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Riedberger Horn: Alpen in Gefahr

Am Riedberger Horn im Oberallgäu spielt sich ein politischer Skandal von bayernweiter Bedeutung ab: Obwohl der Berg in der strengsten Alpen-Schutzzone liegt, soll dort nach dem Willen der bayerischen Staatsregierung ein Skigebiet entstehen. Dafür ändert die Regierung sogar eigens Gesetze – und begünstigt damit zugleich die Zersiedelung der Landschaft in ganz Bayern.

Riedberger Horn

Das Riedberger Horn ist ein Schatzkästlein der Natur: Die Natur am Berg ist so intakt und vielfältig wie nur an wenigen anderen Orten in den Alpen; so hat hier zum Beispiel das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn einen seiner letzten Rückzugsräume. Und auch für den Menschen hat das Riedberger Horn mit seiner herrlichen Natur viel zu bieten. Der Berg steht für sanften Tourismus, eine Ruhe-Oase zum Durchatmen und Wandern. Deshalb liegt der Berg in der strengsten Schutzzone der Alpen, der Schutzzone C des Alpenplans.

Dennoch ist ausgerechnet hier der Zusammenschluss zweier Skigebiete geplant. Die Folgen für das Riedberger Horn und seine seltenen Tiere und Pflanzen wären fatal. Als ob die Alpen nicht ohnehin schon über-erschlossen wären, es nicht schon genug Massentourismus gäbe und der hiesige Skitourismus in Zeiten der Klimaerwärmung nicht vor dem Aus stünde.

Die Politik mischt kräftig mit: Um die „Skischaukel“ am Riedberger Horn zu ermöglichen, hat die Regierung eigens eine Änderung des Landesentwicklungsprogramms (LEP) beschlossen. Im Rahmen dessen soll zum einen das Anbindegebot gelockert werden, das sicherstellen soll, dass neue Siedlungsgebiete nur in Anbindung an bestehende Orte ausgewiesen werden dürfen. Die Aufweichung dieses Gebots droht nun die Zersiedelung und den Wettbewerb um Gewerbeflächen in Bayern noch weiter anzuheizen. 

Zum anderen stuft die Regierung erstmals nach über 40 Jahren eine Alpenplan-Ruhezone für die geplante Skischaukel am Riedberger Horn herab. Damit droht ein Präzedenzfall mit unabsehbaren Folgen für den gesamten bayerischen Alpenraum.

Natur am Riedberger Horn und Schutz durch den Alpenplan

Blick vom Riedberger Horn

Das Riedberger Horn im Allgäu ist eines der ökologisch wertvollsten und zugleich labilsten Gebiete des bayerischen Alpenraums. Es beherbergt eines der größten Vorkommen des Birkhuhns und gilt als einer der schönsten Wanderberge in Bayern.

In den intensiv genutzten Allgäuer Alpen ist es einer der Rückzugsräume für Rote-Liste-Arten, aber auch für Menschen, die nicht den Rummel, sondern die Ruhe suchen und daher abseits der Hauptstraßen des Tourismus auf eigenen Füßen unterwegs sind, statt sich von Seilbahnen zum Gipfelglück tragen zu lassen.

Höchster Schutzstatus

Lebensräume wie dieser sind im Allgäu sehr selten geworden. Die reichlich mit Weiden, Alpenrosen und anderen Zwergsträuchern bestandenen Übergangsbereiche zwischen lichtem Bergwald und baumfreien Matten sind wegen der intensiven Alpwirtschaft vielerorts verschwunden.

Als „Zone C“ ist das Riedberger Horn im Bayerischen Alpenplan eingestuft: der höchste Schutzstatus. Diese Ruhezone ist dem Naturschutz und der naturnahen Erholung vorbehalten. Zone C ist grundsätzlich tabu für Erschließungspläne und mehr als 40 Jahre lang hat sich auch jede Staatsregierung im Alpenraum daran gehalten.

Die Vorstellung, dass dieser schöne, ruhige, noch nicht vom Massentourismus überschwemmte Berg demnächst in eine Großbaustelle für einen Skigebietszusammenschluss verwandelt werden soll, ist bedrückend.

