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Landwirtschaft braucht Klimaschutz

Angesichts der Dürre und Futterknappheit in weiten Teilen Bayerns fordern BUND Naturschutz (BN) und Landesvereinigung für ökologischen Landbau (LVÖ), die Förderpolitik in der Landwirtschaft auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene neu auszurichten. Neben direkten Hilfen für Härtefälle braucht es Humusaufbau; der Ökolandbau muss zum Leitbild werden.

Im Bild: Bio-Bauer Sepp Braun, LVÖ-Vorsitzender Josef Wetzstein, BN-Vorsitzender Richard Mergner, Freisings BN-Kreisvorsitzender Wolfgang Willner

Ökologisch bewirtschaftetes Feld (Foto: bofotolux/fotolia.com)

30.08.2018

"Wenn in der Klimakrise Dürreperioden Felder in Staubäcker verwandeln und bei Starkregen wertvoller Ackerboden in Flüsse und Siedlungen abgeschwemmt wird, muss auch die Landwirtschaft klimaschädliche Gase vermeiden und den Boden zum Wasser- und Humusspeicher machen", fordert BN-Landesvorsitzender Richard Mergner. "Ökolandbau muss zum Leitbild der künftigen Agrarproduktion werden, und seine Kernelemente möglichst rasch auch im konventionellen Landbau umgesetzt werden". Bei der bevorstehenden Reform der EU-Agrarförderpolitik fordert der BUND Naturschutz von den LandtagskandidatInnen und einer künftigen Staatsregierung, sich für eine radikale Veränderung der Agrarsubventionen einzusetzen. "Statt Milliarden Euro nur nach Flächenbesitz zu verteilen, muss eine Klima, Boden und Wasser schützende Landbewirtschaftung gefördert werden", so Mergner.

"Das Umsteuern muss jetzt beginnen, da es mehrere Jahrzehnte dauern wird", erläutert Sepp Braun, Biobauer aus Freising, der auf seinem Hof ein nachhaltiges Kohlenstoffspeichersystem im Boden aufgebaut hat.

TIERZAHLEN AN VORHANDENEN FUTTERFLÄCHEN AUSRICHTEN

Rund 10 Prozent der Treibhausgasemissionen in der Europäischen Union werden dem System Landwirtschaft zugeordnet. Diese stammen vor allem aus der Tierhaltung, der Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern und Lachgasemissionen aus nährstoffübersättigten Böden. Rechnet man den gesamten Futtermittelkreislauf und Lebensmittelsektor hinzu liegt der Anteil bei mehr als einem Drittel der globalen Treibhausgasemissionen. "Der ökologische Landbau zeigt den Weg zu einer klimafreundlichen Landwirtschaft bereits auf. Durch den Verzicht auf mit hohem Energieeinsatz produzierte mineralische Düngemittel, eine flächengebundene Tierhaltung und die Speicherung von Kohlenstoff im Boden durch Humusaufbau, leistet er einen positiven Beitrag zum Schutz vor der Erderwärmung", erläutert Josef Wetzstein, Vorsitzender der LVÖ Bayern.

Für eine nachhaltige klimaangepasste Landwirtschaft entscheidend ist die Ausrichtung der Tierzahlen an die vorhandenen Futterflächen. Dies hilft, energieaufwändige Futtermittelimporte zu verringern und auch in den Anbauländern des Soja, z.B. in Brasilien, Monokulturen zurückzudrängen. Auch mit Hilfe von Agroforstsystemen und der Kompostierung von Hofdünger können Erfolge bei der Kohlendioxidbindung erzielt werden, wie ein Projekt der Internationalen Ökolandbauorganisation IFOAM in Europa herausgefunden hat (www.solmacc.eu).

WIEVIEL HUMUSAUFBAU WÄRE IN BAYERN MÖGLICH?

Humus besteht zu 58 Prozent aus Kohlenstoff und ist damit der größte terrestrische Kohlenstoffspeicher der Erde. Durch eine geänderte Bewirtschaftung, wie z.B. vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfruchtanbau, Ökolandbau, Agroforstsysteme und Rückumwandlung von Acker in Grünland könnte nahezu flächendeckend in Bayern der Humusaufbau vorangebracht werden. Die Landesanstalt für Landwirtschaft hat in einer Studie vorgerechnet, dass durch die Umsetzung dieser Maßnahmen 0,37 Megatonnen Kohlenstoff jährlich in den bayerischen Landwirtschaftsböden festgelegt werden könnten. Das wäre ein Drittel des auf Bayern umgelegten Zieles der Klimakonferenz von Paris 2015 von einer Steigerung der globalen Kohlenstoffvorräte in den ersten 40 Zentimetern aller Böden um 4 Promille pro Jahr (Siehe: www.lfl.bayern.de/mam/cms07/iab/dateien/03_wiesmeier_humus.pdf).

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Stefan Schäffer
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