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Erfolgreicher Moorschutz in Bayern

Seit über 90 Jahren schützt der BUND Naturschutz Moore in Bayern. Heute sind wir in mehr als 50 Moorschutz-Projekten im ganzen Freistaat aktiv, die Hälfte davon im Alpenvorland und oft auf eigenen Flächen. Möglich machen das Tausende ehrenamtliche Arbeitsstunden. Hier zeigen wir, was wir konkret tun und wo wir aktiv sind.

Über 50 Moorschutz-Projekte in Bayern

Mehr als 50 Moorschutz-Projekte betreut der BN inzwischen bayernweit, die Hälfte davon im Alpenvorland und oft auf eigenem Grund. Schon 1933 kaufte der Verband ein 6,5 Hektar großes Niedermoor an der Gfällach. 2008 gewannen die BN-Ehrenamtlichen für ihr Moorengagement den mit 20.000 Euro dotierten Cipra-Preis cc.alps.

Murnauer Moos gerettet

Das Murnauer Moos bei Garmisch-Partenkirchen zählt zu den bedeutendsten Moorkomplexen Europas; auf etwa einem Zehntel der Fläche liegen intakte Hochmoore mit bis zu 25 Metern Mächtigkeit. Dass es naturnah blieb, ist vor allem der BN-Aktivistin Ingeborg Haeckel zu verdanken, die Torfabbau und Müllverbrennungsanlage stoppte und sich erfolgreich für ein Naturschutzgebiet einsetzte.

Niedermoorverbund bei München

Im Erdinger, Freisinger und Dachauer Moos, dem zweitgrößten Niedermoor Süddeutschlands, läuft von 2023 bis 2027 das Projekt Niedermoorverbund. Es ermöglicht Flächenankäufe, Artenschutz und Wiedervernässung und wird vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert. Im Palsweiser Moos kaufte der BN zuvor über 26 Hektar Moorfläche.

Moorschutz hat im BUND Naturschutz Tradition: Bereits 1933 hat der BN im Erdinger Moos Moorflächen an der Gfällach gekauft, es war der zweite Grundstücksankauf des BN seit seiner Gründung 1913 (Historie). Heute bilden diese Flächen eines der ältesten Naturschutzgebiete Bayerns: das Naturschutzgebiet Gfällach. Durch jährliche Pflegemaßnahmen schützt der BN dort gefährdete Arten. Um die negativen Folgen von Entwässerung und Wasserableitungen rückgängig zu machen, soll die Gfällach wiedervernässt werden: für Artenvielfalt und Klimaschutz.

Wie wir Moore schützen

Naturnahe Niedermoore und insbesondere Hoch- und Übergangsmoore sind unersetzliche Orte der Artenvielfalt. Außerdem sind sie von großer Bedeutung für den Klimaschutz. Wo immer also in Bayern oder Deutschland Moorrelikte die Zeit überdauert haben, verdienen sie bestmöglichen Schutz – aus Verantwortung für unser Klima ebenso wie zum Schutz der hochspezialisierten Tiere und Pflanzen, die im Moor leben. Für den Schutz des Lebensraums Moor setzen wir auf vielfältige Maßnahmen:

