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Gerechtigkeit, Dezentralität, Teilhabe und Regionalität

Die Energieträger der Zukunft arbeiten dezentral. Die Physik der Erneuerbaren Energien führt zu dezentralen Strukturen. Zugleich, wir müssen die Chance nutzen, und Märkte, Technologien und Strukturen in Zukunft dezentralisieren und zu regionalisieren - mit Ziel mehr Demokratie und mehr Gerechtigkeit.

Foto: Sibille Wehrmann

Dezentralität

Die Energiewende mit dezentraler Energieerzeugung muss stärker voran gebracht werden. BUND Naturschutz und regionale Energieversorger wie die N-ERGIE Aktiengesellschaft fordern ein zukunftsfähiges Energiekonzept für Deutschland, das dezentrale und damit regionale und lokale Potenziale wie Energiesparen, Energieeffizienz und die Nutzung von erneuerbaren Energien berücksichtigt. Das Strommarktdesign in Deutschland ist neu auszurichten.

Dezentralität ist ein Kernelement der Energiewende und sowohl für den Atomausstieg als auch für den Klimaschutz von großer Bedeutung. Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und bringt tiefgreifende Veränderungen für unsere Gesellschaft mit sich. Um diese historische Aufgabe zu stemmen sind folgende Elemente wesentlich: eine möglichst breite Akzeptanz, die Finanzierbarkeit, eine weiterhin hohe Versorgungsqualität sowie die politische und wirtschaftliche Teilhabe - möglichst vor Ort. Wir fordern daher eine Überprüfung der HGÜ-Leitungen, der aktuellen Netzplanung und des deutschen Energiekonzepts auf Fragen der Dezentralität. Daran anknüpfend erwarten wir, dass das deutsche Energiekonzept von 2010 /2011 überarbeitet und einer öffentlichen strategischen Umweltprüfung nach EU-Richtlinien unterzogen wird. Diese muss eine Alternativenprüfung beinhalten, die im Detail und transparent analysiert, welchen Beitrag Energiesparen, Energieeffizienz, dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung und ein dynamischer Ausbau der erneuerbaren Energien auch in Süddeutschland zur Versorgungssicherheit mit Strom und Wärme beitragen kann.

BUND Naturschutz und die N-ERGIE lehnen einen von der Bundesnetzagentur regulierten zentralen Kapazitätsmarkt ab. Ein solcher Kapazitätsmarkt würde Großkonzerne mit ineffizienten Kohlekraftwerken genauso bevorteilen, ähnlich wie heute schon die Übertragungsnetzbetreiber durch ihre Oligopol-Position bevorteilt werden.

Kernforderungen

  • Sofortiger Stop des aktuell zentralistischen und intransparenten Planungsverfahren zur Netzentwicklung
  • Grundlegende Neuerstellung einer gemeinsamen Strom- und Gas-Energienetzplanung
  • Dezentrale und regionale Energiekonzepte umsetzen
  • Neues Strommarktdesign zur Minimierung des Netzausbaus
  • Ausbau und Erdverkabelung der regionalen Verteilnetze
  • Vorrang für dezentrale Energiekonzepte in Bürger*innenhand
  • Konkrete Programme, bei denen Energieeinsparung und regionale Erzeugung von Strom aus Wind- und Sonnenenergie, Biomasse und Kraft-Wärme-Kopplung eine hohe Versorgungssicherheit mit Flexibilität und hoher Effizienz bieten

Mehr Informationen: PM-027-15 Dezentralität fehlt im Energiekonzept Deutschlands


Alternativen

Die Alternativen sind Energieeinsparen durch Effizienz- und Suffizienzmaßnahmen im industriellen, privaten und öffentlichen Bereich und Sektorenkopplung (Wärme, Strom und Mobilität) durch dezentrale und flexible Kraft-Wärme-Kopplung für Heizung und Strom; durch die Wandlung von Strom in Wasserstoff/Methan (z.B. Power-to-Gas) und die Nutzung bestehender Gasnetze, kann Energie gespeichert, transportiert und dezentral wieder in Stromgewandelt werden; durch Strom (Batterien) und/oder Gas (Brennstoffzellen) für Elektromobilität. Bestehende Erdgasleitungen (Methan) können fünf- bis zehnmal so viel Energie transportieren wie die geplanten HGÜ-Leitungen.

Mehr Informationen: Flyer Dezentral läuft's besser

Energiewende in der kommunalen Bauleitplanung

Für die beteiligten Kommunen ist die dezentrale Bereitstellung von Energie sowohl ökologisch als auch ökonomisch ein Erfolg. Gerade in Bayern können sie deshalb starke Motoren der Energiewende sein. Akteure und Umsetzer sind neben Bürgerinnen und Bürgern vor allem auch Kommunen. Der Aufbau eines neuen, nachhaltigen Energiesystems benötigt neue gesetzliche Rahmenbedingungen. Aber die Energiewende braucht Menschen und Kommunen, die vor Ort anpacken und umsetzen.

Mehr Informationen: Energiewende in der kommunalen Bauleitplanung