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Forschung für die Wildkatze

Wie weist man ein Tier nach, das nicht gesehen werden will und einer anderen Art zum Verwechseln ähnlich sieht? Mit der Lockstock-Methode hat der BUND Naturschutz (BN) eine ebenso elegante wie wirkungsvolle Möglichkeit gefunden, die scheue Waldbewohnerin freiwillig zu einer Genprobe zu bewegen.

In welchen Teilen Bayerns ist die Wildkatze mittlerweile heimisch? Wie weit wandert sie? Wie groß und stabil sind die Vorkommen? Welche Tiere stammen aus dem BN-Auswilderungsprojekt und welche sind vielleicht zugewandert? Diese und ähnliche Fragen wollte der BN in Zusammenarbeit mit seinem Bundesverband, dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), klären um wichtige Informationen für den Schutz der Wildkatze zu erhalten. Die Verbände entwickelten deshalb gemeinsam mit dem Senckenberg-Institut und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) eine neue Methode speziell für die Wildkatzen-Forschung. Eine Art „genetischer Fingerabdruck“ der Samtpfoten klärt Verwandtschaftsbeziehungen und unterscheidet klar zwischen Haus- und Wildkatze. Das für die Genuntersuchung nötige Material lässt sich aus Haaren, Knochen, Zähnen, Blut und anderen Gewebeteilen von lebenden Katzen, Totfunden und selbst von viele Jahrzehnte alten Präparaten gewinnen. Oft genügt schon ein einziges Haar für die Entschlüsselung der Erbgutinformation.

Der Trick mit dem Duft

Die Vorliebe von Katzen für Baldrian – bestens bekannt von unseren Stubentigern – nutzten die Wildkatzen-Experten des BN, um dem heimlichen Jäger auf die Schliche zu kommen. Und so funktioniert es: Raue, mit Baldrian beköderte Holzpflöcke werden im Wald in den Boden gesteckt. Angelockt durch den Duft kommen Wildkatzen – und natürlich auch Hauskatzen – zu den Stöcken, reiben sich daran und hinterlassen so einige Haare an der rauen Oberfläche. Aus den Haarwurzeln können die Genetiker dann Genmaterial der Tiere isolieren.

Neue Wildkatzen-Vorkommen nachgewiesen

Wie effektiv die neue Methode ist, zeigte sich in den Wintern 2013 und 2014. 200 ehrenamtliche BN-Aktive, Jäger und Förster verteilten damals mehr als 1.000 Lockstöcke in vorwiegend nordbayerischen Wäldern. Ohne ihr Engagement wäre die Untersuchung in der Art nicht möglich gewesen. Die anschließende Auswertung belegte neue Wildkatzenvorkommen im Steigerwald, im Nürnberger Reichswald und im Jurabogen bis nördlich der Donau. Worüber sich die Experten aber besonders freuten: Erstmals konnte die Samtpfote südlich der Donau, im Raum Augsburg und im Unterallgäu nachgewiesen werden. Außerdem erbrachte die Aktion Gewissheit darüber, dass es in Bayern kaum zur Verpaarung zwischen Hauskatze und Wildkatze kommt, obwohl dies biologisch möglich wäre. Warum dies so ist, darauf haben die Experten bisher noch keine Antwort gefunden. 

Einmaliges Bürger-Forschungsprojekt abgeschlossen

Diese ermutigenden Ergebnisse waren Anlass dafür, nun auch Südbayern in einer konzertierten Aktion genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Februar 2015 startete dort eine weitere Lockstock-Aktion um festzustellen, wie weit sich die Wildkatze im Süden des  Freistaates bisher ausbreiten konnte. Mit erfreulichem Ergebnis: 16 Wildkatzen konnten sicher nachgewiesen werden. Nun ist klar, dass die Wildkatze mittlerweile auch in Südbayern zuhause ist. Das Projekt wurde von BN, Bayerischem Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) gemeinsam durchgeführt. Die Beteiligung von Hunderten Freiwilligen macht das Vorhaben zu einem bundesweit einzigartigen „Citizen-Science-Forschungsprojekt“ zum Schutz der biologischen Vielfalt.