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Wartaweiler Gespräche

Die Wartaweiler Gespräche werden jährlich vom Bund Naturschutz im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil am Ammersee angeboten. Sie bauen auf der Tradition der ersten bayerischen Naturschutzakademie auf, die bereits in den 1950er-Jahren in Wartaweil beheimatet war.

Lebendige Bäche in Bayern: Wartaweiler Gespräche 2025

Wie steht es um Bayerns Bäche – und was können wir für ihren Schutz tun? Diese Frage stand im Mittelpunkt der diesjährigen Wartaweiler Gespräche am Samstag, 25. Oktober 2025, im Naturschutz- und Jugendzentrum am Ammersee. Nach zwei Kurzvorträgen tauschten sich die Teilnehmer*innen an sieben Thementischen mit Fachleuten und Praktiker*innen aus.

Rund 90.000 Kilometer kleiner Bäche prägen Bayerns Landschaft. Sie sind Lebensadern der Biodiversität, sichern Hochwasserschutz und Wasserhaushalt. Doch viele sind in schlechtem Zustand: Nur 19 Prozent der Fließgewässer erfüllen derzeit die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Damit ist das Ziel eines “guten ökologischen Zustands” noch in weiter Ferne. Bei den Wartaweiler Gesprächen wurden verschiedene Wege aufzeigt, wie sich Bayerns Fließgewässer wiederbeleben lassen.


Schutz und Entwicklung der Fließgewässer in Bayern

Den Auftakt machte Beate Rutkowski, stellvertretende Vorsitzende des BN, die eindringlich an die Verantwortung für die “Lebensadern unserer Landschaft” erinnert und eine historische Chance sieht, Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen.

„Der ökologische Zustand unserer Fließgewässer ist an vielen Orten in Bayern besorgniserregend. Viele Jahrzehnte lang wurden sie begradigt, betoniert und gestaut. Bäche wurden streckenweise verrohrt und die Auen sind größtenteils verschwunden. – Heute haben wir die historische Chance, ein Zeitalter der Wiedergutmachung an Bayerns Fließgewässern und Auen einzuläuten. Nutzen wir sie!“
Beate Rutkowski, stellvertretende Vorsitzende des BN

Die letzten Jahrzehnte war es politisches und gesellschaftliches Ziel, Wasser aus der Landschaft auszutreiben und so schnell wie möglich zum Unterlieger weiterzuleiten. Flüsse wurden eingedeicht, Feuchtlandschaften entwässert, Nutzflächen drainiert, Mulden und Kleingewässer verfüllt, Hecken und andere abflussbremsende Strukturen vernichtet, die Flur “bereinigt” und Böden verdichtet. Dazu kommt zunehmende Flächenversiegelung. Die Landschaft wurde als “Auslaufmodell” behandelt. Die Folgen werden immer deutlicher sichtbar: gerade die in Zeiten der Klimakrise zunehmenden Starkregenereignisse und Trockenzeiten führen zu Überflutungen bzw. Dürre.

Erst allmählich setzt nun ein Umdenken ein: Die Erkenntnis, dass wir auf Dauer nicht gegen die Natur arbeiten können, sondern nur mit ihr. Jahrhunderthochwasser und Artensterben haben den Denkprozess beschleunigt.


Flüsse und Auen – Die Forderungen des BUND Naturschutz

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Vortrag: Gewässernachbarschaften Bayern – Klimawandel und kleine Gewässer

Werner Rehklau von der Koordinierungsstelle der Gewässernachbarschaften am Bayerischen Landdesamt für Umwelt (LfU) stellte das breite Unterstützungsangebot der Wasserwirtschaftsverwaltung für die Kommunen vor, die in Bayern die Verantwortung für die kleinen Fließgewässer (Gewässer III. Ordnung) haben. Für die naturverträgliche Unterhaltung und die Renaturierung stehen Beratung, Fachinformationen und finanzielle Unterstützung zur Verfügung.

