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Der Wolf in Bayern – endlich wieder zu Hause

2017 gab es den ersten wilden Wolfsnachwuchs im Freistaat seit etwa 150 Jahren. Damit ist der Wolf wieder in Bayern angekommen. Der BUND Naturschutz begrüßt diese Rückkehr und macht sich für ein gutes Zusammenleben von Mensch und Wolf stark.

Wolf in Bayern: Ein Wolf sieht frontal in die Kamera

Niemand kann wirklich überrascht sein von den ersten Wolfsrudeln in Bayern. Jahrelang tauchten in vielen verschiedenen Landkreisen immer wieder Durchzügler auf. Heute gibt es standorttreue Wolfspaare im Nationalpark Bayerischer Wald, auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr und im Veldensteiner Forst. Im Nationalpark gab es 2017 sogar Nachwuchs.


Wo gibt es Wölfe in Bayern? Und wo wurden welche gesichtet?

Derzeit gibt es in vier Regionen Bayerns standorttreue Wölfe oder Wolfspärchen (Stand: 13.06.2019): Im Nationalpark Bayerischer Wald (Pärchen, Nachwuchs 2017), auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Pärchen, bisher kein Nachwuchs), im Veldensteiner Forst (Pärchen, Nachwuchs 2018) und in der Rhön (Einzelwolf). Standorttreu heißt, dass ein Wolf mindestens sechs Monate lang in einer Region bleibt. Trifft dies für ein Wolfspärchen zu, kann dies der Anfang einer "Familiengründung" (Rudelbildung) sein.

Darüber hinaus konnten seit 2006 vielerorts einzelne Wölfe in Bayern nachgewiesen werden. Meistens handelt es sich dabei um einzelne durchwandernde Tiere aus dem südwestlichen Alpenbogen oder der zentraleuropäischen Tieflandpopulation (Polen, Nordostdeutschland). Junge Wölfe verlassen ihre Elternrudel nach einer gewissen Zeit, um sich ein eigenes Revier zu suchen. Dabei wandern sie oft riesige Strecken.

Als wissenschaftlich anerkannte Wolfsnachweise, sogenannte C1-Nachweise, gelten eindeutige Belege wie genetische Nachweise über Speichel, Urin oder Losung, von Fachleuten analysierte Fotos oder Totfunde.

Wolfsnachweise und standorttreue Wölfe in Bayern

Einzelwolf
Wolfspaar
Wolfspaar mit Nachwuchs

Die Markierungen geben keine exakten Sichtungsorte an, sondern nur die jeweilige Region. Es kann auch mehrere Nachweise für ein und denselben Wolf geben. Die Zahl der Einträge entspricht also nicht der Zahl der in Bayern nachgewiesenen Wölfe. (Datenquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), Stand: 13.06.2019)


Bayern – ein Wolfsland?

Mit einer durchschnittlichen Tageslaufleistung von 50 Kilometern können die ersten bayerischen Wölfe jeden Winkel des Freistaats innerhalb weniger Tage erreichen. Und da es noch viele unbesetzte Reviere in Bayern gibt, ist mit einer weiteren Ausbreitung der Wölfe im Freistaat zu rechnen. Höchste Zeit also, sich ein realistisches, von Vorurteilen unbelastetes Bild vom Wolf zu machen. Zeit für Fakten!

Was fressen Wölfe und wie jagen sie?

Ein Wolfswelpe schnuppert an Knochen (Foto: Ralph Frank)

Wölfe fressen …

  • hauptsächlich Huftiere und Kleinsäuger, in nahrungsarmen Gegenden auch Aas und Abfälle, an der Küste Fisch,
  • ergänzend Beeren sowie Blätter von Gräsern und Seggen,
  • durchschnittlich fünf Kilogramm pro Tag,
  • nach Hungerphasen bis zu 15 Kilogramm auf einmal.