Das Birkhuhn – Symboltier am Riedberger Horn

Riedberger Horn: Birkhuhn

Es gehört großes Glück dazu, einen Blick auf einen Auer- oder Birkhahn zu erhaschen. Fast unverschämtes Glück muss man schon haben, um einen beim Balztanz zu beobachten. Die sogenannten Raufußhühner sind selten geworden in Bayern, das Birkhuhn ist vom Aussterben bedroht. Umso vehementer verteidigt der BUND Naturschutz ihre letzten intakten Lebensräume, gerade am Riedberger Horn.

Raufußhühner sind menschenscheu und äußerst störungsempfindlich. Die großen Hühnervögel müssen regelmäßig Nahrung aufnehmen, um ihren Organismus am Laufen zu halten. Im Winter stehen ihnen dafür hauptsächlich Nadeln von Fichten, Tannen und Kiefern sowie Knospen zur Verfügung. Eine schwer verdauliche und recht nährstoffarme Kost. Um damit einen harten Winter im Hochgebirge zu überleben, müssen Raufußhühner extrem gut mit ihren Kräften haushalten. Jede noch so kurze Flucht bringt die Energiebilanz der Tiere durcheinander, schwächt sie und kann zum Verhungern führen.

Skizirkus statt Balztanz?

Die neuen Lifte und Pisten sollen jetzt zu wesentlichen Teilen in der für das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn so wichtigen Zone C des Alpenplans entstehen. Ein Desaster für das Birkhuhn: Bisher produziert die Population am Riedberger Horn so viel Nachwuchs, dass auch benachbarte Bestände davon profitieren. Werden die Ausbaupläne Wirklichkeit, könnte diese Lebensader versiegen.

Liftbetreiber und Politik

Die ortsansässigen Liftbetreiber träumen von einer – mit Mitteln des Bayerischen Wirtschaftsministeriums geförderten – Skischaukel, die die Skigebiete von Balderschwang und Grasgehren verbindet und auch im Sommerbetrieb laufen soll. Dabei sollen die neuen Lifte und Pisten nach den Vorstellungen der Liftbetreiber ausgerechnet in einem Gebiet entstehen, das zur strengsten Schutzzone der Alpen gehört. Die CSU-geführte Staatregierung springt den Profiteuren bei und ändert dafür eigens Gesetze.

Skandalöses Vorgehen der Regierung

Als „Zone C“ ist das Riedberger Horn im bayerischen Alpenplan eingestuft: der höchste Schutzstatus. Diese Ruhezone ist dem Naturschutz und der naturnahen Erholung vorbehalten. Zone C ist grundsätzlich tabu für Erschließungspläne und mehr als 40 Jahre lang hat sich auch jede Staatsregierung im Alpenraum daran gehalten.

Doch die Staatsregierung will dem Riedberger Horn jetzt seinen Schutzstatus entziehen, um dort die Skischaukel errichten zu können – was die Zerstörung des ökologischen Kleinods bedeutet. Zu diesem Zweck plant das Kabinett, die bisherige Schutzzone einfach zu „verschieben“. Ein skandalöses Vorgehen: Wenn eine Schutzzone immer dorthin verschoben wird, wo sie gerade keine Erschließung stört, ist Sinn und Zweck einer Schutzzone völlig verfehlt. Der Freistaat macht sich beim Alpenschutz lächerlich. 

Zudem hebelt die Regierung mit ihrem Vorgehen den Alpenplan, das wirkungsvollste Instrument des Naturschutzes im Alpenbereich, nach über 40 Jahren mit einem Präzedenzfall aus. Es droht ein Dammbruch mit unabsehbaren Folgen für den gesamten bayerischen Alpenraum. Eine ganze Reihe von Gemeinden wartet nur auf diesen verhängnisvollen Präzedenzfall. 

Profit für wenige wichtiger als Gemeinwohlinteresse?

Im Juli 2016 beschloss das bayerische Kabinett mit der Änderung des Alpenplans ernst zu machen, sofern die Bürger vor Ort bei einem Bürgerbegehren beschließen, dem Riedberger Horn seinen Schutzstatus zu entziehen und damit den Bau einer Skischaukel zu ermöglichen.