Die Berater*innen der Gewässer-Nachbarschaften veranstalten einmal im Jahr in jedem Landkreis einen sogenannten “Nachbarschaftstag”, zu dem alle Gemeinden eingeladen werden. Neben Informationen steht hier auch der Erfahrungsaustausch im Vordergrund. Die Koordinierungsstelle am LfU erarbeitet dafür jährlich neue Materialien und unterstützt die Berater*innen.

Der Klimawandel geht aus Sicht der Wasserwirtschaft meistens mit einem “Zuviel” oder einem “Zuwenig” an Wasser im Gewässer und in der Landschaft einher. “Zuviel” bedeutet Flusshochwasser oder Starkregen beziehungsweise Sturzfluten, “Zuwenig” bedeutet Niedrigwasserphasen und sinkende Grundwasserstände.

Der Freistaat Bayern fördert Unterhaltungsmaßnahmen für eine naturnahe Gewässerentwicklung. Hierzu gehören unter anderem die Wiederherstellung der Durchgängigkeit im Gewässer, das Entfernen von Ufer- und Sohlverbauungen mit nachfolgender Eigenentwicklung sowie die Habitatverbesserung im vorhandenen Profil und im Uferbereich (vor allem durch Gehölze).

“Das Bild am Ende meines Vortrags zeigt, auf was es ankommt: Ein naturnahes beschattetes Gewässer an einem heißen Sommertag: Natürliche Ufer, Lebensraumqualität im Gewässer und Erholungswert für uns Menschen.”

Thementisch 1: Wie man Gewässer-Unterhaltungs-Maßnahmen ökologisch verträglich ausführt

Referentin: Johanna Wirth

Fazit: Eine umweltverträgliche Gewässerpflege bedeutet, die natürliche Dynamik und Vielfalt eines Baches zu erhalten, statt sie zu beseitigen. Durch gezielte, schonende Eingriffe und den Schutz wertvoller Arten wie der Bachmuschel kann die ökologische Qualität verbessert und gleichzeitig die Unterhaltungssicherheit gewährleistet werden. Das Motto lautet dabei: So wenig wie möglich – so viel wie nötig.

Als zusätzliche Information möchte ich noch etwas mit auf den Weg geben: Eine fachliche Begleitung oder zumindest Abstimmung, egal ob mit Unterer Naturschutzbehörde (UNB), Wasserwirtschaftsamt (WWA) oder ökologischer Baubegleitung wäre für jeden Eingriff wünschenswert, so können viele Fehler vorab vermieden werden.

Johanna Wirth, M.Sc. Biologie

Schwaigholzstraße 16

86633 Neuburg/ Do.

Tel: 0176-64297180

Email: umweltwirth@gmail.com


Thementisch 2: Natürliche Gestaltung von Bächen durch den Biber

Referent*innen: Katja und Ulrich Meßlinger

Fazit: Biber waren über Millionen von Jahren der entscheidende Gestaltungsfaktor in Fließgewässern und ihren Auen und damit die Heimat beziehungsweise gewohnte Umwelt aller ihrer Bewohner. Deshalb verwundert es nicht, dass die Wiederkehr von Biberaktivitäten zu einer schnellen Erholung von auentypischen Tierarten führt. Immer deutlicher wird, dass eine echte "Renaturierung" ohne maßgebliche Mitwirkung der Biber überhaupt nicht funktionieren kann. Dies auch hinsichtlich der abiotischen Funktionen von Gewässern und Auen wie Wasserrückhaltung, Schwammwirkung, Sedimentfang, Selbstreinigung und vieles mehr.

Insgesamt übersteigt der Wert dieser Ökosystemleistungen für die Allgemeinheit die durch Biber verursachten Kosten um ein Vielfaches.