Das Beutespektrum unserer heimischen Wölfe reicht von Reh-, Rot- und Schwarzwild über Hasen bis hin zu Mäusen und Vögeln. Sie sind auf keine bestimmte Tierart spezialisiert, sondern jagen, was in ihrem Revier lebt. Der Wolf kann dabei nicht zwischen Wild- und Nutztier unterscheiden. Er sucht sich wie jedes Wildtier die am einfachsten zu jagende Nahrung. Das sind überwiegend junge, alte oder schwache Wildtiere – aber eben auch die problemlos zu erlegenden Schafe. Diese haben inzwischen so gut wie keinen Fluchtinstinkt mehr und stehen im oberbayerischen Gebirge unbewacht auf den Almen. Ein guter Herdenschutz mit Zäunen, Hirten und Hunden hilft aber, Schäden zu vermeiden.

Keine langen Verfolgungsjagden

Wölfe sehen in der Nacht sehr gut und haben einen Blickwinkel von 250 Grad. Mit ihrem ausgezeichneten Geruchssinn können sie Artgenossen und Beutetiere bis zu zwei Kilometer weit riechen. Wölfe jagen meist im Familienverbund, also im Rudel. Sie sind ausdauernde Läufer und auf kurzen Strecken auch sehr schnell. Ihre Beutetiere verfolgen sie aber selten weiter als wenige Hundert Meter. Haben sie dann noch keinen Erfolg, wird die Jagd abgebrochen, weil der Kraftverlust nicht mehr im Verhältnis zum Energiegewinn durch den möglichen Verzehr der Beute steht. Verfolgungsjagden über viele Kilometer sind die Ausnahme. Sie lohnen sich für den Wolf nur, wenn es sich um ein großes Beutetier handelt, an dem er mehrere Tage fressen kann.

Sind Wölfe für den Menschen gefährlich?

Nein, Wölfe sind für den Menschen nicht gefährlich. So gab es in Deutschland seit der Rückkehr des Wolfes vor etwa 20 Jahren keinen einzigen gefährlichen Vorfall. Wölfe sind zwar vor allem Fleischfresser, Menschen zählen aber nicht zu ihrer Beute, sondern zu ihren Feinden. Dementsprechend verhalten sich Wölfe dem Menschen gegenüber vorsichtig und greifen nicht an.

Unfälle zwischen Mensch und Wolf kommen extrem selten vor. Weil dieses Thema Menschen weltweit immer wieder beschäftigt, hat das Norwegische Institut für Naturforschung (NINA) im Jahr 2002 weltweit dokumentierte Wolfsangriffe untersucht. Das Ergebnis: Die meisten Zwischenfälle waren auf Tollwut zurückzuführen, also auf eine Krankheit, die in Deutschland und den meisten angrenzenden Ländern keine Rolle mehr spielt. So wurden von 1950 bis 2000 in ganz Europa 59 Zwischenfälle mit Wölfen dokumentiert. In 38 Fällen war Tollwut der Grund für den Angriff, fünf davon endeten tödlich. Die meisten anderen Unfälle kamen zustande, wenn Wölfe provoziert, in die Enge getrieben, bedroht oder über einen längeren Zeitraum angefüttert wurden. Sie hatten mutmaßlich die Scheu vor dem Menschen verloren und aufdringliches oder dreistes Verhalten entwickelt. Vier der restlichen Unfälle endeten ebenfalls tödlich, alle in Spanien.

Zur heutigen Situation: Insgesamt nimmt die Wolfspopulation in Europa zu, trotzdem hat in den letzten 30 Jahren die Zahl der Unfälle abgenommen. In Rumänien, dem Land mit der stärksten Wolfspopulation (ca. 3.000 Tiere), gibt es nur einige wenige Berichte von Bissverletzungen, wenn Schäfer versucht haben, einen Wolf zu erschlagen. In Lettland und Litauen kommt es öfter zu Zwischenfällen mit halbzahmen oder entlaufenen Wölfen beziehungsweise mit Hybriden. Das sind Mischlinge aus Wolf und Hund.