  • Wiedervernässen: Wasser zurück ins Moor
    Ein Moor wächst nur, wenn es dauerhaft nass ist. Deshalb verschließen wir Entwässerungsgräben damit wieder ein dauerhafter Wasserüberschuss entsteht. Bayernweit ist das der wichtigste Hebel, weil viele Moore über Jahrzehnte entwässert wurden.
  • Pflegen und Mähen: Offenes Moor erhalten
    Auf entwässerten Flächen wachsen Bäume und Sträucher auf. Wir entfernen sie und mähen Streuwiesen. So bleiben Lebensräume für Moorarten offen.
  • Wissenschaftliche Begleitung des Moorwachstums.
  • Flächen kaufen: Moor dauerhaft sichern
    Wer eine Fläche besitzt, kann sie schützen. Der BN erwirbt Moorflächen und pflegt sie langfristig.
  • Moorschonend wirtschaften: Nutzung und Schutz verbinden
    Besonders auf Niedermooren ist Grünland statt Acker entscheidend. Wird der Boden umgebrochen, setzt er große Mengen klimaschädlicher Gase frei. Der BN entwickelt deshalb beispielsweise Konzepte für die extensive Beweidung von Niedermoorflächen.
  • Grenzen, langer Atem und Mittel
    Renaturierung ist aufwendig und hat Grenzen. Zu stark geschädigte Moore erreichen ihren Urzustand nicht mehr. Torfschichten brauchen Tausende von Jahren, um nachzuwachsen. Trotzdem lohnt es sich, auch stark degradierte Moore weniger intensiv zu nutzen, denn auch dadurch reduzieren sich bereits die klimaschädlichen Emissionen.
  • Finanzmittel beschaffen: Auch finanziell muss "Moorschutz “gestemmt” werden: Flächen müssen gekauft, Planer*innen und Gutachter*innen bezahlt, sowie Maschinen geliehen werden. Auch wenn Moorschutz-Projekte in Bayern teilweise gefördert werden: Jede öffentliche finanzielle Förderung kostet den BN einen Eigenanteil von zehn bis 50 Prozent.

Unser erfolgreicher Moorschutz in Bayern

Heute betreuen die Ehrenamtlichen des BN etwa 50 Moorschutz-Projekte in ganz Bayern, die Hälfte davon im Alpenvorland und oft auf eigenen Flächen. 2008 haben sie dafür sogar den mit 20.000 Euro dotierten Hauptpreis im Cipra-Wettbewerb cc.alps gewonnen.

Murnauer Moos

Zu den erfolgreichsten Moorschutz-Projekten des BUND Naturschutz gehört sicherlich die Rettung des Murnauer Mooses. Der Moorkomplex ist ein lebendiges Mosaik aus Groß- und Kleinseggenrieden, kalkreichen Sümpfen und Altwassern, Feucht- und Streuwiesen aber auch vereinzelten Kalktrockenrasen. Die Krönung sind jedoch auf etwa einem Zehntel der Fläche intakte Hochmoore mit Mächtigkeiten bis zu 25 Metern.

Trotz Bergbau, Torfstich, Landwirtschaft und anderen Nutzungsansprüchen blieb das Murnauer Moos bis heute eine sehr naturnahe Kulturlandschaft. Das ist vor allem das Verdienst der BN-Aktivistin Ingeborg Haeckel, Lehrerin in Murnau und Enkelin des berühmten Biologen Ernst Haeckel. Jahrzehntelang kämpfte sie an allen Fronten für die Moorlandschaft. Manchmal vergeblich, wie beim Bau der Autobahn, meist aber erfolgreich: Gestoppt wurde etwa der Abbau von Torf und Sandstein mitten im Moor sowie eine Müllverbrennungsanlage. Auch eine Flurbereinigung samt weiterer Trockenlegung von Moorflächen konnte die energische Naturschützerin abwenden.

Auf Haeckels Initiative gehen auch der Kauf wichtiger Grundstücke und die Ausweisung des Naturschutzgebietes Murnauer Moos zurück. Damit schuf sie – gemeinsam mit vielen Mitstreiter*innen – die Basis für das großzügig geförderte Naturschutzgroßprojekt Murnauer Moos (1992–2003). Es bezog benachbarte Gebiete wie die Loisach- und Staffelseemoore sowie das Ostermoos ein und versöhnte die Interessen von Fremdenverkehr, Landwirtschaft und Ökologie.

Donauried

In Donauried bewahrt und entwickelt der BUND Naturschutz Niedermoorflächen im großen Stil. Das Mertinger Ried mit seinem Kerngebiet, der Mertinger Höll, zählt zu den letzten ursprünglichen Wiesengebieten im schwäbischen Donauried. Auf 25 Quadratkilometern erstreckt sich das Niedermoorgebiet zwischen Donauwörth und Dillingen. Hier hat der BN seit den 1970er-Jahren fast 100 Hektar Fläche angekauft und vor der Zerstörung bewahrt. Flugplatz, Atomkraftwerk oder Magnetschwebebahn-Teststrecke – Regierung und Investoren hatten viele Pläne, die unbebaute Ebene zu nutzen. Sie scheiterten am Widerstand engagierter Naturschützer*innen. Heute organisiert die Kreisgruppe Donauries die Bewirtschaftung der BN-eigenen Flächen. 

