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Geplantes ICE-Werk bei Roth-Harrlach wäre eine Katastrophe für den Flächenschutz

Der BN lehnt den geplanten Standort für das ICE-Werk in Roth-Harrlach ab. Reichswald muss geschützt werden. Aktive breiten Folie aus, um Flächenverbrauch zu verdeutlichen. Alternativen sind vorhanden. Flächenfraß in Bayern schreitet voran und muss gestoppt werden.

26.01.2022

Der BUND Naturschutz in Bayern lehnt die von der DB ins Raumordnungsverfahren eingebrachten drei Standorte für das geplante ICE-Werk bei Nürnberg weiter ab – darunter auch den Standort Roth-Harrlach. „Alle drei Vorschläge liegen im Wald, allein das Vorhaben in Roth-Harrlach würde zwischen 35 und 46 Hektar Land verbrauchen. Dabei besteht seit dem Koalitionsvertrag von CSU und FW nach der Landtagswahl von 2018 das Ziel, den Flächenverbrauch auf fünf Hektar pro Tag zu begrenzen. Es wird krachend verfehlt, weil im Einzelfall immer wieder Entscheidungen getroffen werden, für neue Infrastruktur auch Äcker, Wiesen oder Wälder zu beanspruchen. So wie am geplanten Standort Roth-Harrlach“, erklärt Tom Konopka, Regionalreferent des BN.

Aktive der Bürgerinitiative Harrlach und BN-Aktive breiteten am geplanten Standort für ein neues ICE-Werk eine riesige Silofolie aus und verdeutlichten damit den galoppierenden Flächenverbrauch in Bayern. Nach wenigen Minuten waren 240 Quadratmeter Fläche bedeckt. Das entspricht dem bayerischen Flächenfraß von gerade einmal drei Minuten.

„Wir kämpfen gegen das geplante ICE-Werk hier im Südlichen Reichswald, weil es einen gigantischen Flächenverbrauch bedeuten würde. Das gesamte Landschaftsbild würde zerstört werden und der gesunde Waldboden irreversibel verbraucht. Wald ist einer der wichtigsten CO2 Speicher und darf nicht einfach abgeholzt werden“, so Verena Masopust, Sprecherin der BI Harrlach. „Auf dem Gebiet befinden sich eine Auenlandschaft und zwei Bäche mit besonders reinem Wasser. Diese würden überbaut oder verrohrt werden, die ausgleichende Wirkung bei Hochwasser entfällt. Hinzu kommen die geplanten Gewerbegebiete des Marktes Allersberg mit 19 und 10 Hektar Größe; und nördlich von Harrlach wurde für eine Sandgrube 15 Hektar der Wald abgeholzt. Insgesamt soll dadurch mitten auf dem Land ein riesiges Industriegebiet von fast fünf Kilometer Länge und rund 90 Hektar Fläche entstehen. Dabei dient dieser Bereich auch als Wassereinzugsgebiet der Region und der Stadt Fürth, die 40% ihres Trinkwassers von hier bezieht. Durch die massive Flächenversiegelung, die erheblichen Erdbewegungen und die Abholzung des nitratspeichernden Bannwalds befürchten wir erhebliche negative Auswirkungen auf Qualität und Quantität der Grundwasserneubildung“, so Masopust.

„Die Versiegelung von Flächen muss in Bayern endlich verbindlich geregelt und damit begrenzt werden. Und es muss Schluss sein mit immer weiter die Landschaft und die Böden verbrauchenden Infrastrukturprojekten. Wir erkennen sonst bald unser Land nicht wieder, Bayern verliert zunehmend sein Gesicht“, so Stefan Pieger, Stellv. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Roth.

„Der Schutz der Böden muss für die Staatsregierung höhere Priorität haben. Auch bei Infrastrukturprojekten muss der Schutz des Bodens ein stärkeres Gewicht bekommen. Es geht hier um den Schutz der Lebensgrundlage für Mensch und Natur! Für das ICE-Werk gibt es alternative Standorte in Süddeutschland und auch in der Region, die bereits städtebaulich genutzt wurden“, so Klaus Peter Murawski, 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Nürnberg-Stadt.

Hintergrund

Am 13.10.2021 hat das bayerische Landesamt für Statistik die neuen Zahlen zum Flächenfraß für das vorige Jahr veröffentlicht. Demnach ist der Flächenverbrauch im Jahr 2020 erneut angestiegen - von 10,8 Hektar pro Tag im Jahr 2019 auf zuletzt 11,6 Hektar pro Tag. Das sind 116.000 Quadratmeter pro Tag oder 81 Quadratmeter pro Minute. Es ist ein Anstieg um 7%. Damit ist der aktuelle Verbrauch mehr als doppelt so hoch wie die angestrebten fünf Hektar Fläche pro Tag.