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BUND Naturschutz, Stadtwerke und Energiegenossenschaften fordern Neustart für Klimaschutz und Dezentrale Energiepolitik in Bayern

Vor dem Bayerischen Energiegipfel fordert der BUND Naturschutz Konsequenzen aus dem Bayerischen Koalitionsvertrag!

11.12.2018

Einen Neustart in der Bayerischen Energiepolitik erwarten BUND Naturschutz, Stadtwerke und Bürgerenergiegenossenschaften vom "Energiegipfel Bayern" am kommenden Donnerstag.

"Dem Bekenntnis zur Dezentralen Energiewende und zu engagiertem Klimaschutz im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern müssen nun schnellstens Taten folgen. Bayern muss wieder zum Spitzenreiter beim Energiesparen und dem naturverträglichen Ausbau von Sonnen- und Windkraftwerken werden. Dafür müssen alle Ressorts unter Federführung von Staatsminister Hubert Aiwanger konkrete Ziele und Umsetzungsprogramme erarbeiten", fordert Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V.

"Die Dezentrale Energieversorgung ist der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Energiepolitik. Dementsprechend werden die Stadtwerke der Zukunft als Lebensraumgestalter das Herzkreislaufsystem, die Infrastruktur einer modernen Stadt, weiterentwickeln", stellt Prof. Richard Kuttenreich fest, Leiter der Stadtwerke Neuburg an der Donau.

"Die Energiewende gehört zu unseren dringlichsten Herausforderungen! Die Bekämpfung des Klimawandels durch sofortige und drastische Emissionsreduktionen und der Umgang mit den bereits aufgetretenen und zukünftigen Auswirkungen erfordern nicht nur ein nationales, sondern ein globales Umdenken und Umsteuern. Bessere Energieeffizienz und die Umstellung der Stromerzeugung weg von fossilen und nuklearen Energieträgern hin zu Erneuerbaren Energien benötigen ein hoch komplexes und konsequentes Zusammenwirken von Technik, Wirtschaft und Politik. Zukünftige Generationen brauchen eine nachhaltige, umweltfreundliche, regionale und sichere Energieversorgung - ohne Atomenergie! Wir vom Energiebündel Roth-Schwabach setzen uns mit den Herausforderungen und den Möglichkeiten einer klimafreundlichen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung auseinander und bereiten umsetzbare Wege vor, auch als Beispiel für weitere Akteure in unserer Gesellschaft," so Werner Emmer, Vorstandsvorsitzender der Energiegenossenschaft R-neuerbar e.G. und Vorsitzender des Vereins Energiebündel Roth-Schwabach e.V.

Gemeinsame Forderungen zum Neustart in der Bayerischen Energiepolitik
Gemeinsam mit Vertretern der Bürgerenergie und Stadtwerken hat der BUND Naturschutz in Bayern e.V. den Koalitionsvertrag Bayern 2018 von CSU und Freien Wählern analysiert und macht Vorschläge für konkreten Klimaschutz und die Umsetzung Dezentraler Energiepolitik in Bayern und über Bundesratsinitiativen der Staatsregierung in Deutschland.

  • Energiesparen
    · Einrichtung einer unabhängigen Bayerischen Agentur, die in Bayern für die Dezentrale Energiewende und konkreten Klimaschutz wirbt, Menschen als private Verbraucher und in Kommunen und Gewerbe motiviert und informiert, und Akteure vor Ort mit Finanzmitteln unterstützt.

  • Massiver Ausbau der Erneuerbaren Energien in Bayern
    · Fotovoltaik
    o Auch in Bayern Unterstützung des Ausbaus auf privaten, kommunalen und Gewerbe-Dächern durch Beratung, Imagekampagnen, und mit konkreten bayerischen Förderprogrammen, in Kombination mit Batteriespeichern und Block-Heiz-Kraft-Werken, sowie Forschungsprogramme Biodiversität und Freiflächen-Fotovoltaik.
    o Bayerische Initiativen auf Bundesebene - Streichen von Hemmnissen, wie des 52 GW Deckels im EEG, der EEG-Umlage auf selbst genutzten Fotovoltaikstrom, deutliche Ausweitung der Ausschreibungsmengen im EEG.
    · Windenergie
    o Auch in Bayern Unterstützung des Ausbaus der Windenergie durch Streichen der 10-H-Regelung, durch rechtswirksame Regionalplanung, sowie Beratung, Imagekampagnen, und mit konkreten bayerischen Förderprogrammen zur Kombination mit nachhaltigen Speichertechnologien, sowie Forschungsprogramme zu Populationsdynamiken von durch Windräder betroffenen Arten.
    o Bayerische Initiativen auf Bundesebene - Regionale Quotenregelungen und deutliche Ausweitung der Ausschreibungsmengen im EEG.

