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Bund Naturschutz zieht Grüne Bilanz 2001

Lichtblicke und Erfolge mit Natur- und Umweltschutz für die Bewahrung der Lebensqualität in Mittelfranken und in Bayern

21.01.2002

Der Widerstand gegen neue Atommüllzwischenlager mit mehr als 160.000 Einwendungen, neue Allianzen für den Bürgerwald oder ein attraktives Bayernnetz mit Bahn und Bus zeigen das ungebrochene Engagement des Bundes Naturschutz für die Umwelt im vergangenen Jahr. Der Bund Naturschutz als ein von Geldern aus Politik und Wirtschaft völlig unabhängiger Mitgliederverband zieht trotz einiger Rückschläge insgesamt eine positive Bilanz für das Jahr 2001. Der mit 170.000 Mitgliedern und Förderern in 77 Kreis- und 770 Ortsgruppen stärkste Naturschutzverband auf Landesebene in Deutschland hat wieder erfolgreiche Arbeit für ein lebenswertes Bayern geleistet. Bei den anstehenden Kommunal- und Bundestagswahlen will sich der Bund Naturschutz verstärkt für ökologische Weichenstellungen in der Landwirtschafts-, Verkehrs- und Energiepolitik einsetzen.Als größte Erfolge in Mittelfranken gelten die Initiativen des Projektes SandAchse, die Verhinderung des Großeinkaufszentrums Höffner in Fürth, das Ende der Thermoselect-Anlage in Ansbach und der zusammen mit tausenden BürgerInnen erkämpfte Erhalt des Reichswaldes am Brückkanal bei Schwarzenbruck. Ende 2001 hat der BN in Mittelfranken 26.550 Mitglieder.Obwohl menschengemachte Katastrophen wie die BSE-Krise aber auch Terror und Krieg im vergangenen Jahr beherrschende Themen waren, gab es doch viele Lichtblicke, von der Rückkehr der Wildkatze auf leisen Pfoten, über innovative Modellprojekte im Biotop- und Artenschutz, neue Bündnisse mit dem Einzelhandel zum Schutz der Innenstädte oder 150.000 Einwendungen gegen die drei in Bayern geplanten Atommüllzwischenlager.Gleich zu Jahresbeginn konnte der Bund Naturschutz durch Mitwirken bei der Agrarwendekampagne seine jahrzehntelangen Forderungen nach einer sozial und ökologisch ausgerichteten Agrarpolitik ein gutes Stück voranbringen. Erfolge sind die endgültige Abschaffung der Legebatterien von Hühnern ab 2007, verbesserte Tierschutzvorschriften beim Neubau von Stallungen für z.B. Kälber und Schweine, das angekündigte Verbot von Antibiotika als Leistungsförderer in Futtermitteln ab 2003, ein eigenes Bundesprogramm ökologischer Landbau und das neue Biosiegel. Ein großer Sieg für die Meinungsfreiheit und den Tierschutz war auch der Ausgang des Rechtsstreits mit dem industriellen Entenmastbetrieb GEPRO in Mittelfranken. Der Bund Naturschutz kann weiterhin feststellen, dass die Entenhaltung in Großbeständen ohne Auslauf und Wasserzugang tierquälerisch ist. Über 200 Veranstaltungen zu BSE und Agrarwende wurden in allen Regionen Bayerns durchgeführt. Das BN-Agrarprogramm mit der Kernidee der flächen- und arbeitskraftbezogenen Prämien mit Obergrenzen bei der Beachtung von Umweltstandards wurden erfolgreich in eine bundesweite Initiative eingebracht und mit dem Partnerverband Euronatur auf europäischer Ebene vertreten. Auch auf der größten bayerischen Verbrauchermesse, der Consumenta in Nürnberg und am Tag der Regionen in Bayern fanden die Aktionen zur Agrarwende großes Publikumsinteresse. Dass eine wachsende Mehrheit in der Bevölkerung nach wie vor die "grüne Gentechnik" auf dem Acker und in Lebensmitteln ablehnt, ist auch auf diese geleistete Arbeit zurückzuführen. Beim geplanten Ausbau der Donau im letzten freifließenden Abschnitt zwischen Straubing und Vilshofen stehen dagegen die Zeichen auf Sturm. Der 10. internationale Donaukongress in Niederalteich hat eindrucksvoll klar gestellt, dass nur ein sanfter, flussbaulicher Ausbau ohne jegliche Staustufen ein Kompromiss zwischen Schifffahrt und Natur sein kann. Das Jahr 2002 wird für die bayerische wie die rot-grüne Umweltpolitik zur Nagelprobe bei der Entscheidung