilzkraut Filago arvensis) ist das „Edelweiß“ der fränkischen Sandgebiete. Es ist nicht nur mit dem alpinen Edelweiß verwandt, sondern schützt sich wie dieses auch mit einem dichtem Pelz aus hellen Haaren gegen die Sonneneinstrahlung. Es gehört zur Ackerbegleitflora von Sandäckern und kommt auch auf sandigen Brachen vor.

Beim Berg-Sandglöckchen  (Jasione montana) bilden bis zu 60 kleine Blüten zusammen einen Blütenknäuel.

Der Rundblättrige Sonnentau  (Drosera rotundifolia) kommt auch auf sehr feuchten und besonders nährstoffarmen Sandlebensräumen vor. Diese ähneln in ihrer Artenzusammensetzung manchmal den Mooren. Er ergänzt sein Menü auf kargen Sandböden, indem er mit seinen klebrigen Blättern auf Fliegenjagd geht.

Eine Wachsschicht auf Blättern und Stängel schützt die Sandgrasnelke  (Armeria maritima) auch bei starker Sonneneinstrahlung vor Verdunstung. In Süddeutschland findet die Blume nur noch auf wenigen, sehr mageren und sandigen Wiesen einen Lebensraum. 

Das Silbergras  (Corynephorus canescens) ist der „Igel“ unter den Pflanzen. Der kompakte Wuchs schützt das empfindliche Innere vor Sonneneinstrahlung und Wind. Die eingerollten, harten Blätter verringern den Feuchtigkeitsverlust und halten bei Sturm einem „Beschuss“ durch Sandkörner stand. Die helle Farbe des Silbergrases sorgt für eine Reflexion der Sonnenstrahlung.

Das Silbergras ist einer der ersten Besiedler offener Sandflächen. Ein weit verzweigtes, tiefes Wurzelsystem sichert die Wasserversorgung. Wenn die Pflanze vom Sand zugeweht wird, kann sie von innen heraus neu austreiben.