Kontakt:Katja und Ulrich Meßlinger – Ökologische Fragestellungen und Gutachten 

Literatur und weitere Informationen:

  • Zahner, Schmidbauer, Schwab & Angst (2020): Der Biber. Baumeister mit Biss (Standardwerk in dt. Sprache).
  • Rosell & Campbell-Parker (2022): Beavers. Ecology, Behaviour, Conservation, and Management (Standardwerk, englisch)
  • Meßlinger (2025): Entdecke die Biber (Kinder-Sachbuch, auch für interessierte Erwachsene)

Thementisch 3: Bedeutung der ökologischen Vielfalt in den Bächen

Referent: Felix Wolfrum, Landesfischereiverband Bayern (LFV)

Fazit: Gesunde Bäche sind die Lebensadern unserer Landschaften. Sie sichern nicht nur den Wasserhaushalt und das Mikroklima, sondern sind auch Lebensraum für eine Vielzahl spezialisierter Arten – und damit Grundlage der biologischen Vielfalt Mitteleuropas. Leider sind viele dieser Systeme heute stark degradiert, begradigt, verrohrt oder durch Nutzungsdruck überformt. Besonders deutlich wird dies an der Fischfauna: Fische sind nach der Roten Liste die am drittstärksten bedrohte Artengruppe in Bayern – und doch steht ihr Schutz oft nur nebensächlich im Fokus naturschutzpolitischer Bemühungen. Dabei geht es nicht darum, einzelne Flaggschiffarten zu bewahren, sondern um die Wiederherstellung immer seltener werdender Ökosysteme und der damit verbundenen ökologischen Prozesse. Wir brauchen wieder naturnähere, strukturreiche und durchgängige Bäche, die auch dem Klimawandel standhalten können. Diese Wiederbelebung unserer Fließgewässer ist keine Nischenaufgabe, sondern eine der zentralen Herausforderungen des Naturschutzes in unserer Zeit. Dafür gilt es, gemeinsam – unter Einbringung der individuellen Fähigkeiten und Blickwinkel – möglichst zeitnah an einem Strang zu ziehen.

Beratungsangebot bzgl. konkreter lebensraumverbessernder Maßnahmen im aquatischen Bereich beim Landesfischereiverband Bayern e.V.

Felix Wolfrum
Referent für Fischerei, Gewässer- und Naturschutz am LFV

Mail: felix.wolfrum@lfvbayern.de
Tel: 089/64272619

Thementisch 4: Prozesse schon im Einzugsgebiet angehen

Referent: Thomas Corbeck, Praxisplattform Boden:ständig; Bayerische Verwaltung für Ländliche Entwicklung

Fazit: Viele Prozesse, die Gewässer beeinflussen, entstehen im Einzugsgebiet: Mit dem Wasser gelangen Nährstoffe und Feinmaterial ins Gewässer, auch der Verlauf der Abflussspende ergibt sich maßgeblich aus dem Einzugsgebiet und seiner Struktur. Diese Prozesse bereits hier, also möglichst nah am Entstehungsort anzugehen, wirkt sich außerdem positiv auf die Landschaft und den Landschaftswasserhaushalt aus. Dennoch bleibt es vom Gewässer aus gesehen oft unbekanntes Terrain. Welche Möglichkeiten ergeben sich im Einzugsgebiet? Welche Akteure können ihren Teil beitragen? 

Mit acht Jahren boden:ständig-Erfahrung erarbeitete Thomas Corbeck mit den Teilnehmenden Herausforderungen, Lösungsansätze und Chancen ‚jenseits der Auen‘. Das Resümee: Auf Augenhöhe und mit Augenmaß ist einiges möglich. Statt Maßnahmen aus dem Katalog müssen individuelle Lösungen gefunden werden, die auch funktionieren; hydrologisch, finanziell und menschlich. Es braucht Menschen, die die Umsetzung im Blick haben – als Kümmerer nicht für alle anderen, sondern mit ihnen. Denn Schwammlandschaft ist eine Querschnittsaufgabe, die überall mitgedacht werden muss. Interdisziplinäre Vernetzung, Verständnis und Kompromissbereitschaft sind dafür nötig – sie bieten gleichzeitig die Chance auf Mehrwert, Wir-Gefühl und Selbstwirksamkeit.

