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Der Wolf in Bayern – Endlich wieder zuhause!

2017 gab es den ersten wilden Wolfsnachwuchs im Freistaat seit etwa 150 Jahren. Damit ist der Wolf endlich wieder in Bayern angekommen.

Ein liegender Wolf: in Bayern noch nicht zuhause
Soziales Tier mit Familiensinn: der Wolf (Foto: Möthrath/fotolia.com)

Mehr als 100 Jahre lang gab es keine Wölfe in Bayern. Das letzte frei lebende Tier wurde 1882 im Oberpfälzer Fichtelgebirge geschossen. Erst 2006, also gut 120 Jahre später, statten einzelne Wölfe dem Freistaat wieder Besuche ab. Sie wandern aus den Alpen, aus Polen oder Nord-Ost-Deutschland zu. Lange verschwinden sie jedoch genauso still und heimlich wieder, wie sie auftauchen. Es dauert noch einige Jahre, ehe „standorttreue“ Wölfe in Bayern zu vermelden sin, also Einzeltiere oder Pärchen, die länger als sechs Monate in einer Region bleiben. Und schließlich 2017 die freudige Nachricht: Die bayerischen Wölfe haben Nachwuchs in freier Wildbahn geboren – das erste Mal seit ihrer Ausrottung in Bayern. Gleich drei Jungtiere tappen im Nationalpark Bayerischer Wald in eine Fotofalle.

Reflexhafte Abwehr

Anders als in den nördlichen Bundesländern führten die ersten Hinweise auf einen standorttreuen Wolf im Freistaat bei einigen Interessengruppen zu reflexhafter Abwehr. Das erste länger anwesende Tier streifte 2010/2011 ausgerechnet im oberbayerischen Spitzinggebiet umher. Das weckte Erinnerungen an den „Problembären Bruno“. Dessen Besuch im Freistaat endete im Sommer 2006 in ebendieser Region mit einem Abschuss. Vor allem aus den Reihen der Almbauern kam es zu Anti-Wolf-Kampagnen. Natürlich müssen die Sorgen der Almbauern um ihre Weidetiere und die Almbewirtschaftung ernst genommen werden. Im Januar 2011 ließ der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) allerdings verlauten, der bayerische Alpenraum sei wegen der vielen Weidetiere gleich als wolfsfreies Gebiet („No-go-Area“) auszuweisen. Zum Glück gibt es jedoch Gesetze. Sie schützen den Wolf streng. Doch der gesetzliche Schutz alleine genügt nicht. Was es braucht, ist Akzeptanz. Für den Wolf und für die Argumente der jeweils anderen Seite. Denn ohne diese zu verstehen, kommen wir nicht zu einem Konsens, zu einer für alle Beteiligten akzeptablen Lösung. Und die muss das Ziel sein.

Eine Chance für den Wolf

Wölfe in Bayern: Ein Wolf tappt nachts bei Schnee in eine Fotofalle für Luchse.
Stippvisite: 2011 tappte dieser Wolf im Fichtelgebirge in eine Fotofalle (Foto: LfU)

Um Konflikte abzumildern, Lösungen zu finden und einen vernünftigen Umgang mit dem Wolf und den anderen großen Beutegreifern Bär und Luchs zu erreichen, hat sich der BUND Naturschutz schon lange vor Brunos Stippvisite für ein wildbiologisches Kompetenzzentrum in Bayern eingesetzt. Jedes Bundesland muss sich auf mögliche Probleme bei der Rückkehr großer Wildtiere vorbereiten. Nach dem Abschuss des Bären war der Verband dann einer der Mitinitiatoren der „Steuerungs- und Arbeitsgruppe Große Beutegreifer“ beim bayerischen Umweltministerium. In der Gruppe haben sich Naturnützer und -schützer zusammen an einen Tisch gesetzt, und versucht, gemeinsam eine vernünftige Strategie für den Umgang mit den großen Jägern und entsprechende Managementpläne zu entwickeln.

Laut einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut forsa (2015) im Auftrag des Nabu durchgeführt hat, finden es 80 Prozent der Bundesbürger erfreulich, dass der Wolf wieder Bestandteil von Natur und Landschaft in Deutschland ist. Jeder Zweite (54 Prozent) verbindet mit dem Wolf positive Gefühle. Negative kommen nur bei zwölf Prozent zum Tragen.

Fast 20 Jahre Erfahrung in Ostdeutschland zeigen, dass ein Zusammenleben von Wolf und Mensch heute sehr gut möglich ist. Doch natürlich erfordert die Rückkehr des Wolfes von uns auch die Bereitschaft umzudenken, etwa beim Herdenschutz. Der BN arbeitet weiterhin intensiv daran mit, für ein Zusammenleben mit dem Wolf Lösungen zu finden, die auch für die Nutztierhalter tragbar sind. Die wichtigste Rolle werden hier wohl Herdenschutzmaßnahmen spielen (siehe Menüpunkt Herdenschutz). Mit guten Hirten, sicheren Zäunen, speziellen Schutzhunden und dem bereits bestehenden Entschädigungssystem werden sich auftauchende Probleme konstruktiv lösen lassen. 

Geben wir dem Wolf eine Chance!