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Bad Kötzting: Kein Privatflugplatz in der Regentalaue

Einen Privatflugplatz für das eigene Flugzeug am Stadtrand, direkt angrenzend ans Firmengelände – wenn es Unternehmern zu gut geht, kommen manche auf exzentrische Ideen. Nicht nur in Texas, auch im Bayerischen Wald, genauer in Bad Kötzting.

Dass der nächste Flugplatz in Arnbruck nur 12 Kilometer oder 12 Autominuten entfernt war, störte die Firma Staudinger dabei nicht, auch nicht, dass ihr Privatflugplatz in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses und des Schulzentrums gelegen wäre –  zudem in nach §13d des Bayerischen Naturschutzgesetzes geschützten Biotopen der Flussaue des Weißen Regen, einem beliebten Naherholungsgebiet. Die Start- und Landebahn sollte sich vom Firmengelände Staudinger direkt am Campingplatz vorbei bis zu der Flussschleife des Regens am westlichen Ortsrand von Sperlhammer erstrecken.

Widerstand durch spontane Bürgerinitiative

An einem Freitag des Frühjahrs 1984 wurden die Kötztinger von einer Zeitungsmeldung überrascht, wonach der Bauausschuss der Stadt Kötzting den Antrag auf Errichtung einer privaten Landebahn einstimmig befürwortete und der Stadtrat darüber bereits am darauffolgenden Dienstag abstimmen sollte. Bereits am folgenden Tag starteten Edeltraud und Paul Winterstetter, BN Ortsgruppe Kötzting, gemeinsam mit Freunden und Bekannten eine Unterschriftensammlung, die reißenden Zuspruch fand.

Heiße Diskussionen gab es in der spontan entstandenen Bürgerinitiative, ob sie auch am Tag darauf, dem Weißen Sonntag, vor der Kirche weiter Unterschriften sammeln sollten. Die Kirchgänger teilten die Bedenken nicht, sie lobten die Initiative und unterschrieben reihenweise. Den Endstand hat Paul Winterstetter noch exakt im Kopf: 1132 Kötztinger hatten bis Montag unterzeichnet. Nicht schlecht für eine Kleinstadt mit damals weniger als 7000 Einwohnern.

Fake News und kindische Manöver des Stadtrats

Der Bürgermeister war verstimmt, die Diskussion im Stadtrat turbulent, aber die Abstimmung wurde erst mal verschoben. Ein paar Wochen später stand in der Zeitung, das Luftamt Nordbayern befürworte den Plan und stelle eine Genehmigung in Aussicht.  Aber ein sofortiges Einschreiben der Bürgerinitiative an den Leiter des Luftamts erbrachte, dass der von seiner Befürwortung nichts wusste. Wie sich herausstellte, hatte ein nachgeordneter Mitarbeiter gegenüber einigen Stadträten seine Privatmeinung geäußert; daraus war eine Zeitungsente geworden. Fake News gab es auch schon vor dem Internet.

Weil sie dem Frieden nicht traute, wandte sich die Bürgerinitiative im September 1986 mit einer Petition an den Bayerischen Landtag. Szenen wie aus einem Bauernschwank spielten sich ab, als der Umweltaustausch im April 1987 zu einem Ortstermin nach Kötzting kam. Es begann mit einer Sitzung im Rathaus, die von den Berichterstattern des Ausschusses, den MdLs Franz Gruber und Armin Nentwig, wie Paul Winterstetter anerkennt, sehr souverän und fair geleitet wurde.

Als die Mitglieder der Bürgerinitiative jedoch nach einer Sitzungspause zurück in den Sitzungssaal kamen, mussten sie feststellen, dass außer ihnen niemand mehr da war: Die Stadtspitze hatte sich mit den Landtagsabgeordneten zu einem Ortstermin aufgemacht – und die Bürgerinitiative einfach sitzengelassen, wohl in der Hoffnung, so gegenüber den Abgeordneten eine "einstimmige Meinung" zum Ausdruck bringen zu können. Doch das kindische Manöver misslang: Die BI hatte die "Ausreißer" in der überschaubaren Regenaue rasch gefunden und gestellt.

Rückendeckung durch die Regierung

Zu einer klaren Stellungnahme mochte sich der Umweltausschuss indes nicht durchringen: Im Juli des gleichen Jahres überwies der die Eingabe als Material an die Bayerische Staatsregierung. Rückendeckung bekam die Bürgerinitiative hingegen von der Regierung der Oberpfalz, die den Flugplatz am 24.9.1987 aus Gründen der Raumordnung und des Naturschutzes ablehnte.

Mitte 1988 machte Firma Staudinger einen weiteren Anlauf: Nun wollte sie nur noch eine verkürzte Grasbahn anlegen, von der das Flugzeug mit verminderter Tankfüllung starten sollte. Doch an der negativen landesplanerischen Beurteilung der Regierung der Oberpfalz änderte das nichts: Es legte den bedauernswerten Immobilienunternehmern nahe, die 12 km nach Arnbruck mit dem Auto zu fahren.

Wanderung durch die Flussauen des Weißen Regens

Wer sich einen direkten Eindruck vom Weißen Regen und seiner lieblichen Aue verschaffen möchte, kann am Bahnhof Kötzting starten. Folgen wir einfach dem Weg direkt am westlichen Flussufer, der uns bald aus der Stadt hinaus und auf immer schmalen werdenden Pfaden flussaufwärts geleitet, bis nach etwa zwei Kilometern auf der anderen Flussseite der Ort Sperlhammer auftaucht. Dort führt der Weg über ein Wehr in den kleinen Ort hinein, in dem ein schlossähnliches Gebäude beeindruckt. Im Ort halten wir uns rechts und gelangen auf einem Wiesenweg durch die flugplatzlose Flussaue zu einer Brücke, die uns auf den Weg zurückbringt, den wir gekommen sind.

  • Ausgangspunkt: Bad Kötzting Bahnhof
  • Länge: knapp 6 Kilometer, fast eben
  • Wegcharakter: Wiesenwege, Steige, im Ort Straße