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Die Moorzerstörung jetzt stoppen!

Massiver Torfabbau, stetige Entwässerung, die land- und forstwirtschaftliche Nutzung sowie Bebauung zerstören unsere Moore. Aber auch Klimaveränderungen und Nährstoffeinträge machen ihnen zu schaffen.

Bayerns Moore: Fast nichts ist mehr intakt

Bayerns Moorböden umfassen rund 221.000 Hektar, doch nur etwa fünf Prozent davon gelten noch als intakt. Mehr als 95 Prozent sind stark geschädigt oder zerstört. Knapp die Hälfte der entwässerten Flächen wird landwirtschaftlich genutzt, und zwar zu 60 Prozent als Dauergrünland und zu 40 Prozent als Acker.

Entwässerte Moore heizen das Klima an

Moore speichern mehr Kohlenstoff als jeder andere Lebensraum an Land. Werden sie entwässert, kehrt sich das um: Die zerstörten Moore Bayerns setzen 6,7 Millionen Tonnen Treibhausgase frei, rund acht Prozent der bayerischen Emissionen. Dabei entweichen vor allem Kohlendioxid und Lachgas. Schon eine leichte Absenkung kann ein Moor für immer schädigen.

Die Ursachen der Moorzerstörung

Moore wurden für die Land- und Forstwirtschaft, für die Bebauung und den Torfabbau zerstört. Für jede dieser Nutzungsformen wurden Moore entwässert, was ihnen die Lebensgrundlage entzieht. Heute schaden auch Nährstoffeinträge und Klimawandel den Mooren.

Torf im Garten und der Einsatz für die Moore

In Deutschland werden jährlich rund zehn Millionen Kubikmeter Torf als Pflanzsubstrat verbraucht, etwa 2,5 Millionen davon im Hobbybereich. Zwei Drittel der Importe stammen aus Estland, Lettland und Litauen. Der BUND Naturschutz fordert ein sofortiges Torfverbot im privaten Bereich.

Die Situation der bayerischen Moore

  • Etwa 221.000 Hektar: So groß ist die Fläche der Moorböden in Bayern.
  • Über 95 Prozent: Anteil der Moorflächen in Bayern, die heute stark geschädigt oder zerstört sind.
  • Knapp 50 Prozent: Anteil an entwässerten Mooren, die heute landwirtschaftlich genutzt werden. 60 Prozent davon als Dauergrünland, 40 Prozent als Äcker
  • Rund 5 Prozent: Anteil der Moore in Bayern, die noch als intakt gelten.
  • 6,7 Millionen Tonnen: So viel Treibhausgase setzen die zerstörten bayerischen Moore frei. Das sind rund acht Prozent der bayerischen Emissionen.
Moore und Klimaschutz: Ein wassergetränktes Stück Torfmoos in grün-roter Färbung.

Moore und Klimaschutz

Moore spielen eine große Rolle im Klimaschutz. Sie speichern mehr Kohlenstoff als jeder andere Lebensraum an Land. Doch werden sie entwässert, setzen sie enorme Mengen an Kohlendioxid frei.


Moorzerstörung: die Ursachen

  • Entwässerung: Gräben und Drainagen entziehen dem Moor sein Wasser. Schon eine leichte Absenkung kann ein Moor für immer schädigen. Entwässerung ist die gemeinsame Grundlage fast aller anderen Ursachen.
  • Landwirtschaft: Knapp 50 Prozent der entwässerten Moorflächen in Bayern werden Dauergrünland oder Äcker genutzt, dafür muss der Boden trocken gehalten werden.
  • Forstwirtschaft: Viele entwässerte Moorböden in Bayern werden forstlich genutzt.
  • Torfabbau: Torfabbau war früher auch in Bayern ein großer Faktor bei der Moorzerstörung. Abgebaut wurde für Pflanzsubstrat, als Brennstoff oder zu medizinischen Zwecken. Inzwischen findet Torfabbau im Freistaat nur noch vereinzelt statt, zum Beispiel in Bad Bayersoien. 
  • Bebauung, Infrastruktur: Siedlungen, Gewerbegebiete und Straßen liegen auf entwässerten Moorflächen.
  • Nährstoffe und Klimawandel: Stickstoff aus der Luft und Nährstoffe aus der Umgebung fördern Gräser und Bäume und verdrängen die spezialisierten Moorpflanzen. Der Klimawandel verstärkt das mit Wärme und Trockenheit.

Was passiert, wenn ein Moor entwässert wird?

  • Der Moorkörper sackt jährlich um 0,5 bis vier Zentimeter und verdichtet sich. Das Moor verliert seinen “schwammartigen” Charakter.. 
  • Das Moor kann kein Wasser mehr speichern.
  • Durch die Sauerstoffzufuhr in den entwässerten Torfköper kommt es zur “Mineralisierung”.
  • Die im Torf gespeicherten organischen Substanzen werden abgebaut und freigesetzt.
  • Nitrat und Phosphat können so ins Grundwasser gelangen und die Qualität des Trinkwassers beeinträchtigen.
  • Klimaschädliche Gase werden frei, vor allem Kohlenstoffdioxid und Lachgas.
  • Werden die entwässerten Moorflächen intensiv landwirtschaftlich genutzt, beschleunigt sich dieser Prozess.
  • Die typischen Tiere und Pflanzen im Moor werden von konkurrenzfähigeren “Allerweltsarten” verdrängt.

