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Gesundheitliche Wirkungen von Stadtbäumen

Grünanlagen, Straßenbäume etc. im Wohnumfeld von Stadtbewohnern können deren Gesundheit in vielfältiger Weise positiv beeinflussen. Die Qualität (z. B. Erreichbarkeit, Gestaltung, Sicherheit etc.) dieser urbanen Grünstrukturen ist dabei ganz entscheidend für die Aktivierung ihrer gesundheitsfördernden Potentiale.

POSITIVE WIRKUNGEN AUF DIE PHYSISCHE GESUNDHEIT

Schon zehn Straßenbäume mehr pro Häuserblock können die Gesundheit von Stadtbewohnern messbar verbessern. Ihr Wohlbefinden wird dadurch ähnlich stark gesteigert, als würde das Einkommen dieser Haushalte um 7.000 €/Jahr erhöht oder als wenn sie sieben Jahre jünger wären.

Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen reichten elf zusätzliche Bäume, um die Gefäße der Anwohner um 1,4 Jahre zu verjüngen. Dies haben Forscher der University of Chicago bei einer Befragung von rund 30.000 Personen in der Stadt Toronto herausgefunden. Bewohner von Stadtvierteln mit mehr Straßenbäumen fühlten sich dort nicht nur im Schnitt gesünder und körperlich jünger, sie litten auch tatsächlich weniger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Bluthochdruck. Straßen-/Stadtbäume haben demnach signifikante, von anderen Faktoren unabhängige und verlässliche positive Effekte auf die Gesundheit von Stadtbewohnern. Schon eine kleine Zunahme der Baumdichte reicht aus, um deren Gesundheit merklich und zudem auf kostengünstige Weise zu verbessern. Dabei scheinen einzelnstehende Bäume noch effektiver zu wirken als in größeren Abständen verteilte Parks oder Grünanlagen. (Weitere Informationen finden Sie hier: Straßenbäume halten Stadtmenschen jung)

Auch bei Kindern mit ADHS-Syndrom ist in mehreren Studien das hohe therapeutische Potential von unmittelbarem und wohnungsnahem Naturkontakt festgestellt worden. In den USA wurde dies zu einem zentralen Baustein einer landesweiten Kampagne gegen bildschirmkonsumbedingte Naturdefizite. ("Leave No Child Inside") 

Naturnähe im städtischen Bereich kann bei Kindern sogar gegen Fettleibigkeit wirken und zu einem positiven Langzeiteffekt auf deren Gesundheit führen. Dass der Body-Mass-Index von Kindern umso geringer ausfällt, je grüner ihr Wohnumfeld ist, wurde in einer im Jahr 2008 im "American Journal of Preventive Medicine" veröffentlichten Studie an mehr als 3.800 Innenstadtkindern eindrucksvoll nachgewiesen. 

POSITIVE WIRKUNGEN AUF DIE PSYCHISCHE GESUNDHEIT

"Die Seele wird vom Pflastertreten krumm", das schrieb schon Erich Kästner - mehr aus intuitivem Erspüren, denn aufgrund konkreter medizinischer Erkenntnisse. Heute wissen wir aus verschiedenen Untersuchungen, dass Grün in der Stadt tatsächlich einen aktiven Beitrag zur Stressreduktion leisten und das psychische Wohlbefinden spürbar steigern kann. Schon allein der Blick aus dem Bürofenster auf städtisches Grün (v.a. Bäume) vermag bei stressauslösenden Aufgaben blutdrucksenkend zu wirken. Damit lassen sich sogar krankheitsbedingte Fehltage verringern und die Produktivität von Büroangestellten signifikant steigern. Diese stressreduzierenden und leistungssteigernden Effekte von Pflanzen bzw. Bäumen erforschte u. a. der Umweltpsychologe Terry Hartig an der Universität Uppsala.

Erstaunlich ist auch: Keine Farbe des Wellenspektrums wirkt beim Menschen so entspannend wie Grün! Um eine positive Wirkung von "Vitamin N" auf die geistig-seelische Gesundheit zu erreichen, genügen laut einer Studie von Jules Pretty und Jo Barton (University of Essex) bereits fünf Minuten direkter Naturkontakt z. B. durch Spazierengehen im Grünen. Wer im Grünen joggt - zwischen Bäumen und Büschen und mit Ausblick in die freie Landschaft - fühlt sich anschließend erholter, weniger bedrückt, wütend oder deprimiert als sein Kollege im Fitness-Studio. Sogar die Stimmung hebt sich und die Selbstachtung wächst. Li Qing von der Nippon Medical School in Tokio hat dies u. a. darauf zurückgeführt, dass Bewegung im Grünen die Aktivität der natürlichen Killerzellen steigern und dadurch die Widerstandskraft gegen Stress vergrößern kann. 

STADTGRÜN LOHNT SICH - AUCH ÖKONOMISCH!

Welch bedeutenden Beitrag Natur in der Stadt zur Einsparung von Gesundheitskosten leisten kann, darauf wurde u. a. von Prof. Dr. Bernd Hansjürgens, Chefökonom des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, im dritten Bericht des Projektes "Naturkapital Deutschland - TEEB-DE" hingewiesen. Demnach macht sich eine Investition in Stadtgrün bzw. Stadtbäume volkswirtschaftlich schon deshalb bezahlt, weil Stress als Mitverursacher für die drei teuersten Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Einschränkungen des Haltungs- und Bewegungsapparates, psychische Erkrankungen) gilt - mit einem jährlichen Kostenaufwand alleine in Deutschland - von über 100 Mrd. Euro. (Quelle: "Stadtnatur zahlt sich aus" in: Natur in NRW 2/16)