Seltene Arten profitieren vom BN-Engagement: Die feuchten Wiesen des Mertinger Rieds sind heute Heimat für Brachvogel, Kiebitz und viele andere seltene Vogelarten. Auch Schmetterlinge wie die Färberscharteneule, der Riedteufel oder der Dunkle Wiesenkopf-Ameisenbläuling profitieren hier vom größten Flächenankauf in der Geschichte des BN.

Deininger Moos

Der Moorkomplex südlich des Deiniger Weihers, das Deininger Moos, bildet die größten Flächen an Hoch- und Übergangsmooren im Landkreis München. Dort kommen Raritäten wie die Strauchbirke oder der Hochmoor-Perlmuttfalter vor. Das Moos liegt im Nordteil des Naturraumes Ammer-Loisach-Hügelland in den Landkreisen München und Bad Tölz/Wolfratshausen.

Der BN hat im Deininger Moos auf einem verbandseigenen Grundstück über 1.000 Bäume entnommen und zur Renaturierung des Moorkörpers Dämme an den Entwässerungsgräben errichtet. Diese Maßnahmen dienen dem Klimaschutz und der Biodiversität gleichermaßen.  Der BUND Naturschutz ist mit 4,24 Hektar einer der größten Eigentümer des 17 Hektar umfassenden Moorkomplexes im Landkreis München.

Erdinger, Freisinger und Dachauer Moos

Am nördlichen Rand der Münchner Schotterebene erstreckt sich mit dem Erdinger, Freisinger und Dachauer Moor bis zum Maisacher Moos das zweitgrößte Niedermoor Süddeutschlands. Noch gibt es hier sehr wertvolle naturnahe Reste mit einem hohen Reichtum moortypischer Arten, viele davon sind gefährdet. Ihrem Erhalt und der Wiederherstellung typischer Lebensräume widmet sich der BUND Naturschutz mit verschiedenen Projekten.

Im Freisinger Moos hat der BN ein Beweidungsprojekt initiiert: Vor allem auf Niedermoorflächen ist es wichtig, nur sehr schonend Landwirtschaft zu betreiben. Statt auf Ackerbau, sollte dort auf Grünland gesetzt werden, denn durch den Umbruch von Moorflächen werden große Mengen von klimaschädlichen Gasen frei. Deshalb erstellte der BN ein Beweidungskonzept, das die Erhaltung des Grünlandes im Freisinger Moos durch extensive Beweidung zum Ziel hat. Weidetiere fressen das Gras und produzieren dabei umweltschonend Fleisch.

Wie das geht, zeigt der Daschingerhof der Familie Kratzer (Bioland). Mit ihren Freisinger-Moos-Weiderindern erzeugen sie seit 1991 hervorragendes Fleisch und erhalten gleichzeitig artenreiche Feuchtwiesen im Freisinger Moos. Das freut die vielen Wiesenbrüter, den Feuerfalter und die Lichtnelken und erlaubt einen höheren Grundwasserstand als unter Ackerflächen. Bei der Vermarktung des biologischen, artgerecht erzeugten und „naturschutzzertifizierten“ Fleisches unterstützt der BUND Naturschutz die Kratzers.

Im Palsweiser Moos, einem Teil des Dachauer Mooses, hat der BN von 2013 bis 2020 im Rahmen eines von der Regierung von Oberbayern geförderten Biodiversitätsprojektes über 26 Hektar Moorfläche gekauft, umfangreiche Artenschutzmaßnahmen durchgeführt und Arten wie den Baumpieper neu oder wieder entdeckt. Mehr Informationen und Termine beim BN Dachau, BN Freising und BN Erding.