Hund gefährlicher als Wolf

Auch wenn Vergleiche immer problematisch sind, wenn es um Menschenleben geht, sei angemerkt, dass sich in Deutschland laut ADAC allein im Jahr 2009 an die 2.800 Autofahrer bei Wildunfällen verletzten. 13 Menschen starben dabei – ohne dass jemand auf die Idee käme, Rehen und Wildschweinen ihr Lebensrecht abzusprechen. Und: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden in Deutschland jährlich drei bis vier Menschen durch den „besten Freund des Menschen“, den Haushund, getötet. Das Amt registrierte 30.000 bis 50.000 Bissverletzungen pro Jahr.

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Ein Wolf schaut hinter einem Baum hervor
  • Verhalten Sie sich ruhig! Der Wolf wird sich in der Regel zurückziehen, denn Wölfe sind scheue Tiere. Wolfswelpen sind allerdings neugierig und verhalten sich oft weniger vorsichtig als erwachsene Tiere.
  • Sprechen Sie den Wolf an, falls er sie noch nicht bemerkt hat.
  • Laufen Sie nicht weg! Wenn Ihnen die Situation nicht geheuer ist, machen Sie sich bemerkbar indem sie reden, rufen und/oder in die Hände klatschen. Ziehen Sie sich dabei langsam und ruhig zurück.
  • Laufen Sie dem Wolf nicht hinterher!
  • Wildlebende Wölfe niemals füttern! Die Tiere verlieren sonst die Scheu vor dem Menschen, was zu gefährlichen Situationen führen kann.

Eine direkte Begegnung mit einem wildlebenden Wolf ist ein ausgesprochen seltenes und schönes Erlebnis. Spaziergänger, Radfahrer, Jogger und Reiter bekommen die Tiere allerdings kaum zu Gesicht. Wölfe bemerken die Menschen meist rechtzeitig und ziehen sich dann zurück. Förster, Jäger, Pilz- und Beerensammler bewegen sich dagegen oft leise durch den Wald und können dabei auf ruhende Tiere stoßen.

Ist Bayern als Lebensraum für den Wolf geeignet?

Bayern eignet sich sehr gut als Lebensraum für Wölfe, besonders der Alpenraum. Wölfe brauchen keine menschenleere, unberührte Wildnis. Sie brauchen lediglich genügend Beutetiere und Rückzugsräume – in den bayerischen Mittelgebirgen und den Alpen finden sie beides.

Erfahrungen in den benachbarten Alpenländern zeigen, dass ein Zusammenleben von Mensch und Wolf auch in Gebieten möglich ist, die intensiv von Nutztieren beweidet werden. Entscheidend sind ein guter Herdenschutz – beispielsweise mit Behirtung und Herdenschutzhunden – und ein funktionierendes Entschädigungssystem.

Verbreitung: Wo gibt es in Europa und weltweit Wölfe?

Bis ins 17. Jahrhundert hinein war der Wolf das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde und auf der gesamten Nordhalbkugel beheimatet. Doch durch intensive menschliche Bejagung nahmen die Bestände dramatisch ab. Seinen zahlenmäßigen Tiefststand erlebte der Wolf zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In vielen Gebieten West- und Mitteleuropas galt er als ausgerottet. In Bayern wurde der letzte frei lebende Wolf 1882 im Oberpfälzer Fichtelgebirge geschossen. In Deutschland traf es das letzte Tier 1904 in der Lausitz.

Wolfsverbreitung Heute

In Europa wendet sich die Situation seit etwa 45 Jahren zum Guten: Wölfe leben mittlerweile wieder in allen Ländern mit Ausnahme der Beneluxstaaten, Dänemark, Ungarn und den „Inselländern“ Irland, Island, Großbritannien, Zypern und Malta. Inzwischen gibt es in Europa wieder etwa 20.000 Wölfe. Die Populationen erstarken und einzelne Wanderer erkunden neue Lebensräume, etwa im oberbayerischen Bergland. Die größte Population gibt es im Balkangebiet, in den baltischen Ländern, den Karpaten, in Spanien, gefolgt von Italien sowie Finnland, Schweden und Frankreich. Auch in einigen Nachbarländern Bayerns leben Wölfe, zum Beispiel in Österreich, der Schweiz und in Tschechien.