zwischen den Interessen der Kanalbaulobby und der Bewahrung der Donau als Juwel europäischen Naturerbes. Aufgrund der Zuspitzung durch den BN findet am 20. Februar eine Expertenanhörung im Deutschen Bundestag statt. Die überwältigende Spendenbereitschaft für diese Auseinandersetzung sichert sowohl den Weiterbetrieb der Takatuka wie Lobbyarbeit und Aktionen sowie einen Schwerpunkt für Ankaufprojekte des Bundes Naturschutz im Jahr 2002.Im Jahr 2001 waren auch strategische Bündnisse mit anderen Organisationen ein wichtiger Baustein der Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit. So hat das Bürgerwaldforum unter Federführung des BN den ersten Bürgerwaldbericht herausgegeben. In Gesprächen mit den beiden großen Fraktionen des bayerischen Landtages wurden gute Ergebnisse zur Sicherung der vorbildlichen Bewirtschaftung im Staatsforst erzielt. "20 Jahre erfolgreicher Reichswaldumbau" war entsprechend das Thema des 29. Reichswaldfestes Anfang Juli am Schmausenbuck in Nürnberg, bei dem wieder zehntausend WaldfreundInnen unter alten Eichen ausgelassen feierten. Auch die Zusammenarbeit mit Einzelhändlern und HeimatpflegerInnen zur Erhaltung der Innenstädte statt Ansiedlung von Einkaufszentren auf der grünen Wiese und der Widerstand gegen Factory Outlet Center war in mehreren Fällen erfolgreich. In Fürth gelang es, das auf 30 Hektar im Knoblauchsland geplante Großeinkaufszentrum der Fa. Höffner zu verhindern und damit der Innenstadt wieder Perspektiven zu eröffnen. Die Gemeinschaftsaktion von Bund Naturschutz, VCD und Pro Bahn für "ein modernes Bayernnetz mit Bahn und Bus" hat prominente Erstunterzeichner und Unterstützer gefunden. Neue Wege beschreitet auch die Bund Naturschutz Service GmbH als Betreiberin des Nationalparkladens im Nationalpark Bayerischer Wald Die 100prozentige Tochter des Bund Naturschutz hat sich auch erfolgreich am Markt für ökologische Reisen im Bereich der Umweltbildung etabliert. Dass Alternativen für ein ökologisch verträgliches Wirtschaften auf fruchtbaren Boden fallen, zeigt auch der anhaltende Boom bei Solaranlagen und rationeller Energieeffizienztechnik in Bayern. Denn nur, wer sich rechtzeitig auf das Ende des Erdölzeitalters einstellt, sichert die Zukunft des Lebens- und Wirtschaftsstandortes Bayern. Dank der Aktionen des Bundes Naturschutz kommen bundesweit mehr als 40 Prozent der Förderanträge für Solarstromanträge aus Bayern.Im Arten- und Landschaftsschutz ist unter dem Motto "auf zu neuen Ufern" das Biberprojekt zum Katalysator für die Renaturierung bayerischer Talauen geworden. Mit einer fundierten Konfliktberatung und -vorbeugung durch die Biberberater konnte die Akzeptanz des urbayerischen Baumeisters gesichert werden. Nach einer aktuellen Untersuchung wurde auch die Wildkatze in Niederbayern, Mittelfranken, Jura und im Vorland des Thüringer Waldes wieder häufiger gesichtet. Der Bund Naturschutz hatte den scheuen Mäusejäger nach seiner Ausrottung in Bayern im Spessart, Steigerwald und Bayerischen Wald wieder eingebürgert. Die "längste" Bestandserfassung in der Geschichte des Naturschutzes wurde beim "Grünen Band" von Bayern bis zu Ostsee vorgenommen und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) als zentrale Vorraussetzung für den langfristigen Schutz des längsten Biotops quer durch Deutschland gewürdigt. In dem 2001 herausgegebenen Sonderheft Artenschutz wird ein kleiner Teil aus der weiteren Vielfalt an modellhaften Umsetzungs- und Forschungsprojekten attraktiv vorgestellt, die allein im Jahr 2001 ein Projektvolumen von 1,5 Mio. Euro ausmachten. Mit dem größten Naturschutz-Umsetzungsprojekt Bayerns, der "SandAchse Franken" gelang es dem Bund Naturschutz zusammen mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege und dem Landesbund für Vogelschutz sowie allen Landkreisen und Städten zwischen Bamberg und Weißenburg, das Bewusstsein für die