Wie Bayerns Moore verloren gingen

bis 1700

Wenig Eingriffe

ab 1700

Kultivierung im großen Stil. Die wachsende Bevölkerung braucht Ackerland und Weiden. Gräben werden gezogen, Moore entwässert.

ab 1800

Neue Technik. Oft wurden Moore oberflächlich abgebrannt, um Buchweizen oder andere anspruchslose Feldfrüchte anzubauen. Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Bewirtschaftung der Hochmoore durch Kalk und Mineraldünger ertragreicher.

ab 1900

Rapide Zerstörung. Große Landmaschinen beschleunigen die Entwässerung. Im und nach dem Zweiten Weltkrieg wird auch den letzten intakten Mooren das Wasser abgegraben.


Lebensmittelproduktion auf Moorböden

Besonders viele Treibhausgase gelangen in die Atmosphäre, wenn Moorflächen für die Haltung von Tieren
oder zum Anbau von Futter entwässert werden. Die dafür nötige Entwässerung, Düngung und Bearbeitung des Bodens führen zu einem extrem hohen Ausstoß von Treibhausgasen. Wie viel klimaschädlicher mithilfe von Moorböden produzierte Produkte sind, zeigt der CO2-Fußabdruck:

 Entwässerte MoorbödenNicht-Moorböden
Käse459
Butter9725
Milch51

Eine mögliche Lösung für die Landwirtschaft auf Moorböden ist die sogenannte Paludikultur. Das ist die Produktion spezieller Pflanzen auf wiedervernässten Moorböden.


Torfabbau – Moorzerstörung für den Gartenbau

Die Verwendung von Torf als Pflanzsubstrat gefährdet noch heute die Moore: Während die Nutzung von Torf als Brennstoff oder Einstreu für Viehställe heute kein Thema mehr ist, wird in deutschen und sogar in einigen bayerischen Mooren bis heute Torf gewonnen, vor allem als Pflanzsubstrat (Pflanzerde) für den industriellen und hobbymäßigen Gemüse- und Blumenanbau. Und das, obwohl es bereits umweltfreundliche Alternativen zum torffreien Gärtnern gibt. Der größte Teil der rund zehn Millionen Kubikmeter Torf, die jährlich in Deutschland verbraucht werden, geht in den professionellen Gartenbau. Aber immerhin rund 2,5 Millionen Kubikmeter werden im Hobbybereich verwendet.

Die deutsche Torfindustrie wurde mittlerweile auch im Baltikum und in Russland fündig: Zwei Drittel aller Importe kommen heute aus Estland, Lettland und Litauen. Niedrige Arbeitslöhne und vielfach wirkungslose oder nicht vorhandene Naturschutzvorschriften machen den Torfabbau im Osten zu einem lukrativen Geschäft. Der BUND Naturschutz fordert daher ein sofortiges Verbot des Torfeinsatzes im privaten Bereich. Für den gewerblichen Bereich müssen zügig Alternativen erarbeitet werden.


Klimawandel und Nährstoffeinträge schaden den Mooren

Zu den aktiv vom Menschen verursachten Gefährdungen von Mooren kommen noch zwei weitere, indirekt verursachte Gefahren hinzu:

  • Nährstoffeinträge und
  • der Klimawandel.

Nährstoffeinträge und der Klimawandel führen dazu, dass Moorspezialisten verdrängt werden: Pflanzenarten, die an das kühle und nasse Klima sowie die Nährstoffarmut von Hochmooren angepasst sind, droht es zu warm, zu trocken und zu nährstoffreich zu werden. Der Konkurrenzdruck steigt und oft werden die Moorspezialisten durch mineralsalzbedürftigere und nährstoffliebende Arten verdrängt. Die Vegetation ändert sich und am Ende bilden sich Wälder, die nichts mehr mit der ursprünglichen Moorlandschaft zu tun haben.

Die Veränderungen sind schon zu sehen: Laut Bayerischer Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) haben sinkende Moorwasserspiegel in den bayerischen Hochmooren schon deutliche negative Folgen. So dringen Fichten und andere Baumarten mittlerweile immer weiter in Hochmoore vor, während die moortypische und gefährdete Spirke und der Anteil potenziell torfbildender Kraut- und Moosvegetation stetig abnehmen. Die Klimaszenarien für die kommenden 80 oder 90 Jahre lassen weitere negative Veränderungen befürchten. Schon heute stehen mehr als drei Viertel der Pflanzenarten, die in Hochmooren wachsen, auf der Roten Liste.

Mit den Pflanzen ändert sich auch die Tierwelt. Seltene Schmetterlingsarten, Libellen und Käfer könnten für immer verschwinden, wenn die letzten Moore nicht zügig und konsequent geschützt und renaturiert werden.