Insgesamt haben die europäischen Wölfe wieder die Chance sich auszubreiten. Die Populationen in Spanien, Italien, Slowenien, Kroatien und der Slowakei nehmen zu. Das liegt vor allem am strengen Schutz, den das Tier mittlerweile in Europa genießt. Die meist hohen Schalenwildbestände (Rehwild, Rotwild, Schwarzwild) sorgen außerdem dafür, dass der Tisch für den Wolf vielerorts gut gedeckt ist.

In Nordamerika lebt der Wolf heute, teilweise stark gefährdet, nur noch in Alaska, Kanada und einigen US-Bundesstaaten. In Asien kommen die meisten Wölfe in den dünn besiedelten nordrussischen Regionen, aber auch in Indien, im Iran oder Himalaja vor.

Leben schon zu viele Wölfe in Deutschland?

Nein, der Wolf ist in Deutschland immer noch vom Aussterben bedroht. Er ist gefährdet durch:

  • illegale Abschüsse,
  • Unfälle auf Straßen und Bahnschienen,
  • Fragmentation (Zerschneidung von Lebensräumen, z.B. durch Straßen; Verinselung von Beständen).

Eine Übervermehrung von Wölfen ist nicht möglich, weil ein Rudel (2 bis 8 Tiere) keine weiteren Wölfe in seinem Revier duldet. So regulieren Wölfe sich selbst.

Sind Wölfe geschützt?

Ja, Wölfe sind in Deutschland und Europa streng geschützt (Bundesnaturschutzgesetz, FFH-Richtlinie, Washingtoner Artenschutzübereinkommen). Sie dürfen nicht gejagt und nur mit einer behördlichen Ausnahmegenehmigung getötet werden.


Wo gibt es Wölfe in Deutschland?

Eine Landkarte zeigt, wo Wölfe es Wölfe in Deutschland gibt
Wolfsterritorien in Deutschland (Stand: Nov. 2018)

In Deutschlands ist der Wolf seit dem Jahr 2000 wieder fester Bestandteil der Natur. Er wanderte aus Polen in die neuen Bundesländer ein. Inzwischen gibt es 73 Rudel, 30 Paare und 3 standorttreue Einzeltiere in Deutschland (Stand: Nov. 2018).

Schon zuzeiten der DDR hatte es im Nordosten Deutschlands immer wieder Wolfsbesuche gegeben. Damals durfte der große Beutegreifer jedoch ganzjährig bejagt werden. Erst seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 genießt der Wolf in ganz Deutschland strengen Schutz. Zehn Jahre dauerte es danach noch, dann kamen im Jahr 2000 nach mehr als 100 Jahren endlich wieder Wolfswelpen in der Bundesrepublik zur Welt.

Wie viele Wölfe können in Deutschland leben?

Die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Wölfe nach Deutschland einwandern, nimmt zu, denn es gibt immer mehr Wolfsnachweise in den Nachbarländern, etwa in Polen, Tschechien, Österreich und der Schweiz. Da Jungwölfe auf der Suche nach einem Partner und einem neuen Revier bis zu 1.000 Kilometer zurücklegen, können Tiere aus Norditalien, Frankreich, der Schweiz, Slowenien, Kroatien, der Slowakei, Tschechien und Polen bei uns auftauchen. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat 2009 untersucht, welche Lebensräume in Deutschland sich für den Wolf eignen und berechnet, dass theoretisch etwa 450 Wolfsfamilien (Wolfsrudel) bei uns leben könnten.

Woran erkenne ich einen Wolf?

Eine Grafik zeigt, welche Merkmale ein Wolf aufweist

Kurz & Knapp – Infos zum Wolf

Wie leben Wölfe zusammen? Wie viel Platz brauchen sie?

Ein Wolfsrudel läuft auf die Kamera zu

Wölfe leben in Rudeln von fünf bis acht Tieren. Das sind nicht – wie oft vermutet – wilde Jagdmeuten, sondern kleine Familienverbände. Sie setzen sich meistens aus den beiden Elterntieren sowie den diesjährigen und älteren Jungtieren zusammen. Das Elternpaar bleibt oft ein Leben lang zusammen. Auch einzelne Wölfe können in der Landschaft angetroffen werden.