Im September 2016 stimmte die Bevölkerung von Obermaiselstein und Balderschwang ab. Viele der Stimmberechtigten würden von dem Projekt direkt wirtschaftlich profitieren. Kein Wunder also, dass sich die Mehrheit für das Projekt ausgesprochen hat. Insgesamt gab es bei der Wahl eine Zustimmung von 72 Prozent zum Projekt. Nicht überwältigend vor dem Hintergrund, dass immer geäußert wurde, die Gemeindebürger würden geschlossen das Projekt befürworten.

Alpenschutz ad absurdum geführt

Das Ergebnis zeigt, dass vor Ort weniger Bürger hinter dem Liftprojekt stehen, als behauptet wurde. Zum anderen betrifft der Alpenplan deutlich mehr Menschen als die wenigen abstimmungsberechtigten Bürger von Obermaiselstein und Balderschwang.

Sinn und Zweck des Alpenplans und seiner Ruhezonen ist es ja gerade, attraktive Wanderberge lokalwirtschaftlichen Verwertungsinteressen zu entziehen. Nur deshalb sind heute noch Berge wie der Watzmann, der Hochgern oder die Rotwand nicht erschlossen.

Daher verstößt das Bauvorhaben nicht nur gegen die Alpenschutzkonvention, sondern gegen eine Vielzahl einschlägiger Rechtsvorschriften. Zwölf schwerwiegende Rechtsverstöße zählt der BUND Naturschutz. Daran ändert auch ein Bürgerbegehren nichts.

Einen Rüffel für die Pläne gab es auch aus Berlin: Um­weltministerin Barbara Hendricks warnte die bayeri­sche Regierung davor, am Riedberger Horn interna­tionale Verträge zu brechen. Ebenso sprachen sich das bayerische Landesamt für Umwelt und sogar der CSU­-Umwelt­arbeitskreis gegen eine Änderung des Alpenplans aus.

Sollte die Staatsregierung dennoch versuchen, den Alpenplan zu ändern, wird der BUND Naturschutz gemeinsam mit anderen Naturschutzverbänden klagen. 

Bedeutung für ganz Bayern im Landesentwicklungsprogramm

Das Riedberger Horn liegt in der Ruhezone des Alpenplans, des wichtigsten Instruments für den Schutz der Natur in den bayerischen Alpen. Der Alpenplan wiederum ist Teil des „Landesentwicklungsprogramms“ (LEP), das die räumliche Ordnung und Entwicklung in ganz Bayern regelt. 

Da das betreffende Gebiet am Riedberger Horn in der strengsten Alpen-Schutzzone liegt, die bayerische Staatsregierung den Weg für die Skischaukel aber dennoch frei machen möchte, hat die Regierung dafür das Landesentwicklungsprogramm geändert. 

Zum einen stuft die Regierung damit erstmals in der Geschichte des Alpenplans ein Ruhezone herab. In Folge dessen droht ein Präzedenzfall mit unabsehbaren Folgen für den gesamten bayerischen Alpenraum.

Gewerbeflächen auf der grünen Wiese

Zum anderen beinhaltet diese Änderung am LEP nach dem Willen der Regierung eine Lockerung des sogenannten Anbindegebots, das sicherstellen soll, dass neue Siedlungsgebiete nur in Anbindung an bestehende Orte ausgewiesen werden dürfen. Die Aufweichung dieses Gebots droht nun die Zersiedelung und den Wettbewerb um Gewerbeflächen in ganz Bayern noch weiter anzuheizen. DieReste intakter bayerischer Kulturlandschaft würden dem ruinösen Wettbewerb der Kommunen um Gewerbeansiedlungen geopfert. Es zeichnet sich eine Amerikanisierung der Landschaft ab, mit vielen neuen Gewerbegebieten auf der grünen Wiese und Siedlungsbändern entlang von Autobahnen und großen Bundesstraßen.

Der BUND Naturschutz betrachtet deshalb die von der bayerischen Regierung beschlossene LEP-Änderung als einen handfesten politischen Skandal mit dramatischen Folgen für das Landschaftsbild in ganz Bayern. Die geplante Skischaukel am Riedberger Horn verstößt massiv gegen internationales Recht. Der BUND Naturschutz wird mit allen legalen Mitteln weiter für den Schutz des Riedberger Horns kämpfen, um den drohenden Bergrutsch der Landesplanung zu stoppen.