  • Eigennutzung von Strom
    Eigennutzung von mit Erneuerbaren Energien Wind und Sonne selbsterzeugtem Strom ist ein bedeutsamer Weg der Marktintegration dieser fluktuierenden Erneuerbaren Energien.
    · Bayerische Initiative auf Bundesebene - Erweiterungen und Erleichterungen der Energieeigennutzung in EEG und EnWG.
    · Bayerische Initiative auf Bundesebene - Eigennutzung von Strom erfordert die Umstrukturierung der Netznutzungsgebühren zur Refinanzierung der Verteilnetze: weniger Umlagen auf verkaufte elektrische Energie [Strom in Kilowattstunden] aber mehr Umlagen auf angeforderte elektrische Anschlussleistung [Kilowatt]. Vorbild wäre auch die heutige Praxis bei Gewerbe- und kommunalen Kunden, dies sollte optional auch für Privatkunden angeboten werden können.

  • Kohlendioxid-Bepreisung zur Förderung der Sektorkopplung Strom-Wärme-Verkehr Die unterschiedlichen Abgaben auf Energien in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr erschweren heute die Sektorkopplung, eine der Grundlagen der Reduktion der Energieverbräuche und der effektiveren Nutzung von Wind- und Sonnenstrom.
    · Bayerische Initiative auf Bundesebene - Prüfen des Schweizer Modells in Bayern und Deutschland.

  • Elektro-Mobilität fördern auf der Schiene, bei Bussen und im Individualverkehr
    Neue Bayerische Verkehrspolitik:
    · Umstieg auf Öffentlichen Verkehr sowie Ausbau des Fuss- und Radverkehrs zur Reduktion der Auto- und LKW- Lawine.
    · Umbau der Mobilität auf elektrische Antriebe; dies spart einen Großteil der Antriebsenergie und ermöglicht den Einsatz von Wind- und Sonnenstrom für unsere Mobilität als Basis für mehr Klimaschutz im Verkehr.

  • Flexiblen Strom aus dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung verdoppeln
    Strom aus flexibel gefahrener dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung kann fluktuierenden Strom aus Wind und Sonne zu einer sicheren Stromversorgung ergänzen. Strom aus Erdgas-Kraftwerken im Spitzenbetrieb und in Kraft-Wärme-Kopplung kann den heutigen Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken ersetzen und kann so kurzfristig den Kohlendioxidausstoß um ca. die Hälfte reduzieren. Flexibel gefahrene Biogas-Block-Heiz-Kraftwerke könnten bereits heute ca. ein Fünftel der Versorgungssicherheit mit gesicherter elektrischen Leistung bieten.
    Hierfür fordern wir:
    · Zügiges Abschalten von Atom- und Kohlekraftwerken - dadurch kann Refinanzierbarkeit von flexiblen Kraft-Wärme-Kopplung-Anlagen entstehen.
    · Pilotversuche power-to-gas, die Herstellung von Wasserstoff aus Wasser mit Überschüssen von Erneuerbarem Strom, müssen in Bayern stärker gefördert werden.
    · Um den Beitrag flexibler Kraft-Wärme-Kopplung zu verdoppeln, müssen mehr Wärmeverbraucher über Ausbau und Verdichtung der Nah- und Fernwärmenetze erschlossen werden, insbesondere im Kern kleinerer Kommunen in Kombination mit Biomasse- und Biogasanlagen.
    · Bayerische Initiative auf Bundesebene - Verpflichtung zur Minderung von Kohlendioxidemissionen auch im Gebäudebestand, in der Energieeinsparverordnung (EnEV) und im Erneuerbaren-Energien-Wärme-Gesetz (EEWärmeG) oder künftig zusammengefasst im neuen Gebäude-Energie-Gesetz (GEG)

Pressekontakt für Rückfragen:
Dr. Herbert Barthel, Referent für Energie und Klimaschutz,
BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Tel.: 0151-5048-9963