Jedes Rudel beansprucht ein eigenes Territorium. In Mitteleuropa kann es 500 bis 1.500 Quadratkilometer umfassen, je nachdem, wie groß und zahlreich die Beutetiere darin sind. Es wird mit Duftmarken markiert und gegen andere Rudel verteidigt. Untereinander verständigen sich die Wölfe mithilfe einer sehr vielfältigen Körpersprache (Gestik) und dem typischen langgezogenen Heulen. Mit ihrem guten Gehör können sie das Geheul anderer Wölfe bis zu zehn Kilometer weit hören. Durch gemeinsames Heulen wird das Territorium akustisch markiert und Kontakt zu Artgenossen aufgenommen.



Wo können Wölfe leben? In welchen Lebensräumen kommen sie vor?

Zwei Wolfswelpen liegen im Sand
Zwei Welpen des sächsischen Seenlandrudels

Früher waren Wölfe auf der gesamten Nordhalbkugel zuhause. Sie sind dem Menschen gegenüber zwar scheu, können aber auch gut – und oft fast unbemerkt – in seiner Nähe leben. Der Wolf passt sich an die Aktivität des Menschen an: Bereiche, in denen tagsüber viele Menschen unterwegs sind, nutzt er nur nachts. Heute kommt der Wolf auch in stark zersiedelten Gebieten Europas vor.

Wölfe sind sehr anpassungsfähig.Sie

  • leben unter arktischen Bedingungen ebenso wie in Wüsten,
  • brauchen keine Wildnis,
  • leben auch in der Nähe von Menschen,
  • brauchen genug Beutetiere und Rückzugsräume,
  • bevorzugen Grasland oder Wälder.

Faszinosum Wolf – Fähigkeiten und Sinne

  • Gutes Nachtsehen
  • Blickwinkel 250° (Mensch: 180°)
  • Gutes Gehör: kann andere Wölfe in bis zu 9,6 km Entfernung heulen hören
  • Ausgezeichneter Geruchssinn: kann bis zu 2 km entfernte Witterung aufnehmen
  • Guter Schwimmer
  • Ausdauerläufer: im Trab etwa 10 bis 12 km pro Stunde, bis zu 80 km pro Tag möglich
  • Sprinter: kurzfristig Geschwindigkeiten über 50 km pro Stunde

So pflanzen sich Wölfe fort

Zwei stehende Wolfswelpen

In einem Rudel paaren sich immer nur die beiden ranghöchsten Tiere. Paarungszeit ist von Ende Januar bis Anfang März. Nach etwa 62 Tagen bringen die Weibchen dann in einer Erdhöhle, die sie selbst anlegen oder von anderen Tieren übernehmen, vier bis sieben Junge zur Welt. Die Welpen sind anfangs blind und taub und werden von der Mutter gesäugt. Nach etwa 15 Tagen öffnen sie die Augen; nach 20 Tagen beginnen sie Laute wahrzunehmen und verlassen erstmals die Höhle. Von nun an sind die Kleinen in der Lage, auch feste Nahrung zu sich zu nehmen. Allerdings säugt die Mutter sie noch bis zu einem Alter von acht Wochen. Dass Wölfe Tiere mit Familiensinn sind, zeigt sich bei der Aufzucht der Jungen. Alle Rudelmitglieder helfen dabei mit: Sie kümmern sich um Beute, verdauen sie vor und würgen sie anschließend für die Welpen wieder hervor.

Mit etwa zwei Jahren werden die jungen Wölfe geschlechtsreif. Sie müssen dann das Revier der Eltern verlassen und sich ein eigenes Territorium suchen. Dabei legen sie oft sehr weite Strecken von mehreren Hundert Kilometern zurück.


Was wir über das Verhalten von Wölfen wissen

Ein Wolf hält die Schnauze eines zweiten Wolfes im Maul
Ein Wolf duckt sich vor einem zweiten und fordert ihn zum Spielen auf
Ein Wolf mit geöffnetem Maul zieht die Lefzen hoch, ein zweiter Wolf duckt sich weg

Die Körpersprache ist bei Wölfen besonders stark entwickelt. Hier üben zwei junge Tiere das "Vokabular": Der Schnauzenbiss (links) demonstriert Dominanz oder soll vor einer Spielaufforderung (Mitte) beschwichtigen. Der hochgezogene Nasenrücken (rechts) und die aufgestellten Ohren signalisieren Angriff.