Weitere Informationen: Mehr über die Initiative www.boden-staendig.eu


Thementisch 5: Projekt Fluss.Frei.Raum

Referentin: Annette Guse, BN

Fazit: Der Schwerpunkt des Verbundprojekts Fluss.Frei.Raum von WWF Deutschland, BUND Naturschutz, Landesfischereiverband Bayern, Bayerischem Kanu-Verband und dem Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld, liegt darin, kleinere Gewässer in Bayern wieder freier fließen zu lassen. Dabei ist es besonders wichtig, auch kleinere Querverbauungen wie Abstürze und Sohlschwellen zu entfernen. Wir wollen damit Wanderhindernisse für Fische entfernen, strukturreiche freie Fließstrecken schaffen und Fließgewässer besser mit ihren Auen verbinden. Der Schutz und die Revitalisierung der Flusslandschaften ist wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt, zur Vorbeugung von Hochwasser, zur Filterung des Wassers und zum Rückhalt von Treibhausgasen. Nicht zuletzt dienen die Flusslandschaften dem Menschen als Erholungsraum.
Für diese Aufgaben suchen wir ehrenamtlich Aktive, die sich mit uns für den Rückbau von Barrieren in bayerischen Gewässern einsetzen.

Der Schwerpunkt des Verbundprojekts Fluss.Frei.Raum von WWF Deutschland, BUND Naturschutz, Landesfischereiverband Bayern, Bayerischem Kanu-Verband und dem Landschaftspflegeverband Rhön-Grabfeld, liegt darin, kleinere Gewässer in Bayern wieder freier fließen zu lassen. Dabei ist es besonders wichtig, auch kleinere Querverbauungen, wie Abstürze und Sohlschwellen zu entfernen. Wir wollen damit Wanderhindernisse für Fische entfernen, strukturreiche freie Fließstrecken schaffen und Fließgewässer besser mit ihren Auen verbinden. Der Schutz und die Revitalisierung der Flusslandschaften ist wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt, zur Vorbeugung von Hochwasser, zur Filterung des Wassers und zum Rückhalt von Treibhausgasen. Nicht zuletzt dienen die Flusslandschaften dem Menschen als Erholungsraum.
Für diese Aufgaben suchen wir ehrenamtlich Aktive, die sich mit uns für den Rückbau von Barrieren in bayerischen Gewässern einsetzen.

Weitere Informationen unter www.fluss-frei-raum.org


Thementisch 6: Hochwasserschutz Gennach-Hühnerbach

Referent: Josef Schweinberger, Vorsitzender Hochwasserzweckverband Gennach-Hühnerbach

Fazit: Mit seinem Engagement im Hochwasserschutz hat Josef Schweinberger schon vor seiner Zeit als Bürgermeister begonnen. “Ein Schlüsselerlebnis war für mich das Pfingsthochwasser 1999. Ich war als Feuerwehrmann in der Einsatzleitung und habe direkt mitbekommen, welche Schäden Hochwasser anrichten kann. Von da an war mir der Hochwasserschutz ein besonderes Anliegen”, sagt Schweinberger.

Als Bürgermeister trug Schweinberger eine besondere Verantwortung – nicht nur im Katastrophenfall, auch in der Vorsorge. “Als ich ins Amt gekommen bin, habe ich schon bald angefangen, mit den umliegenden Gemeinden das Gespräch in Sachen Hochwasserschutz zu suchen. Wir mussten die Läufe der beiden prägenden Bäche in unserer Region als Ganzes betrachten. Eine sinnvolle Lösung für die Stadt Buchloe alleine war unmöglich. Wir hatten keinerlei Möglichkeit, uns ausreichend zu schützen. Es geht nur gemeinsam.”

Zweckverband ist echtes Plus für den Hochwasserschutz

Viel Geduld und viele Gespräche hat es gekostet. Aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen. “Am Ende waren alle betroffenen Gemeinden dabei, verteilt über zwei Landkreise und gemeinsam mit den zwei zuständigen Wasserwirtschaftsämtern. Heute ist der Zweckverband Gennach-Hühnerbach – benannt nach zwei Wasserläufen in der Region – ein echtes Plus für den Hochwasserschutz”, sagt Schweinberger.