typischen Sandlebensräume zu wecken. Hunderte von Exkursionen, Naturschutztage und etliche Großveranstaltungen wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Erste Flächen zur Schaffung von Sandmagerrasen konnten erworben werden. Wie phantasievoll und bestens nachgefragt das Umweltbildungsangebot des Bund Naturschutz ist, hat der Zuspruch zu den vielen Angeboten in den BN-Ökostationen wie dem Naturschutzzentrum Wengleinpark in Hersbruck und bei den Veranstaltungen des BN-Bildungswerkes gezeigt. Das große Vortrags- und Umwelterfahrungsprogramm in den Kreisgruppen und die Aktivitäten der JBN für Kinder- und Jugendgruppen, machen uns mit über 1000 Einzelveranstaltungen zur größten ökologischen Volkshochschule in ganz DeutschlandBesonders erfreulich war - nach jahrelangen Auseinandersetzungen um die Müllverbrennungsanlage in Ansbach - das vorzeitige Aus für die im Bau befindliche Thermoselect-Anlage bei Brodswinden. Auch die mit über 16.000 Unterschriften und 1.700 Einwendungen erzwungene Änderung zum Neubau der Rastanlage Feucht-Ost in unmittelbarer Nachbarschaft zum beliebten Biergarten am Brückkanal südlich Nürnberg hat gezeigt, dass sich das Engagement lohnt.Rückschläge für Natur und Umwelt und Ausblick auf 2002Natürlich gab es im vergangenen Jahr auch Rückschläge, wie den ungebremsten Flächenfraß, die Inbetriebnahme des tschechischen Atomkraftwerkes Temelin, die Einigung beim Forschungsreaktor in Garching, weiteren Straßen- und Almwegebau oder milliardenschwere Anmeldungen für den Bundesverkehrwegeplan von der ICE-Neubaustrecke durch den Gottesgarten am Obermain bis zur Autobahn A94 durch das Isental. Auch der im Entwurf des Landesentwicklungsprogramms vorgesehene Ausbau von Flughäfen und die Planung des Prestigeprojektes Transrapid zum Münchner Flughafen wird uns weiter beschäftigen. Trotzdem konnten auch mit Hilfe von Gerichtsentscheidungen schlimmste Fehlentwicklungen verhindert oder aufgeschoben werden, sei es bei der geplanten B15 neu in Niederbayern oder der B 173 in Oberfranken.In Mittelfranken drohen weiterhin die Straßenbauten für eine B2a neu durch englischen Garten Nürnbergs, das Rednitztal, die B 14 neu durch das Pegnitztal bei Reichenschwand, eine Südumfahrung von Buckenhof und Uttenreuth sowie eine völlig neue Bundesstraße B 13 neu vom fränkischen Seenland zur A9 bei Thalmässing. Mit dem kreuzungsfreien Ausbau des Frankenschnellweges in Nürnberg plant die konservative Stadtspitze eine Transitautobahn durch die Großstadt Nürnberg mit enormen Immissionsgefahren für die Stadtbevölkerung durch Lärm, Ruß, Stickstoff und Benzol.So schlimm Einzelniederlagen auch sein können, ist der Bund Naturschutz stolz auf seine engagierten Mitglieder, die sich selbstlos vor ihre Landschaft und Heimat stellen, ohne sich von Geld oder politischem Druck korrumpieren zu lassen. Das größte Kapital für den Verband war auch 2001 wieder dieser Idealismus und die Unabhängigkeit des Bundes Naturschutz von Staat und Wirtschaft. Wie oft wir dabei unserer Zeit voraus sind, zeigt eindrucksvoll die neue Dokumentation in der Schriftenreihe Bund Naturschutz Forschung "Mit Hochgeschwindigkeit in die Bahnpleite" zum Bau der ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt-München. Darin wird das Interessengeflecht zwischen Politik, Banken, Bahn AG und Bauindustrie aufgedeckt, welches für dieses Milliardendesaster verantwortlich ist.Im Wahljahr 2002 wird der Bund Naturschutz vehement die Alternativen zu naturzerstörenden und steuergeldverschwendenden Prestigeprojekten zur Diskussion stellen und seine Rolle als "grünes Gewissen Bayerns" ausbauen. Die Kommunalwahlen bieten eine gute Gelegenheit, für einen Bewusstseinswandel vor Ort und die Verantwortung der Gemeinden zur Erhaltung einer lebenswerten Heimat zu werben.gez.Hubert Weinzierl1. VorsitzenderProf. Dr. Hubert WeigerLandesbeauftragterTom KonopkaRegionalreferent