Vorsichtig, aber neugierig!

  • Wölfe sind scheue und vorsichtige Wildtiere. Das gilt vor allem für einzelne Neuankömmlinge. Sie versuchen Gefahren und unberechenbare Situationen zu vermeiden, deswegen sind sie leicht einzuschüchtern und zu vertreiben.
  • Wölfe sind sehr anpassungsfähig und lernen, mit der Gefahr Mensch umzugehen. So kennen etablierte Wolfsrudel nach einer gewissen Zeit auch die sicheren Passagen zwischen Siedlungsgebieten und vermeiden damit Begegnungen mit dem Menschen.
  • Wölfe sind neugierig. Sie versuchen unbemerkt verschiedene Aktivitäten der Menschen zu beobachten, ohne jedoch dabei gefährlich zu werden.
  • Wölfe verteidigen ihr Revier nicht gegen Menschen. Ein Wolf oder auch ein ganzes Rudel sind keine Bedrohung für den Menschen.
  • Hungrige Wölfe sind nicht gefährlicher als satte – auch im Winter nicht. Hungrige Wölfe greifen den Menschen nicht an. Er gehört nicht in ihr Beutespektrum, sondern wird als Feind wahrgenommen, dem das Tier aus dem Weg geht.
  • Hunde sollten in Wolfsgebieten immer angeleint sein. Freilaufende Hunde nimmt der Wolf möglicherweise als Artverwandte und damit als Bedrohung wahr. Sind sie hingegen angeleint, sieht der Wolf in ihnen keine Rivalen.

Wölfe und Schafe in Bayern – guter Herdenschutz ist alles!

Zwei Herdenschutzhunde bewachen Schafe im Gebirge
Zwei Herdenschutzhunde (Maremmano Abruzzese) bewachen Schafe im Gebirge. (Foto: Agridea)

Die Beweidung mit Schafen, Ziegen oder Kühen ist auch in Wolfsgebieten möglich. Allerdings sind die alten Herdenschutzsysteme mit der Ausrottung des Wolfes vergessen worden – auch in Bayern. Heute scheint es selbstverständlich, dass wehrlose Nutztiere sich auf den bayerischen Almen frei in der Landschaft bewegen – für unsere Vorfahren wäre das undenkbar gewesen.

Der Wolf als Herausforderung für bayerische Weidetierhalter

Es wird Zeit, dass wir die Nutztierhaltung in Bayern an die Rückkehr des Wolfes anpassen. Spezielle Zäune, Behirtung und Herdenschutzhunde helfen fast überall, den Wolf fernzuhalten. Für die ohnehin oft schon am Rande des Existenzminimums arbeitenden Schäfer und andere Weidetierhalter ist dies jedoch eine Herausforderung. Sie brauchen dafür finanzielle Unterstützung.

Fragen und Antworten zum Herdenschutz

Frisst der Wolf viele Schafe und Ziegen?

In wildreichen Gebieten ernähren sich Wölfe fast ausschließlich von wild lebenden Huftieren wie Rehen, Rothirschen oder Wildschweinen. Ein Beispiel der Kotanalysen in der Lausitz (Stand: 2012): 52,6 Prozent Rehe (vor allem erwachsene Tiere), 21,29 Prozent Rothirsche (vor allem junge Tiere), 18,28 Prozent Wildschweine. Der Rest setzt sich aus Mufflon, Damhirsch, Hasenartigen, Kleinsäugern, Haustieren (0,75 Prozent), Vögeln, Fischen und Früchten zusammen.

Wo es in Wolfsgebieten noch traditionelle Schutzsysteme wie Hirtenhunde, Zäune und Hirten gibt, bleiben die Schäden an Nutztieren gering. In Rumänien etwa beläuft sich der jährliche Verlust an Nutztieren durch Wölfe auf etwa zwei Prozent des Bestandes.

