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Warum das Bienensterben uns alle angeht

Bienen sind wichtig – da sind sich die meisten Menschen einig. Deshalb hat das Bienensterben auch viele aufgeschreckt. Gründe, Hintergründe und Handlungsmöglichkeiten erfahren Sie hier!

In Bayern waren einmal 520 verschiedene Arten von Bienen zu Hause. Während jedes Kind die Honigbiene kennt, sind die meisten Arten von "Wildbienen" kaum bekannt. Sie sehen alle unterschiedlich aus: pummelig wie Hummeln, gefährlich wie Wespen, unauffällig wie Fliegen, behaart, unbehaart, klein, groß – jede Art ist anders.

Doch eines haben sie gemeinsam: Sie leiden unter den Veränderungen, die der Mensch im vergangenen Jahrhundert in der Natur bewirkt hat – ebenso wie die Honigbiene. In den vergangenen Jahren ist deshalb immer öfter vom "Bienensterben" die Rede: So sind 40 der bayerischen Wildbienenarten heute bereits ausgestorben und über die Hälfte gilt als bedroht. Traurige Einzelbeispiele: Innerhalb von 46 Jahren schrumpfte die Zahl der Nester einer Schmalbienenart auf der Schwäbischen Alb um 95 Prozent. Und in den Isarauen im bayerischen Dingolfing verschwanden drei Viertel der Bienenarten innerhalb von zehn Jahren.

40 Wildbienenarten

ausgestorben

Warum uns das Bienensterben alle angeht? Ein sehr großer Teil der Pflanzenwelt ist auf die Bestäubung von Insekten angewiesen. Bienen besuchen rund zehn Millionen Pflanzen, um Nektar für etwa ein halbes Kilogramm Honig zu sammeln. Sie tragen Pollen von Blüte zu Blüte und sind damit nicht nur für viele verschiedene Ökosysteme, sondern auch für unsere Ernährung immens wichtig. So profitieren drei Viertel der weltweit wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturpflanzen in ihrem Ertrag von Bestäubern und garantieren damit rund ein Drittel der Nahrungsmittelproduktion. Was nur wenige wissen: Wildbienen sind beim Sammeln von Pollen sehr effektiv und meist sogar wichtigere Bestäuber als die Honigbiene.

Vier Gründe für das Bienensterben

Blüten sucht man in den meisten Äckern heute vergebens. Waren die Getreidefelder früher noch durchsetzt von farbenfrohen Ackerwildkräutern, so sind diese heute meist verschwunden. Eng stehende Hochleistungspflanzen, chemische Unkrautvernichter und viel Dünger haben ihnen den Garaus gemacht. Und selbst auf Wiesen und Weiden wächst statt blütenreicher Kräutervielfalt mehr und mehr stark gedüngtes, viel zu häufig gemähtes Einheitsgrün.

Auch Strukturen wie Hecken, Baumreihen oder unbearbeitete Ackersäume und Wegränder sucht man heute oft vergebens. Deshalb fehlen vielen Wildbienen und anderen Insekten Nahrung, Unterschlupf und Nistplätze in der modernen Agrarlandschaft.

In der konventionellen Landwirtschaft, im Obst-, Wein- und Gemüsebau – ja selbst in Privatgärten und auf kommunalen Flächen finden immer noch viel zu viele Insekten- und Unkrautvernichtungsmittel (Insektizide, Herbizide) Einsatz. Sie treffen aber nicht nur die „Zielorganismen“, sie können auch allen Tieren (z.B. Wild- oder Honigbienen) schaden, die damit in Berührung kommen. Als besonders gefährlich gelten die weltweit verbreiteten Neonicotinoide. Diese Insektizide schaden vielen Arten, darunter Bienen und Hummeln. Sie schädigen das Nervensystem; Bienen verlieren dadurch die Orientierung und Hummeln sogar den Geruchssinn. Auch Glyphosat (Herbizid-Wirkstoff) steht im Verdacht, den fleißigen Bestäubern sehr zu schaden. So zeigen Forschungsergebnisse von Professor Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin, dass der Orientierungssinn von Bienen durch Insektizide und auch Glyphosat stark beeinträchtigt werden kann. Das gefährdet die Nahrungsversorgung der Bienenvölker und deren Entwicklung.

