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Gemeinde Rottenburg freut sich über ihren Biber

Von wegen Problembiber

07.04.2003

In Rottenburg an der Laaber heißen alle, von der BN-Ortsgruppe bis zu den betroffenen Landwirten, ihre Biber willkommen. Während in anderen Gegenden Bayerns der Biber als Problemart thematisiert wird und die Nager gefangen und nach Rumänien oder Spanien exportiert werden, hat man in Rottenburg zu einer friedlichen Koexistenz gefunden.

Die örtliche Bevölkerung ist begeistert von ihrem neuen Mitbürger. Die vom Biber neu gestaltete Landschaft mit Dämmen und Überschwemmungsbereichen ist zu einer Attraktion in der Gemeinde geworden. Scharenweise pilgern die Rottenburger nach Niederroning, um das Gesamtkunstwerk der Biber-Landschaft zu bestaunen. Von Familien über BN-Kindergruppen zum Kinderferienprogramm freuen sich alle über die neu entstandene Natur. Die Gemeinde will – und dies ist vorbildlich – sogar Grund ankaufen oder pachten.

Der BN dankt der Gemeinde Rottenburg und dem 1. Bürgermeister Hans Weinzierl für die gute Zusammenarbeit, die leider nicht überall in Bayern selbstverständlich ist. Leider wird der positive Aspekt des Bibers – die Hochwasserrückhaltung und die Neuanlage von Biotopen zum tarif – nur selten anerkannt.

Wissenschaftliche Untersuchungen z.B. in der Oberpfalz haben ergeben, dass viele vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie z.B. Wasserralle und Bekassine in den Überschwemmungsbereichen des Bibers zunehmen. Auch die Amphibien-, Libellen und Fischfauna profitieren von den speziellen „Arten- und Biotopschutzprogrammen“ des Flussbaumeisters.

Stand und Zukunft des Bibermanagements in Bayern

Die Wiedereinbürgerung des Bibers ist zweifellos eines der erfolgreichsten Artenschutzprojekte des BN: Biber kommen heute mit über 1.500 Revieren (rund 6000 Tiere) wieder in allen Regierungsbezirken vor und sind weiter in der Ausbreitung begriffen. Dieser Erfolg ist jedoch nicht ganz ungetrübt:

Durch ihre lebensraumgestaltenden Aktivitäten können sie bestehenden Landnutzungen des Menschen in die Quere kommen und in Einzelfällen auch erhebliche Schäden verursachen. Diese Konflikte traten ab Mitte der 80er Jahre vor allem im zentralen Donauraum auf. Die Eskalation der Konflikte, die in der Forderung nach der „Entfernung des Bibers aus der Kulturlandschaft“ gipfelte, konnte jedoch durch die Einrichtung eines Bibermanagements verhindert werden. Momentan arbeiten in Bayern zwei hauptamtliche Biberberater, die beim BN-Artenschutzreferat angesiedelt sind und die vor Ort von und rund 200 ehrenamtliche Biberberater unterstützt werden.

Dieses Bibermanagement nahm 1996 im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen seinen Anfang und wurde 1997 auf die Donaulandkreise in Oberbayern ausgedehnt. 1998 begann das Biberberaterprojekt des BN in Nordbayern, das 1999 auch auf Südbayern (außer Region Ingolstadt, hier lief bis 2001 ein LEADER-Projekt zum Bibermanagement, mittlerweile in unser Bibermanagement eingegliedert) ausgedehnt wurde.

Ziel des Bibermanagements ist, den Biber in der Kulturlandschaft zu erhalten und Akzeptanz für ihn zu schaffen durch:

 Lösen von Konflikten zwischen Bibern und Menschen,
 Schaffen von konfliktfreien Lebensräumen für den Biber (und andere Arten),
 Information von Betroffenen und der Öffentlichkeit über den Biber und das Bibermanagement.

Das Bibermanagement beruht auf 4 Säulen:

 Beratung und Aufklärung, sowohl bei konkreten Problemen vor Ort als auch allgemein z.B. durch Vorträge und Pressearbeit
 Finanzierung von Präventivmaßnahmen gegen Schäden durch staatliche Programme,
 Erfassung und Ausgleich von Schäden in besonderen Härtefällen durch den Härtefonds des BN,
 Wegfang von Bibern bei erheblichen Problemen, wenn Prävention nicht möglich ist oder der finanzielle Aufwand in keinem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen steht.