Gibt es in Bayern Schadenersatz für Wolfsrisse?

Für Schäden durch Wolfsrisse erhalten die Nutztierhalter Schadenersatz aus dem Ausgleichsfonds Große Beutegreifer, den der BUND Naturschutz gemeinsam mit dem LBV, WWF, dem Landesjagdverband (LJV) und dem Bayerischen Naturschutzfonds finanziert. Der Staat muss Weidetierhalter außerdem endlich bei Herdenschutzmaßnahmen (Anschaffung von Zäunen, Herdenschutzhunden etc.) unterstützen.

Funktioniert Herdenschutz auch in den bayerischen Alpen?

Jede Region hat ihre Besonderheiten. Trotzdem kann Bayern sehr vieles übernehmen, was anderswo gut funktioniert. Herdenschutz-Experten und Nutztierhalter müssen jetzt gemeinsam regional angepasste Lösungen entwickeln. Konflikte können so minimiert werden, wie es die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt. Der BUND Naturschutz wünscht sich hier mehr politische und finanzielle Unterstützung für die Tierhalter.

Im bayerischen Alpenraum weiden auf knapp 1.400 Almen und Alpen etwa 100 Tage im Jahr (Juni bis September) rund 55.000 Nutztiere. Das sind insbesondere Rinder, für die von einem einzelnen Wolf aber keine Bedrohung ausgeht. Unter diesen Nutztieren befinden sich jedoch auch etwa 3.000 Schafe und Ziegen, insbesondere im Werdenfelser Land. Diese meist frei laufenden Tiere sind für den Wolf einfache Beute, denn sie sind tags wie nachts völlig ungeschützt. Sie leben ohne schützende Zäune, Schäfer oder Hunde. Die Hirten kommen meist nur in großen Abständen auf den Almen vorbei, um nach dem Rechten zu sehen.

Behirtung ist in Wolfsgebieten nötig

Im Interesse der Almbauern und des Wolfes braucht es statt dieser "Freiweide" eine gelenkte Beweidung mit bereits in anderen Ländern erprobten Schutzmaßnahmen. Speziell die ständige Behirtung unter Einsatz von Hüte- und Herdenschutzhunden mit nächtlichem Zäunen (Pferchung) bietet in anderen Alpenländern einen optimalen Schutz vor dem Wolf. Sinnvoll einsetzbar ist diese Methode jedoch erst bei größeren Herden. Deshalb sollten die Halter auf bayerischen Almen kleine, weit verstreut weidende Schafherden zusammenlegen und so zum Beispiel durch einen gemeinsamen Hirten und gemeinsame Nachtpferche auch Kosten und Aufwand sparen.

Dass der Wolf auch bei vorbildlichem Herdenschutz das eine oder andere Schaf frisst, wird nicht zu verhindern sein. Dadurch sollten sich BUND Naturschutz und Almbauern jedoch nicht entzweien lassen. Letztendlich handelt es sich bei Wolfsrissen ebenso um Naturereignisse wie bei Blitzschlag oder Abstürzen im steilen Gelände. Vorkommnisse also, durch die Almbauern immer schon Tiere verloren haben und auch immer wieder verlieren werden.

Warum profitiert auch die bayerische Natur von der Behirtung?

Wertvolle Biotope in den Alpen sind oft auf eine extensive Beweidung angewiesen. Damit diese aber auch tatsächlich naturverträglich ist, müssen die Schafe zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort sein. Bei zu intensiver Beweidung richten Verbiss, Trittschäden, Erosion und zu viel Nährstoffeintrag mehr Schaden als Nutzen an. Der Hirte kann hier lenkend eingreifen und Über- oder auch Unterbeweidung verhindern und somit die positiven Effekte für schutzwürdige Biotope verstärken. Sofern eine Zusammenlegung von Herden nötig ist, dürfen die Schafzahlen nicht erhöht und die Beweidung auf ungeeigneten Flächen nicht intensiviert werden. Der Wolf darf weder Anlass für eine Intensivierung noch für eine Aufgabe der Schafbeweidung sein – beides wäre kontraproduktiv für die Biodiversität.