Immer mehr Freiflächen – vor allem die für Insekten wichtigen Wiesen und Weiden – verschwinden unter Beton: Siedlungen, Verkehrswege und Gewerbegebiete fressen Tag für Tag mehr als beträgt 10 Hektar in Bayern (Stand 2018).  So gehen auch den Wildbienen immer mehr wichtige Lebensräume verloren.

Die Nistplätze der Wildbienen sind vielfältig. Sie nisten in Erdlöchern in Hängen, Böschungen oder Steilwänden, „mörteln“ ihre Nester an Felsen, in den alten Fraßgängen von Käfern in morschem Holz, in hohlen Pflanzenstängeln oder in verlassenen Schneckenhäusern. Doch viele dieser Kleinstrukturen fehlen heute: Betonmauern weisen keinerlei Hohlräume mehr auf wie die Stein- oder Lehmmauern früherer Zeiten. Sand- und Lehmgruben werden nach dem Abbau verfüllt, Böschungen und Gärten ähnlich gepflegt wie Golfplätze, morsche oder abgestorbene Bäume aus der Landschaft entfernt und die Wildbienen somit ihrer Nistmöglichkeiten beraubt.

Im Gegensatz zu den Wildbienen sind Honigbienen halbdomestiziert, das heißt, sie sind von der Hege und Pflege des Menschen abhängig. Von den etwa 20.000 Bienenarten weltweit sind nur sieben für die Honigproduktion von größerer Bedeutung. Die mit Abstand wichtigste ist die Westliche Honigbiene (Apis mellifera). In der Natur nisten ihre Völker in Baumhöhlen. Die Imker bieten ihnen mit Bienenstöcken alternative Quartiere an, die auf ihre Bedürfnisse optimiert sind.


Auch beim Imker sterben die Bienen

Im langfristigen Mittel sterben laut Angaben des Deutschen Imkerbundes rund zehn Prozent der Bienenvölker im Winter. Doch in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu deutlich höheren Verlusten. Besonders schlimm war die Situation im Winter 2002/2003. Damals verzeichneten die deutschen Imker Winterverluste von durchschnittlich 30 Prozent. Im Winter 2019/2020 lagen sie laut Fachzentrum für Bienen und Imkerei in Mayen zwischen 14,6 und 16,4 Prozent. Zu bedenken ist dabei: Während Imker die Honigbiene immer wieder vermehren, haben Wildbienen keine Lobby.

Die Ursachen des weltweiten Bienenvölkersterbens unter Honigbienen sind noch nicht komplett erforscht. Die oben genannten Probleme machen aber auch der Honigbiene zu schaffen, stressen und schwächen sie. Hinzu kommen spezielle Probleme der Imkerei wie die Varroamilbe. Dieser Parasit befällt Bienenstöcke, saugt Blut bei den erwachsenen Arbeitsbienen und legt seine Eier in die Bienenbrut. Er wurde aus Asien eingeschleppt, wo die Honigbienen relativ gut auf ihn eingestellt sind. Unsere Westliche Honigbiene hingegen kommt schlecht mit der Milbe zurecht. Der Schädling schwächt die Völker oft so stark, dass sie den nächsten Winter nicht überstehen.


Was uns das Bienensterben kostet

Der größte Wert der Imkerei (und der Wildbienen) ist aber nicht der Honig, sondern die Bestäubungsleistung, die Bienen erbringen. Nur dank ihrer Arbeit können zahlreiche Pflanzen angebaut werden: Äpfel, Nüsse, Mandeln, Erdbeeren, Kirschen, Gurken, Melonen, Pfirsiche, Kürbisse, Spargel, Brokkoli, Mohrrüben, Blumenkohl, Zwiebeln und viele andere mehr. Bei manchen Getreidearten und auch bei Weintrauben, Rüben und Oliven sorgt die Bestäubung durch Bienen für eine erhebliche Steigerung der Erträge. In der EU hängen 84 Prozent der Pflanzenarten und damit 76 Prozent der Lebensmittelerzeugung von Bienen ab. Das entspricht einem wirtschaftlichen Wert von 14,2 Milliarden Euro jährlich.

Stirbt die Honigbiene aus?

Im Unterschied zu den Wildbienen ist die Honigbiene halb domestiziert, sie wird von Imkern gehegt und gepflegt. Diese Pflege kann sicher einiges ausgleichen, und so ist die Honigbiene – anders als viele Wildbienenarten – nicht vom Aussterben bedroht.