Von 1996 bis Ende 2001 wurden von Gerhard Schwab und Markus Schmidbauer dabei etwa 1.050 Konfliktfälle in Bayern bearbeitet. In den allermeisten Fällen konnte gemeinsam mit den Betroffenen eine Lösung gefunden werden, die eine Koexistenz von Biber und Mensch ermöglichte. Lediglich in etwa 15 % der Konfliktfälle war der Wegfang der Biber notwendig. Auf die Gesamtpopulation der Biber bezogen, kann gesagt werden, dass nur aus etwa 35 – 40 % der Vorkommen Probleme bekannt wurden; abgefangen werden muss jährlich in etwa 3 - 5 % der Biberreviere, das entspricht ca. 100 Exemplaren pro Jahr.

Ein wesentlicher Bestandteil des Bibermanagements ist der momentan ausschließlich vom BN getragene Härtefonds (momentan 20.000 Euro), aus dem Biberschäden bezahlt werden.

Zukunft:

Die 1. Säule des Bibermanagements, die Beratung und Aufklärung ist durch das BN-Biberberaterprojekt (Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds) zunächst bis Ende 2003 sichergestellt. Ein dritter hauptamtlicher Biberberater wurde uns in Aussicht gestellt.

Für die 2. Säule, die Finanzierung von Präventivmaßnahmen, wurde vom Umweltministerium bei einer Besprechung am 28.11.2001 zugesagt, die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für die Landkreise im Rahmen der Kleinstmaßnahmen zu prüfen. Diese zusätzlichen, schnell verfügbaren Mittel haben sich beim Projekt in der Region Ingolstadt als sehr hilfreich erwiesen. Eine weitere Hilfe wird hoffentlich das kommende Vertragsnaturschutzprogramm im Wald sein.

Die Mittel für die 3. Säule, den Ausgleich von Schäden durch den Härtefonds des BN, haben bisher ausgereicht, auch wenn die Schäden in der Teichwirtschaft und damit die Zahlungen an diese deutlich zugenommen haben und weiter steigen werden. Sofern keine unvorhergesehnen großen Schäden (z.B. Durchreißen einer Teichkette) auftreten, wird der Härtefonds des BN mit 20.000 Euro jährlich auch in den nächsten Jahren ein wichtiges Werkzeug des Bibermanagements sein.

In Anbetracht der Entwicklung ist beabsichtigt, dass das bislang bewährte und grundsätzlich erfolgreiche Bibermanagement, speziell der Härtefonds, auf ein breiteres Fundament gestellt werden. Es geht dabei nicht nur darum, die Finanzausstattung zu verbessern, sondern insbesondere darum, gemeinsam tragfähige Lösungen und Kriterien für die Entschädigung zu erarbeiten. Zu diesem Zweck soll ein Beirat gegründet werden, in dem die unterschiedlichsten, mit der Biberproblematik befassten Organisationen vertreten sind.

Bisher wurden gefangene Biber an Wiedereinbürgerungsprojekte nach Kroatien, Ungarn, Belgien und Rumänien, sowie vereinzelt an Zoos und Gehege (Bad Kissingen, Nürnberg, Neumünster, Biberwier, Split, Wildwood) abgegeben. Die auf bayerischer Seite bislang notwendigen Aufwendungen für die Organisation und Durchführung der Wiedereinbürgerungen in Höhe von etwa 160.000 DM (1800 Arbeitsstunden, 47.000 Fahrtkilometer) wurden dabei weitgehend von den beiden Bibermanagern privat getragen. Seit 2001 übernimmt der BN mit Förderung der EU und des Bayerischen Naturschutzfonds die Kosten für die Bibertransporte nach Rumänien und Spanien.

Exportmöglichkeiten bestehen momentan noch für mindestens 250 bis 300 Tiere (Ungarn, Südosteuropa, und Spanien). Das entspricht der Fangquote von 2-3 Jahren. Bisher wurden 604 Biber gefangenen. Wir schätzen den bayerischen Gesamtbestand auf momentan 6000 Tiere.

Gekoppelt werden muss unser weiteres Vorgehen u.a. mit: dauerhafte, langfristige Absicherung des Biberberaterprojektes / intensives landesweites Bestandsmonitoring / deutlich mehr Mittel zur alternativen Konfliktlösung, Präventivmaßnahmen, VNP Wald / massive langfristige Lebensraumverbesserung (Renaturierung, Nutzungsabstand vom Ufer, Ankauf usw.).