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Klimakrise in Nordbayern: Eingriffe in Gewässerökosysteme problematisch

07.05.2021

Aufgrund der sich verstärkenden Klimakrise leiden weite Teile Nordbayerns unter einer zunehmenden Trockenheit. Gerade in Unterfranken werden die Rufe nach einer künstlichen Bewässerung daher immer lauter. Der BUND Naturschutz (BN) sieht dies jedoch mit großer Sorge, insbesondere da in Gewässerökosysteme eingegriffen werden soll: „Unsere Flüsse und Bäche leiden schon jetzt unter drastischen Umweltveränderungen. Wasserentnahmen zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen müssen daher gut durchdacht sein und sind nur in Kombination mit umfassenden Begleitmaßnahmen denkbar“, so Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz. Der BN fordert daher dazu auf, alle Möglichkeiten zu nutzen, Niederschlagswasser in der Fläche zu halten. Hierzu ist beispielsweise ein umfassender Humusaufbau nötig sowie die Reduktion der Verdunstung durch Windschutzhecken auf offenen und windanfälligen Flächen. Auch darf eine Bewässerung – wenn überhaupt – nur in Form einer Tröpfchenbewässerung erfolgen. „Es muss aber auch klar sein, dass wir in Regionen, die immer trockener werden, nicht mehr alle Kulturen wie bisher anbauen können. Ein „weiter so wie bisher“ kann es angesichts der dramatischen Veränderungen nicht mehr geben“, fordert Marion Ruppaner, Landwirtschaftsreferentin beim BN. Steffen Jodl, Regionalreferent des BN für Unterfranken, ergänzt: „Grundsätzlich ist es zwingend nötig die Klimakrise zu stoppen. Hier ist gerade die Bayerische Staatsregierung gefordert, ihre Blockadepolitik für wirksamen Klimaschutz endlich aufzugeben. Den Ankündigungen des Ministerpräsidenten für ein besseres Klimaschutzgesetz müssen Taten folgen.“

Gewässerökosysteme benötigen Schutz
40 Millionen Euro will die Bayerische Staatsregierung in vier Bewässerungsprojekte in Unter- und Mittelfranken investieren. Das Wasser soll Flüssen wie Main und Schwäbischer Rezat, verschiedenen Bächen sowie dem Brombachsee entnommen werden und Weinreben sowie Hopfenflächen und Kirschplantagen zu Gute kommen. Über keimfreies Uferfiltrat aus dem Main will zudem der neu gegründete Bewässerungsverein Bergtheimer Mulde die Gemüseanbaufelder im Würzburger Norden bewässern. Zwei Millionen Kubikmeter Mainwasser hat man hier ins Auge gefasst, die man zwischen November und April entnehmen möchte.
Doch der BUND Naturschutz warnt: „Diese Wasserentnahmen können sich auf die betroffenen Gewässerökosysteme durchaus negativ auswirken. Schließlich verschwindet das Wasser auch bei Hochwasser nicht einfach „nutzlos“ im Meer. Auf seinem Weg dorthin, werden Auen mit notwendigem Nass überschwemmt und so diese Ökosysteme erhalten. Auch Grundwasserkörper profitieren von höheren Wasserständen, insbesondere im Winterhalbjahr“, erläutert Peter Hirmer, Sprecher des BN-Landesarbeitskreises Wasser.

Bewässerungsbedarf reduzieren
Vor einer künstlichen Bewässerung sollten auch alle Maßnahmen getroffen werden, um den Bewässerungsbedarf zu reduzieren, fordert der BUND Naturschutz. So sollten Kulturpflanzen angebaut werden, die mit der zunehmenden Trockenheit besser zurechtkommen. Gleichzeitig ist der Humusaufbau auf den Anbauflächen zu fördern, damit Niederschläge auch bei Starkregen versickern können und im Boden gehalten werden. Drainagen sind zu entfernen, da sie die Flächen entwässern. In den Weinbergen müssen alle Möglichkeiten zur Dauer- oder Winterbegrünung genutzt werden, um Humus aufzubauen und Bodenerosion zu vermeiden. Kahl geräumte Fluren - insbesondere die Gemüseanbauflächen zwischen Würzburg und Schweinfurt - sind mit Heckenreihen zu durchziehen, um eine Austrocknung durch Wind zu reduzieren. Erst wenn diese Maßnahmen umgesetzt sind, kann über eine künstliche Bewässerung nachgedacht werden. Diese muss allerdings ohne Ausnahme in Form einer Tröpfchenbewässerung erfolgen. Auch eine Defizitbewässerung darf dann kein Tabu sein, so der BN.

Klimakrise als Ursache für Trockenheit stoppen
Schon viel zu lange hat man die Forderungen von Klima- und UmweltschützerInnen nach einem konsequenten Klimaschutz ignoriert. Auch die Bayerische Staatsregierung hat es bisher nicht ansatzweise geschafft, wirksame Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Im Gegenteil, mit der 10 H-Regelung hat man den Zubau von Windenergieanlagen nahezu völlig zum Erliegen gebracht, man wehrt sich vehement gegen ein Tempolimit auf Autobahnen und fördert den Neu- und Ausbau von Straßen mit Milliarden, anstatt diese Gelder in den dringend nötigen Ausbau des ÖPNV zu investieren. Die Folgen dieser Politik sind u. a. langanhaltende Trockenperioden mit den bekannten negativen Auswirkungen. Der BUND Naturschutz fordert die Bayerische Staatsregierung daher auf, endlich einen konsequenten Klimaschutz einzuleiten. Diese Notwendigkeit wurde aktuell auch vom Bundesverfassungsgericht bestätigt. Das Kurieren von Symptomen und die Verteilung millionenschwerer Beruhigungspillen werden sicher nicht ausreichen, um auch in Zukunft eine nachhaltige Landwirtschaft in Nordbayern zu sichern.
 

Für Rückfragen

Steffen Jodl, BN-Regionalreferent für Unterfranken
Telefon 0160 5611341 / E-Mail steffen.jodl@bund-naturschutz.de