Alternative: naturverträglicher Tourismus

Wanderer im Oberallgäu

Der BUND Naturschutz hat gemeinsam mit anderen Alpin-­ und Umweltverbänden eine Befragung der Wanderer rund um das Riedberger Horn durchgeführt: Knapp 80 Prozent der Wanderer sprechen sich gegen einen Skigebietszusammenschluss aus. Selbst bei den Wanderern, die im Winter Ski fahren, findet sich eine Mehrheit von 75 Prozent gegen den Zusammenschluss. Die Gäste kommen vor allem wegen des Natur­ und Landschaftserlebnisses und wegen der Ruhe in die Allgäuer Berge.

Sollte die Staatsregierung dennoch versuchen, den Alpenplan zu ändern und damit die Skischaukel am Riedberger Horn zu ermöglichen, wird der BUND Naturschutz gemeinsam mit anderen Naturschutzverbänden klagen. Wegen der labilen Hänge, der geplanten Bergwaldrodung und den Eingriffen in die Natur wird der Skigebietszusammenschluss als nicht genehmigungsfähig angesehen. 

Zudem sind die Zeiten der schneesicheren Abfahrten auch im bayerischen Alpenraum aufgrund der Klimaerwärmung vorbei. Die Umweltverbände bieten den Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein deshalb an, gemeinsam einen naturverträglichen Tourismus zu entwickeln.

Ergebnisse der Wanderer-Befragung am Riedberger Horn im Einzelnen (PDF)

Was der BUND Naturschutz unternimmt

Der BUND Naturschutz stellt sich schützend vor das Riedberger Horn und tritt Profitgier und Bauwut in den Alpen entschieden in den Weg. 

  • Wir informieren die Öffentlichkeit in ganz Bayern über den Skandal am Riedberger Horn und seine Folgen.
  • Wir sammeln Unterschriften, um die Politik unter Druck zu setzen und ihr zu zeigen, dass Bayerns Bürger gegen die Skischaukel am Riedberger Horn sind.
  • Wir protestieren vor Ort auf dem Riedberger Horn für den Schutz dieses wunderbaren Wanderberges und seiner intakten Natur.
  • Wir erstellen Gutachten zu Geologie, Flora und Fauna, um den Irrweg am Riedberger Horn und seine Folgen in Planungsverfahren und Fachgremien zu belegen.
  • Die geplante Skischaukel am Riedberger Horn verstößt massiv gegen internationales Recht. Wir werden mit allen legalen Mitteln auch vor Gericht für den Schutz des Riedberger Horns kämpfen, um den drohenden Bergrutsch der Landesplanung zu stoppen.
  • Wir sammeln Spenden, um unsere Aktivitäten für das Riedberger Horn finanzieren zu können und den Berg zu retten.

Der BUND Naturschutz fordert die Staatsregierung und die Abgeordneten im bayerischen Landtag auf, die Ruhezonen im bayerischen Alpenplan vollumfänglich zu erhalten und das aktuell laufende Änderungsverfahren des Landesentwicklungsprogramms umgehend zu beenden. Der Alpenplan muss als Hüter der Erholungs- und Naturlandschaft der bayerischen Alpen erhalten werden. Wir fordern:

  • Die Schutzzone C (Ruhezone) des Alpenplans muss vollständig erhalten werden, Ausnahmen sind abzulehnen.
  • Das Konzept des bayerischen Alpenplans sollte im gesamten Alpenraum umgesetzt werden, um den ruinösen touristischen Wettbewerb und weitere Erschließungen insgesamt zu begrenzen.
  • Keine Steuermittel und keine staatlichen Subventionen mehr für Schneekanonen und Neuerschließungen mit Seilbahnen.
  • Verlagerung der öffentlichen Fördermittel auf naturnahe Tourismusangebote.

Helfen Sie mit, das Riedberger Horn zu retten: Bitte unterstützen Sie und mit einer Spende!